Mit Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (EU) verfasste Hannah Arendt eine überzeugende Analyse der gesellschaftlichen Prozesse und Entwicklungen, die der totalen Herrschaft zugrunde liegen. Diese Elemente und Ursprünge werden von ihr nicht als kausale Ursachen beschrieben, sondern vielmehr als Entwicklungen dargelegt, die der neuen Staatsform des Totalitarismus vorausgingen. Ihre Analyse verlangt, dass die be-stehenden politischen Begriffe überdacht werden, damit sie sich nicht der totalitären Logik entziehen, nach welcher der Totalitarismus funktioniert.
Der Anstoß für meine Hausarbeit steckt in diesem „funktionieren“ des Totalitarismus: Auf die rhetorische Frage, warum es niemals zuvor den Versuch gab eine totale Herr-schaft zu etablieren, antwortet Hannah Arendt mit der Erklärung, „dass Macht niemals zuvor nur in dem organisiertem Funktionszusammenhang selbst gesehen wurde unter Absehung von allen direkt materiellen Faktoren“.
Dieses totalitäre Machtverständnis ist dem politischem Machtbegriff von Arendt diametral entgegengesetzt. Ihr Konzept von Macht als Ergebnis politischen Handelns möchte ich zunächst aus dem Kontext zweier anderer Schriften von ihr erläutern. Dies ist zum einen der Essay Macht und Gewalt (MG) und zum anderen ihr Buch Vita activa. In diesen Büchern geht Arendt auf die Entstehung von Macht durch menschliches Handeln ein und entwickelt Macht zu einer positiv konotierten Kategorie des Politischen. Daran anschließend möchte ich erläutern aus welchen Quellen der Totalitarismus Macht schöpft und inwiefern von einem funktionieren des Totalitarismus gesprochen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die Phänomene Macht und Gewalt
2.2. Macht und Organisation
2.3. Macht und politisches Handeln
2.4. Macht und die Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
2.4.1. Macht bei Thomas Hobbes
2.4.2. Der totalitäre Machtbegriff
3. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Hannah Arendts Machtverständnis, indem sie es dem totalitären Machtbegriff gegenüberstellt und Macht als essenzielles Ergebnis politischen Handelns im öffentlichen Raum definiert.
- Differenzierung zwischen Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
- Bedeutung des politischen Handelns und des Erscheinungsraums
- Analyse des totalitären Machtbegriffs und dessen Ursprünge
- Kritische Auseinandersetzung mit Thomas Hobbes’ Machtverständnis
- Untersuchung der Struktur totalitärer Herrschaft und deren Funktionsweise
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Phänomene Macht und Gewalt
Das Studium der politischen Denker der Neuzeit, führte Arendt zu der Ansicht, dass „man von Links bis Rechts der einhelligen Meinung ist, dass Macht und Gewalt dasselbe sind, beziehungsweise dass Gewalt nichts weiter ist als die eklatanteste Manifestation von Macht“. Diese Assimilation von Macht und Gewalt wurde Arendt zu Folge durch die politische Theorie der Neuzeit verursacht, die den Staat als Herrschaft von Menschen über Menschen verstand. An dieses Verständnis des Staates, auch wenn differenziertere Bestimmungen des Politischen und des Staates mit seinen Institutionen und Funktionen anschließen, schließt sich das Bild von einer Staatsmacht an, deren Existenz an Gewalt geknüpft ist.
Arendt verweist auf die Tradition der griechischen polis und der römischen res publica, der ein anderes Verständnis von Macht vorschwebte. Macht entstand in der Antike nicht aus der Struktur von Befehl und Gehorsam und Macht wurde nicht notwendig mit Herrschaft gleichgesetzt. Bedeutend war vielmehr die Unterstützung des Volkes, auf welcher sich die Institutionen des Staates gründeten und aus welcher ihnen Macht zufloss. In ihrem Essay Macht und Gewalt plädiert Arendt daher für eine getrennte Betrachtung der Phänomene Macht und Gewalt. Sie wendet sich gegen die Gleichsetzung von Gewalt und Macht, weil es keine quantitativen oder qualitativen Übergänge zwischen diesen beiden gibt, die eine solche Gleichsetzung gestatten würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Arendts Totalitarismuskritik ein und erläutert die Zielsetzung, Macht als positiv konotierte Kategorie des Politischen gegen ein totalitäres Machtverständnis abzugrenzen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen von Macht und Gewalt, die Rolle der Organisation, das politische Handeln sowie die spezifische Ausprägung von Macht innerhalb totalitärer Herrschaftsstrukturen.
3. Schlussbemerkungen: Die Schlussbemerkungen fassen zusammen, dass totale Herrschaft den Bereich des Politischen zerstört und fordern eine Etablierung öffentlicher Räume als Widerstand gegen totalitäre Tendenzen.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Macht, Gewalt, Totalitarismus, Politisches Handeln, Erscheinungsraum, Staat, Thomas Hobbes, Organisation, Freiheit, Terrorsystem, Bourgeoisie, Politik, Gesellschaft, Öffentlicher Raum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Machtbegriff von Hannah Arendt und untersucht, wie sich dieser von totalitären Vorstellungen von Macht und Herrschaft abgrenzen lässt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Unterscheidung von Macht und Gewalt, die Bedeutung des öffentlichen Raums für politisches Handeln sowie die Analyse der Struktur totalitärer Herrschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Arendts Konzept von Macht als Ergebnis gemeinschaftlichen politischen Handelns herauszuarbeiten und zu zeigen, warum dieses Konzept diametral zum totalitären Machtverständnis steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-politische Analyse von Arendts Primärtexten, insbesondere „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, „Macht und Gewalt“ und „Vita activa“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Phänomene Macht und Gewalt, den Einfluss von Organisationen, das antike Verständnis von Politik sowie den totalitären Machtbegriff, auch unter Bezugnahme auf Thomas Hobbes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Macht, Gewalt, Totalitarismus, politisches Handeln, Erscheinungsraum und Öffentlichkeit.
Inwiefern beeinflusst Thomas Hobbes Arendts Argumentation?
Arendt sieht in Hobbes einen Vordenker, der Macht als Akkumulationsprozess definierte, was für sie einen unpolitischen Machtbegriff darstellt, der eine Vorstufe zum totalitären Denken bildet.
Warum hält Arendt die Gleichsetzung von Macht und Gewalt für problematisch?
Arendt argumentiert, dass Macht auf dem Miteinander von Menschen beruht, während Gewalt als Werkzeug dienen kann; eine Gleichsetzung verkennt das Potential des öffentlichen Handelns.
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- M. A. Martin Hagemeier (Author), 2002, Hannah Arendts Verständnis von Macht als Ergebnis politischen Handelns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87822