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Das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie und des Neoformalismus

Eine Gegenüberstellung

Title: Das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie und des Neoformalismus

Term Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Viktor Witte (Author)

Film Science
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„Zwei Richtungen der Filmtheorie – die neoformalistische, kognitive Theorie einerseits und die poststrukturalistisch-psychoanalytische Theorie andererseits – bieten zwei stark divergierende Beschreibungen des Filmzuschauers.“ , schreibt Stephen Lowry in seinem Aufsatz „Film-Wahrnehmung-Subjekt“. Diese zwei unterschiedlichen Modelle der Interaktion von Film und Filmzuschauer sollen in der folgenden Arbeit aufgezeigt werden. Als Grundlage zum Verständnis der Rolle des Zuschauers in der psychoanalytischen Filmtheorie, die sich unter anderem auf die psychoanalytischen Schriften Freuds und Lacans beruft, soll hierbei Christian Metz´ Buch „Der imaginäre Signifikant. Psychoanalyse und Kino.“ von 1977 dienen.
Für die Darstellung des Zuschauermodells in der neoformalistischen Filmtheorie, die theoriehistorisch gesehen auf die psychoanalytische Filmtheorie folgt und sich selbst als Reaktion auf diese versteht , orientiert sich diese Arbeit an David Bordwells Buch „Narration in the Fiction Film.“ aus dem Jahre 1988.
Der wesentliche Unterschied beider Theorien in der Modellierung des Verhältnisses von Film und Zuschauer besteht darin, dass die psychoanalytische Theorie davon ausgeht, dass sich der Film den Zuschauer unterwirft. Sie beschreibt folglich einen passiven Zuschauer, der „durch unbewusste Faktoren determiniert“ ist. Nach neoformalistischer Definition hingegen konstruiert der Zuschauer durch seinen aktiven Kognitionsprozess den Film.
Um diese Tatsache zu belegen, werden im Folgenden beide Modelle dargestellt, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass es der Umfang dieser Arbeit nicht gestattet, auf alle Details der genannten Theorien einzugehen, sondern sie sich auf die wesentlichen Punkte beschränken muss. Während der Darstellung wird bewusst auf eine Kommentierung oder gar Wertung verzichtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Zuschauermodell in der psychoanalytischen Filmtheorie

2.1 Die Identifikation des Zuschauers – Das all-wahrnehmende Subjekt

2.2 Der Zuschauer als Voyeur – keine Kinoaktivität ohne Sexualtriebe

2.3 Der Zuschauer als Fetischist

3. Das Zuschauermodell im Neoformalismus – bzw. der kognitiven Filmtheorie

3.1 Der Kognitionsprozess – Der aktive Rezipient

3.2 Der filmische Wahrnehmungsprozess

4. Zusammenfassung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit vergleicht das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie (insbesondere nach Christian Metz) mit jenem der neoformalistischen bzw. kognitiven Filmtheorie (nach David Bordwell), um die grundlegend unterschiedlichen Auffassungen vom Verhältnis zwischen Film und Rezipienten aufzuzeigen.

  • Die psychoanalytische Konzeption des passiven, unbewusst determinierten Zuschauers.
  • Die neoformalistische Auffassung des aktiven, kognitiv konstruierenden Rezipienten.
  • Zentrale Begriffe der psychoanalytischen Theorie wie Identifikation, Voyeurismus und Fetischismus.
  • Kognitive Konzepte wie Schemata, Wahrnehmungsprozesse und narrative Motivation.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Identifikation des Zuschauers – Das all-wahrnehmende Subjekt

In seinem Aufsatz „Der imaginäre Signifikant“, den Henrike Hölzer als das „Standardwerk der psychoanalytisch-semiotischen Filmtheorie überhaupt“ bezeichnet, bezieht sich Christian Metz auf Lacans Schrift über das Spiegelstadium, in dem sich das Kind zum ersten Mal im Spiegel erblickt und sich mit seinem Spiegelbild und mit sich selbst als Objekt identifiziert.

Den Spiegel, den das Kind notwendigerweise zur Bildung des Ichs benötigt, setzt Metz mit der Leinwand des Kinos gleich. Und doch benennt er einen entscheidenden Unterschied in seinem Gleichnis, denn was der Zuschauer auf der Leinwand niemals erblicken wird, ist sein eigenes Spiegelbild, oder anders formuliert: eine Identifikation mit sich selbst als Objekt bleibt dem Kinozuschauer verwehrt. Das bedeutet jedoch nicht, dass dem Kino das Objekt verloren ging, denn so schreibt Metz: „Fiktion oder nicht, es gibt immer etwas auf der Leinwand zu sehen. Doch die Wiedergabe des eigenen Körpers ist verschwunden.“

Da der Zuschauer in seiner Kindheit bereits das Spiegelstadium durchlaufen hat, ist ihm bewusst, dass er selbst als Subjekt existiert und von anderen als Objekt wahrgenommen wird.

