Vergleichen Sie die Entstehungsgeschichte des Kapitalismus bei Karl Marx und Max Weber!


Hausarbeit, 1996
15 Seiten, Note: 2,3

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Gliederung

Was ist Kapitalismus?

Definitionsgrundlagen von Marx

Definitionsgrundlagen von Weber

Die Entwicklung des Kapitalismus aus der Sichtweise von Karl Marx

Grundlegende Merkmale des Kapitalismus

Gliederung der Entwicklung des Kapitalismus
Die Urgesellschaft
Die Sklavenhalterordnung
Der Feudalismus
Der Kapitalismus

Entstehungsgeschichte des Kapitalismus aus der Sichtweise von Max Weber

Teilergebnisse aus Webers wissenschaftlichen Untersuchungen zum Kapitalismus

Zusammenfassende Worte über beide Theoretiker

Abschließende Worte zu beiden Philosophen

Quellenverzeichnis

Was ist Kapitalismus?

Kapitalismus ist die Bezeichnung für eine Wirtschaftsform, die durch Privateigentum an Produktionsmitteln und Steuerung des Wirtschaftsgeschehens über den Markt kennzeichnet.

Definitionsgrundlagen von Marx

Den Begriff Kapitalismus klar zu definieren bzw. gedanklich exakt nachvollziehen zu können, verdankt die Soziologie vor allem Karl Marx (1818 - 1883), der durch sein Hauptwerk „Das Kapital“ diesen Ausdruck prägte.

Marx veröffentlichte das Lebenswerk mit der Unterstützung und Förderung seines Freundes Friedrich Engels im Jahre 1867 in London. Dieses monumentale Schriftgut beinhaltet Marx` Vergangenheits -, Gegenwarts- und Zukunftsheorien, gedankliche Experimente, Provokationen, Kritiken, Lösungsvorschläge, In Fragestellungen der ihn gegenwärtig umgebenden Gesellschaft. Marx lebte in diesen Jahren in London. In der Stadt, in die Marx aufgrund der politischen Lage in Zentraleuropa, vor allem in Deutschland, geflohen war. Hier erlebte er die zur damaligen Zeit am weitesten entwickelte kapitalistische Gesellschaft. Studierte, beobachtete, kritisierte diese und schuf mit konkreten Argumenten ein jahrhundertelang diskutiertes Werk.

Definitionsgrundlagen von Weber

Ein weiterer Philosoph, Denker und Gesellschaftswissenschaftler war Max Weber (1864 - 1926). Seine diskussionsanregenden Theorien und Kritiken führten ebenfalls dazu, daß der Begriff Kapitalismus exakter und konkreter formuliert werden konnte. Auch Weber versuchte die Frage nach dem Ursprung des modernen Kapitalismus, dessen Macht er schon bei seinen Studien über Landarbeiter erkannt hatte, zu erklären. Zum Zeitpunkt seiner Promotion kannte sich Weber sowohl im römischen als auch im deutschem Recht gleichermaßen gut aus. Er konzentrierte sich bereits in dieser, seiner ersten publizierten Arbeit auf jenes Thema, welches sein ganzes Werk bestimmen sollte - „Die Entstehung und die Auswirkung des modernen Kapitalismus“.

Die Entwicklung des Kapitalismus aus der Sichtweise von Karl Marx

Der Begriff Kapitalismus wurde bereits seit dem 19. Jahrhundert genutzt aber erst durch Karl Marx in seiner Bedeutung geprägt. Für Marx ist der Kapitalismus in gesetzmäßig historischer Abfolge zwischen Urgesellschaft und Kommunismus entstanden.

