Die Kuba-Krise - Sicherheitspolitische Interessen der SU und der USA


Wissenschaftlicher Aufsatz, 1999
21 Seiten, Note: 1,30

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Vorgeschichte der Kubakrise
2a. Grundlagen der amerikanisch-kubanischen Beziehung
2b. Sowjetische Motive zur Raketenstationierung
2c. Die Enttarnung der Rakentenbasen

Amerikanische Zielsetzung
3a. Außen- und innenpolitische Interessen Amerikas
3b. Sicherheitspolitische Interessen Amerikas
3c. Deeskalation
3d. Eingrenzung der Krise

Entscheidungsfindung
5. Schlußbetrachtung
6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Vom 14. bis 28. Oktober 1962 kam es zu einer bedeutenden politischen und militärischen Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion, welche als 'Kubakrise' oder 'Raketenkrise' in die Geschichte einging.[1]

Am 22. Oktober versetzte Kennedy die amerikanischen Luftstreitkräfte in den Status "Defence Condition 2" und blieb somit lediglich eine Stufe unterhalb der Eröffnung von Kampfhandlungen.[2] Auch Chruschtschow versetzte die sowjetische Armee, insbesondere die sowjetische Raketentruppe und die Atom U-Boote, in den Zustand höchster Kampfbereitschaft.[3]

Das Ziel dieser Ausarbeitung ist die Analyse der Kubakrise, wobei die Darstellung sich sowohl auf die sowjetischen Motive konzentriert, die zur Stationierung von Raketenbasen auf Kuba führte, als auch die amerikanische Zielsetzung berücksichtigt.

Die historische Relevanz dieser Fragestellung wurde in allen Darstellungen zur Präsidentschaft Kennedys in seiner Bedeutung gewürdigt. Insbesondere die Analyse Raymond Garthoffs und die Darstellung Christian Hackes geben Aufschluß über die sowjetischen Motive zur Raketenstationierung. Des weiteren können Elie Abels, Bernd Greiners und Albert und Roberta Wohlstetters Untersuchungen als wichtige Darstellungen herangezogen werden.

Zu Beginn der Ausarbeitung, ist es erforderlich, die Grundlagen der kubanisch-amerikanischen Beziehungen darzustellen, wobei die Machtübernahme Fidel Castros und die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht einen Schwerpunkt bilden. Die sowjetischen Motive, die zur Errichtung von Raketenbasen auf Kuba führte, werden hieran anschließend analysiert, wobei zwischen außenpolitischen, innersozialitschen und militärstrategischen Motiven differenziert wird.

Die Enttarnung der Raketenbasen durch die USA leitet die Darstellung der amerikanischen Zielsetzung ein. Hier werden sowohl die außen- und innenpolitischen sowie die sicherheitspolitischen Interessen der USA ebenso analysiert als auch die amerikanische Zielsetzung, die Krise einzugrenzen.

Weiterhin wird die Entscheidungsfindung des Präsidenten Kennedy ebenso wie das der amerikanischen Außenpolitik zu Grunde liegende Prinzip der `abgestuften Abschreckung` dargestellt.

Eine Schlussbetrachtung und Stellungnahme bilden den Endpunkt der Ausarbeitung.

Als einzigartige historische Quelle können die Tonbandaufzeichnungen bezeichnet werden, die die Debatten zur Kubakrise während der Sitzungen des präsidialen Krisenstabes (Executiv Committee of National Security Council) wiedergeben.

Des weiteren werden schriftliche Quellen, wie beispielsweise Sitzungsprotokolle, Beschlussvorlagen, Reden und öffentliche Stellungnahmen sowie der Briefverkehr zwischen dem amerikanischen Präsidenten Kennedy und dem sowjetischen Staatschef Chruschtschow in die Analyse einbezogen.

