In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Beziehung zwischen Musik und Sprache in afrikanischen Ländern. Einleitend werde ich im Allgemeinen die Charakteristika afrikanischer Musik erörtern, um die wesentlichen Unterschiede und die Andersartigkeit der afrikanischen Musikauffassung im Gegensatz zur abendländischen Musikvorstellung aufzuzeigen.
Im weiteren Verlauf beschäftige ich mich mit dem Begriff der Tonsprache und Ton-schrift. So verfolge ich die Fragestellung, warum die Kolonialmächte die afrikanischen Völker als schriftlose kategorisierten und schließlich durch falsche evolutionistische Gedankengänge als primitive Zwischenstufe von Mensch und Tier bedachten. Dabei lege ich eingangs eine historische Übersicht und einen Vergleich der abendländischen und afrikanischen Sprachkultur dar, um zu belegen, warum Tonsprachen entstanden sind und dass diese durchaus als Schrift im abendländischen Sinne verstanden werden können.
Im Folgenden behandle ich konkret das Verhältnis zwischen den Tonsprachen und der Musik, wobei ich auf die Funktion des Tons im Verhältnis zum Wort und auf die Bestimmung der Melodierichtung durch eine Tonsprache in der Vokalmusik eingehen werde. Darüberhinaus erläutere ich den Werdegang einer Tonsprache bis hin zur Trommelsprache. Dabei behandele ich das Sprechtrommeln und folglich das Verhältnis von Tonsprache und Rhythmus. Innerhalb der Hausarbeit finden sich verschiedene Abbildungen, wobei ich größere Exemplare im Anhang untergebracht habe, um den Textfluss nicht zu stören.
Man kann schwerlich pauschalisierend von einer einheitlichen „afrikanischen Musik“ sprechen, denn es gibt keine reine afrikanische Musik, sondern nur viele verschiedene afrikanische Musikarten, so wie es viele verschiedene afrikanische ethnische Gruppen gibt. Die Mannigfaltigkeit an Ausdrucksformen, das Produkt aus jahrhundertelangen unterschiedlich verwendeten gemeinsamen Verfahren und Bräuchen ist das wichtigste Charakteristikum der afrikanischen Musik, neben Aspekten des Stils und der Aufführungspraxis. Bedingt durch die komplexe Historie der afrikanischen Bevölkerung, „…die sich in Gesellschaften von kaum 2000 bis zu etwa 15 Millionen Menschen teilen…“ lässt, und etwa 700 verschiedene zum Teil sehr eng miteinander verwandte Sprachen besitzt, lässt sich die Familie der afrikanischen Musik mit der mannigfaltigen Sprachsituation vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Charakteristika afrikanischer Musik
3. Historische Übersicht und Vergleich der afrikanischen und abendländischen Sprachkultur
4. Was ist eine Tonsprache?
4.1. Bestimmung der Melodierichtung durch eine Tonsprache in der Vokalmusik
4.2. Silbenerweckung durch Melodien
5. Zum Begriff des Sprechtrommelns
5.1. Verhältnis von Tonsprache und Rhythmus
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die engen Wechselwirkungen zwischen Musik und Sprache in afrikanischen Kulturen, wobei der Fokus insbesondere auf den Tonsprachen und deren Einfluss auf musikalische Kompositionsprinzipien sowie die Entwicklung der Trommelsprache liegt.
- Charakteristika und Vielfalt der afrikanischen Musiktraditionen
- Historischer Vergleich afrikanischer und abendländischer Sprachkulturen
- Die funktionale Rolle der Tonsprache in der Vokalmusik
- Phänomene wie Sprechtrommeln und Silbenerweckung
- Rhythmische Einflüsse durch sprachliche Strukturen
Auszug aus dem Buch
Zum Begriff des Sprechtrommelns
Das Sprechtrommeln dient vornehmlich der Mitteilung von bestimmten Botschaften. Dabei werden allgemein sprachliche Mitteilungen benutzt, die nicht allzu kompliziert sind. Die Yoruba in Nigeria benutzen das Sprechtrommeln für ihre metaphorischen oriki Gedichte zum Besingen von Königen und anderen gesellschaftlich bedeutenden Männern. Das hierfür gebrauchte Instrument ist die größte und wichtigste der Sanduhrtrommeln der Yoruba, die iya-ilu (Muttertrommel), welche einen Oktavumfang erreicht. Die etwas kleinere Trommel ist die kanangó (vgl. 7. Abb.), eine kleine, sanduhrförmige Trommel der Yoruba, welche einen Tonumfang von einer Quint hat. Anhand der folgenden Abbildung kann man einige Beispiele getrommelter Wörter entnehmen. Das Instrument eignet sich deswegen so gut für das Sprechtrommeln, da die Tonhöhe veränderbar ist und man auch Glissandi spielen kann, was getrommelt noch „gesprochener“ klingt. Dadurch können alle Sprachtöne und rhythmische Eigenschaften der Yoruba-Wörter imitiert werden. Die getrommelten Wörter sind meistens mehrdeutig, aber trotzdem aus dem Zusammenhang sinnvoll nachvollziehbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Vergleich zwischen afrikanischer und abendländischer Musikauffassung sowie die Relevanz von Tonsprachen.
