Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren Geschichten, die ihnen vorgelesen werden, direkt und nach zwei Stunden wiedergeben. Untersucht wird gleichzeitig, ob sich Kinder gleichen Alters bezüglich ihres Sprachentwicklungsstandes unterscheiden und inwieweit dies einen Einfluss auf ihr Textgedächtnis hat. Dabei orientierten wir uns insbesondere an der Theorie von Kintsch.
Nach dem Textverstehensmodell von Van Dijk und Kintsch (1983) resultiert die Mikrostruktur eines Textes aus einer Kohärenzanalyse, „wobei die elementaren Propositionen eines Textes zu einer hierarchischen Struktur zusammengefügt werden“ (Kintsch, 1994, 41). Die Mikrostruktur eines Textes entspricht dem Stoff für weitere Verarbeitungsschritte und bestimmt demnach die Herausarbeitung der Makrostruktur. So ist beispielsweise das Verstehen wissensintensiv, da hier sowohl adäquates Wissen, als auch Enkordierungsstrategien wichtig sind. Die entscheidende mentale Repräsentation entspricht dem Situationsmodell. Dieses zeigt, was ein Text über bestimmte Situationen aussagt und zieht Schlüsse aus dem Verhältnis der Information des Textes zu dem Vorwissen des Kindes. Es ist die psychologisch realisierte Bedeutungsvorstellung (Repräsentation) dessen, worüber der Text eine Aussage trifft. Van Dijks und Kintschs Modell (1983) befasst sich mit den mentalen Kalkulationen, die nötig sind, um verschiedene Text- und Situationsrepräsentationen aufzubauen. Der Gegenstandsbereich der Theorie ist vor allem die Konstruktion von Bedeutungseinheiten (Propositionen), die Rolle des begrenzten Arbeitsgedächtnisses und die Erleichterung des Verständnisses durch eine konventionelle und schematische Textstruktur. Die Propositionen ergeben ein hierarchisch aufgebautes Netz, was die Textbasis bzw. die mentale Repräsentation des Textes darstellt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Methode
III. Ergebnisse
IV. Diskussion der Ergebnisse
V. Anhang
Tabelle 1 Propositionen zur Erzählgeschichte Lufttaxi
Tabelle 2 Propositionen zur Sachgeschichte „Fastnacht, Fasching Karneval“
Diagramm 1 Erzählgeschichte „Lufttaxi“ 1. Wiedergabe – unmittelbar nach der Präsentation
Diagramm 2 Erzählgeschichte „Lufttaxi“ 2. Wiedergabe – 2 Stunden später
Diagramm 3 Sachgeschichte „Fastnacht, Fasching, Karneval“ Wiedergabe unmittelbar nach der Präsentation
Tabelle 3 Mittelwertsdifferenzen zw. wörtlicher und nicht wörtlicher Instruktion in Parametern der Geschichtenwiedergaben
Tabelle 4 Mittelwertsdifferenzen zwischen Erzähl- und Sachgeschichte (Lufttaxi vs. Fasching)
VI. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Spracherwerb und das Textgedächtnis bei Kindern im Alter von sieben bis zehn Jahren, wobei der Fokus auf dem direkten und zeitverzögerten Wiedergeben vorgelesener Geschichten liegt. Dabei wird insbesondere geprüft, welchen Einfluss der Sprachentwicklungsstand der Kinder auf ihre Gedächtnisleistung hat und wie sich unterschiedliche Textgattungen (Erzählgeschichten vs. Sachgeschichten) auf das Behalten auswirken.
- Analyse des Textverstehensmodells nach Van Dijk und Kintsch
- Empirische Untersuchung des Textgedächtnisses bei Kindern
- Vergleich von wörtlichem Behalten und inhaltlichem Verständnis
- Einfluss der Textgattung (Erzählgeschichte vs. Sachgeschichte)
- Überprüfung der Processing-Shift-Hypothese und der pragmatischen Sichtweise
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren Geschichten, die ihnen vorgelesen werden, direkt und nach zwei Stunden wiedergeben. Untersucht wird gleichzeitig, ob sich Kinder gleichen Alters bezüglich ihres Sprachentwicklungsstandes unterscheiden und inwieweit dies einen Einfluss auf ihr Textgedächtnis hat. Dabei orientierten wir uns insbesondere an der Theorie von Kintsch.
