Moralentwicklung nach Piaget und Kohlberg


Hausarbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,5

Karsten Grause (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Piaget
2.1 Piaget: Was ist Moral?
2.2 Das Murmelspiel
2.3 Stufen der praktischen Anwendung von Regeln
2.3.1 Stufe: Individuelles bloß motorisches Spiel
2.3.2 Stufe: Egozentrisches Spielen
2.3.3 Stufe: Stadium der beginnenden Zusammenarbeit
2.3.4 Stufe: Kodifikation der Regeln
2.4 Die Regelbewusstsein-Entwicklung in drei Stufen
2.4.1 Stufe: Individuelle Regeln
2.4.2 Stufe: Regeln sind heilig und unantastbar
2.4.3 Stufe: Autonomes Regelverständnis
2.5 Heteronome und autonome Moral

3. Kohlberg
3.1 Die Sechs – Stufen – Theorie nach Kohlberg
3.1.1 Präkonventionielle Ebene
3.1.2 Konventionelle Ebene
3.1.3 Postkonventionelle, autonome oder von Prinzipien geleitete Ebene

4. Die Theorie Kohlbergs in Abgrenzung zur Werteklärung und der Charaktererziehung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll dargestellt werden, wie sich die Moral, bzw. das Moralbewusstsein und die Fähigkeit zu moralischen Urteilen bei einem Menschen entwickelt, wie ein Kind Regeln erlernt und schließlich moralische Bewertungsmaßstäbe für das eigene und für fremdes Handeln anlegen kann. Hierbei sollen ausschließlich die Modelle der Moralentwicklung nach Jean Piaget und das darauf aufbauende bzw. erweiternde Modell nach Lawrence Kohlberg berücksichtigt werden. Zuerst wird, ausgehend von dem Murmelspiel, das Stufenmodell von Piaget dargestellt, um danach das Modell von Kohlberg zu skizzieren. Abschließend werden drei Ansätze zur Werte- und Moralerziehung vorgestellt, wobei der Ansatz von Kohlberg in Abgrenzung zu den beiden anderen verstanden wird.

2. Piaget

2.1 Piaget: Was ist Moral?

Jean Piaget geht bei der Untersuchung der moralischen Entwicklung von folgender Erklärung des Moralbegriffs aus:

„Jede Moral ist ein System von Regeln, und das Wesen jeder Sittlichkeit besteht in der Achtung, welche das Individuum für diese Regeln empfindet“[1] .

Dabei soll diese Erklärung nicht als Definition verstanden werden. Moral ist nur eines von vielen Regelsystemen, das die Mitglieder einer Gesellschaft beachten. Diese Regeln wurden von Piaget jedoch nicht näher definiert. „Als moralisch kann man jede Regel (oder Normen) bezeichnen, die wir zugrunde legen, wenn wir unter Absehung subjektiver und rein egoistischer Ziele menschliche Handlungen (fremde wie eigene) bewerten“[2].

2.2 Das Murmelspiel

Für Piaget besteht die Schwierigkeit bei der Untersuchung der Moral bei Kindern darin, dass diese in ihrem alltäglichen Leben mit den Regeln der Erwachsenen konfrontiert werden. Die Regeln der Erwachsenen sind dem jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder jedoch nicht angepasst und nehmen auch keine Rücksicht auf ihre Bedürfnisse. Es ist schwierig zu klären, inwiefern die Kinder die Regeln verstanden und verinnerlicht haben, und ob sie sich an sie halten, da sie die Verhaltensvorgaben für richtig empfinden, oder ob sie sich einfach der elterlichen Autorität fügen. Piaget wählte als Gegenstand zur Analyse der Moral des Kindes das Murmelspiel. Dabei geht er von einer Schweizer Variante des Spiels aus, wobei die Murmeln in ein Viereck gelegt werden. Man kann diese gewinnen indem man sie mit einer größeren besonderen Murmel hinaus stößt. Geworfen wird zunächst von einer Ausgangslinie parallel zu einer Seite des Vierecks mit ein bis zwei Meter Abstand. Piaget arbeitet mit einer psychoanalytischen Befragungstechnik. Die ca. 100 Schweizer Kinder, die zwischen vier und ca. zwölf Jahre alt waren, wurden beim Murmelspiel beobachtet, wobei Piaget und seine Mitarbeiter sich die Regeln von den Kindern erklären ließen. Schwerpunkt der Untersuchungen waren die Einstellung der Kinder und die Änderung oder Entwicklung dieser zu den Spielregeln in Hinblick auf deren Ursprung, sowie mögliche Neugestaltung und Anerkennung der Regeln.

