Defensible Space


Hausarbeit, 2001
19 Seiten, Note: Bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Defensible Space Ansatz von Oscar Newman
2.1 Zur Person von Oscar Newman
2.2 Der Defensible Space Ansatz von Oscar Newman
2.3 Lösungsvorschläge von Oscar Newman
2.4 Untersuchungen in Deutschland
2.5 Der Defensible Space aus Tätersicht

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Gropiusstadt, das sind Hochhäuser für 45 000 Menschen, dazwischen Rasen und Einkaufszentren. Von weitem sah alles neu und gepflegt aus. Doch wenn man zwischen den Hochhäusern war, stank es überall nach Pisse und Kacke (F. 1981, S. 16). Man lernte in Gropiusstadt einfach automatisch zu tun, was verboten war. Verboten war, irgendetwas zu spielen, was Spaß machte. Es war überhaupt eigentlich alles verboten (...) wir durften also nur auf den Spielplatz. Der bestand aus verpissten Sand und ein paar kaputten Klettergeräten und natürlich einem Riesenschild“ (F. 1981 S. 23). So beschrieb Christiane F. in ihrem Buch: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo die Betonstadt, Gropiusstadt, in Berlin in der sie aufwuchs.

Dieses Beispiel zeigt, ebenso wie neuere Untersuchungen, dass der Hochhausbau nicht für Kinder geeignet ist, sondern dass er möglicherweise kriminalitätsfördernde Wirkung haben kann (Schwind 1998, S. 306).

Auf der Suche nach den Ursachen für Wohnkriminalität, erhielt die Wissenschaft Anstoß von Oscar Newman, einen Architekten. Er untersuchte in New York die Kriminalitätsbelastung von Hochhäusern und kam zu dem Ergebnis, dass die Kriminalitätsrate nahezu proportional zur Gebäudehöhe steigt (Newman 1972, S. 27).

2. Der Defensible Space Ansatz von Oscar Newman

2.1 Zur Person von Oscar Newman

Oscar Newman ist ein international bekannter Architekt und Städteplaner. Er wurde am 30. September 1935 in Montreal, Kanada geboren. 1959 graduierte er von der McGill Universität in Montreal in den Fächern Architektur und Städteplanung. Zwischen 1959 und 1961 führte er sein Studium in Europa, hauptsächlich in den Niederlanden, weiter. 1972 nahm Newman die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Oscar Newman wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. 1974 mit dem Berlin Prix des Futura Film Festivals für eine Dokumentation über das Wohnen. Er ist Präsident des Institute for Community Design Analysis, das Untersuchungen zur Wohnpolitik in den USA im Auftrag der Regierung durchführt. Vor der Gründung des Instituts, war Newman Professor an verschiedenen Universitäten in den USA.

Seine Bücher Defensible Space und Community of Interest haben geholfen, die Wohnpolitik in den USA aber auch in Europa maßgeblich mitzugestalten.

1995 wurde Oscar Newman vom Law Enforcement News zum Mann des Jahres gewählt. Oscar Newman lebt mit seiner Frau Irene Koning in Henderson, New York (www.defensiblespace.com).