Marx äußert sich wie folgt dazu:

„Die Geschichte aller bisherigen Ge sellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen... In den frühen Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung der Gesellschaft in verschiedene Stände, eine mannigfaltige Abstufung der gesellschaftlichen Stellungen. Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer, Sklaven, im Mittelalter Feudalherren, Vasallen, Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in jeder dieser Klassen wieder besondere Abstufungen. Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.“

(Zitat von Marx wurde entnommen aus:

K. Marx; F. Engels: Ausgewählte Schriften in zwei Bänden. Band 1, Dietz Verlag, Berlin 1966, S. 26)

Karl Marx hat ein Entwicklungsgesetz in Form von verschiedenen Stadien aufgestellt. Er unterscheidet die Sklavenhaltergesellschaft, die Gesellschaft des Feudalismus, des Kapitalismus und schließlich die Diktatur des Proletariats, die zu einer klassenlosen Gesellschaft führt. Zur

Begründung dieser Entwicklung äußert Marx folgendes:

„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welchem bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen... Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen, oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen die Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolutionen ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“

(Zitat wurde entnommen aus: H. Fisch [Hrsg.]: Weltbild Kolleg. Abiturwissen, 3. Auflage, Band: Sozialwissenschaften, Fischer Taschenbuch Verlag, GmbH Frankfurt/ Main 1983, S. 59 ff.)

Grundlegende Merkmale des Kapitalismus

Marx gibt mit den ausgewählten Schriften ein deutliches Abbild der Entwicklung der für den Kapitalismus aus seiner Sicht typischen Strukturen und Bedingungen. Wenn Marx seinen Blick auf die Menschen richtet, dann steht für ihn die Tatsache der Arbeit im Mittelpunkt. Daß der Mensch arbeiten muß, um sich am Leben zu erhalten, macht ihn für Marx zum gesellschaftlichen Wesen. Durch die Tatsache der Arbeit entsteht das, was man als Gesellschaft bezeichnet. Marx nimmt die Produktion als Basis, sie umfaßt den Begriff der Produktivkräfte und die Formulierung der Produktionsverhältnisse.

Produktionskräfte sind laut den Erklärungen von Marx:

a) die Produktionsmittel: Werkzeuge, Maschinen, Boden, Kapital
b) sowie die menschliche Arbeitskraft selbst.

Soziale und ökonomische Beziehungen der Menschen zueinander beschreiben, entsprechend Marx Aussagen, die Produktionsverhältnisse durch:

a) Form der Arbeitsteilung
b) Kauf und Verkaufsorganisationen
c) Produktionsverteilung

Die Eigentumsverhältnisse sind dem Autor extrem wichtig, hier also die Frage, ob sie einzelnen Personen, Gruppen, Klassen oder allen Gesellschaftsmitgliedern gehören. Aus den Umständen, unter denen der Arbeiter seine Produktivkraft Arbeit nutzt bzw. wie er sie verkaufen kann, dann die Frage nach dem Maschinen- und Kapitalbesitz, wer die Organisation führt usw., aus diesen Verhältnissen bestimmt Karl Marx dann die jeweilige Produktionsweise. Die Gesellschaft besteht nun nicht nur aus materieller Produktion, sondern es existieren auch noch Gesetze, Verwaltungen sowie Kunst, Religion und Moral.

Dies alles wird von Karl Marx als Überbau bezeichnet. Für ihn spiegelt der Überbau die Basis wider, das heißt, die Staatsform, die Verfassung und das Recht sind ebenso wie die Philosophie, die Kunst, die Religion und die Moral durch diese bestimmt.

Marx sieht den politischen Überbau in einer unmittelbaren Abhängigkeit von der Basis, und die anderen Teile bezeichnet er als ideologischen Überbau, welcher nur mittelbar von der Basis abhängt. Marx hat herausgefunden, daß es bestimmte Konstellationen gibt im Verhältnis der Produktivkräfte und der mit ihr verbundenen Produktionsweise als Basis und bestimmten Formen des politischen und ideologischen Überbaus.

Gliederung der Entwicklung des Kapitalismus

Diese Konstellationen nennt Marx Gesellschaftsformationen und teilt wie folgt ein:

- die Urgesellschaft,
- die Sklavenhalterordnung,
- der Feudalismus,
- der Kapitalismus,
- der Sozialismus/Kommunismus.