2. Allgemeine Charakteristika afrikanischer Musik: Dieses Kapitel zeigt auf, dass es keine einheitliche afrikanische Musik gibt, sondern eine Vielfalt, die durch ethnische Gruppen und kulturelle Historie geprägt ist.
3. Historische Übersicht und Vergleich der afrikanischen und abendländischen Sprachkultur: Hier wird die koloniale Sichtweise auf afrikanische Schriftlosigkeit kritisch hinterfragt und die Trommelsprache als alternative Form der Kodifizierung diskutiert.
4. Was ist eine Tonsprache?: Das Kapitel definiert Tonsprachen als Systeme, in denen die relative Tonhöhe die Bedeutung von Wörtern und grammatischen Formen mitbestimmt.
4.1. Bestimmung der Melodierichtung durch eine Tonsprache in der Vokalmusik: Diese Sektion analysiert, wie sprachliche Tonverläufe die melodische Gestaltung in vokalen Kompositionen zwingend vorgeben.
4.2. Silbenerweckung durch Melodien: Der Abschnitt behandelt das weltweite Phänomen, durch Melodiestrukturen bestimmte Silben hervorzurufen, was unter anderem zum Scat-Gesang führte.
5. Zum Begriff des Sprechtrommelns: Hier wird die Nutzung von Trommeln zur Nachrichtenübermittlung und für oriki-Gedichte bei den Yoruba beschrieben.
5.1. Verhältnis von Tonsprache und Rhythmus: Dieser Teil untersucht den rhythmisierenden Einfluss stimmhafter Konsonanten und vokalreicher Strukturen auf die afrikanische Musik.
6. Resümee: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die untrennbare Verbindung von Musik und Sprache in Afrika zusammen und reflektiert die wissenschaftliche Methodik.
Schlüsselwörter
Afrika, Musik, Tonsprache, Sprechtrommeln, Yoruba, Rhythmus, Vokalmusik, Melodie, Silbenerweckung, Kultur, Sprachmelodik, Musiktheorie, Kommunikation, Instrumente, Tradition
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Musik und Sprache innerhalb afrikanischer Kulturen und analysiert, wie sprachliche Eigenheiten die musikalische Praxis formen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Charakteristika afrikanischer Musik, die Funktion von Tonsprachen, das Sprechtrommeln und der rhythmische Einfluss von Sprache auf die Musik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Andersartigkeit afrikanischer Musikauffassungen aufzuzeigen und zu belegen, dass Tonsprachen als eine Form der Schriftlichkeit verstanden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen und musikwissenschaftliche Einzelfallanalysen (z.B. Märchenlieder der Yoruba), um die theoretischen Konzepte zu untermauern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Tonsprachen, der funktionalen Bindung von Melodien an den Textinhalt sowie dem Einsatz von Trommeln als Kommunikationsmittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tonsprache, Sprechtrommeln, Rhythmus, Yoruba und kulturelle Identität charakterisiert.
Warum wird die Trommelsprache als Schrift interpretiert?
Weil sie – weit gefasst – Zeichen nutzt, die von Menschen verwendet werden, um Mitteilungen zu übermitteln, was besonders in schriftlosen Kulturen funktional überlegen war.
Welche Rolle spielt die "Silbenerweckung" für den Musikstil?
Die Silbenerweckung durch Melodiestrukturen ist ein grundlegendes Prinzip, das sogar in westlichen Stilen wie dem Jazz (Scat-Gesang) wiederzufinden ist.
Was unterscheidet afrikanische Tonsysteme von westlichen?
Afrikanische Tonsysteme sind oft flexibel und nicht statisch; sie nutzen beispielsweise keine Leittonharmonik und sind stark an die semantische Bedeutung der Sprache gebunden.
Warum haben viele afrikanische Stämme keine Trommelsprache?
Die Fähigkeit zur Trommelsprache setzt voraus, dass die Tonhöhe innerhalb der Sprache eine tiefgreifende semantische und lexikalische Funktion ausübt.
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- Jacek Brzozowski (Author), 2007, Beziehungen zwischen Musik und Sprache in Afrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87512