Die Negation im Swahili


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Was ist Negation

III. Entwicklung der Negation und Ableitung aus dem Urbantu

IV. Affirmative und ihre Negation
IV.1 Die Negation mit -si-
IV.2 Die Negation mit ha-
IV.3 Paradigma der negativen Tempora

V. Die Zeiten und ihre Negation
V.1 Die i-Zeit
V.2 Die ku-Zeit
V.3 Die ja-Zeit
V.4 Die ta-Zeit

VI. Sonderformen
VI.1 Die Negation der ki-Zeit
VI.2 Die Negation der nge- und ngali-Zeit
VI.3 Die Negation des Konjunktiv
VI.4 Die Negation des Imperativ
VI.5 Die Negation der Kopula ni
VI.6 Die Negation von -na 'Haben'
VI.7 Die Negation des Infinitiv
VI.8 Die Negation der adverbialen Bestimmung des Ortes
VI.9 Die Negation des Relativsatzes

VII. Die Negation des Unerwarteten

VIII. Schlussbemerkung

IX. Anhang
IX.1 Verzeichnis der Literatur
IX.2 Verzeichnis der Tabellen
IX.3 Verzeichnis der Beispiele

I. Einleitung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine umfassende Darstellung der Negation im Swahili. Dabei kann es nicht genügen, alle grammatikalischen Formen der Affirmation beziehungsweise deren negatives Äquivalent aufzulisten und gegebenenfalls zu erläutern. Vielmehr ist auch eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Negation als semantische Kategorie notwendig. Dabei wird schließlich festgestellt werden, dass Affirmation und Negation durchaus unterschiedliche kommunikative Konzepte vertreten. Diesem Aspekt der Negation ist ein eigenes Kapitel gewidmet.[1]

Im weiteren Verlauf erfolgt ein kurzer Exkurs über die Entwicklung der Negationspartikel des Swahili aus dem Urbantu.

Eine Auflistung der Negationen der wesentlichen Zeitformen und eine Erörterung der Sonderformen[2] runden die Arbeit inhaltlich ab.

II. Was ist Negation

Im Swahili findet sich eine deutliche Asymmetrie zwischen dem Affirmativ und seiner Negation. Dazu gibt es eine These, die im wesentlichen zwei Argumente beinhaltet.

1. Die Negation ist im Allgemeinen semantisch nicht parallel zum Affirmativ.
2. Affirmative und negative Zeiten bedienen im Swahili konzeptuelle Bereiche, die zueinander nicht isomorph sind.[3]

Die Negation ist nicht einfach nur eine Negierung der Aussage in sprachlicher Hinsicht, sie erfüllt auch auf logischer Ebene eine abweichende Funktion. Es besteht also eine Differenz zwischen der sprachlichen und der semantischen Ebene, die implizit nicht erkannt wird.

Affirmative werden verwendet, um Informationen zu übertragen, ungeachtet der Aufmerksamkeit des Hörers. Negative werden verwendet, um Fehlannahmen zu korrigieren, die auf Fehlinterpretationen des Hörers beruhen.[4] Affirmative und Negative befriedigen also verschiedene kommunikative Bedürfnisse.

Wenn dies jedoch der Fall ist, so ergibt sich die Frage, ob sie sich nicht auch inhaltlich unterscheiden?

Eine interessante Rolle spielt die Zeitlichkeit der Ereignisse. Affirmative werden über einen spezifischen Zeitpunkt ausgesagt, negative Elemente erstrecken sich über eine Zeitspanne.[5] Demnach kann man fragen:

(1) Wann ist Michael angekommen?

Es macht jedoch wenig Sinn, zu fragen:

(2) Wann ist Michael nicht angekommen?[6]

Das Nichtvorhandensein genauer zeitlicher Definitionen scheint also ein Charakteristikum für negative Elemente zu sein und macht damit die Differenz zum Affirmativ aus.[7]

Eine Analyse einer Quellensammlung des Swahili[8], bei der die Verben anhand ihrer lexikografischen Bedeutung in statisch (z.B. -weza 'können') und dynamisch (z.B. -enda 'gehen') unterteilt wurden, ergab folgende Ergebnisse:

Statische Verben unterscheiden sich von Dynamischen im Hinblick auf ihre zeitliche Definition. Ebenso verhält es sich mit negativen und affirmativen Verben.

statisch dynamisch indeterminiert Summe

Affirmative 33% 61% 6% 100%

Negative 63% 28% 9% 100%

Tabelle 1: Häufigkeit der finiten Verben im Swahili.[9]

Sprecher des Swahili verwenden also dynamische Verben hauptsächlich in der affirmativen Form und statische Verben eher in der negativen Form.