Vorgeschichte der Kubakrise

2a. Grundlagen der amerikanisch-kubanischen Beziehung

In den 50er Jahren regierte der Diktator Fulgencio Batista Kuba in politischer, wirtschaftlicher und militärischer Abhängigkeit zu den USA.[4]

Nach mehr als fünfjährigem Bürgerkrieg gelang Fidel Castro 1959 der Sieg gegen Batista. Die Bemühungen der amerikanischen Regierung mit dem neuen kubanischen Machthaber eine beiderseitige Zusammenarbeit zu erreichen, scheiterten insbesondere aufgrund der von Castro vollzogenen Landreform im kommunistischen Sinne. Von der Verstaatlichung des Eigentums waren zahlreiche Amerikaner betroffen, die ohne Ausgleich und Entschädigung ihren Grundbesitz und ihr Kapital verloren.[5] Der endgültige Abbruch der amerikanisch-kubanischen Beziehungen wurde im Februar 1960 vollzogen, als Chruschtschow ein Handelsabkommen mit Kuba unterzeichnete und

Fidel Castro als neuen kommunistischen Führer und engen Partner der Sowjetunion proklamierte.[6]

Im Januar 1961 brach Eisenhower die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab und wies die CIA an, einen Plan zur Invasion Kubas und dem Sturz Castros auszuarbeiten.[7] Der neue Präsident Kennedy führte die Kubapolitik Eisenhowers fort. Die Niederlage von Exilkubanern anläßlich einer versuchten Invasion Kubas in der Schweinebucht im April 1961 war eine schwerwiegende außenpolitische Niederlage des Präsidenten Kennedys an dessen Entstehung Kennedy selbst nur geringen Anteil hatte.[8]

2b. Sowjetische Motive zur Raketenstationierung

Bereits im Frühjahr 1962 begann die massive Aufrüstung Kubas mit Waffen, insbesondere Flugabwehrgeschützen, um die kubanische Armee nachhaltig zu stärken.[9]

Der Abschreckungseffekt der Aufrüstung Kubas wird gerade angesichts der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht von zahlreichen Historikern betont. Die Raketen hätten hiernach die Aufgabe gehabt, die USA von einem Militärschlag und einer Invasion abzuschrecken.[10]

Dieser monokausale Erklärungsansatz ist jedoch abzulehnen. Bei der Entscheidung der Sowjetunion auf Kuba Mittel- und Langstreckenraketen zu stationieren muss vielmehr zwischen außenpolitischen, innersozialistischen und militärstrategischen Motiven unterschieden werden.[11]

Außenpolitische Motive

Insgesamt muß auf eine erhöhte Risiko- und Konfrontationsbereitschaft der Sowjetunion seit dem Ende der fünfziger Jahre hingewiesen werden. Die Sowjetunion war entschlossen, den Status Quo politisch und militärisch zu ihren Gunsten zu verändern.[12]

Die Stationierung von Raketenbasen hätte das Prestige der Sowjetunion und Kubas in Lateinamerika entscheidend vergrößert und zudem gezeigt, dass sich ein kleines Land sogar vor der Küste Amerikas dem Kommunismus und der Sowjetunion anschließen kann.[13] Aus sowjetischer Sicht sollte das kubanische Beispiel als Vorbild für die sozialistische Revolution in der Dritten Welt im allgemeinen und in Lateinamerika im besonderen gelten. Die erfolgreiche Stationierung hätte diesen Anspruch eindrucksvoll unter Beweis gestellt.[14]

Innersozialistische Motive

Die Stationierung der Raketen muss zudem vor dem Hintergrund des Kampfes um die Vormachtstellung innerhalb des kommunistischen Lagers betrachtet werden. Die Sowjetunion hätte hierdurch vor allem gegenüber China eindrucksvoll bewiesen, dass ihr die Führungsrolle innerhalb der ,revolutionären Mächte` zukommt.[15]

Militärstrategische Motive

Der gesamte nordamerikanische und ein großer Teil des südamerikanische Kontinents lag innerhalb des Aktionsradius der kubanischen Mittel- und Langstreckenraketen.