2.2 Der Defensible Space Ansatz von Oscar Newman

Nach dem 2. Weltkrieg wurden u.a. in New York turmartige Wohnsilos erbaut. Diese Wohnsilos machten es möglich den knappen und daher teuren Wohngrund ökonomisch sinnvoll zu nutzen (Schwind 1998, S. 313). Der Nachteil war aber, dass diese Wohnsilos nicht den Bedürfnissen der Bewohner entsprachen. Den Bewohnern war es nicht möglich sich mit den Silos zu identifizieren. Den sie hatten keine Möglichkeiten ihre Wohnumwelt mitzugestalten oder sie nach der Erbauung nach ihren Wünschen zu verändern. Die Wohnsilos machten bald den Eindruck von Slums, denn die Bewohner, deren Freunde und Bekannte begannen die Gebäude zu zerstören. Briefkästen, Lampen, und Fenster wurden zerstört. Wände und Fahrstühle wurden mit Parolen beschmiert (Schwind 1998, S.313). Oscar Newman begann sich für dieses Problem als Architekt zu interessieren. Innerhalb von 3 Jahren hatte eine Forschungsgruppe der New York Universität, die sich Project for Security Design of Urban Residential Areas nannte, zusammen mit Newman Wohnprojekte in den Großstädten der USA untersucht. In diesen Städten machte man sich die Mühe das Wohnen von allen Einkommensgruppen zu untersuchen um die Ergebnisse hinterher miteinander vergleichen zu können. Verschiedene Untersuchungstechniken wurden benutzt, unter anderem auch Interviews mit Bewohnern und Hausmeistern der jeweiligen Wohnprojekte. Ebenso wurden Interviews mit der Polizei geführt. Wenn es Aufzeichnungen gab über Verbrechen, Vandalismus, und Instandhaltungskosten wurden diese auch für die Untersuchung verwendet. In New York City waren die Ergebnisse am detailgenauesten und am vollständigsten zusammen getragen worden. Das lag daran, dass die 169 Wohnprojekte in New York City, welche 150 000 Wohneinheiten mit insgesamt 528 000 Bewohnern haben, ausführliche, computerisierte Daten über ihre Mieter, deren Alter, Einkommen und wie viele Jahre sie schon dort wohnen, angelegt haben. Diese 169 Wohnprojekte werden von der New York City Housing Authority verwaltet, die auch ein eigenes Polizeiaufgebot mit ca. 1 600 Polizisten beschäftigt. Die Polizisten halten jedes Verbrechen, jede Zerstörung und auch jede Beschwerde in ausführlichen Berichten fest. Diese Berichte beschreiben nicht nur genau das Verbrechen oder die Beschwerde, sondern auch den genauen Ort innerhalb des Wohngebietes. Aufgrund dieser Daten war es möglich, die gefährlichsten und gefährdeten Orte der Gebäude zu finden und mit anderen Gebäuden zu vergleichen.

Ein weiterer Grund warum die Housing Authority sich für Newmans Untersuchung eignete, war, dass die Housing Authority vom 2-Etagen-Reihenhaus bis zum Hochhaus mit 30 Etagen über fast alle Gebäudetypen verfügte.

Um festzustellen, in wie weit der Entwurf eines Gebäudes für die Kriminalitätsrate, in eben diesen Gebäuden verantwortlich ist, müssen auch andere Faktoren, die die Kriminalität beeinflussen (z. B. Alter, Einkommen, Familienhintergrund) in Betracht gezogen werden. Um den Einfluss der Wohnumwelt auf Kriminalität zu ermitteln, braucht es Vergleiche mit Wohnumgebungen in denen die sozialen Charakteristiken der Bewohner so konstant wie möglich sind: die einzige Abweichung ist die Form der Gebäude in denen die Bewohner wohnen.

Um das Problem der Wohnkriminalität zu lösen, müssen Nachbarn Hand in Hand arbeiten und wenn das Gebäudedesign helfen kann dieses Problem zumindest einzudämmen, muss es auch genutzt werden (Newman 1972, S. 1). Das Kriminalitätsproblem wird nicht durch Waffen und ein größeres Polizeiaufgebot gelöst. Denn ein kleines Polizeiaufgebot ist nicht die Wurzel der Kriminalität. Die Häuser und ihre schlechte Architektur, die Kriminalität begünstigen, tragen zur Kriminalität bei und das ist auch der Punkt wo Defensible Space ansetzt. Wenn die Polizei ohne Unterstützung der zu schützenden Hausbewohner arbeitet und nicht mit ihnen zusammen, dann wird die Polizei eher als störend und nicht helfend empfunden (Newman 1972, S. 1).

Ein Gebiet kann, dank Architekten und Design, von Bewohnern und Fremden gesehen werden, als wäre es unter Einfluss einer bestimmten Gruppe entstanden, die auch vorschreibt, welche Aktivitäten dort stattfinden und wer daran Anteil hat (Newman 1972, S. 3).Das kann so unmissverständlich klar gemacht werden, dass sich Bewohner selbstsicher fühlen, sie aber dennoch das Kommen und Gehen anderer Menschen, die nicht im Gebiet wohnen, kritisieren um auch weiterhin die Sicherheit ihres Wohngebietes garantieren zu können.