Die Urgesellschaft

In der Urgesellschaft sichert die kollektive Arbeit das Überleben. Die Produktivkräfte sind primitiv und Marx schlußfolgert, daß die Einfachheit und die geringe Ausdifferenzierung der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse dem entspricht. In der Urgesellschaft gibt es noch keinen politischen Apparat da, nach den Feststellungen von Marx, keine Unterscheidung zwischen Eigentümern an Produktionsmitteln und Nichteigentümern gemacht wird. Der Überbau ist relativ naiv und das Matriarchat ist die noch vorherrschende Lebensform.

Die Sklavenhalterordnung

Die nächste Stufe der Gesellschaftsformation ist die Sklavenhalterordnung. Hier liegt eine Höherentwicklung der Produktivkräfte vor und erstes Privateigentum an Produktionsmitteln entsteht. Hier existiert bereits die erste auftretende Form der Unterdrückung und der Ausbeutung. Das Privateigentum an Produktionsmitteln hat sich unmittelbar auf die Produzierenden ausgedehnt - die Arbeiter - Sklaven.

Der Feudalismus

Im Feudalismus sind aus den Sklavenhaltern die Feudalherren geworden und aus den Sklaven die Leibeigenen. Das Hauptkennzeichen dieser Gesellschaftsformation ist das Privateigentum. In dieser Entwicklungsstufe sind der Grund und Boden in den Händen weniger Menschen. Der Überbau hat sich ebenfalls verändert, die Religion und das Recht werden für die Absicherung der Ungleichheit genutzt und fallen als vorherrschendes Merkmal auf.

Der Kapitalismus

Die Ordnung des Feudalismus findet durch die bürgerliche Revolution ein Ende und es entsteht der Kapitalismus. Hier treten die ökonomischen Verhältnisse der Menschen in den Vordergrund. Durch die gewonnenen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und die daraus hervorgehenden Erfindungen entfalteten sich die Produktionskräfte enorm. Es entstand aus den nationalen Wirtschaftskreisläufen ein Welthandel und ein Weltwirtschaftssystem.

Entstehungsgeschichte des Kapitalismus aus der Sichtweise von Max Weber

Weber war extrem geprägt durch einen Widerspruch, der sich durch die gedankliche Orientierung seiner engsten Familienmitglieder ergab. Einerseits hatte er erhebliche Identifikationsschwierigkeiten mit der Weltanschauung der Mutter; er vermochte zumindest ansatzweise deren Innerlichkeit, deren Religiosität und deren Moralität nachzuempfinden anderseits hatte er einen Vater, der ihm durch rigide Arbeitsdisziplin und unter anderen einem recht vulgären Verhalten zum Vorbild war. Weber entwickelte einen extremen Arbeitseifer, war von dem Wunsch nach beruflichem Erfolg ergriffen und lebte eingebettet in calvinistische-askesische Lebenserfahrungen.

Weber versuchte die Frage nach dem Ursprung des modernen Kapitalismus zu erklären. Der Gelehrte konzentrierte sich in seiner ersten publizierten Arbeit auf jenes Thema, welches sein ganzes Schaffen bestimmen sollte: „Die Entstehung und die Auswirkung des ´modernen Kapitalismus´“.

Webers Werk umfaßt Studien wie auch theoretische Ansätze zur Bürokratie, Religion, Musik, Wissenschaftssoziologie, Methodologie u. v. a.. Sein gesamtes Werk war von der Absicht getragen, ein besseres Verständnis der Gegenwart, das heißt der kapitalistischen Gesellschaft zu seiner Zeit zu finden. Aus diesem Ziel heraus entstanden seine Studien zu sozialen Teilbereichen wie auch seine historischen Arbeiten. Kennzeichnend für seine Gegenwart hielt M. Weber die Phänomene der Bürokratie, den Prozeß der kapitalistischen Industrialisierung, die Ergebnisse, die er hervorgebracht hatte und die Entwicklung einer formellen, aber konsequent in nahezu allen Gesellschaftsbereichen entstandene Rationalität.

In „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (1906) ist die Frage, aufgrund welcher Ursachen und Konstellationen sich die Form des industriellen Kapitalismus nur in Westeuropa herausgebildet hat und nicht in anderen Kulturzentren, Ausgangspunkt.

