Apartheit und Urbanisierung - Umweltprobleme südafrikanischer Städte


Seminararbeit, 1997

25 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Urbanisierung und Arbeitsmigration in SA

II. Urbanisierung und Umweltprobleme in SA
A. Die Lage der Township
B. Durch Umweltverschmutzungen verursachte Krankheiten
C. Zerstörungen informeller Siedlungen
D. Luftverschmutzung
E. Wasserverschmutzung
F. Umweltprojekte

III. Fallbeispiel I: Alexandra

IV. Fallbeispiel II: Zamdela

V. Politischer Widerstand in den Township

VI. Schlußfolgerungen und Perspektiven

VII. Literaturliste:

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Urbanisierung in Südafrika(SA) unter den Bedingungen des Apartheidsystems, sowie den sich daraus ergebenden Problemen für die Stadtentwicklung v.a. im Bereich der Umweltsituation und der Infrastruktur. Die Umweltprobleme der schwarzen Ghettos unterscheiden sich wesentlich von den Umweltproblemen der weißen Wohnviertel in Südafrika bzw. den westlichen Industrieländern. Die Umweltprobleme in den Industrieländern bzw. in den weißen Wohngebietein in SA sind durch den Wohlstand und den damit verbundenen Lebensstil bedingt. Die Probleme der schwarzen Ghettos hingegen ergeben sich aus Armut und Ressourcenmangel. Auch die Folgen der Umweltverschmutzung sind in den Schwarzenghettos unmittelbarer. Unbeseitigter Müll und fehlende Abwassersysteme wirken sich direkt auf die Lebensqualität der Menschen aus. Jedoch kaum ein Weißer wohnt neben der Mülldeponie, die seinen Müll lagert. Daher werden in dieser Arbeit auch die gesundheitlichen Auswirkungen behandelt werden.

I. Urbanisierung und Arbeitsmigration in SA

Die Entstehung und Entwicklung der Städte in SA hängt eng mit der Entwicklung der südafrikanischen Wirtschaft zusammen. Mit der Entdeckung von Diamanten bei Kimberley (1867) und von Gold bei Johannesburg (1888) setzte ein massiver Zustrom in die nun entstehenden Städte, verbunden mit verstärkter europäischer Zuwanderung, ein. Die Urbanisierung Südafrikas kann, analog zur ökonomischen Entwicklung, in 3 Phasen unterteilt werden:

- Ca. 1870 - 1920: In Folge des schnell wachsenden Bergbau s siedeln sich immer mehr weiße und schwarze Arbeiter in den Bergwerksgebieten (v.a. am Witwatersrand) an.

- Ca. 1920 - 1950: Nach dem 1. Weltkrieg kommt die Landwirtschaft, aufgrund von Dürreperioden und Absatzproblemen, in die Krise. Die weißen Buren lebten bis dato v.a. als Farmer am Land und ziehen nun daher in die Städte in der Hoffnung auf bessere Existenzmöglichkeiten. Auch viele schwarze Landarbeiter müssen nun in die Städte ziehen.

- Ab ca. 1950 beginnt SA, im Zuge einer Politik der Importsubstitution, mit dem massiven Aufbau einer eigenen Konsumgüter industrie, wodurch wiederum viele Arbeitswillige in die Städte wandern. Ab den Sechzigerjahren steht die schwarze Zuwanderung auch bereits im Zusammenhang mit der Homeland -Politik: Da die Apartheidsregierung bemüht war die Existenzmöglichkeiten in den Homelands möglichst niedrig zu halten, sahen sich viele Schwarze gezwungen Arbeit in den weißen Städten anzunehmen. Durch eine strenge Zuzugskontrolle konnten ab nun jedoch nur noch arbeitsfähige, junge Männer in die Städte ziehen. Die Homelands dienten soz. als "Arbeitskräftereservoir". Die -legale- Zuwanderung von Frauen, Kindern und Alten wurde gestoppt. Schwarze hatten zudem kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in den Städten und durften sich nur vorübergehend als "Gäste" in den Städten aufhalten. (Vgl. Nohlen/Nuscheler, 1993. Kapitel: Südafrika). Durch die Homeland-Politik wurden viele Schwarze auch wieder aus den Städten vertrieben, bis 1986 insgesamt 1,6 Millionen Schwarze (Vgl. Fisch, 1990. S.315)

Heute gibt es vier urbane Kernräume

a. Das PWV-Gebiet (Pretoria-Witwatersrand-Vereeniging inkl. Johannesburg/Soweto)
b. Der Großraum Kapstadt
c. Port Elizabeth/Uitenhage
d. Die Durban/Pinetown/Pietermaritzburg-Region

Diese Regionen machen insgesamt nur 4 Prozent der Gesamtfläche von SA aus, dort leben jedoch 34 Prozent der Bevölkerung und 73 Prozent der Industrieproduktion werden dort erwirtschaftet. Die größten Städte sind Johannesburg (2,1 Mill. Einwohner), Durban (1.236.000 Einw.) und Kapstadt (ca. 1 Mill. Einw.) (Vgl. Nohlen/Nuscheler,1993).

