Das Planspiel als Unterrichtsmethode und die Möglichkeiten des Einsatzes der Methode im LER-Unterricht

Modularbeit im Hauptstudium Fachdidaktik LER


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Bemerkungen

2. Die Planspielmethode
2.1. Begriffsklärung
2.2. Herkunft und Entwicklung der Methode
2.3. Abgrenzungen und Eingrenzung der Methode

3. Das Planspiel als Unterrichtsmethode
3.1. Aufbau typischer Planspiele
3.2. Lernen im Planspiel
3.3. Vorzüge des Planspiels als Unterrichtsmethode
3.4. Eventuelle Schwierigkeiten beim Einsatz der Methode

4. Das Planspiel als Methode im LER-Unterricht

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitende Bemerkungen

Das Spiel im Allgemeinen und seine Vertreter wie etwa Planspiel oder Rollenspiel wurden schon in den 1970ern im Zuge der Bemühungen um eine Öffnung von Unterricht heftig diskutiert.[1] Dass solche guten theoretischen Überlegungen nicht immer einen wirklich breiten Effekt in der Praxis haben müssen, wurde an anderer Stelle mit Blick auf den offenen Unter­richt ja bereits ausgeführt.[2] Das Planspiel wurde in den meisten Fachbereichen auch eher stief­mütterlich behandelt. Es findet als didaktische Methode heute vor allem Anwendung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, hier allerdings auch in besonderem Maße in der Erwachsenenbildung, seltener im schulischen Kontext. Dies ist vor allem auch dadurch zu begründen, dass systemische Zusammenhänge, wie sie im Planspiel deutlich werden, vor allem in Wirtschaft, Politik und Verwaltung entweder zu Erfolg und Effizienz oder aber eben zu Misserfolg und Ineffizienz führen und hier deshalb von besonderem Interesse sind.

LER ist auf dem ersten Blick seinen Bezugswissenschaften zu Folge nun vor allem ein geisteswissenschaftliches Fach, da doch schon bei der Lehrerausbildung vor allem Philo­sophie und Religions­wissenschaft dominant sind, wohingegen die beiden den eher sozial­wissen­schaftlichen Teil bildenden Disziplinen Psychologie und Soziologie eher in den Hinter­grund treten. Dies liegt natürlich darin begründet, dass Psychologie und Soziologie in der Anlage des Faches gemeinsam die Dimension der Lebensgestaltung ausfüllen, wodurch die beiden geistes­wissenschaftlich geprägten Dimensionen zusammen zwei Drittel des Faches in Anspruch nehmen. In der Konzeption sind freilich die drei Basisstrukturen L, E und R gleich­wertig gedacht, sollen sich wenn möglich gegenseitig befruchten und dienen letztlich in ihrer Zusammenführung im Fach LER der gegenwärtigen und zukünftigen Problembewältigung, wozu auch ein Verständnis der komplexen Wirklichkeit notwendig ist.[3]

Ziel dieser Arbeit ist es, das Planspiel als mögliche Methode für den Einsatz im LER-Unterricht näher zu betrachten. Hier wird es besonders interessant sein, zu ergründen, inwiefern diese Methode zum einen zur allgemeinen Kompetenzentwicklung beitragen kann und wie sie zum anderen die inhaltlichen Anforderungen des Faches bedienen kann. Bevor allerdings näher auf die Einsatzmöglichkeiten der Planspielmethode im LER-Unterricht eingegangen werden wird, soll das Planspiel allgemein in seiner Herkunft, seiner Abgrenzung zu anderen Methoden und seiner prototypischen Gestalt näher betrachtet werden.

2. Die Planspielmethode

2.1. Begriffsklärung

Das begriffliche Umfeld des Planspiels ist durchaus verwirrend, weshalb vor weiteren Überlegungen eine kurze Begriffsklärung erfolgen muss. International ist der Ausdruck ‚simulation game’ gebräuchlich, der eine Mischform aus mehreren Komponenten bezeichnet. Geuting bezeichnet es auch als ‚Drei-Komponenten-Spiel’, da er (1) das Simulationsmodell eines Umweltsektors (‚environment simulation’), (2) Rollenspiel (‚role-playing’) und (3) das Regelspiel (‚non-simulation game’) als wesentliche Bestandteile sieht.[4] Auf die Aus­wirkungen der Zusammensetzung des Planspiels aus diesen Komponenten und auch auf die Ab­grenzung zu anderen Methoden, wie etwa dem Rollenspiel, wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch eingegangen werden.