„Je stärker bäuerlich orientiert eine Kulturentwicklung ist: im Okzident in Rom, im Fernen Osten in Indien, in Vorderasien in Aegypten, deso stärker fällt gerade dies Bevölkerungselement in die Waagschale des Traditionellen und deso mehr entbehrt wenigstens die Volksreligiosität der ethischen

Rationalisierung “

(Zitat wurde entnommen aus:

J. C. B. Mohr [Hrsg.]: M. Weber - Wirtschaft und Gesellschaft. 5. Auflage, Tübingen 1976, S. 268)

Unter dem “Geist des Kapitalismus“ verstand Weber eine Handlungsorientierung, die von der Absicht des Erwerbs materieller Güter dominiert wird. Das Entscheidende ist, daß dieser Gütererwerb nicht von einer schlichten Gier nach mehr und der Absicht Reichtümer zu horten, gekennzeichnet ist. Der Erwerb selbst wird nach rationalen geplanten Taten organisiert und geschieht um seiner selbst willen. Weber stellt durch sein Studium historischer Quellen fest, daß ökonomische Bedingungen, regionale und andere Umweltmerkmale die Entstehung einer solchen Handlungsorientierung weder ausreichend noch befriedigend erklären können. Entscheidend bei seinen Untersuchungen erschien Weber der Faktor Religion. Er vergleicht hauptsächlich katholische und protestantische Regionen und ihm wurde deutlich, daß die kapitalistische Art des Erwerbbetriebes ins besonders in protestantischen Gegenden ausgebildet war. Laut Weber entwickelte sich aus den protestantischen Lebensauffassungen, daß nur ein gottesgefälliges Leben ein Platz im Himmelsreich nach dem Tode schaffe, die Form des kapitalistischen Wirtschaften. Ein gottgefälliges Leben hieß, daß zu Lebzeiten von einem Einzelnem Individuum möglichst viel geleistet wurde, was sich letztendlich im Besitz von Reichtümern niederschlug. Der protestantische Lebensstil verbot aber im gleichen Atemzug den unmittelbaren Genuß des erschaffenem und errungenem Reichtums. Er schrieb statt dessen seine produktive Weiterverwendung vor. Die protestantische Ethik macht Weber für die Entstehung der kapitalistischen Form des Wirtschaften verantwortlich. Daraus darf man allerdings nicht den Schluß ziehen, daß er die Ethik als einzige und ausschließliche Ursache für die Entstehung des Kapitalismus begreift. Weber entwickelt kein eindeutiges Erklärungsmodell. Er ordnet die Bedeutung und Wichtigkeit der Ethik nicht beliebig ein, sieht sie nicht als gleichbedeutsamer oder unbedeutsamer Faktor zwischen diversen anderen Faktoren.

Weber äußert sich wie folgt dazu:

„ Die bloße Existenz von `Kapitalismus` irgendwelcher Art genügt offensichtlich ganz und gar nicht, um ihrerseits eine einheitliche Ethik, geschweige denn eine ethische Gemeindereligiosität aus sich zu erzeugen. Sie wirkt von sich aus offenbar nicht eindeutig. Die Art des Kausalzusammenhangs der religiösen rationalen Ethik mit der besonderen Art des kaufmännischen Rationalismus da, wo dieser Zusammenhang besteht, lassen wir vorläufig noch außer Betracht und stellen zunächst nur fest: daß eine außerhalb der Stätte des ökonomischen Rationalismus, also außerhalb des Okzidents nur gelegentlich, innerhalb seiner aber deutlich, und zwar je mehr wir uns den klassischen Trägern des ökonomischen Rationalismus einerseits und gewissen, später näher zu charakterisierenden Arten von ethisch- rigoristischer Religiosität anderseits zu beobachten ist.“

(Zitat wurde entnommen aus:

