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Nur ein Versuch - Die Schrift und ihre Schöpfung

Title: Nur ein Versuch - Die Schrift und ihre Schöpfung

Term Paper , 2007 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Hauke Reher (Author)

Philosophy - General Essays, Eras
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I. Vorwort

Philosophie wurde seit jeher in schriftlicher Form überliefert. Auch die Weisheiten des Schriftverweigerers Sokrates liegen uns heute in Buchform vor. Nach der Verbindung dieser zwei Bereiche, Schrift und Philosophie, wurde jedoch nie gefragt. Selbst mit dem erneuten Aufkommen der Sprachphilosophie zur Jahrhundertwende geriet die Schrift nicht explizit ins Blickfeld. Auch wenn Größen wie Husserl einräumten schreibend zu denken.
Von der Sprachontologie bis zur Diskurstheorie bildeten sich Schulen im Bezugsfeld der Sprachphilosophie heraus, doch die Schrift ging immer in dem Begriff Sprache unter. Schrift schien lediglich ein selbstverständliches Mittel zum Zweck zu sein. Diese Konzeption basiert auf dem Glauben an einen übergeordneten logos, dem die gesprochen Sprache am Nächsten zu sein scheint.
Die Schrift weist jedoch auf philosophische Probleme selbst hin. Bereits die Ambigiutät von Wörtern sollte das Schreiben zu einem Gegenstand philosophischen Interesses machen. Die unendliche Auslegbarkeit macht Fortschritt und Erkenntnis erst möglich. Die Wahrheit, so Gadamer in Wahrheit und Methode, ist gebunden an die Behandlungsweise eines Themengebiets.
Die Schrift wurde immer als das überliefernde Medium angesehen. Für Derrida setzt sich Schrift jedoch aus mehr als bloß aus Buchstaben und Piktogrammen zusammen. Die Welt und alles in ihr Vor-gehende konstituiert sich anhand von Zeichen. Das gesamte Zeichensystem versteht Derrida als ein Schriftsystem. Die Physik der (An-)Zeichen war die Schöpfung des Begriffs ’Metaphysik’. Die Schrift, in all ihren Formen, inauguriert und be-dingt den geistigen Prozess. Das Netz der Zeichen ist das Ursprünglichste, ohne auf einen Ursprung festlegbar zu sein. Von diesem Geflecht ist die Philosophie genau so abhängig, wie jede andere Wissenschaft auch. Leben heißt nichts anderes als Zeichen zu setzen.
Die Möglichkeit der weiteren Auslegung von Zeichen markiert die Geburtstunde des Fortschritts, wie wir ihn heute erleben. Die Schrift ist weder starr noch fixiert, sondern entwickelt sich mit der Welt gleichermaßen.
Die Grammatologie ist ein Versuch, die Schrift von alten Dogmen zu befreien. Die Schrift, der Prozess des Schreibens, sowie die begriffliche Verwendung, sollen die ihnen gebührende Stellung erhalten. Dies erfordert eine neue, modifizierte Wissenschaft von der Schrift. Philosophie soll als ein Prozess des Zeichensetzens demaskiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Vorwort

I.1 Einleitung

II. Allgemeine Theoreme

II.1 Ethnozentrismus, Logozentrismus und Phonozentrismus

II.2 Dekonstruktion der Gegensätze

II.3 Différance als Unmöglichkeit von Präsenz

III. Schrift und Text

III.1 Zeichen- und Symboltheorie der Grammatologie

III.2 Écriture avant la lettre

III.3 Spuren im Sand

IV. Resümee

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Jacques Derridas "Grammatologie" unter medienphilosophischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, die traditionelle Abwertung der Schrift gegenüber dem gesprochenen Wort innerhalb der westlichen Philosophiegeschichte zu hinterfragen und die Bedeutung der Schrift als grundlegendes Zeichensystem neu zu bestimmen, indem metaphysische Fiktionen wie die Idee eines festen Ursprungs oder einer reinen Präsenz dekonstruiert werden.

  • Kritik am Logozentrismus und Phonozentrismus in der Philosophiegeschichte.
  • Dekonstruktion binärer Gegensätze und der Hierarchisierung von Zeichen.
  • Analyse des Begriffs der Différance und der Unmöglichkeit zeitloser Präsenz.
  • Erweiterung des Schriftbegriffs zur "Urschrift" als Voraussetzung aller Erkenntnis.
  • Bezugnahme auf medientheoretische Aspekte und die Struktur von Hypertexten.

Auszug aus dem Buch

III.2 Écriture avant la lettre

Bei de Saussures binärem Zeichenbegriff und dem Begriff des Symbols, sowie der angeblichen Natürlichkeit von Lauten, ansetzend, entwirft Derrida die Idee der Urschrift oder archi - écriture. Den Begriff selbst hat der französische Philosoph einem Aufsatz Sigmund Freuds mit dem Titel „Notiz über den ’Wunderblock’“ entlehnt.

Die These lautet, dass Phoneme auch einer Schrift zugrunde liegen und keineswegs natürlicher sind als Zeichen oder Symbole. Jegliche Sprache operiert mit Zeichen, die wiederum auf neue Zeichen verweisen und ein endloses System strukturieren. Die phonetische Schrift ist demnach auch ein System basierend auf Zeichen, welche über die gleichen Eigenschaften wie andere Zeichen verfügen. Zeichen, in einem System aufeinander bezogen und somit organisiert, sind das was Derrida Schrift nennt.