Zum Begriffsverständnis scheint eine nähere Betrachtung der einzelnen Begriffs­bestand­teile ebenfalls lohnenswert. Capaul unterscheidet dazu die Komponenten ‚Plan’ und ‚Spiel’. Dabei sieht er im Plan die modellhaft gedachte Umwelt, einen Spiel­rahmen, auf dessen Grund­­lage das Spiel zumeist anhand eines konkreten Problems stattfindet. Diese ver­ein­fachte Spielrealität, eine Auswahl problemrelevanter Aspekte, ist den Spielern bewusst und wirkt durch ihre Komplexität realistisch. Im Kontext des Planspiels kann das Spiel als fach­gebunden, zweck- und zielgerichtet charakterisiert werden. Es ist durch den Plan als Spiel­rahmen und durch Spielregeln deutlich reglementiert. Das Planspiel kann dann nach Geuting als methodisch organisierte Tätigkeit bestimmt werden, bei welcher in Gruppen zu­sam­men­geschlossene Spielteilnehmer in vorgegebenen Rollen und wechselnden Situationen handelnd interagieren. Die Spielgruppen bilden in der Regel den jeweiligen Handlungsträger, mit welchem sie sich an der Lösung eines zentralen Problems beteiligen. Charakteristisch ist zudem die Dynamik und Spannung des Spiels, welche durch stetige Veränderungen der Spiel­situation, durch den Wettbewerb der Spielgruppen und durch den Entscheidungsdruck ent­steht. Wichtig ist auch die kreative Komponente des Planspiels, die durch ‚Spiel’ ausgedrückt wird. So werden die konstruierten Modellwelten bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten für das zentrale Problem kreativ experimentierend durchgespielt. Durch den im Planspiel ent­hal­tenen Zeitfaktor können auch Konsequenzen von Entscheidungen deutlich gemacht werden. Neben dem realitätsnahen Lernkontext und der Kommunikation, sowohl innerhalb der Handlungsträger-Gruppen, als auch zwischen den Handlungsträgern, sind auch die Doku­mentation der Handlungsschritte und Rückmeldungen durch die Spielleitung von Bedeutung.[5]

Da das Planspiel nach Geuting in der modellhaften Nachbildung begrenzter Bereiche der sozio-kulturellen Lebenswelt und bestimmter Wirkungsfelder menschlichen Handelns be­steht, beinhaltet es die Aspekte Personensimulation, Umweltsimulation, Problem­simu­lation, Handlungssimulation, Zufallssimulation und Wirkungssimulation. Das Vorgehen der Spiel­gruppen wird größtenteils durch vier Parameter bestimmt. Diese sind (1) die formalen Spiel­regeln, (2) die gesetzlichen und sozialen Normen der simulierten Umwelt, (3) die Interessen, Ziele und Handlungsprinzipien der eigenen Gruppe und (4) die vermuteten Interessen, Ziele und Handlungsprinzipien der anderen Gruppen.[6]