J. C. B. Mohr [Hrsg]: M. Weber - Wirtschaft und Gesellschaft, 5. Auflage, Tübingen 1976, S. 274)

Weber stellt auf Grund von Berufstatistiken fest, daß in konfessionell gemischten Ländern auffallend häufig Kapitalbesitz und Unternehmertum einen vorwiegend protestantischen Charakter haben. Hand in Hand damit gingen auch andere konfessionelle Unterschiede, die Berufswahl und Lebenstil beeinflussen. Es gibt in den Augen von Weber prozentuell weniger katholische Abiturienten und Schüler höherer Lehranstalten als Protestanten. Von den katholischen Abiturienten bleit der Prozentsatz von denen, die eine Vorbereitung zu technischen oder gewerblich-kaufmännischen Berufen wählen, auffallend hinter denjenigen der Protestanten zurück. Katholiken bevorzugen die Bildung humanistischer Gymnasien. Handwerkorientierte Katholiken, die im Handwerk bleiben, erreichen häufiger den Meistertitel, während protestantische Handwerker öfter in die Fabriken gingen. Daraus schließt Weber:

„...daß die anerzogene geistige Eigenart, und zwar hier die durch die religiöse Atmosphäre der Heimat und des Elternhauses... Richtung der Erziehung, die Berufswahl und die weiteren beruflichen Schicksale bestimmt hat.“

(Zitat wurde entnommen aus:

H. K. Kastinger Riley [Hrsg.]: Köpfe des 20. Jahrhunderts - Max Weber, Band 115, Colloquium Verlag GmbH, Berlin 1991, S. 70, Hrsg. entnahm das Zitat aus:

M. Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen, S. 22)

Die Triebkräfte des modernen Kapitalismus bringt Weber mit den ethischen Qualitäten zusammen. Die heute von Arbeitgeber und Arbeitnehmer verlangte intensivere Arbeitsleistung sei mit bequemem Lebensgenuß unvereinbar, und dem präkapitalistischen Menschen sei das:

„Irrationale dieser Lebensführung, bei welcher der Mensch für sein Geschäft da ist, nicht umgekehrt...“

rätselhaft und verächtlich:

„Daß jemand zum Zweck seiner Lebensarbeit ausschließlich den Gedanken machen könne, dereinst mit hohem materiellen Gewicht an Geld und Gut belastet ins Grab zu sinken, scheint ihn nur als Produkt perverser Triebe“

(die zwei obigen Zitate entnommen aus:

H. M. Kastinger Riley [Hrsg.]: Köpfe des 20. Jahrhunderts - Max Weber, Band 115, Colloquium Verlag GmbH, Berlin 1991, S. 71,

Hrsg. entnahm Zitat aus:

M. Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1920, S. 54 und S. 55) erklärlich.

Den Ursprung dieser Lebensphilosophie glaubt Weber mit dem Zeitpunkt der Reformation erkannt zu haben. Eine ausschlaggebende Frage für Weber ist die Erklärung der starken Empfänglichkeit ökonomisch entwickelter Gebiete für die kirchliche Revolution, besonders da die Reformation die kirchliche Herrschaft über das Leben nicht beseitigt, sondern im Gegenteil durch eine wesentlich strengere Disziplin ersetzt habe, als es die katholische war. Grundlegend war für den modernen Kapitalismus laut Weber die nachreformatorische Entwicklung des

„asketischen Protestantismus“,

(Zitat entnommen aus:

H. M. Kastinger Riley [Hrsg.]: Köpfe des 20. Jahrhunderts - Max Weber, Band 115, Colloquium Verlag GmbH, Berlin 1991, S. 72

Hrsg. entnahm Zitat aus:

M. Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1920, S. 84)

dessen Hauptträger der Calvinismus und die Baptisten sowie Mennoniten wurden. Seligkeit wurde jetzt nicht mehr aufgrund guter Werke und Taten verdient und erlangt, sondern wurde zum Geschenk der Gnade Gottes. Weber leitet die Entwicklung der protestantischen Arbeitsethik von Luthers Bibelübersetzung ab. Danach liege dem Wort „Beruf“ im Sinne des englischen „calling“ die religiöse Vorstellung einer von Gott gestellten Aufforderung zugrunde, die weder im Altertum noch in vorwiegend katholischen Ländern, wohl aber bei den vorwiegend protestantischen Völkern sichtbar geworden wäre. Das Wort im heute gebräuchlichen Sinn stamme aus den Bibelübersetzungen, die durch den Geist des

