Gruppenarbeit ist heutzutage in vielen Industriezweigen und Dienstleistungsbereichen eine gängige Form Arbeit zu organisieren. Sie tritt in vielfältigen Varianten auf. So gibt es zum Beispiel Projektgruppen, in der Experten aus verschiedenen Arbeitsbereichen meist zeitlich befristet eine Problemstellung bearbeiten oder Qualitätszirkel, in denen auf freiwilliger Basis Probleme des jeweiligen Arbeitsbereiches bearbeitet werden. In der Produktionsabteilung der Industrie trifft man auf Fertigungsteams, die neben direkter Produktionsaufgaben auch Qualitätsmanagement und planerische Aufgaben durchführen und teilautonome Arbeitsgruppen, die Aufgaben meist eigenverantwortlich übertragen bekommen.
Gruppenarbeit kommt ergänzend zur regulären Arbeit vor, oder sie ist die eigentliche Form der regulären Arbeit. Und sie unterscheidet sich hinsichtlich ihres Handlungsspielraums, ihrer Entscheidungsstruktur, und dem Grad ihrer Autonomie.
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Form der Arbeitsorganisation reicht schon länger zurück, fast bis an den Anfang des letzten Jahrhunderts, just bis zu der Zeit, als ihr entgegengesetztes Organisationsmodell der Taylorismus durch Henry Ford seinen weltweiten Siegeszug antrat.
Je nachdem auf welche Seite man sich bei der Betrachtung der Gruppenarbeit stellt, auf die der Unternehmer oder die ihrer Arbeitnehmer, ist der Blick mehr auf Rationalisierungspotentiale oder auf die Möglichkeiten einer humaneren Organisation von Arbeitsprozessen gerichtet.
In dieser Arbeit wird die Entwicklung der Gruppenarbeit dargestellt anhand ihres historischen Verlaufes. Unter Zuhilfenahme von Beispielen wird dabei auf die bekanntesten Formen der Gruppenarbeit näher eingegangen. Abschließend werden die jeweiligen ökonomischen und sozialen Auswirkungen nach der Einführung der beiden bekanntesten Gruppenkonzepte, der teilautonome Arbeitsgruppe und der Fertigungsteams japanischer Prägung, wie sie Toyota im Rahmen seines Lean-Production-Konzeptes eingeführt hat, beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung der Gruppenarbeit
2.1 Gruppenfabrikation
2.2 Arbeitszufriedenheitsforschung
2.3 Teilautonome Gruppenarbeit
2.4 Qualitätszirkel
2.5 Fertigungsteams
3 Ökonomische und soziale Auswirkungen durch die Einführung von Gruppenarbeit
3.1 Teilautonome Gruppenarbeit
3.2 Fertigungsteams
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die betriebswirtschaftlichen sowie sozialen Implikationen verschiedener Konzepte der Gruppenarbeit in Unternehmen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Einführung von Gruppenarbeit sowohl auf die Produktivität als auch auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten auswirkt.
- Historische Entwicklung von Gruppenarbeitskonzepten
- Vergleich zwischen teilautonomer Gruppenarbeit und japanischen Fertigungsteams
- Analyse der ökonomischen Effizienzsteigerungen
- Untersuchung der sozialen Auswirkungen und Arbeitszufriedenheit
- Gegenüberstellung von westlichen und japanischen Managementansätzen
Auszug aus dem Buch
2.1 Gruppenfabrikation
Eine der ersten Untersuchungen mit der auch Experimente einhergingen wurde bereits 1922 bei Daimler Benz in Untertürkheim durchgeführt.
Der damalige Betriebsingenieur Richard Lang und der Arbeitspsychologe Willy Hellpach von der Technischen Hochschule Karlsruhe suchten nach Lösungen, wie der Unübersichtlichkeit bei der Überwachung des Fertigungsstandes der Erzeugnisse und den zu großen Transportwegen begegnet werden konnte. Sie entwarfen dazu das Konzept der Gruppenfabrikation. Mehrere Maschinenarbeiter und Schlosser wurden mit verschiedenen Arten von Wergzeugmaschinen zu einer Art Werkstätte innerhalb der Fabrik zusammengeschlossen. Dabei handelte es sich um einen reinen fertigungstechnischen Ansatz, um betriebswirtschaftliche Probleme zu lösten. Die Frage wie sich die Arbeitsstruktur auf den Beschäftigten auswirkt und sein Verhalten einwirkt, spielte hier keine Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Gruppenarbeit ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Entwicklung der Gruppenarbeit: Hier wird der historische Werdegang von Gruppenarbeitskonzepten von der frühen Gruppenfabrikation bis zu modernen Fertigungsteams dargestellt.
3 Ökonomische und soziale Auswirkungen durch die Einführung von Gruppenarbeit: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der Einführung von Gruppenkonzepten hinsichtlich Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsintensität analysiert.
4 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert das Umdenken in den Managementetagen aufgrund des internationalen Wettbewerbsdrucks.
Schlüsselwörter
Gruppenarbeit, Industriearbeit, Arbeitsorganisation, Gruppenfabrikation, Arbeitszufriedenheit, Teilautonome Gruppenarbeit, Qualitätszirkel, Fertigungsteams, Lean Production, Taylorismus, Produktivität, Humanisierung, Arbeitsgestaltung, Management by Stress, Unternehmenseffizienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den betrieblichen sowie sozialen Folgen von Gruppenarbeit in der modernen Industrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung verschiedener Konzepte, der Vergleich westlicher und japanischer Modelle sowie deren Auswirkungen auf Unternehmen und Beschäftigte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Entwicklung der Gruppenarbeit und die Bewertung ihrer ökonomischen und sozialen Auswirkungen in der Praxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische und konzeptionelle Analyse unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur und Fallbeispiele aus der Automobilindustrie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Formen der Gruppenarbeit, wie teilautonome Gruppen, Qualitätszirkel und japanisch geprägte Fertigungsteams, und bewertet deren Erfolg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Gruppenarbeit, Arbeitsorganisation, Lean Production, Humanisierung und Produktivitätssteigerung.
Was unterscheidet das japanische Konzept von dem westlichen Ansatz?
Während westliche teilautonome Gruppen oft auf Demokratisierung und Humanisierung abzielten, fokussierte das japanische Modell primär auf Effizienz, Fehlervermeidung und Standardisierung.
Was bedeutet der Begriff „Management by Stress“ in diesem Kontext?
Dieser Begriff wird von US-Gewerkschaftern verwendet, um die hohe Arbeitsintensität und die strengen Stückzahlvorgaben in japanisch geprägten Fertigungsteams zu kritisieren.
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- Valentin Lehmann (Author), 2006, Zur Entwicklung bzw. ökonomischen und sozialen Funktion von Gruppenarbeit in Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87796