Der öffentliche Konflikt rund um die grüne Biotechnologie beruht weniger auf wissenschaftlich basierten Forschungsergebnissen. Er konzentriert sich in erster Linie auf emotionsgeladene, grund-sätzliche Fragen der langfristigen ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Anwen-dungsfolgen der grünen Gentechnologie. In den Unternehmen wird die Frage des „Verlustes von Wettbewerbschancen durch Mangel an Akzeptanz“ von den Themen „Verbraucherschutz“ und „Nachhaltigkeit“ dominiert. Grüne Biotechnologie und Nachhal-tigkeit stehen in einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis zueinander, da noch immer die Gewissheit, ob gentechnologische Innovationen nachhaltig sind, in Frage steht. Daraus folgen einerseits hohe Forderungen für eine intensivere Forschung und Entwicklung der grünen Biotechnologie, um Sicherheit der langfristigen Auswirkungen zu gewährleisten, andererseits steht aber, in Hinblick auf ihre noch wenig überprüfbaren Wirkungsverhältnisse, eine Einführung von dort bereits erfolgten Innovationen in einem bestimmten gesellschaftlichen Umfeld bzw. Markt aus. Diese Ambivalenz in der Debatte um die Grüne Gentechforschung bestimmt erheblich die Forschungsrolle in den Unternehmen der grünen Biotechnologiebranche. Diese Arbeit analysiert, wie Forschung als Stakeholder Unternehmen der grünen Biotechnologie bei der Ausrichtung des eigenen Innovationsprozesses an die geforderte Nachhaltigkeit beeinflusst. Aufgabe ist es zunächst, die komplexe Unternehmensbeziehung zur Forschung in der grünen Gentechnik vorzustellen. Die einführende Abgrenzung der Forschung im Bereich der grünen Gentechnik, ihrer Ziele und Aufgabenfelder soll eine Darstellung ihrer spezifischen Stakeholderinteressen ermöglichen. Die Forschung kann demnach als Anspruchsgruppe erkannt und positioniert werden. So kann das Unternehmen sie in seiner strategischen Ausrichtung berücksichtigen. Zudem stellen institutionelle Rahmenbedingungen für die Forschung einen limitierenden Faktor dar und beinhalten zahlreiche Implikationen für ihre Rolle als Stakeholder. Unter diesem Aspekt wird eine kritische Schlussbetrachtung vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in das Thema
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Forschung in der grünen Gentechnik – ein Definitionsversuch
2.2 Forschungsfelder und -aufgaben
2.3 Der Stakeholderansatz im Innovationsprozess
3 Forschung als Stakeholder
3.1 Forschung in der Unternehmensinteraktion
3.2 Identifizierung der Forschung als Stakeholder
3.3 Positionierung der Forschung als Stakeholder
3.3.1 Macht: die Rolle des Wissens
3.3.2 Legitimität: die Rolle der Wechselwirkungen
3.3.3 Dringlichkeit: die Rolle der Rahmenbedingungen
4 Kooperation als Handlungsstrategie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Forschung als Stakeholder in Biotechnologieunternehmen und analysiert, wie diese Anspruchsgruppe den Innovationsprozess sowie die strategische Ausrichtung im Bereich der grünen Gentechnik unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsanforderungen beeinflusst.
- Stellenwert der Forschung als strategische Anspruchsgruppe
- Interdependenzen zwischen Forschung und Unternehmen
- Anwendung des Stakeholderansatzes im Innovationsmanagement
- Relevanz von Macht, Legitimität und Dringlichkeit
- Kooperation als notwendige Strategie für Innovationsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Macht: die Rolle des Wissens
Macht wird als eine Form des sozialen Einflusses verstanden, die es Stakeholdern ermöglicht, den eigenen Willen in sozialen Beziehungen auch gegen Widerstände durchzusetzen. Sie besitzt die Fähigkeit, Ressourcen zu nutzen „to make an event actually happen“, die unter Verfolgung der eigenen Ziele und Interesse eingesetzt werden, ohne Rücksicht auf Interessen anderer. Die Machtposition von Forschung in der Grünen Gen-technik kann anhand des von ihr vorhandenen Wissens und Informationsvorsprungs bewer-tet werden. „Wissen ist Macht“.