Der Schriftbegriff wird radikal erweitert, was die eigentliche Aufgabe der Grammatologie zu sein scheint. Nicht umsonst trägt der erste Essay, des eben erwähnten Bandes, den Namen „Die Schrift vor dem Buchstaben“. Aus der neuen Perspektive ist jedes Zeichen Schrift.

Die Urschrift, das unbegrenzte Quantum von Zeichen, zeigt sich als Instanz vor jedem Akt. Derrida spricht daher auch von einer Inschrift, welche einem konstituierenden Regelwerk entspricht. Die Urschrift schreibt sich in jeden Akt ein, prägt ihn zunächst als Dasjenige. Kommunikation ist nur möglich, wenn dies anhand eines vorgestellten Systems von Zeichen geschieht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Vorwort: Der Autor führt in die Vernachlässigung der Schrift innerhalb der Sprachphilosophie ein und skizziert Derridas Ansatz, Philosophie als Prozess des Zeichensetzens zu verstehen.

I.1 Einleitung: Derridas Arbeitsweise wird als kritische Neubetrachtung philosophischer Schriften vorgestellt, die darauf abzielt, die metaphysische Vormachtstellung des Logos und den Eurozentrismus zu hinterfragen.

II. Allgemeine Theoreme: Die Grundannahmen Derridas werden erläutert, wobei die Ablehnung metaphysischer Fiktionen und die Beschreibung des unendlichen Zeichensystems im Vordergrund stehen.

II.1 Ethnozentrismus, Logozentrismus und Phonozentrismus: Diese Begriffe werden als Herrschaftsinstrumente der abendländischen Philosophie demaskiert, die das gesprochene Wort gegenüber der Schrift privilegiert.

II.2 Dekonstruktion der Gegensätze: Es wird analysiert, wie Derrida binäre Oppositionen aufbricht, um die Hierarchisierung von Begriffen in Frage zu stellen und latente Verweisstrukturen sichtbar zu machen.

II.3 Différance als Unmöglichkeit von Präsenz: Dieser Kernbegriff beschreibt das stetige Aufschieben von Bedeutung, wodurch eine stabile, präsente Wahrheit als Illusion entlarvt wird.

III. Schrift und Text: Die philosophische Abwertung der Schrift wird als Paradoxon entlarvt, da die Philosophie selbst auf dem Medium Schrift aufbaut.

III.1 Zeichen- und Symboltheorie der Grammatologie: Derridas Neuinterpretation des Zeichens wird dargelegt, wobei die Sprache als "eingesäumt vom unendlichen Signifikat" betrachtet wird.

III.2 Écriture avant la lettre: Die Idee der "Urschrift" wird entworfen, die jeglicher phonetischen Äußerung vorausgeht und Sprache als endloses System von Zeichen definiert.

III.3 Spuren im Sand: Die "Spur" wird als zentrales Element der Bedeutungsproduktion eingeführt, das sich jeder Fixierung entzieht und das Gedächtnis als geschriebene Spur begreift.

IV. Resümee: Der Autor reflektiert seine persönliche Auseinandersetzung mit der dekonstruktiven Methode und zieht medientheoretische Parallelen zur Struktur moderner Hypertexte.

Schlüsselwörter

Jacques Derrida, Grammatologie, Schrift, Logozentrismus, Phonozentrismus, Différance, Dekonstruktion, Zeichen, Signifikat, Signifikant, Urschrift, Metaphysik, Spur, Text, Hypertext

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Jacques Derridas Werk "Grammatologie" und untersucht, wie Derrida die westliche Philosophie durch die Dekonstruktion traditioneller Vorstellungen von Schrift und Sprache herausfordert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kritik am Logozentrismus, die Analyse von Zeichensystemen, die Dekonstruktion metaphysischer Gegensätze und die philosophische Bedeutung der Schrift als Medium.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die philosophische Abwertung der Schrift zu beenden und Derridas Ansatz einer "Grammatologie" als neue Wissenschaft von der Schrift darzustellen, die das Spiel der Verweise in den Vordergrund rückt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet die dekonstruktive Methode, um philosophische Texte und Begriffe auf ihre verborgenen Annahmen und internen Widersprüche hin zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung allgemeiner Theoreme wie Différance und Dekonstruktion, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Schrift- und Zeichentheorie, inklusive der Begriffe Urschrift und Spur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Grammatologie, Dekonstruktion, Différance, Logozentrismus und Schrift verstehen.

Wie unterscheidet sich Derridas Schriftbegriff vom gängigen Verständnis?

Derrida erweitert den Begriff der Schrift radikal: Sie ist nicht nur die Aufzeichnung gesprochener Laute, sondern eine "Urschrift", die als grundlegendes System von Zeichen und Verweisen der Sprache überhaupt erst vorausgeht.

Welchen Bezug stellt der Autor zum Hypertext her?

Der Autor vergleicht Derridas Konzept der unendlichen Verweisstruktur von Zeichen mit der Methode moderner Hypertexte, in denen Leser selbst Themenpfade durch vernetzte Querverweise wählen können.

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Details

Title
Nur ein Versuch - Die Schrift und ihre Schöpfung
College
University of Flensburg  (Institut für Philosophie)
Course
Derridas Grammatologie als Medienphilosophie
Grade
1,0
Author
Hauke Reher (Author)
Publication Year
2007
Pages
25
Catalog Number
V87606
ISBN (eBook)
9783638022811
ISBN (Book)
9783638923774
Language
German
Tags
Versuch Schrift Schöpfung Derridas Grammatologie Medienphilosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hauke Reher (Author), 2007, Nur ein Versuch - Die Schrift und ihre Schöpfung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87606
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