Der Rahmenlehrplan LER sieht an einigen Stellen den Einsatz der Methode Planspiel vor. So findet es sich etwa als methodische Anregung im Themenfeld Tätigsein und Arbeit, im Themenfeld zu den Chancen für die Gestaltung einer gerechteren Gesellschaft. Ein Einsatz in weiteren Themenfeldern erscheint darüber hinaus äußerst sinnvoll. Leider ist der Planspieleinsatz in der Schule, zumindest meiner eigenen Erfahrung nach, trotzdem äußerst selten.
Man hört von universitären Planspielen, wie etwa T.A.U. (Technik-Arbeit-Umwelt), welches als computergestütztes Planspiel auch an der Universität Potsdam durch den Lehrstuhl für Verwaltung und Organisation regelmäßig angeboten wird. Auch Simulationen der Vereinten Nationen hört man ab und an etwa in der Presse, so finden international und auch in Deutschland regelmäßig Konferenzen statt, welche die Abläufe der Vereinten Nationen mit Schülern und Studenten nachempfinden. Beispiele dafür wären auf internationaler Ebene die von der Harvard University jährlich durchgeführten World Model United Nations (WorldMUN) oder National Model United Nations (NMUN) , die sich beide an Studenten richten, sowie auf nationaler Ebene der Schüler etwa die Berlin Model United Nations (BERMUN) oder das Schüler-Planspiel United Nations (SPUN) . Allerdings sind es einige wenige Schulen, die daran Teilnehmen, universitär nur einige wenige Fachrichtungen, zumeist Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die Planspiele veranstalten. Von einem routinierten Einsatz als Methode im ganz normalen Unterricht kann also wohl nicht die Rede sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, zumindest für das Fach LER ein wenig an diesem Zustand zu rütteln, indem nach einer kurzen Einschätzung der Methode Planspiel auf konkrete Einsatzmöglichkeiten im LER-Unterricht eingegangen werden soll. Dazu werden zwei ausgewählte Planspiele hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeit im LER-Unterricht betrachtet und kurz vorgestellt.
Das Planspiel ist wohl auf die Kriegssimulationen preußischer Generäle zurückzuführen und hatte so als Abwandlung des Schachspiels bereits um 1790 seine ersten Einsätze im militärischen Bereich, indem man Strategien und Feldzüge durchspielte. Dies diente zum einen dazu, militärische Operationen in ihren Erfolgschancen zu bewerten und mögliche Handlungsoptionen aufzuzeigen, zum anderen hatte es aber bereits in dieser frühen Entwicklungsstufe einen didaktischen Aspekt, da damit auch Offiziere aus- und weitergebildet wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen
2. Die Methode Planspiel
2.1. Einordnung der Methode Planspiel
2.2. Durchführung von Planspielen im Unterricht
2.3. Rechtfertigung des Methodeneinsatzes
3. Planspiele im LER-Unterricht
3.1. Vorüberlegungen
3.2. Planspiel 1 – Wasser für Ganurbia
3.2.1. Allgemein
3.2.2. Vorbereitung des Planspiels Wasser für Ganurbia
3.2.3. Akteure des Planspiels Wasser für Ganurbia
3.2.4. Durchführung des Planspiels Wasser für Ganurbia
3.2.5. Auswertung des Planspiels Wasser für Ganurbia
3.3. Planspiel 2 – Weltklimakonferenz
3.3.1. Allgemein
3.3.2. Vorbereitung des Planspiels Weltklimakonferenz
3.3.3. Akteure des Planspiels Weltklimakonferenz
3.3.4. Durchführung des Planspiels Weltklimakonferenz
3.3.5. Auswertung des Planspiels Weltklimakonferenz
4. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial und die konkreten Einsatzmöglichkeiten der Methode "Planspiel" innerhalb des LER-Unterrichts (Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde), um Schülerinnen und Schülern ein tieferes Verständnis für komplexe gesellschaftliche und ökologische Prozesse zu vermitteln.
- Grundlagen und Didaktik der Planspielmethode
- Methodische Gestaltung von Planspielen im Schulalltag
- Vorstellung und Analyse des Planspiels "Wasser für Ganurbia"
- Vorstellung und Analyse des Planspiels "Weltklimakonferenz"
- Förderung von systemischer Kompetenz und Handlungsorientierung
Auszug aus dem Buch
2.1. Einordnung der Methode Planspiel
Das Planspiel ist wohl auf die Kriegssimulationen preußischer Generäle zurückzuführen und hatte so als Abwandlung des Schachspiels bereits um 1790 seine ersten Einsätze im militärischen Bereich, indem man Strategien und Feldzüge durchspielte. Dies diente zum einen dazu, militärische Operationen in ihren Erfolgschancen zu bewerten und mögliche Handlungsoptionen aufzuzeigen, zum anderen hatte es aber bereits in dieser frühen Entwicklungsstufe einen didaktischen Aspekt, da damit auch Offiziere aus- und weitergebildet wurden. Die Vorzüge solcher Strategiespiele erkannten auch amerikanische Militärs, welche die Methode gegen Ende des 19. Jahrhunderts importierten und folglich weiterentwickelt. Nach langem Einsatz im militärischen Bereich entdeckte dann die Wirtschaft das Planspiel in den 1950ern und 1960ern zur Managerausbildung für sich. Es folgte der Einsatz in Politik und Verwaltung sowie schließlich auch in der Bildung, wo es vornehmlich eine Methode der sozialkundlichen Fächer ist.
