Entscheidungsfindung zieht sich als Herausforderung für die mit der Entscheidung betrauten Mitarbeiter durch alle Ebenen eines Unternehmens. Auf strategischer, taktischer und operativer Ebene werden dazu implizit oder explizit Zielsysteme gebildet. Ein Informationsprozess mit der zur Tragweite der Entscheidung ökonomisch adäquaten Tiefe bereitet die Grundlage für den Auswahlprozess.
Es sollte im Sinne jeder Unternehmung liegen, jede sich irgend bietende Möglichkeit zur zusätzlichen Gewinnerzielung in ihrem Geschäftsbereich zu nutzen. Mit der Bezugnahme auf ein Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe verkörpert sich dies in der bestmöglichen Nutzung der Produktionskapazitäten. Geht man von stochastischem Eintreffen neuer Aufträge und deterministischen Planungsvorgängen in der Produktionswirtschaft aus, wird sich regelmäßig das Problem der optimalen Produktionsplanung einstellen. Im Zeitraum des bereits abgeschlossenen Planungsintervalls werden neue, bisher unbekannte Aufträge bekannt.
Der Entscheider sieht sich nun zum einen dem abgeschlossenen Produktionsplan und zum anderen neuen, potentiell lukrativeren Aufträgen gegenüber. Bei verbliebenen Restkapazitäten der Produktionsanlagen könnte sich die Einplanung eines solchen, zusätzlichen Auftrages lohnen. Es gilt zusätzliche Bedingungen, wie die maximal zur Verfügung stehende Produktionskapazität oder die Anzahl des verfügbaren Personals, zu beachten. Von Interesse ist auch die Auswirkung der Einplanung auf die Degression von Fixkosten. Des weiteren ergeben sich zeitlich unterschiedliche Prioritäten im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Es kann durchaus sein, dass in bestimmten Situationen, wie der eines Liquiditätsengpasses, die Annahme eines lukrativen Großauftrages nachteilig ist. Das Fällen einer rationalen Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung solcher Aufträge bildet daher ein betriebswirtschaftliches Entscheidungsproblem.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Vorgehensweise
2 Verwirklichen von Unternehmenszielen
2.1 Rationales Entscheiden
2.2 Ziele in der Entscheidungstheorie
2.2.1 Klassifizierung der Ziele
2.2.2 Zielsysteme
2.3 Hierarchische Zielsysteme
2.3.1 Überblick
2.3.2 Hierarchiebildung nach der Fristigkeit und Tragweite
2.3.3 Hierarchiebildung nach formalen Zielsystemen
2.3.4 Hierarchiebildung nach der Organisationsstruktur
2.4 Unternehmensziele in Organisationen
2.4.1 Ableitung der Unternehmensziele
2.4.2 Dezentralisierungsprobleme
2.4.3 Individualziele
2.5 Produktionswirtschaftliche Bereichsziele
2.6 Übergeordnete finanzwirtschaftliche Ziele
3 Produktionskapazität
3.1 Überblick
3.2 Produktionsplanung und Produktionssteuerung
3.3 Kapazitive Restriktionen in der Produktionsprogrammplanung
3.3.1 Entscheidung aufgrund wirtschaftlicher Parameter
3.3.2 Entscheidung bei technischen und kapazitiven Restriktionen
3.4 Kapazität als bedingte Restriktion - Kapazitätsbedarfsplanung
3.4.1 Kapazitätsbedarfsanpassung
3.4.2 Temporäre Kapazitätsanpassung
3.4.3 Auftragsterminplanung
3.5 Maschinenbelegungsplanung
3.5.1 Charakteristik und Einordnung in die PPS
3.5.2 Zusammenhang mit der Kapazitätsproblematik
3.5.3 Lösungsansätze für die Maschinenbelegungsplanung
4 Auftragsselektion
4.1 Überblick
4.2 Annahmen und Einordnung des Entscheidungsmodells
4.2.1 Einsatzbereich und Nutzen
4.2.2 Einordnung des Modells hinsichtlich des Zielsystems
4.2.3 Einordnung nach dem Informationsstand
4.3 Einlastungsalternative
4.4 Unterlassungsalternative
4.5 Wirkungen auf ausgewählte Zielgrößen
4.5.1 Auswirkungen auf den Deckungsbeitrag
4.5.2 Auswirkungen auf die Rendite
4.5.3 Auswirkungen auf die Verschuldung
4.5.4 Auswirkungen auf die Liquidität
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwirft ein ganzheitliches System für die Auftragssteuerung, um die Auswirkungen der Einlastung zusätzlicher Aufträge auf betriebswirtschaftliche Zielgrößen wie Deckungsbeitrag, Rendite, Verschuldung und Liquidität rational bewerten zu können.