Eine weitere Untersuchung mit den Verben der na- und me-Zeiten zeigt, dass gewisse Verben eine statistische Vorliebe für eine der beiden Zeiten bilden. Diese Verben bilden zwei semantische Klassen:

(1) Diejenigen, die die na-Zeit bevorzugen, bestehen in erster Linie aus statischen Verben (z.B. -jua 'wissen', -elewa 'verstehen') und homogenen, dynamischen, ohne intrinsische Grenze (z.B. -fanya 'machen', -sema 'sagen'), (2) jene, welche die me-Zeit bevorzugen aus Ereignissen, die eine Statusänderung beschreiben (z.B. -isha 'enden', -pata 'erhalten'). Es wäre zu erwarten, dass sich dieser Trend in der Negation fortsetzt. In der Untersuchung bestätigte jedoch nur etwa die Hälfte der Verben diese Erwartung. Daraus lässt sich schließen, dass die semantische Bedeutung im Negativ nicht die selbe ist, wie im Affirmativ.[10]

Der semantische Unterschied zwischen Affirmativ und Negativ kann also nicht auf eine Differenz auf der Kommunikationsebene beschränkt werden. Was das Swahili betrifft, so scheinen Affirmativ und Negativ unterschiedliche semantische Konzepte zu realisieren.[11]

III. Entwicklung der Negation und Ableitung

aus dem Urbantu

"Die sogenannte absolute Verneinungspartikel lautet im Suaheli bekanntlich ha (ha-tu-pendi 'wir lieben nicht'); sie wird von Meinhof über kha auf Urbantu nka zurückgeführt. Letztere Verbindung muß sehr früh aus ni-ka hervorgegangen sein, worin wir ka als das eigentliche negative Element, ni als ein verstärkendes Element, dessen Deutung zunächst noch dahingestellt sei, zu erkennen glauben."[12]

Dieses ha ist im Swahili durch eine Verstärkung der Aspiration aus kha entstanden, das wiederum durch Verlust des Nasals aus nka hervorging.[13] Diese Entwicklung tritt hauptsächlich bei häufig verwendeten Formen auf.

(3) hamwona 'und ich sah ihn' < khamwona < nkamwona < ni-ka-mw-ona

(4) hipiga 'indem ich schlage' <khipiga < nkipiga < ni-ki-piga[14]

Einen Sonderfall bildet das Negationspartikel si. Es erfüllt im Swahili zwei Funktionen:

1. als absolutes Verneinungspartikel in der 1. Person Singular

2. als bedingtes Verneinungspartikel nach vorangestelltem, konjunktem Personalpronomen aller Personen bzw. Klassen.[15]

Zur Entwicklung der ersten Funktion:

Ein Vergleich der Sprachen ZIGULA, SENA und SWAHILI ergibt, dass si aus nki entstanden sein muss. Als Urform für si lässt sich ni-ka-ni ansetzen. Die Entwicklung sieht also folgendermaßen aus: ni-ka-ni > nka-ni > nki > si.[16] Daraus ergibt sich folgendes Paradigma des negativen Präsens im Swahili:

URBANTU SWAHILI

ni-ka-ni ('ich') –tendi > si-tendi 'ich tue nicht'

ni-ka-yu-tendi > hu-tendi 'du tust nicht'

ni-ka-ya-tendi > ha-tendi 'er tut nicht'

ni-ka-ti-tendi > ha-tu-tendi 'wir tun nicht'

ni-ka-mi-tendi > ha-m-tendi 'ihr tut nicht'

ni-ka-va-tendi > ha-wa-tendi 'sie tun nicht'

Tabelle 2: Paradigma des negativen Präsens im Swahili.[17]

Zur Entwicklung der zweiten Funktion:

Das bedingte Verneinungspartikel si steht im Swahili in den Konjunktivformen sowie als negative Kopula für alle Personen und Klassen.