Ein Defensible Space ist eine Wohnumwelt, die von ihren Bewohnern zur Verbesserung des Wohnens genutzt wird, während sie gleichzeitig Sicherheit für die Familien, Nachbarn, und Freunde bietet. Defensible Space ist ein stellvertretendes Wort für eine Reihe von Mechanismen, die reale (z.B. Mauern und Zäune) und symbolische z.B. kleine Gärten, unterschiedliche Pflasterungen von Gehweg und Bürgersteig) Grenzen und die verbesserten Möglichkeiten zur Überwachung bieten. Diese Kombination macht es möglich, dass Hausbewohner ihre Wohnumwelt unter ihre Obhut bringen (Newman 1972, S. 4). Es ist eine Technik, die sich sowohl auf Reihenhäuser mit geringer Wohndichte, als auch auf Hochhäuser mit hoher Wohndichte anwenden lässt (1972, S. 9). Die Architektur des Defensible Space erweitert das Wohngebiet auf die dazugehörige Straße, damit auch hier dementsprechende Verantwortung gezeigt werden kann (1972, S. 4). Zum Vergleich: die meisten Menschen, die in großen Wohnprojekten wohnen, fühlen sich nur in und auch nur bis zu den Grenzen/Wänden ihrer Wohnung verantwortlich, um die sie sich dann auch nur kümmern (Schwind 1998, S. 377).

Wenn Architekten eine unmissverständliche Bedeutung für einen Ort und deren Nutzung schaffen, kann das dafür sorgen, dass Bewohner eine territoriale Haltung entwickeln und Maßnahmen ergreifen, die einen potentiellen Täter abschrecken. Diese Maßnahmen sollen aber nicht bedeuten, dass die Bewohner selbst einen Täter stellen, sondern sie sollen zeigen, dass die Bewohner und die Anwesenheit Fremder in Frage stellen, ebenso wie sie in fragwürdige Aktionen dieser beobachten. Sie sollen auch zeigen, dass die Bewohner gegebenenfalls in Situationen eingreifen und die Polizei verständigen, aber diese nicht ersetzen (Newman 1972, S. 4).

Newman beschreibt in seinem Buch: „Defensible Space Crime Prevention through Urban Design“ mehrere typische, bauliche Merkmale, die Wohnprojekte mit hoher Kriminalitätsrate aufweisen (Newman 1972, S. 23). Die Wohnprojekte sind meist sehr groß, sie bieten Wohnmöglichkeiten für bis zu 1 000 Familien, es sind meistens Hochhäuser mit mehr als 7 Etagen. Die Gebäude selbst haben oft eine Kruzifixform und es wohnen zwischen 150 und 500 Familien in den einzelnen Gebäuden. Die Häuser haben einen Eingangsbereich, in dem sich auch die Briefkästen und 2-4 Fahrstühle befinden. Eine typische Etage besteht aus einem langen Flur mit Wohnungen auf beiden Seiten. Um den Sicherheitsansprüchen zu genügen, gibt es 2 manchmal auch 4 Notausgänge auf allen Etagen, die zum Treppenhaus führen. Manchmal befinden sich die Treppen hinter dem Fahrstuhl, manchmal aber auch an jedem Ende des Korridors. Je nach Größe des Gebäudes gibt es 1-4 Ausgänge zusätzlich zum Hauptausgang (1972, S. 23). Diese Merkmale machen eine Überwachung schwer, wenn nicht unmöglich. Daher können sie von Tätern gut genutzt werden. Diese Gebäudebeschreibung trifft auf viele Gebäude zu. Zum Beispiel auch auf die Gropiusstadt in Berlin in der Christiane F. aufwuchs, die in der Einleitung zitiert wurde. Newman fand heraus, dass die Kriminalitätsrate proportional zur Gebäudehöhe wächst, aber auch, dass man noch andere Faktoren als die Gebäudehöhe in Betracht ziehen muss, die aber mit einem Hochhaus einher gehen: nämlich die hohe Anzahl von Wohneinheiten und Menschen, die das Treppenhaus, die Eingangshalle, die Fahrstühle und die Eingänge anonym benutzen und die fehlenden Möglichkeiten zur Überwachung (Newman 1972, S. 27).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Defensible Space
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Räumliches Verhalten
Note
Bestanden
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V8776
ISBN (eBook)
9783638156639
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Defensible, Space, Räumliches, Verhalten
Arbeit zitieren
Yvonne Dewerne (Autor), 2001, Defensible Space, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8776

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