Der klangliche Unterschied zwischen den Posaunen der verschiedenen Jahrhunderte ist offensichtlich, aber worin liegt er begründet? Die Konstruktion der Instrumente bietet eine Erklärung. Die Herstellungsmethoden und das verwandte Rohmaterial sind jedoch ebenfalls entscheidend. So wurden Renaissanceposaunen zum Beispiel in aller Regel nicht gelötet, sondern meist nur mit Harz verklebt, was ein Stimmen der Instrumente durch eine leichte Erwärmung der Klebestellen ermöglichte. Zudem waren die Instrumente reich mit meist silbernen Verzierungen versehen.
Auf dem ersten Blick gibt es Unterschiede, aber sind die eben genannten für den Klang entscheidend? Es bleibt also zu untersuchen, wo die genauen baulichen Differenzierungen liegen und wie sie sich auf den Klang des Instruments auswirken.
Mit Beginn der neuen Epoche, dem Barock, setzte sich eine allmähliche Spezialisierung der Musiker auf einzelnen Instrumenten durch. Wurde noch im 16. Jahrhundert von einem Musiker das Beherrschen mehrerer Instrumente verschiedener Instrumentenfamilien und -gattungen verlangt, so hob sich dies mit Beginn des 17. Jahrhunderts auf. Lediglich von den Stadtpfeifern wurde ein Beherrschen eines breiten Instrumentariums noch bis ins 20. Jahrhundert gefordert. Es stellt sich daraus die Frage, welche Fähigkeiten die Musik der Renaissance den Posaunisten ihrer Zeit abverlangte. Da der U-förmige Zug die erste Erfindung war, die einem Blechblasinstrument zu einem chromatischen Spiel in sämtlichen Lagen verhalf, ist ein reger Einsatz dieses Instruments in sämtlichen Gebieten der Musik anzunehmen. In welchen Ensembles hielt aber die Posaune erstmalig Einzug, wo durfte sie wirken oder gab es gar eine strenge Reglementierung ähnlich zu den Trompeten, die ihren Einsatz dem gemeinen Volk vorenthielt?
Schalmeien war es in der Kirche untersagt, mit der Gemeinde zusammen zu erklingen. Gab es solche Beschränkungen auch für Posaunen? In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, in die ersten Jahrzehnte der Posaune etwas Licht zu bringen. Ihre Entstehung, ihre klangentscheidenden Merkmale und ihr Vorkommen in den verschiedenen Ensembles der Renaissance sollen dazu näher betrachtet werden. Auch die Frage nach dem Reifegrad der Spieltechnik der ausübenden Musiker soll dabei tangiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ENTSTEHUNG DER POSAUNE
2.1 Frühe Vorformen und Entwicklungsschritte
2.2 Die Zugtrompete
2.3 Die Erfindung des U-förmigen Zuges
2.3.1 Der mögliche Entstehungsort Burgund
2.3.2 Der mögliche Entstehungsort Nürnberg
3. DIE POSAUNEN DER RENAISSANCE
3.1 Die Posaunenfamilie
3.2 Klangbestimmende Faktoren
3.2.1 Das Schallstück
3.2.2 Die Mensur
3.2.3 Das Mundstück
3.2.4 Die Verwendeten Materialien und ihre Verarbeitung
4. DER EINSATZ DER RENAISSANCEPOSAUNE
4.1 Instrumentale Besetzungen mit Posaune
4.1.1 Das Zusammenspiel mit dem Zink
4.1.2 Die alta capella
4.2 Die Turmmusik
4.3 Die Posaune in der Kirchenmusik der Reformationszeit
4.4 Giovanni Gabrielis Verwendung der Posaune
4.4.1 Gabrielis instrumentale Mehrchörigkeit am Beispiel der „Sonata pian e forte“ aus der Sammlung „sacrae symphoniae“
4.4.2 Gabrielis Canzonen am Beispiel der Canzon IV (C198) aus der Sammlung „canzoni et sonate“
5. DAS POSAUNENSPIEL IN DER RENAISSANCE
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die Ursprünge und den historischen Einsatz der Posaune während der Renaissance. Ziel ist es, die Entwicklung des Instruments vom ersten Auftreten bis zur Etablierung in verschiedenen Ensembles zu beleuchten, klangentscheidende bauliche Merkmale zu analysieren und die spieltechnischen Anforderungen der Epoche zu bewerten.
