Der polnische Soziologe Zygmunt Bauman beschäftigt sich in seinen Arbeiten vorrangig mit der Bedeutung der Menschen in der modernen und postmodernen Gesellschaft. Er bezieht sich darin zu einem großen Teil auf die ethischen und moralischen Belange der Menschen, welche die Grundlage meiner Arbeit darstellen werden. Ich werde deshalb auf die verschiede-nen Erklärungsansätze ethischen und moralischen Verhaltens, die Bauman in seinen Werken darlegt, eingehen.
Zunächst folgt eine grundlegende Darstellung der Ethik des Gehorsams, die auf Stanley Milgrams Experiment zur Gewaltbereitschaft basiert. Anschließend werde ich auf das Verhältnis von Tat und Moral sowie den Charakter des Bösen in der Moderne, der den moralischen Impuls verdrängte, eingehen. In Verbindung damit wird außerdem das Verhältnis von Moral und Technologie beschrieben sowie die Auswirkungen der Begriffe Sozialisierung und Sozialität. Darauf folgend werde ich die Krise der Ethik näher erläutern und außerdem, auf die Begriffe Verantwortung in der Postmoderne und Vernunft in der Moderne eingehen. Bezug nehmend zur Verantwortung entwickelte Bauman das Konzept der moralischen Partei der Zwei und das Hinzukommen eines Dritten, was ich ebenfalls darstellen werde. Nachfol-gend werden die verschiedenen Arten der sozialen Räume, in denen sich eine Person befinden kann, näher beschrieben. Abschließend werde ich mit der Darstellung der Moral als Chance sowie Baumans Ansatz einer Moraltheorie, die eine Art kurze Zusammenfassung der dargelegten Bereiche der Moral zeigt.
Zygmunt Bauman beschäftigt sich, aufgrund seines Lebenshintergrundes ausführlich mit den Geschehnissen in der Moderne und deren Auslösern. Seine Sichtweisen über die Moderne werde ich nachfolgend darstellen. In seinem Werk Dialektik der Ordnung geht Bauman auf Stanley Milgram ein, der in seinem Experiment untersuchte, wie sich Autorität auf die Gewaltbereitschaft von Menschen aus-wirkt. Bauman stellt Milgrams Ergebnisse folgendermaßen dar: „Der wichtigste Befund war wohl, daß die Bereitschaft zur Grausamkeit steigt, je größer die Distanz zum mutmaßlichen Opfer empfunden wird“. Die Probanden waren besonders ge-waltbereit, d.h. sie verpassten den ‚Opfern’ höhere Stromschläge, wenn sie keinerlei Kontakt zu den Opfern hatten. Doch nicht nur die Entfernung zwischen Proband und Opfer, sondern auch die zwischen Versuchsleiter und Proband spielt eine Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moral und Ethik in der Moderne
2.1 Ethik des Gehorsams
2.2 Das Böse
2.3 Trennung von Tat und Moral
2.4 Moral und Technologie
2.5 Sozialisierung und Sozialität
3. Moderne und Postmoderne Ansichten
3.1 Krise der Ethik
3.2 Verantwortung versus Vernunft
4. Moral und Ethik in der Postmoderne
4.1 Moralische Partei der Zwei
4.2 Das Auftauchen eines Dritten
4.3 Soziale Räume
4.4 Chance der Moral
5. Ansatz einer Theorie der Moral
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Theorien von Zygmunt Bauman bezüglich der ethischen und moralischen Strukturen in modernen und postmodernen Gesellschaften, mit einem besonderen Fokus auf die Veränderung moralischer Verantwortung und das Spannungsfeld zwischen Individuum und gesellschaftlicher Ordnung.
- Analyse des Gehorsams und der moralischen Verdrängung in der Moderne
- Gegenüberstellung von ethischen Kodizes der Moderne und individueller Verantwortung in der Postmoderne
- Untersuchung der Bedeutung sozialer Nähe und Distanz für moralisches Handeln
- Erörterung von Raumkonzepten wie dem kognitiven, moralischen und ästhetischen Raum
Auszug aus dem Buch
2.1 Ethik des Gehorsams
In seinem Werk Dialektik der Ordnung geht Bauman auf Stanley Milgram ein, der in seinem Experiment untersuchte, wie sich Autorität auf die Gewaltbereitschaft von Menschen auswirkt. Bauman stellt Milgrams Ergebnisse folgendermaßen dar:
„Der wichtigste Befund war wohl, daß die Bereitschaft zur Grausamkeit steigt, je größer die Distanz zum mutmaßlichen Opfer empfunden wird“. Die Probanden waren besonders gewaltbereit, d.h. sie verpassten den ‚Opfern’ höhere Stromschläge, wenn sie keinerlei Kontakt zu den Opfern hatten. Doch nicht nur die Entfernung zwischen Proband und Opfer, sondern auch die zwischen Versuchsleiter und Proband spielt eine Rolle. Durch das Abschotten des Opfers, entsteht ein engerer Kontakt zwischen Versuchsleiter und Proband. Das Opfer ist von dieser Gruppenbildung ausgeschlossen und wird so zum Außenseiter.
