Beziehungen zwischen Musik und Sprache in Afrika


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Charakteristika afrikanischer Musik

3. Historische Übersicht und Vergleich der afrikanischen und abendländischen Sprachkultur

4. Was ist eine Tonsprache?
4.1. Bestimmung der Melodierichtung durch eine Tonsprache in der Vokalmusik
4.2. Silbenerweckung durch Melodien

5. Zum Begriff des Sprechtrommelns
5.1. Verhältnis von Tonsprache und Rhythmus

6. Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Beziehung zwischen Musik und Sprache in afrikanischen Ländern. Einleitend werde ich im Allgemeinen die Charakteristika afrikanischer Musik erörtern, um die wesentlichen Unterschiede und die Andersartigkeit der afrikanischen Musikauffassung im Gegensatz zur abendländischen Musikvorstellung aufzuzeigen.

Im weiteren Verlauf beschäftige ich mich mit dem Begriff der Tonsprache und Tonschrift. So verfolge ich die Fragestellung, warum die Kolonialmächte die afrikanischen Völker als schriftlose kategorisierten und schließlich durch falsche evolutionistische Gedankengänge als primitive Zwischenstufe von Mensch und Tier bedachten. Dabei lege ich eingangs eine historische Übersicht und einen Vergleich der abendländischen und afrikanischen Sprachkultur dar, um zu belegen, warum Tonsprachen entstanden sind und dass diese durchaus als Schrift im abendländischen Sinne verstanden werden können.

Im Folgenden behandle ich konkret das Verhältnis zwischen den Tonsprachen und der Musik, wobei ich auf die Funktion des Tons im Verhältnis zum Wort und auf die Bestimmung der Melodierichtung durch eine Tonsprache in der Vokalmusik eingehen werde. Darüberhinaus erläutere ich den Werdegang einer Tonsprache bis hin zur Trommelsprache. Dabei behandele ich das Sprechtrommeln und folglich das Verhältnis von Tonsprache und Rhythmus. Innerhalb der Hausarbeit finden sich verschiedene Abbildungen, wobei ich größere Exemplare im Anhang untergebracht habe, um den Textfluss nicht zu stören.

2. Allgemeine Charakteristika afrikanischer Musik

Man kann schwerlich pauschalisierend von einer einheitlichen „afrikanischen Musik“ sprechen, denn es gibt keine reine afrikanische Musik, sondern nur viele verschiedene afrikanische Musikarten, so wie es viele verschiedene afrikanische ethnische Gruppen gibt. Die Mannigfaltigkeit an Ausdrucksformen, das Produkt aus jahrhundertelangen unterschiedlich verwendeten gemeinsamen Verfahren und Bräuchen ist das wichtigste Charakteristikum der afrikanischen Musik, neben Aspekten des Stils und der Aufführungspraxis. Bedingt durch die komplexe Historie der afrikanischen Bevölkerung, „…die sich in Gesellschaften von kaum 2000 bis zu etwa 15 Millionen Menschen teilen…“[1] lässt, und etwa 700 verschiedene zum Teil sehr eng miteinander verwandte Sprachen besitzt, lässt sich die Familie der afrikanischen Musik mit der mannigfaltigen Sprachsituation vergleichen.

Jede Bevölkerungsgruppe hat ihre eigene Musik, so dass sich nur bedingt ein musikalischer Nenner für die unterschiedlichen Musikarten finden lässt. Die afrikanische Kultur hat sich vielfach mit anderen Kulturen vermischt und ergänzt. Die ethnischen Gruppen in Nordafrika, haben eher Gemeinsamkeiten mit der Sprache und Kultur der arabischen Welt, während die Völker im südlichen Afrika von der europäischen Kultur geprägt worden sind. Bedingt durch diese kulturellen Einflüsse hat sich die Musik auch dementsprechend unterschiedlich entwickelt. Man kann aber insgesamt die untereinander verwandten musikalischen afrikanischen Traditionen in einer homogenen Gruppe autochthoner afrikanischer Musik zusammenfassen, da sie sich von der afrikanisch-arabisch und afrikanisch-abendländisch geprägten Musik in bestimmten Aspekten des Stils, der Aufführungspraxis und des Brauchtums erheblich unterscheidet. Zwischen der uns vertrauten abendländischen Musik und der afrikanischen Musik bestehen demnach grundlegende Unterschiede.