Heute leben mehr als 60 Prozent der Südafrikaner in Städten, bei stark steigender Tendenz. Der Urbanisierungsgrad ist jedoch rassisch stark unterschiedlich. Während von den Weißen ca. 90 Prozent in den Städten leben, sind es unter den Schwarzen nur 40 Prozent, (Vgl. Nohlen,Nuscheler, 1993) jedoch ist besonders bei den Schwarzen der Zuzug in die Städte enorm. Der Zuzug der Schwarzen wurde während des Apartheidsregimes durch Zuzugskontrollen und Paßgesetze eingeschränkt.

Von der schwarzen Bevölkerung leben ca. 30 Prozent in den Townships. Wegen der Homeland-Politik wurde ab den 60ern der Wohnungsbau für Schwarze in den Städten weitgehend gestoppt und die bestehenden Siedlungen vernachlässigt. Da der Zuzug aber anhielt, mußten sich die Bedingungen verschlechtern. Hohe Arbeitslosigkeit, katastrophaler Wohnraummangel und schlechte Infrastruktur sind die Ursachen für schlechte Lebensbedingungen. Die Ausbreitung von Gewalt unter der schwarzen Bevölkerung ist eine der Folgen. Eine resignative "wait and see"-Mentalität ist weit verbreitet. Manchmal reagieren die Betroffenen jedoch auch mit einer Verstärkung der Nachbarschaftshilfe ("popular neighbourship") (Vgl. dazu Burgess u.a.,1997)

Formen schwarzer, urbaner Siedlungsformen:

a. Townships (legal): Dabei handelt es sich um vom Apartheidsstaat geplante und erbaute Wohnsiedlungen mit eigenen Kommunalverwaltungen, die auch für die Versorgung mit Infrastruktur zuständig sind, jedoch meist nicht die notwendigen Finanzmittel besitzen. Townships wurden speziell für schwarze, männliche Arbeiter errichtet. Sie sind meist als "Satellitenstädte" am Rand weißer Städte angelegt und zeigen Tendenzen zur Verslumung.

Beispiele: Soweto, Norweto, Khayelitsha, Alexandra,...

b. Hostels: (legal) sind kasernenähnliche Schlafbaracken mit gemeinsamen Toiletten und Waschanlagen. Sie wurden speziell für die Arbeiter bestimmter Betriebe errichtet und befinden sich direkt am Fabriksgelände. Die Arbeiter sind oft dazu gezwungen in solchen Hostels zu schlafen. (Vgl. z.b. Ramphelle, 1993 oder Minhaar,1993). Hostels werden meist von Männern bewohnt.

c. Squatter Camps (illegal) sind spontan und informell errichtete, äußerst primitive Siedlungen (z.B. Wellblechhütten) auf besetztem Gebiet. Sie haben daher von vornherein keine staatliche Infrastruktur. Sie entstehen meist durch illegalen Zuzug am Stadtrand. Squatters zählen zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen auch unter den Schwarzen. Der Großteil der Squatters sind Frauen. Sie haben oft keinen formellen Arbeitsplatz, sondern betätigen sich im informellen Sektor (z.B. Dienstmädchen). Ursachen für das Entstehen von Squatter Camps sind die strenge staatliche Zuzugskontrolle, die viele Schwarze zum illegalen Zuzug in die Städte nötigt, sowie der enorme Mangel an Billigwohnungen.

Beispiel: Crossroads (Vgl. z.B. Cole, 1987), Nyanga Bush,...

II. Urbanisierung und Umweltprobleme in SA

Während des Apartheidsystems und auch davor haben die südafrikanischen Regierungen stets versucht, die Zuwanderung von Schwarzen in die Städte zu kontrollieren bzw. zu verhindern. Bereits vor 1948 durften Schwarze in den Städten keine Immobilien besitzen. Zum einen zogen jedoch weiterhin kontinuierlich Schwarze in die Städte zu, zum anderen drosselte die Apartheidsregierung die Infrastukturausgaben für die schwarzen Wohnviertel massiv. Durch die strenge Zuzugskontrolle (influx control) waren zudem viele Schwarze gezwungen illegal in die Städte zu ziehen und sich dort in informal settlements, wie z.B. squatter camps niederzulassen. Aus diesem Zusammenhang zwischen massiver Urbanisierung einerseits und geplanten Infrastruktur- und Wohnungsmangel andererseits ergeben sich die Ursachen für die massiven Umweltprobleme der Ghettos. Die umweltrelevanten Folgen dieser Politik lassen sich grob in zwei Bereiche subsumieren:

- Probleme durch Wohnungsmangel /Überbelegung der Wohnstätten
- Probleme durch mangelnde Infrastruktur

Diese beiden Bereiche sind v.a. vor dem Hintergrund der weiterhin anhaltenden bzw. zunehmenden Urbanisierung zu sehen, da dadurch Infrastruktur und Wohnraum noch zusätzlich belastet werden. Nach einer Untersuchung der Urban Foundation von 1990 ziehen jährlich 700.000 Schwarze in die Städte (Vgl. Cock/Koch,1991 S.47). Viele von Ihnen wohnen in informal settlements (z.B. Wellblechhüten) ohne jegliche Infrastruktur, wie z.B. Wasserversorgung oder Kanalisation.