Die Abwesenheit des Zuschauers auf der Leinwand wird also möglich – oder vielmehr der intelligible Ablauf des Filmes trotz dieser Abwesenheit -, da der Zuschauer die Spiegelerfahrung (im richtigen Spiegel) bereits gemacht hat und daher fähig ist, eine Objektwelt zu konstituieren, ohne sich selbst darin erkennen zu müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die gegensätzlichen Ansätze der Filmtheorie vor und definiert den Rahmen für den Vergleich zwischen psychoanalytischer und neoformalistischer Zuschauerkonzeption.

2. Das Zuschauermodell in der psychoanalytischen Filmtheorie: Dieses Kapitel erläutert, wie die Psychoanalyse den Zuschauer durch unbewusste Mechanismen als passiv determiniert beschreibt.

2.1 Die Identifikation des Zuschauers – Das all-wahrnehmende Subjekt: Dieser Abschnitt behandelt die Identifikation mit dem eigenen Blick und der Kamera auf Basis von Lacans Spiegelstadium.

2.2 Der Zuschauer als Voyeur – keine Kinoaktivität ohne Sexualtriebe: Hier wird der Zuschauer mit einem Voyeur gleichgesetzt, dessen Kinogenuss durch skopische Triebe gesteuert wird.

2.3 Der Zuschauer als Fetischist: Dieses Unterkapitel beschreibt die Kinotechnik als Fetisch, der dem Zuschauer hilft, den Mangel an Realität auf der Leinwand zu verleugnen.

3. Das Zuschauermodell im Neoformalismus – bzw. der kognitiven Filmtheorie: Dieses Kapitel führt in den neoformalistischen Ansatz ein, der den Zuschauer als aktiven, kognitiv arbeitenden Akteur betrachtet.

3.1 Der Kognitionsprozess – Der aktive Rezipient: Hier werden kognitive Wissensmuster und das Konzept der „Schemata“ erläutert, die zur Informationsverarbeitung genutzt werden.

3.2 Der filmische Wahrnehmungsprozess: Dieser Abschnitt beschreibt, wie Zuschauer aktiv eine narrative Struktur (Story) aus filmischen Hinweisen konstruieren.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die wesentlichen Unterschiede zwischen der passiven psychoanalytischen und der aktiven kognitiven Zuschauersicht.

5. Literatur- und Quellenverzeichnis: Dieses Verzeichnis führt die verwendeten wissenschaftlichen Primär- und Sekundärquellen der Arbeit auf.

Schlüsselwörter

Filmtheorie, Psychoanalyse, Neoformalismus, Kognitive Filmtheorie, Filmzuschauer, Identifikation, Voyeurismus, Fetischismus, Wahrnehmungsprozess, Schemata, Kognition, Christian Metz, David Bordwell, Spiegelstadium, Narration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Film und Zuschauer durch den Vergleich zweier theoretischer Hauptströmungen der Filmwissenschaft: der psychoanalytischen und der kognitiven Filmtheorie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Modellierung des Zuschauers als entweder passiv determiniertes Subjekt (Psychoanalyse) oder als aktiver, kognitiv operierender Rezipient (Neoformalismus).

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die divergenten Beschreibungen der Zuschauerrolle in beiden Theorien strukturiert gegenüberzustellen und die jeweiligen Grundannahmen darzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Gegenüberstellung, die auf der Analyse von Standardwerken von Christian Metz und David Bordwell basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die psychoanalytische Sicht (Identifikation, Voyeurismus, Fetischismus) und die neoformalistische Sicht (Kognitionsprozess, Wahrnehmung, Schemata-Theorie).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Filmwahrnehmung, Identifikation, Schemata, Kognition und psychoanalytische Filmtheorie geprägt.

Warum spielt das „Spiegelstadium“ für Metz eine so wichtige Rolle?

Metz nutzt Lacans Konzept des Spiegelstadiums, um zu erklären, wie sich der Zuschauer im Kino identifiziert, obwohl er seinen eigenen Körper nicht auf der Leinwand sieht.

Wie unterscheidet Bordwell zwischen „Top-down“ und „Bottom-up“ Prozessen?

„Bottom-up“ bezieht sich auf die Verarbeitung direkter Sinnesreize, während „Top-down“ die Einordnung durch Vorwissen, Erwartungen und Hypothesen beschreibt.

Was versteht man unter dem Fetischismus der „Apparatur“?

Der Zuschauer erkennt die filmische Technik als Fetisch an, um den Mangel an Realität (die Abwesenheit des Objekts) zu kompensieren und dennoch vollendeten Kinogenuss zu empfinden.

Wie modifiziert der Zuschauer seine Schemata während eines Films?

Wenn das Konstruieren einer Geschichte mit aktuellen Schemata fehlschlägt, revidiert der Zuschauer seine Erwartungen und testet neue Hypothesen oder greift auf andere Schemata zurück.

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Details

Title
Das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie und des Neoformalismus
Subtitle
Eine Gegenüberstellung
College
Free University of Berlin
Grade
1,3
Author
Viktor Witte (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V87836
ISBN (eBook)
9783638033213
ISBN (Book)
9783638930598
Language
German
Tags
Zuschauermodell Filmtheorie Neoformalismus Eine Gegenüberstellung psychoanalytische Filmtheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Viktor Witte (Author), 2007, Das Zuschauermodell der psychoanalytischen Filmtheorie und des Neoformalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87836
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