- Historische Herleitung und Entstehungsorte der Posaune
- Konstruktive und klangbestimmende Merkmale (Mensur, Mundstück, Material)
- Verwendung der Posaune in alta capella, Turmmusik und Kirchenmusik
- Analyse der Posaunenverwendung in Werken von Giovanni Gabrieli
- Untersuchung der historischen Spielpraxis und Zugtechnik
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Musik des 15. und 16. Jahrhunderts wird trotz abweichender Vorschläge als eine eigene Epoche in der Musikgeschichte geführt. Die Zäsur, die immer außer Frage stand, ist die des Jahres 1600. Obwohl eine Rückbesinnung mittels der Oper und der Monodie auf die Antike stattfand, die als Wesensmerkmal eher der Renaissance gerecht werden würde, werden diese Neuerungen als so entscheidend angesehen, dass mit ihnen ein neuer Zeitgeist zu betiteln ist. Zwar beginnt somit 1600 der Barock, aber die Grenzen sind nicht starr und vereinzelte Werke, die nach diesem Datum erschienen sind, werden noch der Renaissance zugesprochen.
Eine Sammlung solcher Werke ist 1615 unter dem Titel „canzoni et sonate“ in Venedig erschienen. Sie stammt von dem bereits 1612 verstorbenen Meister Giovanni Gabrieli, der in dieser und in einer weiteren berühmten Sammlung namens „sacrae symphoniae“ erstmalig zu konkreten Besetzungsangaben greift, womit er die venezianische Musik seiner Zeit geprägt hat. Sollte man diese schlagwortartig kennzeichnen, so stünde sie unter dem Titel: „Die Entdeckung des Klangs“.
Erhaltene Literatur, Bilder und Schriften belegen das Zusammenspiel von Posaunen und Geigen, Flöten, Schalmeien und Zinken. In der „Sonata pian e forte“ setzt Gabrieli sogar neben den sechs Posaunen und einem Zink eine Viola ein. Diese sonderbare Instrumentation erscheint mit den heutigen Posaunen undenkbar. Die Viola würde gerade in den Fortepassagen kaum mehr zu hören sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die zeitliche Einordnung der Renaissance und die Bedeutung der venezianischen Schule für die instrumentale Besetzungspraxis.
2. DIE ENTSTEHUNG DER POSAUNE: Dieses Kapitel diskutiert die frühen Vorformen sowie die Entwicklung des U-förmigen Zuges unter Einbeziehung der möglichen Entstehungsorte Burgund und Nürnberg.
3. DIE POSAUNEN DER RENAISSANCE: Hier werden die Posaunenfamilie sowie bauliche Faktoren wie Schallstück, Mensur, Mundstück und verwendete Materialien analysiert.
4. DER EINSATZ DER RENAISSANCEPOSAUNE: Dieser Teil befasst sich mit der Verwendung des Instruments in der alta capella, Turmmusik und Kirchenmusik sowie detailliert mit den Kompositionen von Giovanni Gabrieli.
5. DAS POSAUNENSPIEL IN DER RENAISSANCE: Dieses Kapitel erläutert die historische Spieltechnik und Zugeinteilung basierend auf Quellen wie dem Lehrwerk von Daniel Speer.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse zur Entstehung, Konstruktion und Funktion der Renaissanceposaune ab.
Schlüsselwörter
Renaissance, Posaune, Giovanni Gabrieli, Musikgeschichte, Instrumentenbau, Zugposaune, alta capella, Turmmusik, Kirchenmusik, Mensur, Spieltechnik, Nürnberg, Burgund, historische Aufführungspraxis, Zink.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung, der baulichen Charakteristik und der historischen Verwendung der Posaune in der Renaissance.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Instrumentenbaus (besonders in Nürnberg und Burgund), die akustischen Faktoren der Renaissanceposaune und deren Rolle in verschiedenen musikalischen Ensembles.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Posaune der Renaissance als Instrument zu verstehen, das sich in Bauweise und Funktion deutlich von modernen Modellen unterschied, und deren Einsatz in der Epoche wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung historischer Quellen und ikonographischer Belege sowie einer vergleichenden Analyse von Konstruktionsdaten erhaltener Instrumente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der baulichen Entwicklung, die Analyse klangbestimmender technischer Parameter und die Darstellung der spezifischen Einsatzbereiche wie der alta capella und Gabrielis Instrumentalwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Renaissance, Posaune, historische Aufführungspraxis, Instrumentenbau, Giovanni Gabrieli und alta capella.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Renaissance- und Barockposaune so wichtig?
Weil die baulichen Unterschiede, wie beispielsweise die engere Mensur und der kleinere Schallbecher, den Klang der Renaissanceposaune grundlegend veränderten und ihre Rolle im Ensemble definierten.
Wie bewertet der Autor die Virtuosität der damaligen Posaunisten?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Anforderungen zwar anspruchsvoll waren, aber auch von ambitionierten Musikern bewältigt werden konnten, wobei Ausnahmekönner wie Hans Neuschel das Instrument zur Perfektion brachten.
- Quote paper
- Robert Brix (Author), 2006, Zum Einsatz der Posaune in der Renaissancemusik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87529