„Die Einsamkeit des Opfers erklärt sich also nicht allein aus der physischen Trennung, sondern auch aus der Gemeinschaft der Handelnden gegenüber dem Opfer. Nähe und Zusammenarbeit [...] führen zu einem [...] Gruppenbewußtsein und dem damit normalerweise verbundenen Gefühl von Verpflichtung und Solidarität.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die soziologische Betrachtung der modernen und postmodernen Gesellschaft durch Zygmunt Bauman ein und erläutert die thematischen Schwerpunkte der Arbeit.
2. Moral und Ethik in der Moderne: Hier werden die Verdrängung moralischer Impulse durch Bürokratie, Technologie und Gehorsam in der Moderne analysiert.
3. Moderne und Postmoderne Ansichten: Dieses Kapitel thematisiert die Krise der Ethik und den Wandel von vorgegebenen Regeln hin zu individueller Verantwortung.
4. Moral und Ethik in der Postmoderne: Hier wird Baumans Konzept der "moralischen Partei der Zwei" und die Rolle des Dritten sowie verschiedener sozialer Räume dargestellt.
5. Ansatz einer Theorie der Moral: Dieser Abschnitt fasst Baumans theoretischen Entwurf einer Moraltheorie zusammen, die auf zwischenmenschlicher Nähe basiert.
6. Fazit: Das Fazit zieht eine Bilanz der theoretischen Ausführungen und reflektiert die Stärken und Schwierigkeiten von Baumans Thesen.
Schlüsselwörter
Zygmunt Bauman, Moderne, Postmoderne, Ethik, Moral, Gehorsam, Verantwortung, Soziale Distanz, Moralische Partei der Zwei, Bürokratie, Technologie, Sozialisierung, Sozialität, Soziale Räume, Moralische Impulse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die soziologische Sichtweise von Zygmunt Bauman auf die ethischen und moralischen Veränderungen innerhalb der Moderne und der Postmoderne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Gehorsams, der sozialen Distanz, der Verantwortung des Einzelnen gegenüber dem Anderen sowie die Strukturierung moralischer Räume.
Welche Forschungsfrage verfolgt die Arbeit?
Es geht um die Frage, wie Moral in modernen Strukturen unterdrückt wurde und welche Chancen und neuen Anforderungen an moralisches Handeln in einer postmodernen Gesellschaft bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse von Baumans Werken (u.a. "Dialektik der Ordnung" und "Postmoderne Ethik") basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der modernen "Ethik des Gehorsams" sowie eine Untersuchung der post-modernen moralischen Anforderungen, inklusive der Rolle sozialer Räume.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Besonders prägend sind Begriffe wie "moralisches Selbst", "soziale Distanz", "Agens-Zustand" und das Konzept des "Antlitzes" des Anderen.
Welche Rolle spielt das Milgram-Experiment bei Bauman?
Das Experiment dient als Grundlage, um zu verdeutlichen, wie Autorität und die Distanz zum Opfer menschliches, moralisches Verhalten beeinflussen und neutralisieren können.
Warum ist das Auftauchen eines Dritten laut Bauman so bedeutend?
Der Dritte bringt eine soziale Ordnung und Regeln in die moralische "Partei der Zwei", wodurch das direkte, unbedingte moralische Verantwortungsgefühl durch Vernunft und Gesetze ersetzt wird.
Wie unterscheidet Bauman Moderne und Postmoderne in Bezug auf die Moral?
Während in der Moderne moralische Impulse durch bürokratische Strukturen und ethische Kodizes unterdrückt wurden, ist die Postmoderne durch eine neue, wenn auch schwierige Verantwortungslage gekennzeichnet.
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- Sophie Schneider (Author), 2007, Ethik und Moral in Moderne und Postmoderne aus der Sicht Zuygmunt Baumans, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87552