Die Sowjetunion hätte durch die erfolgreiche Stationierung von 48 MRBM und 24 IRBM sowie 42 Atombombern des Typs IL 28[16] auf Kuba das Raketenübergewicht der USA von 3 : 1 auf 2 : 1 verkürzen können.[17]

Eine Beurteilung der Krise, in der von einer defensiven Außenpolitik der Sowjetunion ausgegangen wird und die in der Stationierung der Raketen auf Kuba nur einen Versuch sehen, eine 'strategische Parität' herzustellen, ist jedoch angesichts der bereits dargestellten offensiven außenpolitischen Aktivitäten der Sowjetunion abzulehnen.[18]

Weiterhin ist der ökonomische Faktor der Raketenstationierung zu berücksichtigen. Die Mittelstreckenraketen auf Kuba hätten für die Sowjetunion die Funktion von Langstreckenraketen übernommen und dadurch ihr Haushaltsbudget entlastet.[19]

[...]


[1] Hacke, Zur Weltmacht, S.70.

[2] Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik, S.165.

[3] Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik, S.165.

[4] Hacke, Zur Weltmacht, S.70.

[5] Hacke, Zur Weltmacht, S.70.

[6] Hacke, Zur Weltmacht, S.70.

[7] Greiner, Kuba-Krise, S.15.

[8] "The CIA orginated the plan to overthrow Castro and presses it on the president." Kennedys Reaktion auf die Niederlage in Kuba läßt sich durch eine Äußerung von ihm zusammenfassen: "How could I have been so stupit to let them go ahead?" Lucien S. Vandenbrou>

[9] Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik, S.163.

[10] Insbesondere Chruschtschow erklärte diese Absicht zum alleinigen Ziel der Raketenstationierung. Im Dezember 1962 erklärte er vor dem Obersten Sowjet, dass das einzige Ziel die Verteidigung Kubas wäre. Schlesinger, Arthur: Die tausend Tage Kennedys, Bern / München 1965, S.693. und Greiner, Kuba-Krise, S.21.

[11] Zu den sowjetischen Motiven: Memorandum von Walt Whitman Rostow, Vorsitzender des Außenpolitischen Planungsrates im Außenministeriums, für McGeorge Bundy, über die relative Bedeutung der sowjetischen Stützpunkte auf Kuba, 24. Oktober 1962, Dokument Nr.28, in: Greiner, Kuba-Krise, S.296.

Insgesamt muß auf die Bedeutung der Analyse der sowjetischen Motive und Ziele bei der Stationierung von Raketen auf Kuba hingewiesen werden. Hacke, John F Kennedy und die Kuba Krise, S.44.

[12] Hacke, John F. Kennedy und die Kuba Krise, S.44.

[13] Zu den kubanischen Interessen angesichts der Raketenstationierung siehe auch: Albert und Roberts Wohlstetter: Krisenmanagement. Das kubanische Beispiel, in: Krieg und Frieden in der modernen Staatenwelt, Bd. II, hrsg. von Nerlich, Gütersloh 1966, S.85-124, S.86.

[14] Greiner, Kuba-Krise, S.20.

[15] Schöllgen, Geschichte der Weltpolitik, S.163. und Hacke, John F. Kennedy und die Kuba Krise, S.44.

[16] Die Sowjetunion verfügte über medium-range ballistic missiles (MRBM) die über eine Reichweite von 1.000 nautischen Meilen verfügen und über intermediate-range ballistic missiles (IRBM) mit einer Reichweite von 2.200 nautischen Meilen. Garthoff, Raymond L.: Reflections on the Cuban Missle Crisis, Washington 1987, S.20.

[17] Wichtiger als die miltärstrategischen Überlegungen in schablonenhaften Kategorien des Gleichgewichts der Waffen waren Chruschtschow. jedoch nach der Einschätzung Greiners die außenpolitischen Konsequenzen der Raketenstationierung. Greiner, Kuba-Krise, S.22.

[18] Hacke, John F. Kennedy und die Kuba Krise, S.44.

[19] Hacke, Von Kennedy, S.39.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Kuba-Krise - Sicherheitspolitische Interessen der SU und der USA
Note
1,30
Autor
Jahr
1999
Seiten
21
Katalognummer
V87810
ISBN (eBook)
9783638033145
ISBN (Buch)
9783638930680
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kuba-Krise, Sicherheitspolitische, Interessen
Arbeit zitieren
Dr. Marc Oprach (Autor), 1999, Die Kuba-Krise - Sicherheitspolitische Interessen der SU und der USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87810

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