- Strukturierung von Entscheidungsproblemen in der Produktionsplanung.
- Analyse hierarchischer Zielsysteme in Organisationen.
- Methoden der Kapazitätsplanung und des Kapazitätsabgleichs.
- Entwicklung eines Entscheidungsmodells für die Auftragsselektion unter Restriktionen.
- Untersuchung der finanziellen Auswirkungen (Deckungsbeitrag, Rendite, Verschuldung, Liquidität).
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Entscheidung aufgrund wirtschaftlicher Parameter
Mit Modellen der linearen Programmierung und Deckungsbeitragsrechnung kann die Programmentscheidung nach wirtschaftlichen Parametern unterstützt werden. Mit dem folgenden linearen Programm ist ein einperiodiges Grundmodell gegeben, das Maschinenkapazitäten berücksichtigt und als Zielgröße den zu maximierenden Gesamtdeckungsbeitrag aufweist. Es kann mit Hilfe des Simplex-Algorithmus oder mit entsprechender Software gelöst werden. Im Ergebnis erhält man einen Vektor X, der angibt, wieviel Stück xi von welchem Auftrag i unter Beachtung der Restriktionen produziert werden müssen, um den Deckungsbeitrag über alle Aufträge zum maximieren.
Zielfunktion:
DB(X) = m i=1 dbi · xi ⇒ max ! (7)
Nebenbedingung 1: Einhalten der Maschinenkapazität:
m i=1 aij · xi ≤ Kj ∀ j = 1, . . . , J (8)
Nebenbedingung 2: Einhalten der Absatzschranken und
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der optimalen Auftragssteuerung bei begrenzten Produktionskapazitäten sowie Erläuterung der Zielsetzung und Vorgehensweise.
2 Verwirklichen von Unternehmenszielen: Theoretische Grundlegung zur rationalen Entscheidungsfindung und Problematik der Zielverfolgung in hierarchischen Strukturen.
3 Produktionskapazität: Erörterung der Produktionsplanung, Kapazitätsbedarfsplanung und verschiedener Methoden zur Maschinenbelegungsplanung unter Restriktionen.
4 Auftragsselektion: Entwicklung eines Modells zur Analyse der Einlastungs- oder Unterlassungsalternative und deren Auswirkungen auf ausgewählte finanzwirtschaftliche Zielgrößen.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse des Entscheidungsmodells und kritische Würdigung der integrativen Betrachtungsweise.
Schlüsselwörter
Auftragssteuerung, Produktionsplanung, Produktionssteuerung, Deckungsbeitrag, Kapazitätsabgleich, Unternehmensziele, Entscheidungsmodell, Rentabilität, Liquidität, Produktionskapazität, Maschinenbelegungsplanung, Auftragsselektion, Prozessmanagement, Optimierung, Betriebswirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik, wie produzierende Unternehmen rational entscheiden können, ob sie zusätzliche Aufträge bei begrenzten Kapazitäten annehmen oder ablehnen sollen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die rationale Entscheidungsfindung, die hierarchische Zielbildung in Unternehmen, die Produktionsprogrammplanung und die Auswirkungen der Auftragsentscheidung auf Kennzahlen wie Gewinn und Liquidität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist der Entwurf eines ganzheitlichen Systems, das dem Entscheider hilft, die direkten und indirekten Auswirkungen der Einlastung eines Auftrags auf verschiedene Zielgrößen zu quantifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden betriebswirtschaftliche Entscheidungsmodelle, Ansätze der linearen Programmierung sowie Methoden der Deckungsbeitragsrechnung und Kostenrechnung angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Analyse der Produktionskapazitäten und -steuerung sowie die Modellierung der Entscheidungsalternativen zwischen Auftragsannahme und -unterlassung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Produktionskapazität, Auftragsselektion, Deckungsbeitrag, Kapazitätsbedarfsplanung und Zielkonflikte geprägt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Zieltypen?
Es wird zwischen Extremierungszielen (Maximierung/Minimierung), Satisfizierungszielen (Anspruchsniveau) und Approximationszielen (Annäherung an einen Wert) unterschieden.
Welche Rolle spielt die Liquidität in der Auftragsentscheidung?
Die Liquidität wird als dynamische Größe in der Finanzplanung betrachtet, da zeitliche Verschiebungen zwischen Auszahlungen (z. B. Materialbeschaffung) und Einzahlungen (z. B. Fakturierung) Engpässe verursachen oder vermeiden können.
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- Matthias Grabe (Author), 2003, Probleme und Lösungsansätze zur variabel zielorientierten Auftragssteuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87574