Übersetzers, und nicht durch den Geist des Originals geprägt waren. Luther übersetzte in den Augen von Weber das Wort in eine weltliche Aufgabe, die sinngemäß lautete, daß man in seinem erwählten Beruf ständig und andauernd tätig sein sollte statt bei der reinen Arbeit zu bleiben. Hier wurde ein neuer Gedanke als Produkt der Reformation eingeschoben, nämlich:

„...die Schätzung der Pflichterfüllung innerhalb der weltlichen Berufe als des höchsten Inhaltes, den die sittliche Selbstbetätigung überhaupt annehmen könne. Dies war es, was die Vorstellung von der religiösen Bedeutung der weltlichen Alltagsarbeit zur unvermeidlichen Folge hatte und den Berufsbegriff in diesem Sinne erstmalig erzeugte...“

(Zitat wurde entnommen aus:

H. M. Kastinger Riley [Hrsg.]: Köpfe des 20. Jahrhunderts - Max Weber, Colloquium Verlag GmbH, Berlin 1991, S. 73,

Hrsg. entnahm Zitat aus:

M. Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1920, S. 69)

In der Erfüllung der weltlichen Pflichten jedes Einzelnen läge, nach den Gedankengängen von Weber, das Mittel der gottgefälligen Lebenshaltung und würde dadurch zu seinem Beruf. Diese Qualifizierung des beruflichen Alltags war nach Weber:

„ eine der folgenschwersten Leistungen der Reformation und also speziell Luthers...

unvorhergesehene und geradezu ungewollte Folgen der Arbeit der Reformatoren... ,

oft weit abliegend oder geradezu im Gegensatz stehend zu allem, was ihnen selbst vorschwebte“

(Zitat entnommen aus:

H. M . Kastinger Riley [Hrsg.]: Köpfe des 20. Jahrhunderts - Max Weber, Colloquium Verlag GmbH, Berlin 1991, S. 73,

Hrsg. entnahm Zitat aus:

M. Weber: Ge sammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1920, S. 70, S. 82) .

Teilergebnisse aus Webers wissenschaftlichen Untersuchungen zum Kapitalismus

Aus seiner Untersuchung relevanter theologischer Schriften leitete Weber die Verbindung protestantischer und ökonomischer Lebensregeln des Alltags ab:

- Für das Arbeitsethos ist die Anschauung des Ausruhens und Genusses des Erworbenen als grundlegend sündhaft zu betrachten.
- Zeitverschwendung wäre prinzipiell die schwerste aller Sünden.
- Arbeit wäre das einzige Mittel gegen ein unreines Leben, aber darüber hinaus gottgewollter Selbstzweck des Lebens überhaupt.
- Es gelte folgender paulinischer Satz für alle bedingungslos: „ Wer nicht arbeitet, soll nicht essen.“.
- Außerdem wäre die Unlust zur Arbeit ein Symptom des fehlenden Gnadenstandes.

Auf Grund solcher Äußerungen wäre dem Individuum ein psychologisch mächtiger Antrieb gegeben worden, die Arbeit als Beruf und Pflicht gegen Gott bzw. als einziges Mittel zur Erreichung der Seligkeit aufzufassen.

Zusammenfassende Worte über beide Theoretiker

Marx und Weber haben beide ihre eigene Sichtweise über die Entstehung des Kapitalismus. Der Wissenschaftler Eric J. Hobsbawm äußert sich vergleichend und zusammenfassend über beide:

„Man hat Max Weber oft den `bürgerlichen Marx´ genannt... Ich glaube, keiner von uns würde Weber ausschließlich als einen Denker behandeln, der versuchte, auf marxistische Fragen nicht-marxistische Antworten zu entdecken oder als einen anti-marxistischen Politiker. Aber es ist unbestreitbar, daß Webers Wunsch , sich mit Marx und den Marxismus auseinanderzusetzen, zentral ist für ein Verständnis seines Werkes, zumindest seiner theoretischen und historischen Schriften.“

(Zitat entnommen aus:

J. Kocka [Hg.], Kritische Studien zur Geisteswissenschaft 73 - Max Weber, der Historiker,

Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, Göttingen, 1986, aus: Eric J. Hobsbawm, Weber und Marx: Ein Kommentar, S. 84)

Es wird deutlich, daß Marx und Weber zueinander sprechen, Weber in grundsätzlicher Opposition zu Marx stand und auch zum Marxismus. Es ist Tatsache, das beide Seiten dieses Dialoges, obwohl sie dieselben Fragen behandeln, zu politisch und ideologisch scharf unterschiedlichen Lösungen kommen.

