Die „Rente mit 67“, aktuell eines der Topthemen innerhalb der nationalen Medienlandschaft, bewegt und erhitzt die Gemüter der Bevölkerung über alle Schichten und Milieugrenzen hinweg. Das Spektrum der Bewertung der anstehenden Reformen reicht von „notwendiger Anpassungsmaßnahme an die demografische Entwicklung“ bis zum „Rentenklau“. Innerhalb des Lagers der Gegner der Gesetzesnovelle wird als eines der Hauptargumente die schon bereits derzeit bestehende prekäre Lage älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt angeführt. Abnehmende Einstellungschancen für Ältere, mangelnde Partizipationsmöglichkeiten an Weiterbildungsange-boten, vermehrte Gefährdung bei Personalabbaumaßnahmen etc. würden schon heute Zweifel an einer Integration älterer Arbeitnehmer in das Arbeitssystem aufwerfen. Durch die Anhebung des Renteneintrittsalters werde diese Problematik nur um einige Jahre verlängert, ohne den älteren Arbeitnehmern wirkliche berufliche Perspektiven zu bieten. Die Befürworter der Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters argumentieren mit der Notwendigkeit der Anpassung an die gestiegene Lebenserwartung sowie an die Herausforderungen des Alterstrukturwandels. Die Chancen für ältere Arbeitnehmer, Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen, ließen sich durch geeignete Interventionen und Reformen erheblich verbessern. Beispiele für eine gelungene Integration älterer Menschen in die Arbeitswelt fänden sich u.a. bei einem großen Teil unserer europäischen Nachbarn.
Im Folgenden wird der Frage nach der Inklusion älterer Erwerbstätiger in das Arbeitssystem nachgegangen. In diesem Zusammenhang wird zunächst die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen dargestellt: Erwerbsquoten, Rentenzugangsalter, Arbeitslosigkeit und die Partizipation an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sind hierbei Indikatoren für die Präsenz älterer Personen am Arbeitsmarkt. In Bezug auf diese Kriterien wird der direkte Vergleich mit Großbritannien gesucht, als europäischem Land mit einer der höchsten Erwerbsquoten älterer Menschen. Neben der Vorbildfunktion, die Großbritannien in dieser Hinsicht zukommt, hat dieses Land als Wiege der Industrialisierung auch eine gewisse historische Bedeutung in Bezug auf die Frage nach der Situation von Arbeitnehmern. Im Anschluss an die Erhebung des Problembefunds werden potenzielle volkswirtschaftlichen Konsequenzen diskutiert, die sich aus der defizitären Situation in Deutschland ergeben können. In einem weiteren Schritt werden mögliche Ursachen für die mangelnde Integration älterer Erwerbstätiger erörtert und abschließend - auch im Hinblick auf die Erfahrungen in Großbritannien - erfolgversprechende Lösungsstrategien erläutert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen
- Die Situation am deutschen Arbeitsmarkt
- Rentenzugangsalter
- Erwerbsquoten älterer Menschen
- Arbeitslosigkeit erwerbswilliger älterer Menschen
- Partizipation an Fort- und Weiterbildungsangeboten
- Die Situation am britischen Arbeitsmarkt
- Rentenzugangsalter
- Erwerbsqouten älterer Menschen
- Arbeitslosigkeit erwerbswilliger älterer Menschen
- Partizipation an Fort- und Weiterbildungsangeboten
- Fazit
- Konsequenzen einer geringen Alterserwerbstätigkeit für die Volkswirtschaft
- Entgangene Wertschöpfungspotenziale
- Überlastung der sozialen Sicherungssysteme
- Integrationshemmende Faktoren für ältere Menschen am deutschen Arbeitsmarkt
- Gesetzliche Rahmenbedingungen
- Tarifliche Rahmenbedingungen
- Negativattribuierung des Alters seitens der Arbeitgeber
- Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Erwerbstätiger
- Deutschland
- Arbeitsrechtliche Reformen
- Allgemeines Gleichstellungsgesetz (AGG)
- Großbritannien
- Staatliche Initiativen
- Rechtliche Grundlagen
- Zusammenfassung
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit untersucht die Inklusion älterer Arbeitnehmer in das Arbeitssystem vor dem Hintergrund des Altersstrukturwandels. Im Fokus stehen die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland und Großbritannien sowie die Herausforderungen und Chancen der Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt. Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen, die Ursachen für die mangelnde Integration und mögliche Lösungsstrategien zur Förderung der Beschäftigung älterer Erwerbstätiger.
- Entwicklung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland und Großbritannien
- Faktoren, die die Integration älterer Arbeitnehmer erschweren
- Volkswirtschaftliche Konsequenzen einer niedrigen Alterserwerbstätigkeit
- Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Erwerbstätiger
- Ländervergleich Deutschland - Großbritannien
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung thematisiert die aktuelle Debatte um die „Rente mit 67“ und stellt die Problematik der Integration älterer Arbeitnehmer in das Arbeitssystem dar. Kapitel 2 analysiert die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland und Großbritannien anhand von Erwerbsquoten, Rentenzugangsalter, Arbeitslosigkeit und Partizipation an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. In Kapitel 3 werden die potenziellen volkswirtschaftlichen Konsequenzen einer niedrigen Alterserwerbstätigkeit diskutiert. Kapitel 4 identifiziert die integrationshemmenden Faktoren für ältere Menschen am deutschen Arbeitsmarkt, einschließlich gesetzlicher und tariflicher Rahmenbedingungen sowie der Negativattribuierung des Alters seitens der Arbeitgeber. Schließlich präsentiert Kapitel 5 Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Erwerbstätiger in Deutschland und Großbritannien, wie z.B. arbeitsrechtliche Reformen, staatliche Initiativen und rechtliche Grundlagen.
Schlüsselwörter
Inklusion älterer Arbeitnehmer, Altersstrukturwandel, Erwerbsbeteiligung, Rentenzugangsalter, Arbeitslosigkeit, Fort- und Weiterbildung, Volkswirtschaft, Integrationshemmende Faktoren, Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung, Ländervergleich Deutschland - Großbritannien.
- Arbeit zitieren
- Birgitta Bernhardt (Autor:in), 2007, Die Frage der Inklusion älterer Arbeitnehmer in das Arbeitssystem vor dem Hintergrund des Altersstrukturwandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87612