Viele unterschiedliche Tonsysteme sind in den unterschiedlichen Musikarten zu finden, daher kann man von keinem einheitlichen afrikanischen Tonsystem sprechen. So können afrikanische Tonsysteme fünf, sechs, sieben und mehr Töne enthalten. Hugh Tracey entdeckte 1958 eine interessante heptatonische Leiter (Abb.1) eines Xylophons bei den Chopi in Mosambique.[2] Die Abbildung (vgl. S. 5) zeigt diese heptatonische Leiter im Vergleich zu unserer temperierten Zwölftonleiter. Man sieht, dass nur Grundton, Oktav und Quart äquivalent sind und alle anderen Töne dazwischen liegen. Ein anderes Beispiel ist die pentatonische Skala eines Xylophons der Baganda aus Uganda, wo Grundton, Oktav, Sekund und Quint mit unserer Leiter übereinstimmen.[3]

1. Abb.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die jeweiligen Tonskalen sind nicht statisch festgelegt, sondern verfügen über eine gewisse Flexibilität. Gerhard Kubik hat bei seinen Feldforschungen entdeckt, dass ein Harfenspieler dieselben Stücke von Tag zu Tag mit variierender Stimmung spielte.[4] Dieses Phänomen ist mit der grundsätzlichen Auffassung eines Afrikaners zur Musik zu erklären. Für den afrikanischen Musiker ist es durchaus dieselbe Stimmung. Es ist ihm bewusst, dass es nicht die exakte Stimmung vom Vortag ist, aber darum geht es ihm auch nicht. Es geht ihm vielmehr um den Charakter des Stückes, den Rhythmus, die Dynamik und um die Melodien, die dieses Stück ausmachen. Ein bestimmtes Stück muss nicht jedes Mal identisch klingen.

Ein weiteres besonderes Merkmal afrikanischer Musik ist die Harmonik. Diese trifft in Afrika in vielen grundverschiedenen Formen auf, da sie vor allem von den jeweiligen Tonsystemen abhängig ist. Unter diesen vielen verschiedenen harmonischen Systemen findet man eine Gemeinsamkeit. Es kommt sehr selten vor, dass man Leittonharmonik vorfindet, da die meisten afrikanischen Tonsysteme keine Septime beinhalten. Somit ist eine Modulation im abendländischen Sinn nicht denkbar. Man findet aber - neben einstimmiger Chormusik (z.B. im Sudan, in Uganda und in Nordnigeria) - ein anderes System charakteristischer Mehrstimmigkeit vor, nämlich das Gegennotenprinzip (z.B. in Südwesttanganyika), welches bei einer bestimmten Note in der

oberen Stimme, eine bestimmte Note in der unteren Stimme beansprucht. „Z.B. ‚fordert‘ ein E in der Oberstimme immer ein C in der unteren und ein D immer ein A. Ein C in der Oberstimme ‚fordert‘, wenn es nach D weiterschreitet ein E, wenn es nach E schreitet ein G.“[5] (vgl. 2. Abb.).

2. Abb.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im wesentlichsten scheint der Unterschied darin zu bestehen, dass es in der abendländischen Musik um die Erfüllung bestimmter Ideale geht. In der afrikanischen Musik wird nicht nach Idealen gesucht, sondern nach dem funktionsgebundenen Charakter eines Stückes. So variiert nicht nur die Stimmung, auch die Tongebung und Tongestaltung sind wichtige Ausdruckmittel, die sich erheblich von unserer abendländischen Art der Tongebung unterscheiden. Das abendländische Ideal ist ein ganz anderes als das afrikanische. So forderte unser afrikanisches Ideal noch bis zum 19. Jahrhundert z.B. einen reinen, Vibrato-losen Ton im Gegensatz zu einem afrikanischen Musiker, dem ein Vibrato-loser Ton fremd ist und dessen ästhetisches Ideal einen „charakteristischen“ Ton postuliert. Die afrikanischen Musiker setzen dabei viele Abstufungen in der Tongebung und Tongestaltung als Ausdrucksmittel ein. „Die Stimme eines Sängers wirkt oft belegt und verhangen, manchmal aber auch seltsam klar und leuchtend. Die Intonation, die Tonschattierungen und die Gleittöne afrikanischer Sänger lassen sich in Noten kaum ausdrücken."[6]

Weiterhin werde ich eine historische Übersicht und einen Vergleich der abendländischen und afrikanischen Sprachkultur darlegen und mich ausführlicher mit dem Begriff der Tonsprache und der Trommelsprache auseinandersetzen.

[...]


[1] Joseph H. Kwabena Nketia: Die Musik Afrikas,,er afrikanischer Musikkulturen, Wilhelmshaven 1991

[2] Gerhard Kubik : Musikgestaltung in Afrika, In: Artur Simon (hrsg.): Musik in Afrika - 20 Beiträge zur Kenntnis traditioneller afrikanischer Musikkulturen. Berlin 1983, S. 27

[3] Ebd., S. 27

[4] Gerhard Kubik : Musikgestaltung in Afrika, S. 27

[5] Gerhard Kubik : Musikgestaltung in Afrika, S. 29

[6] Ebd. , S. 29

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Beziehungen zwischen Musik und Sprache in Afrika
Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Veranstaltung
Über afrikanische Musik und ihre Wirkung
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V87512
ISBN (eBook)
9783638032841
ISBN (Buch)
9783638929554
Dateigröße
1547 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr gute Gliederung und ausgezeichnete Recherche. Durch kleine Flüchtigkeitsfehler - die hier schon berichtigt sind - nur eine 1,3 Benotung.
Schlagworte
Beziehungen, Sprache, Afrika, Wirkung, Musik, Musikwissenschaften, Musikgeschichte
Arbeit zitieren
Jacek Brzozowski (Autor), 2007, Beziehungen zwischen Musik und Sprache in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87512

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