Wissensgenerierung und Wissenstransfer sind bei der transgenen Pflanzentechnologie zentral und finden auf allen Wertschöpfungsstufen statt. Ihre Beherrschung ist an beträchtliches Wissen und Fähigkeiten gebunden, die in der Bottom-up Richtung von der Grundlagen- und angewandten Forschung ausgehen. Der Einsatz des „Produktionsfaktors Wissen“ im Unternehmen verschafft der Forschung als Wissensquelle eine Machtstellung. Die grüne Biotechnologie hat eine neue Wissensbasis: bei ihr ist der Abstand zwischen wissenschaftlichem Fortschritt im Labor und seiner Feld-forschung fließend, da sich gentechnische Auswirkungen erst im späteren Verwertungs-umfeld wirklich zeigen. Vielfach ist eine neue Forschungsentdeckung fast schon ein neues Produkt, und es steht nur die Vermarktung noch aus.
Hinzu kommt die Tatsache, dass Wissen akkumuliert wird und zu spezifischem Know-how generiert, das als Kern-kompetenz im Unternehmen nicht einfach zu ersetzen ist. Daraus ergibt sich die Notwen-digkeit, mit den Forschungsträgern zusammenzuarbeiten und die entsprechende Bildung einer Vielzahl von Netzwerken und Kooperationen. Durch diese Zusammenarbeit wird vermieden, dass die Forschung eine Machtstellung ausübt. Die Generierung des notwendi-gen Wissens und sein Transfer erfolgen oft auch international, womit sich Informations-stand und Wahrnehmung von der Grünen Gentechnik zw. Forschern grenzüberschreitend annähern. Wissensbereitstellung und Austausch von Informationen über die Gentechnik bauen Informationsasymmetrien ab und vereinheitlichen die Ansichten. So wird die Wissensmacht der Forscher verringert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in das Thema: Die Einleitung beleuchtet die Innovationsrelevanz der grünen Gentechnik und den gesellschaftlichen Konflikt, der die Forschung als Akteur in den Mittelpunkt unternehmerischer Herausforderungen stellt.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die Forschung im Bereich der grünen Gentechnik, erläutert deren Aufgabenfelder und führt in den Stakeholderansatz innerhalb des Innovationsprozesses ein.
3 Forschung als Stakeholder: Hier wird die Forschung als komplexe Anspruchsgruppe analysiert, wobei Identifizierungs- und Positionierungsstrategien sowie die Macht- und Legitimitätsaspekte im Fokus stehen.
4 Kooperation als Handlungsstrategie: Das Kapitel begründet, warum die Kooperation zwischen Forschung und Unternehmen eine unentbehrliche Strategie ist, um Kompetenzen zu bündeln und Innovationshürden zu überwinden.
Schlüsselwörter
Grüne Gentechnik, Biotechnologie, Forschung, Stakeholderansatz, Innovationsprozess, Macht, Legitimität, Dringlichkeit, Kooperationsstrategie, Nachhaltigkeit, Wissensmanagement, Unternehmenskultur, Risikokommunikation, Gentechnologie, Innovationsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die funktionale und strategische Rolle der Forschung als Stakeholder für Unternehmen im Bereich der grünen Biotechnologie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Forschung im gentechnischen Kontext, die Interaktion mit Stakeholdern sowie Strategien zur Bewältigung von gesellschaftlicher Akzeptanz und ethischen Herausforderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Forschung als Stakeholder die Innovationsprozesse von Unternehmen beeinflusst und wie eine strategische Zusammenarbeit gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und die Anwendung des Stakeholder-Konzepts nach Freeman sowie der Kategorisierung nach Mitchell, Agle und Wood.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Identifizierung der Forschung als Anspruchsgruppe, der Analyse von Machtverhältnissen durch Wissen sowie der Legitimität und Dringlichkeit von Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Grüne Gentechnik, Stakeholderansatz, Innovationsmanagement, Kooperationsstrategie und Nachhaltigkeit.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Forschung bei verschiedenen Unternehmenstypen wie NBUs oder Großkonzernen?
Die Arbeit erläutert, dass NBUs (Start-ups) oft aus der Forschung entstehen und eine andere strategische Einbettung erfordern als etablierte Großunternehmen, die Forschung eher als externe oder ergänzende Ressource nutzen.
Warum spielt die Legitimität eine so große Rolle für Forscher im Bereich der grünen Gentechnik?
Die Legitimität ist entscheidend, da Forschung bei dieser umstrittenen Technologie ständig mit Akzeptanzproblemen in der Gesellschaft konfrontiert ist und nur durch hohe wissenschaftliche Glaubwürdigkeit als legitimer Akteur wahrgenommen werden kann.
- Quote paper
- Antoniya Hauerwaas (Author), 2007, Forschung als Stakeholder in der Grünen Gentechnik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87783