Die Umweltprobleme der Rassenghettos in SA sind armutsspezifische Probleme und unterscheiden sich daher wesentlich von den Umweltproblemen in den Industrieländern. Für die Bewohner der Ghettos in SA besteht ein intensiver Zusammenhang zwischen ihren eigenen Überlebenschancen und der Umweltsituation.

Die Umwelt- und Wohnprobleme der südafrikanischen Rassenghettos können jedoch nur zum Teil aus der Apartheidspolitik erklärt werden. Starke Urbanisierungstendenzen, sowie schichtspezifische Ghettobildung, und die damit verbundenen Probleme lassen sich in vielen Entwicklungsländern beobachten. (Vgl. Feldbauer u.a.,1997)

A. Die Lage der Townships

Townships sind oft in Gebieten mit schlechter Wohnqualität gelegen, die für Weiße inakzeptabel wären. Sie befinden sich meistens am Rande der weißen Städte.

- Viele Townships (v.a. im PWV-Gebiet) befinden sich oft in der Nähe schmutziger Industrien (wie z.B. Zamdela), Mülldeponien oder Minen (z.B. Teile von Soweto). Sie sind oft so gelegen, daß der Wind Abgase und Staub in ihre Richtung bläst, während die weißen Gebiete meist auf der entgegengesetzten Seite liegen.
- Manche Townships, besonders im Transvaal, sind auf ungeeignetem und instabilem Grund erbaut. Von diesem Problem sind v.a. Squatter Camps betroffen. Der Boden kann teilweise einsinken, so daß die darauf erbauten Häuser einsturzgefährdet sind. Der Boden ist auch oft für die Errichtung von Kanalisationssystemen ungeeignet. Manche Siedlungen befinden sich auch in unmittelbarer Nähe von Flüssen und sind daher von Überschwemmungen bedroht. Besonders gefährdet sind die Bewohner von Siedlungen in unmittelbarer Umgebung von Hochspannungsleitungen.
- Viele Townships (sofern sie nicht unter Pt.1 fallen) liegen weit von den Stadtzentren bzw. Industriegebieten und damit von den Arbeitsmöglichkeiten entfernt. Ihre Einwohner müssen daher in der Regel stundenlange Anfahrtswege zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf nehmen, wodurch sich die Lebensqualität in diesen Townships noch deutlich verschlechtert. Manche dieser abgelegenen Townships haben allerdings eine bessere Versorgung mit Infrastruktur und Wohnungen (v.a. die neu errichteten), sie werden jedoch oft von den Schwarzen abgelehnt, da sie zu weit von den Arbeitsstätten entfernt liegen. Der Großteil der Schwarzen bevorzugt Townships in der Nähe von Industriegebieten, auch wenn dort die Lebensqualität schlechter ist.

B. Durch Umweltverschmutzungen verursachte Krankheiten

Die Umweltprobleme der überbevölkerten und schlecht versorgten Townships und Squatter Camps bringen unweigerlich auch gesundheitliche Bedrohungen und Krankheiten für deren BewohnerInnen mit sich. Nachfolgend sind die wichtigsten umweltbedingten Krankheiten nach Ursachen gegliedert aufgelistet:

- Durch Wasser bedingte Krankheiten: werden durch Trinken von verseuchtem Wasser hervorgerufen bzw. durch mangelndes Waschen aufgrund von Wassermangel. Folgen sind z.B. Diarrhöe, Ruhr, Wurminfektionen und eine breite Palette von Augen- und Hautinfektionen. Diarrhöe ist die Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern. Wasserknappheit fördert auch die Ausbreitung von Poliomyelitis(spinale Kinderlähmung) und Typhus. Ein weitere Gefahr stellen auch bakterienverseuchte Wasserlacken dar, die von Kindern zum Spielen verwendet werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Apartheit und Urbanisierung - Umweltprobleme südafrikanischer Städte
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Internationale Politik
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
25
Katalognummer
V876
ISBN (eBook)
9783638105576
ISBN (Buch)
9783638720953
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Südakrika, RSA, Apartheit, Urbanisierung, Umweltprobleme, Umweltpolitik, Migration, Migrationspolitik
Arbeit zitieren
Thomas Paster (Autor), 1997, Apartheit und Urbanisierung - Umweltprobleme südafrikanischer Städte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/876

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