Der Begriff Planspiel erscheint dabei etwas verwirrend, denn das Planspiel ist keineswegs eine Spielform, die nach festem Plan abläuft. Der Plan steht vielmehr für einen Spielrahmen, der eine modellhafter Wirklichkeitsausschnitt ist. Darin bewegen sich die Spielenden gruppenweise, deren Spielziel es ist, gemeinsam und doch im Wettbewerb miteinander eine vorgegebenes Problem zur Lösung zu bringen. Planspiele sind also lernzielorientierte, speziell konstruierte Modelle der Realität, in denen experimentelles, handlungsorientiertes und erfahrungsbezogenes Lernen stattfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen: Der Autor stellt die Relevanz des Planspiels im LER-Unterricht dar und verdeutlicht, dass die Methode trotz ihrer methodischen Empfehlung im Rahmenlehrplan in der schulischen Praxis bisher nur selten angewendet wird.
2. Die Methode Planspiel: Dieses Kapitel erläutert die historische Herkunft, die Begriffsdefinition sowie die wesentlichen Merkmale und Phasen der Planspielmethode, inklusive Empfehlungen für eine didaktische Vereinfachung für den Schulalltag.
3. Planspiele im LER-Unterricht: Hier werden konkret die beiden Planspiele "Wasser für Ganurbia" und "Weltklimakonferenz" eingeführt, ihre Vorbereitung, die Akteursrollen sowie der didaktische Ablauf und die Auswertung detailliert analysiert.
4. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit resümiert, dass Planspiele eine exzellente Möglichkeit bieten, ganzheitliches Lernen zu fördern, erfordert jedoch eine sorgfältige Auswahl und Anpassung an die Bedingungen der Lerngruppe.
Schlüsselwörter
Planspiel, LER-Unterricht, Unterrichtsmethode, Wasser für Ganurbia, Weltklimakonferenz, handlungsorientiertes Lernen, Simulation, Rollenspiel, systemische Kompetenz, globale Gerechtigkeit, soziale Kompetenz, Unterrichtsplanung, Gruppendynamik, Umweltpolitik, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Planspielmethode im LER-Unterricht als Mittel, um komplexe gesellschaftliche und politische Zusammenhänge greifbar und erfahrbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die theoretische Einordnung von Planspielen sowie deren praktische Implementierung anhand der Beispiele Wasserversorgung und Klimaschutz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Vorstellung konkreter Planspiele dazu beizutragen, die Methode im LER-Unterricht bekannter zu machen und Lehrer zu ermutigen, diese zur Förderung von Handlungskompetenz einzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse zu verschiedenen Planspiel-Konzepten, die in konkrete didaktische Überlegungen für das Fach LER übersetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine methodische Einführung und eine detaillierte Ausarbeitung der beiden spezifischen Planspiele, inklusive Akteursbeschreibungen und Ablaufphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Planspiel, LER, ganzheitliches Lernen, Simulation, systemische Kompetenz und handlungsorientierte Didaktik.
Wie unterscheidet sich das Planspiel "Wasser für Ganurbia" von einer reinen Gruppendiskussion?
Durch die Simulation von Rollen (Verwaltung, Konzern, NGO, Weltbank) entstehen spezifische Interessengegensätze, die über eine bloße Diskussion hinausgehen, da die Schüler innerhalb fester systemischer Grenzen agieren müssen.
Welche Rolle kommt dem Lehrkraft bei der Durchführung des Planspiels zu?
Die Lehrkraft übernimmt die Rolle der Spielleitung, unterstützt bei der Vorbereitung, kann bei Bedarf in moderierender Funktion tätig werden und ist maßgeblich für die qualifizierte Auswertung der Spielerfahrungen verantwortlich.
Warum ist die Auswertungsphase so entscheidend für den Lernerfolg?
Nur in der Auswertung wird die simulierte Realität mit der Wirklichkeit verknüpft, was eine kritische Reflexion und die Bildung fundierter Werthaltungen ermöglicht, die über den rein spielerischen Aspekt hinausgehen.
- Citar trabajo
- Stefanie Müller (Autor), 2008, Überlegungen zum konkreten Einsatz des Planspiels als Methode im LER-Unterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87793