(5) ni-si-tende 'ich möge nicht tun'

u-si-tende 'du mögest nicht tun'

a-si-tende 'er möge nicht tun' usw.[18]

Die Herleitung dieses si erfolgt ebenfalls aus nki < ni-ka-ni. Allerdings bedeutet das zweite ni hier nicht mehr 'ich', sondern nimmt die Funktion eines allgemeinen Demonstrativ an. Es besteht nun die These, dass beide ni phonetisch und dem Wesen nach völlig identisch sind. Das würde bedeuten, dass neben dem Pronominalstamm der 1. Person Singular (mi-) ein Demonstrativum ni die Rolle des Personalpronomens der 1. Person Singular übernommen hat.[19]

Diese These wird auch bestätigt durch:

(6) Ali ni tajiri 'Ali ist ein Kaufmann.'[20]

Mit einem Personalpronomen als Prädikatsnomen, das aber das Verbalpartikel li 'sein' einschieben muss:

(7) 'es ist ich, ich bin es' ndi-mi < n-li-mi < ni-li-mi[21]

Möglicherweise können die Verneinungspartikel auch Reste alter Verben sein.[22] Eine Erörterung dieser Frage würde allerdings den gegebenen Rahmen sprengen.

IV. Affirmative und ihre Negation

Im Gegensatz zu den Affirmativen gestaltet sich der Bereich der Negative weitaus weniger komplex und bietet eine geringere Formenvielfalt. Es finden sich nur zwei Arten der Negation. Die Negation mit -si- und diejenige mit ha-.[23]

IV.1 Die Negation mit -si-

"Das Negativmorphem -si- findet im Swahili bei Relativsätzen, mit dem SUBJUNKTIV [...] und im Bereich der einfachen finiten Verben mit den TAM-Präfixen -nge- und -ngali- Verwendung.

Diese Kombination kann als einfache logische Negation der Affirmationspräfixe mit den entsprechenden Informationen über Tempus, Aspekt und Modalität angesehen werden, [...]."[24]

(8) Upeo wa umaskini mbaya usingalikuwapo; kwa sababu pangalikuwa na njia ya kuuzuia.

'Die Spitze der schlimmen Armut wäre nicht da, weil es gute Wege gäbe, sie abzuwenden.'[25]

IV.2 Die Negation mit ha-

"Die Negation mit ha- funktioniert mit einem eigenen Satz von TAM-Morphemen und einem eigenen System der Informationsbündelung.

Die aspektuellen Unterschiede, die im affirmativen Bereich für eine Anzahl von Formen verantwortlich sind, sind in der Negation aufgehoben. Eine mögliche Ursache dafür mag sein, daß Situationen, die nicht stattfinden, auch keine innere zeitliche Struktur haben können, sich also dem Imperfekt per se verschließen.

[...]


[1] Kapitel II – Was ist Negation?

[2] Eine Definition des Begriffs Sonderformen erfolgt in Kapitel VI – Sonderformen.

[3] Aus CONTINI, Seite 165.

[4] Aus CONTINI, Seite 168. Zitiert nach einem Aufsatz von Talma Givón 'Negation in language: pragmatics, function, ontology' aus dem Jahr 1975. Erschienen in Working Papers in Language Universals, Nummer 18 der Standford University.

[5] Aus CONTINI, Seite 168/169.

[6] Aus CONTINI, Seite 169.

[7] Aus CONTINI, Seite 169.

[8] Siehe CONTINI, Seite 169.

[9] Aus CONTINI, Seite 169.

[10] Nach CONTINI, Seite 171.

[11] Nach CONTINI, Seite 172.

[12] Zitat aus JENSEN, Seite 111.

[13] Nach JENSEN, Seite 112.

[14] Aus JENSEN, Seite 112.

[15] Aus JENSEN, Seite 112.

[16] Nach JENSEN, Seite 113.

[17] Aus JENSEN, Seite 114.

[18] Aus JENSEN, Seite 114.

[19] Nach JENSEN, Seite 115.

[20] Aus JENSEN, Seite 115.

[21] Aus JENSEN, Seite 115.

[22] Nach JENSEN, Seite 117.

[23] Aufgrund der ausführlichen Darstellung in MIEHE, Kapitel 3, Seite 118-120, wurde in diesem Bereich auf eine eigenständige Darstellung verzichtet.

[24] Zitat aus MIEHE, Seite 118.

[25] Aus MIEHE, Seite 118.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Negation im Swahili
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Afrikanistik)
Veranstaltung
Strukturkurs Swahili
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V8741
ISBN (eBook)
9783638156356
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr dichte Arbeit - einzeiliger Zeilenabstand. 314 KB
Schlagworte
Negation, Swahili, Strukturkurs
Arbeit zitieren
Marc Seifert (Autor), 2001, Die Negation im Swahili, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8741

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