Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Art - Graphics / Illustration / Print

Die Richter-Kampagne

Polkes scheinbar dilettantischer Ausweg aus der Abstraktion

Title: Die Richter-Kampagne

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frank Dersch (Author)

Art - Graphics / Illustration / Print
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In Polkes Zeichnungen der 60er Jahre, in denen der Künstler auf verschiedenen Ebenen den Ästhetizismus der Moderne überwindet und damit die Grenzen der Institution Kunst sprengt bzw. erweitert, lohnt sich einmal der Versuch, die permanenten Metamorphosen von Polkes Œuvres still zu stellen. Dies soll in dieser Arbeit anhand der so genannten „Richter-Kampagne“ aus dem Jahr 1965 geschehen, die am Ende einer Reihe von Kugelschreiber- Zeichnungen aus den frühen 60er Jahren steht. Diese Bilderserie besitzt jedoch insofern eine andere Qualität, als dass sie anscheinend die Metamorphosen des Gesamtwerkes selbst zum Stillstand bringt. Denn die „Richter-Kampagne“ scheint die formalen wie motivischen Bedingungen der in den zwei Jahren zuvor entstandenen Zeichnungen zu verdichten. Somit liegt der Verdacht nahe, dass die „Richter-Kampagne“ die auf Werbe-Ikonographien beruhenden Zeichnungen zwischen 1963 und 1965 abschließt. Die „Richter-Kampagne“ birgt somit nicht nur einen hermeneutischen Schlüssel zu den frühen Zeichnungen Polkes, sondern markiert ebenfalls einen Ausweg aus der Abstraktion hin zu einer neuen, gegenständlichen Kunst, die jedoch nicht in eine mimetische Repräsentationslogik zurückfällt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einstieg und Ausweg – Gegenständlichkeit und Abstraktion

2. Materialität und Stil der „Richter-Kampagne“

3. Wege aus der Abstraktion

3.1. Die Hinwendung zum Alltäglichen

3.2. Die Integration des Trivialen

3.3. Die Appropriation massenmedial vermittelter Bilder

3.4. Die Dezentrierung des Künstlersubjekts

4. Das Leistungsvermögen von Polkes neuer Gegenständlichkeit

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Sigmar Polkes „Richter-Kampagne“ (1965) als einen paradigmatischen Wendepunkt, der die Abstraktion der 50er Jahre überwindet und neue Wege für eine gegenständliche Kunst ebnet, indem sie massenmediale Werbeikonographien durch ein dilettantisches Darstellungsformat dekonstruiert.

  • Sigmar Polkes „Richter-Kampagne“ als Bruch mit der informellen Kunst.
  • Die Rolle von Materialität und „dilettantischem“ Stil in der Zeichnung.
  • Die Hinwendung zum Alltäglichen und die Appropriation von Werbebildern.
  • Die Dezentrierung des Künstlersubjekts und die Analyse der Werberhetorik.
  • Das Leistungsvermögen einer neuen Gegenständlichkeit im Kontext der 60er Jahre.

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Hinwendung zum Alltäglichen

Deuteten sich bereits bei der Betrachtung des Materials und des Stils von Polkes Malerei Tendenzen zur Erneuerung von Kunst an, so gilt es nun die in der „Richter-Kampagne“ manifesten Prinzipien herauszuarbeiten, die einerseits einen hermeneutischen Zugang zu der kompletten Werkgruppe der Werbezeichnungen erschließen und andererseits die Möglichkeiten einer gegenständlichen Kunst nach der Abstraktion eröffnen.

Polke bricht bewusst mit den an der Akademie gelehrten Traditionen sowie mit den Normen der damaligen Kunstwelt und verortet damit das Verhältnis von Wirklichkeit und Malerei sowie den Status von Malerei und Zeichnung selbst neu. Ähnlich wie sein Kommilitone Gerhart Richter stellt Polke mit diesen Zeichnungen die Frage, wie einerseits die zur modernistischen Dekoration verkommene abstrakte Kunst überwunden werden kann, ohne andererseits hinter eine mimetische oder subjektivistische Abbildlichkeit zurückzufallen.

Der erste Schritt in diese Richtung besteht in einer Hinwendung des Künstlers zur umgebenden Realität, den Katharina Schmidt bereits auf die Materialität bezogen hat. Doch nicht nur die Zeichenmaterialien, Kugelschreiber und Schreibmaschinenbögen, sind dem Alltag entlehnt, sondern auch die Motive der „Richter-Kampagne“. Briketts, Schuhe und die Tischkreissäge usw. stellen die eindeutig benennbaren Alltagsgegenstände der Serie dar.