Nach dem Textverstehensmodell von Van Dijk und Kintsch (1983) resultiert die Mikrostruktur eines Textes aus einer Kohärenzanalyse, „wobei die elementaren Propositionen eines Textes zu einer hierarchischen Struktur zusammengefügt werden“ (Kintsch, 1994, 41). Die Mikrostruktur eines Textes entspricht dem Stoff für weitere Verarbeitungsschritte und bestimmt demnach die Herausarbeitung der Makrostruktur. So ist beispielsweise das Verstehen wissensintensiv, da hier sowohl adäquates Wissen, als auch Enkordierungsstrategien wichtig sind. Die entscheidende mentale Repräsentation entspricht dem Situationsmodell. Dieses zeigt, was ein Text über bestimmte Situationen aussagt und zieht Schlüsse aus dem Verhältnis der Information des Textes zu dem Vorwissen des Kindes.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen des Textverstehens nach Van Dijk und Kintsch ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Wiedergabe von Geschichten bei Kindern.
II. Methode: Hier werden die Stichprobe, das verwendete Material (HSET) sowie der konkrete Ablauf der experimentellen Untersuchung im Sprachlabor beschrieben.
III. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Daten der Untersuchung, inklusive der individuellen Testergebnisse und der Auswertung bezüglich der aufgestellten Hypothesen.
IV. Diskussion der Ergebnisse: Hier werden mögliche Fehlerquellen, wie Tageszeit oder Testleiter-Effekte, reflektiert und die Ergebnisse im Kontext der Forschungsfragen interpretiert.
V. Anhang: Dieser Teil enthält die detaillierten Propositionstabellen und grafischen Auswertungen der durchgeführten Experimente.
VI. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Publikationen aufgelistet.
Schlüsselwörter
Textverstehen, Kintsch, Textgedächtnis, Propositionen, Sprachentwicklung, HSET, Gedächtnispsychologie, Erzählgeschichte, Sachgeschichte, Situationsmodell, Enkodierungsstrategien, empirische Studie, Kindesentwicklung, Verstehensprozess, Wissenskonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gut Kinder im Grundschulalter vorgelesene Geschichten direkt und zeitversetzt wiedergeben können und welche Rolle ihr individueller Sprachentwicklungsstand dabei spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf kognitionspsychologischen Modellen des Textverstehens, dem Einfluss von Textgattungen auf das Behalten sowie der empirischen Erhebung von Sprachleistungen bei Kindern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob Erzählgeschichten besser behalten werden als Wissensgeschichten und ob sich das wörtliche Behalten durch den zeitlichen Abstand zwischen Präsentation und Wiedergabe verschlechtert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung erfolgt durch eine empirische Erhebung, bei der Kindern Geschichten vorgelesen und mittels Spracherkennung aufgezeichnet werden; ergänzend wird der Heidelberger Sprachentwicklungstest (HSET) eingesetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Kintsch-Modell), die methodische Beschreibung der Testdurchführung sowie die detaillierte Ergebnispräsentation und Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Textverstehen, Propositionen, Textgedächtnis, Sprachentwicklung und das Konstruktions-Integrations-Modell nach Kintsch.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Erzähl- und Sachgeschichte eine Rolle?
Die Studie testet die Annahme, dass Erzählstrukturen kognitiv besser verarbeitet und erinnert werden können als reine Sachinformationen, die unter Umständen einen höheren oder anderen Wissensaufbau erfordern.
Wie wurde die "Wörtlichkeit" der Wiedergabe gemessen?
Die Wiedergaben wurden auf Basis von Propositionen ausgewertet, wobei die Übereinstimmung mit dem Originaltext durch einen Vergleich der erinnerten Sinneinheiten (Propositionspunkte) quantifiziert wurde.
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- Diplom-Soziologin Susann Kindel (Author), 2002, Empiriepraktikum zum Spracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87423