Auch wurden den Kindern Geschichten erzählt, in denen objektiv gegen moralische Standards verstoßen wurde[3].

Die Untersuchung der kindlichen Moral anhand des Murmelspiels hatte für Piaget zwei Vorteile. Zum einen war der Einfluss der Erwachsenen relativ gering, zum anderen konnte Piaget mit der Analyse des Spiels die Praxis der Einhaltung der Regeln, aber auch das Bewusstsein der Regeln erforschen[4].

2.3 Stufen der praktischen Anwendung von Regeln

Bei der Anwendung der Regeln unterscheidet Piaget vier verschiedene Stadien. In Bezug auf die Altersangaben mahnt Piaget zur Vorsicht, da diese keine genauen Zuordnungen darstellen, sondern nur grobe Hinweise[5].

2.3.1 Stufe: Individuelles bloß motorisches Spiel

Die Kinder, die hier während des Murmelspielens beobachtet und befragt wurden, waren zwischen null und drei Jahren alt. Die Kinder spielten, ohne auf die Regeln zu achten. Sie spielten nach ihren eigenen Vorstellungen und gemäß ihren motorischen Fähigkeiten mit der Murmel. Es ist kein anderes Kind anwesend oder auch wenn ein anderes anwesend ist, spielt das Kind nur mit sich selbst.

In diesem ersten Stadium entwickelt das Kind noch keine Regeln des Zusammenspiels, da es ausschließlich alleine spielt.

Vielmehr handelt es sich um rein motorische Regeln und nicht um Kollektivregeln. Die Kinder legen die Murmeln zum Beispiel in die Vertiefung und wiederholen diesen Vorgang am nächsten Tag oder beim nächsten Spielen[6].

2.3.2 Stufe: Egozentrisches Spielen

Die Kinder, die zwischen zwei und sechs Jahren alt sind, versuchen in diesem Stadium die Regeln der Anderen nachzuahmen, sie erhalten das Beispiel der festgelegten Regeln also von außen. Es ist jedoch festzustellen, dass die Kinder trotz dieses Zusammenspiels mit Anderen noch alleine für sich spielen. Bei dem Zusammenspiel kann jedes Kind noch nach seiner eigenen Auslegung der Regeln spielen. So versuchen die Kinder noch nicht die Anderen zu besiegen. Die Beobachtung, dass die kleineren Kinder die Regeln nachahmen und dass sie individuell, anwenden wird von Piaget als Egozentrismus bezeichnet.

2.3.3 Stufe: Stadium der beginnenden Zusammenarbeit

Die Kinder in diesem Stadium sind zwischen sieben und zehn Jahren alt und beginnen nun ihr Hauptziel bei dem Spiel darin zu sehen, die anderen Mitspieler zu besiegen. Daher ist nun die gegenseitige Kontrolle wichtig. Demzufolge wird es nötig, dass die Regeln normiert werden und eine Einigung über ihre Auslegungen vorherrscht. Jedoch wurde durch Befragungen festgestellt, dass die einzelnen Kinder trotz Einigung auf gemeinsame Spielregeln noch verschiedene Regelvorstellungen hatten. So gaben sie noch recht widersprüchliche Antworten in Bezug auf die Regeln des Murmelspiels[7].

In diesem Stadium ist das Kind noch nicht in der Lage „formal zu denken, d.h. mit den Regeln der Vernunft derart vertraut zu werden, dass es sie auf jeden beliebigen Fall, einschließlich der rein hypothetischen Fälle, anwenden kann“[8]. Aufgrund dieser Tatsache, muss der Versuch, die Regeln gemeinsam festzulegen, scheitern.

[...]


[1] Piaget, Das moralische Urteil beim Kinde, S. 23.

[2] Kesselring, Jean Piaget, S. 167.

[3] Kesselring, Jean Piaget, S. 169.

[4] Heidbrink, Einführung in die Moralpsychologie, S. 45.

[5] Ebd., S. 47.

[6] Ebd.

[7] Garz, Sozialpsychologische Entwicklungstheorien : von Mead, Piaget und Kohlberg bis zur Gegenwart, S. 91.

[8] Piaget, Das moralische Urteil beim Kinde, S. 61.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Moralentwicklung nach Piaget und Kohlberg
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V87590
ISBN (eBook)
9783638022750
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moralentwicklung, Piaget, Kohlberg
Arbeit zitieren
Karsten Grause (Autor), 2006, Moralentwicklung nach Piaget und Kohlberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87590

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