Ein Zitat von Hobsbawm:

„Man konnte Weber leicht zum Anti-Marx der Intellektuellen machen oder zumindest zur Alternative zu Marx für liberale Intellektuelle, die intelligent genug sind, um zu sehen, daß man Marx nicht einfach links liegen lassen kann. Umgekehrt waren engagierte Marxisten daran bemüht, die Unterschiede zwischen Marx und Weber zu betonen, zum Vorteil von Marx, denn Webers politische u. ideologische Haltung warunakzeptabel.“

(Zitat entnommen aus:

J. Kocka [Hg.], Kritische Studien zur Geisteswissenschaft 73 - Max Weber, der Historiker,

Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, Göttingen, 1986, aus: Eric J. Hobsbawm, Weber und Marx: Ein Kommentar, S. 84)

Abschließende Worte zu beiden Philosophen

Max Webers Schriften interessieren heute mehr als denn je.. Auch international ist er eine zentrale Gestalt der gegenwärtigen Diskussion in den Geschichts- und Sozialwissenschaften. Sein Werk ist sehr komplex und stellenweise sehr schwer verständlich hat aber eine sehr große intellektuelle Spannweite, ist reich an Erkenntnissen und Anregungen für viele wissenschaftliche Disziplinen.

Marx Lebenswerk, die auch hier vorhandene umfassende Spannbreite der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Leistungen, ermöglicht einen ganz anderen Zugang zur Realität der menschlichen Verflechtungen, etwa zu den Konflikten zwischen gesellschaftlichen Gruppen. Hieraus entstand ein Entwicklungsgesetz menschlicher Gesellschaften, eine Theorie zur sozialen Lage und auch die soziale Therapie, ja die Verheißung eines besseren Lebens: die Aufhebung der

sollte zum Glück aller Menschen führen.

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpetiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“

Quellenverzeichnis

- K. Marx; F. Engels: Ausgewählte Schriften in zwei Bänden. Dietz Verlag, Berlin 1966
- H. Fisch [Hrsg.]: Weltbild Kolleg. Abiturwissen, 3. Auflage. Band: Sozialwissenschaften, Fischer Taschenbuchverlag GmbH, Frankfurt/ Main 1983
- J. C. B. Mohr [Hrsg.]: M. Weber - Wirtschaft und Gesellschaft. 5. Auflage, Tübingen 1976
- H. M. Kastinger Riley: Köpfe des 20. Jahrhunderts - Max Weber. Colloquium Verlag GmbH, Berlin, 1991
- K. Marx: Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie, Der Produktionsprozeß des Kapitals, 26. Auflage, Band 1, Dietz Verlag, Berlin 1986
- Duden: Fremdwörterbuch. 5. Auflage, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG Verlag, Mannheim 1990
- R. Boudon; F. Bourricaud: Soziologische Stichworte, Ein Handbuch. Westdeutscher Verlag, Opladen 1992
- W. Bernsdorf: Wörterbuch der Soziologie. 2. Auflage, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1969
- H. Korte; B. Schäfers [Hrsg.]: Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie. Leske und Budrich Opladen 1993

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Vergleichen Sie die Entstehungsgeschichte des Kapitalismus bei Karl Marx und Max Weber!
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Soziologie)
Veranstaltung
Übung zur Vorlesung Makrosoziologie
Note
2,3
Autor
Jahr
1996
Seiten
15
Katalognummer
V8785
ISBN (Buch)
9783640645909
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marx Weber Kapitalismus Entstehung
Arbeit zitieren
Claudia Braun (Autor), 1996, Vergleichen Sie die Entstehungsgeschichte des Kapitalismus bei Karl Marx und Max Weber!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8785

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