2.2. Herkunft und Entwicklung der Methode

Bezieht man das chinesische Kriegssimulationsspiel ‚Wei-Hai’, welches wohl bereits 3000 vor unserer Zeitrechnung verwendet wurde, mit in seine Überlegungen ein, ist das Planspiel wohl eine der ältesten denkbaren didaktischen Methoden. ‚Wie-Hai’ hatte in seiner Grundidee wohl Ähnlichkeiten zum Schach und diente Ausbildungszwecken und auch der Unter­hal­tung. Im Allgemeinen wird zur historischen Einordnung der Methode allerdings nicht auf chine­sische Strategen verwiesen, sondern auf deren etwas modernere deutsche Pendants. So haben preußische Militärs am Ende des 18. Jahrhunderts die Planspielidee ent­wickelt, welche in der Folge zur strategisch-taktischen Entscheidungs­findung und auch zur Aus­bildung von Offi­zieren diente. Die ersten Formen waren Varianten des Schachspiels, die sich dann Kriegs-Schach­spiel nannten. Dieses Spiel und seine Weiterentwicklungen dienten neben der Aus­bildung vor allem dazu, militärische Operationspläne durchzuproben. Gegen 1880 wurde die Idee auch in Nordamerika aufgegriffen und weiterentwickelt. Der Bedarf solcher Methoden erklärt sich natürlich leicht aus der Bedeutung militärischer Fehl­ent­scheidungen. So ist der Er­folg eines Feldzuges maßgeblich vom Materialnachschub abhängig, wes­halb die Planung von Versorgungswegen, einschließlich möglichst aller denk­baren Störungen wichtig ist. In größe­rem Maßstab hängt der Sieg vom Verhalten der Gegner, der Ver­bündeten und der neutralen Parteien abhängig, welches durch Planspiele vorab simuliert werden kann.[7]

Das erste Unternehmungsplanspiel wurde wohl bereits 1932 am Institut für Ingenieur­wesen und Wirtschaftswissenschaften in Leningrad (heute St. Petersburg) entwickelt. Seinen Durch­bruch im Bereich wirtschaftlicher Anwendung hatte die Methode allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 1950ern wurden in den USA sogenannte ‚Management Games’ entwickelt, die auf den Überlegungen der militärischen Simulationsspiele aufbauten. Das erste wichtige Spiel dieser Art war die ‚Top Management Decision Simulation’, welches auf Betrei­ben der American Management Association 1956 entwickelt wurde und zur Fort­bildung leitender Angestellter diente. Diesem prototypischen Spiel folgten eine Reihe weite­rer Ab­leger, die in ihrer Komplexität stark variierten.[8] Heute wird das Planspiel auch zuneh­mend als Bestandteil von Assessment Centern zur Personalauswahl oder -schulung ver­wen­det. Die Spieler werden dabei in der Regel von mehreren rotierenden Beobachtern hinsichtlich ihrer Potenziale und Defizite bewertet.[9] In der Folge des Aufkommens der Methode in den 1960ern im wirtschaftlichen Bereich wurde das Planspiel dann als durchaus vielseitiges Problem­­lösungs­instrument und Ausbildungsmethode erkannt, weshalb es dann auch auf andere An­wendungs­gebiete übertragen wurde. So entstanden etwa Plan­spiele zu poli­tischen, administrativen, städteplanerischen Zusammenhängen, auf lokaler bis globaler Ebene.[10]

[...]


[1] Siehe dazu etwa Kube 1977.

[2] Siehe dazu auch Bohl 2001, S. 19-21 oder Brügelmann 2000.

[3] Vgl. Edelstein/Oser/Lott/Grözinger 2001, v.a. S. 71-73 sowie S. 100-111.

[4] Vgl. Geuting 2000, S. 3.

[5] Vgl. Capaul 2001, S. 145-148 und Geuting 2000, S. 2.

[6] Vgl. Geuting 2000, S. 2.

[7] Vgl. Capaul 2001, S. 148-149, Geuting 1992, S. 317-322.

[8] Vgl. Capaul 2001, S. 149, Geuting 1992, S. 322-326.

[9] Vgl. Capaul 2001, S. 155. Zum Einsatz in der beruflichen Bildung siehe auch Blötz 2003.

[10] Zu den diesbezüglichen Entwicklungslinien und Klassifikationen siehe Geuting 1992, S. 326-335.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Planspiel als Unterrichtsmethode und die Möglichkeiten des Einsatzes der Methode im LER-Unterricht
Untertitel
Modularbeit im Hauptstudium Fachdidaktik LER
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Philosophie / Kollegium LER)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V87791
ISBN (eBook)
9783638023085
ISBN (Buch)
9783638924696
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Planspiel, Unterrichtsmethode, Möglichkeiten, Einsatzes, Methode, LER-Unterricht, Offener Unterricht, Freiarbeit, Planspielunterricht, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Spieldidaktik
Arbeit zitieren
Stefan Grzesikowski (Autor), 2008, Das Planspiel als Unterrichtsmethode und die Möglichkeiten des Einsatzes der Methode im LER-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87791

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