Darüber hinaus greift Polke auch die Motive aus dem Dienstleistungsgewerbe auf, wie den Friseur und den Kundendienst, um diese jedoch gleichzeitig ad absurdum zu führen. Denn in der Zeichnung der schlafenden Frau wird mit dem unterlegten Werbe-Spruch („Mach mich glücklich – nur mit Richter“) ostentativ auf die werbe-immanenten Evidenzmangel hingewiesen. Da es keinen einzigen Anhaltspunkt gibt, wie die Frau durch „Richter“ glücklich gemacht werden soll, wird die mangelnde Kausalität der Werbung offensichtlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einstieg und Ausweg – Gegenständlichkeit und Abstraktion: Das Kapitel führt in das Œuvre Polkes ein und identifiziert die „Richter-Kampagne“ als Schlusspunkt der frühen Werbezeichnungen, die den Übergang zur neuen Gegenständlichkeit markieren.

2. Materialität und Stil der „Richter-Kampagne“: Hier wird untersucht, wie billige Materialien und ein scheinbar naiver, dilettantischer Stil bewusst eingesetzt werden, um sich von der subjektzentrierten Kunst der 50er Jahre abzugrenzen.

3. Wege aus der Abstraktion: Dieses Hauptkapitel analysiert in vier Unterpunkten, wie die Hinwendung zum Alltag, das Trivialen, die Appropriation von Bildern und die Dezentrierung des Künstlers eine neue künstlerische Position begründen.

4. Das Leistungsvermögen von Polkes neuer Gegenständlichkeit: Das Kapitel reflektiert die Wirksamkeit der „Richter-Kampagne“ als demythisierendes Verfahren, das die Logik der Werbung durch deren eigene bildliche Transformation dekonstruiert.

5. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Sigmar Polke, Richter-Kampagne, Gegenständlichkeit, Abstraktion, Werbe-Ikonographie, Dilettantismus, Materialität, Appropriation, Alltagsmotive, Dezentrierung des Künstlersubjekts, Nachkriegsmalerei, Konsumwelt, Bildvokabular, Postmoderne, Werbekritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die „Richter-Kampagne“ des Künstlers Sigmar Polke aus dem Jahr 1965 als einen entscheidenden Moment der Abkehr von der abstrakten Malerei der Nachkriegszeit hin zu einer neuen, kritischen Gegenständlichkeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Materialwahl, die Verwendung von Alltagsmotiven aus der Werbung, die Rolle des Künstlersubjekts und die inhaltliche sowie formale Dekonstruktion der massenmedialen Warenwelt.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den „hermeneutischen Schlüssel“, den die „Richter-Kampagne“ für Polkes frühe Werbezeichnungen darstellt, freizulegen und zu erklären, warum diese scheinbar „dilettantische“ Kunst eine bedeutende künstlerische Innovation darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine kunsthistorische Analyse, die formale und motivische Aspekte der Bilder untersucht und diese in den Kontext der zeitgenössischen Kunstdebatten sowie der Theoriebildung der Postmoderne einbettet.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die stilistischen und inhaltlichen Merkmale der „Richter-Kampagne“, insbesondere die bewusste Verwendung von Trivialität, die Aneignung von Werbeslogans und die Aufhebung des genialischen Künstlerbegriffs.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Sigmar Polke, Richter-Kampagne, Appropriation, Dilettantismus und die Überwindung der Abstraktion charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Polkes Umgang mit Motiven von der amerikanischen Pop-Art?

Im Gegensatz zur amerikanischen Pop-Art, die Motive oft monumentalisiert und affirmative Tendenzen aufweist, nutzt Polke einen dilettantischen Stil und eine spezifische Materialität, um den Betrachter zur kritischen Distanz gegenüber der Werberhetorik zu bewegen.

Welche Rolle spielt die Freundschaft zu Gerhard Richter für die Interpretation?

Die persönliche Verbindung erhöht die Diskrepanz zwischen dem individuellen Namen „Richter“ und dessen ornamentaler Verwendung in Polkes Zeichnungen, was die ironische und dekonstruktive Stoßrichtung der „Richter-Kampagne“ unterstreicht.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Die Richter-Kampagne
Subtitle
Polkes scheinbar dilettantischer Ausweg aus der Abstraktion
College
University of Constance
Grade
1,0
Author
Frank Dersch (Author)
Publication Year
2007
Pages
20
Catalog Number
V87743
ISBN (eBook)
9783638031936
ISBN (Book)
9783638930642
Language
German
Tags
Richter-Kampagne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Dersch (Author), 2007, Die Richter-Kampagne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87743
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint