Die Ethik Kants in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten


Seminararbeit, 1999

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Kants Theorie des Guten
1.1 Was gut ist, ist ein guter Wille
1.2 Ein guter Wille ist das höchste Gut

2. Pflicht und Gesetz
2.1 Pflichten sind gute Willen – eine analytische Wahrheit
2.2 Wert einer Handlung aus Pflicht
2.3 Subjektive und objektive praktische Prinzipien
2.4 Das Gesetz

3. Warum Moralphilosophie?

4. Abschluss

Literatur

Einleitung

In der Ethik als eine verbindliche, also normative Disziplin, geht es vorrangig um das moralisch Gute, wobei sie sich für das außermoralisch Gute nur insofern interessiert, als es gut ist zur Beförderung und Durchsetzung des moralisch Guten. Das moralisch Gute kann somit rein formal dadurch charakterisiert werden, daß es ein unbedingt Gutes ist, also nicht gut zu etwas oder instrumentell gut, sondern um seiner selbst willen gut. Das Wort „gut“ im Sinne von moralisch gut wird daher nicht von Dingen und objektiven Sachverhalten ausgesagt, sondern ausschließlich von Menschen und menschlichen Handlungen. Dies hat seinen Grund darin, daß das moralisch Gute etwas bezeichnet, das nicht ist, aber sein soll. Der Begriff des moralisch Guten ist daher kein empirischer, sondern ein normativer, ein Begriff also, der eine regelnde Funktion hat und zu einem bestimmten Verhalten auffordert.

Überdies setzt das moralisch Gute Freiheit voraus, die Freiheit nämlich, etwas als gut Gefordertes in seinem Gutsein zu bejahen und handelnd zu verwirklichen oder durch Nichthandeln zu bekunden, daß ein erhobener Geltungsanspruch abgewiesen wird. Freiheit ist demnach die Voraussetzung für moralisches Handeln, eben weil Freiheit das Vermögen ist zu entscheiden, ob ein Geltungsanspruch auf das Gute bezogen ist oder nicht. Bei der Frage wie und durch was dieses Gute zu bestimmen ist, scheiden sich jedoch die Auffassungen der Moralphilosophen. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich daher ausschließlich auf den Beitrag, den Immanuel Kant hierzu in seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ erbracht hat, wobei sich die Ausarbeitungen hauptsächlich auf den ersten Abschnitt dieses Werkes beschränken werden.

1. Kants Theorie des Guten

1.1 Was gut ist, ist ein guter Wille

Kant will die Leser anhand seiner Schrift „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ zu den obersten Prinzipien der Moralität führen. Dabei bedient er sich einer analytischen Methode, d.h. er reduziert das sittliche Handeln auf dessen Grundsätze. Da die Schrift dem allgemeinen Verständnis zugänglich sein soll, beginnt er mit der Frage: Was ist gut?. Somit formuliert Kant seine erste These, in der es heißt, daß allein ein guter Wille gut ist.

„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könne gehalten werden, als allein ein guter Wille.“ (393)

Eine Handlung kann nach Kant niemals an sich gut sein, denn menschliche Handlungen sind ziel – oder zweckgerichtet, so daß ihre Moralität von der Moralität des Ziels oder Zwecks abhängt. Überdies sind Ziele oder Zwecke abhängig von einem Willen, da er sie als erstrebenswerte Güter setzt. Der Wille ist es daher, der keines anderen bedarf, um gut genannt zu werden; er ist aus sich selber, d.h. „allein durch das Wollen gut“ (394).

„Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zur Erreichung irgendeines Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d.i. an sich gut.“ (394) Was somit von diesem guten Willen erstrebt wird, ist eben dadurch ein Gut.

1.2 Ein guter Wille ist das höchste Gut

Bekanntlich können Charaktereigenschaften von Menschen sowohl gut als auch böse und schädlich sein. Deshalb ist der gute Wille auch eine Art Selbstdisziplinierungsinstanz, die unangemessenes Verhalten verhindern kann und die es erlaubt, sich gemäß der Freiheit vernünftig selbstzubestimmen. Demnach mißt man die Güte eines Menschen, nach Kant, nicht am Ergebnis einer Handlung, sondern allein am Willen, der einer bestimmten Handlung zugrunde liegt. Es geht bei der Frage nach dem Guten also nicht um das, was in dieser oder jener Hinsicht gut ist, sondern darum, was ohne Einschränkung gut ist. Es muß also festgehalten werden, daß eine Handlung nicht als gut erachtet werden kann, wenn sie nicht auf der Basis des guten Willens getätigt wird. Wie sich der Wille also in der Praxis geltend macht, kann sinnvoll an der Abgrenzung der Begriffe „wollen, tun und wünschen“ gezeigt werden. Ein ernsthaftes Wollen ist somit nur denkbar, wenn man sich auf dem Weg zum Tun befindet. Wird hingegen davon abgesehen ernste Maßnahmen zum Erreichen einer formulierten Vorstellung einzuleiten, liegt nur Wünschen vor. (So kann man zwar das Tun, nicht aber das Wollen eines Menschen erzwingen.)

Zur Realisierung des guten Willens braucht man jedoch auch Glück. Der gute Wille, der im Bereich der Vernunft liegt, kann, wie eben erläutert, erklärt werden als ein Unterwegssein zum Tun dessen, was man will. Bezüglich der Realisierung dieses Willens heißt das, daß das Unterwegssein zur gewollten Handlung durch bestimmte Kontingenten, durch die Ungunst des Schicksals, ganz anders verlaufen kann als vorerst vermutet und somit erscheint diese Handlung deshalb als negativ oder schlecht. Dies bietet aber keinen Grund für eine moralische Verurteilung des Handelnden, sondern es macht deutlich, daß ein guter Wille nicht an den Folgen einer Handlung gemessen werden kann. Dies ist übrigens die Begründung dafür, dass Kant Handlungen nicht näher in seine Betrachtung über das wahrhaft Gute einbezieht. Dementsprechend ist nur der gute Wille für Kant „das höchste Gut“(396), denn nur mit einem guten Willen ist es möglich, „sich mit der Weisheit der Natur gar wohl“ (396) zu vereinigen. Kant sieht den Zweck in der Natur folglich nicht nur in der Glückseligkeit, also im Wohlergehen und in der Erhaltung des Menschen, sondern in der Vereinigung des Menschen mit der Weisheit Natur, d.h. mit dem, was uns die Vernunft gebietet. Diese kann nämlich die Entwürfe und Mittel stellen, die ein guter Wille bis zur Hinführung zu einer guten Handlung braucht. Somit hat sie auch das „praktische Vermögen […] Einfluß auf den Willen“ zu nehmen; und ihr Zweck ist es, einen „an sich guten Willen“ hervorzubringen.“( 396)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Ethik Kants in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Philosophie)
Note
1,7
Autor
Jahr
1999
Seiten
13
Katalognummer
V87859
ISBN (eBook)
9783638023177
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Kants, Grundlegung, Metaphysik, Sitten
Arbeit zitieren
Nadine Müller (Autor), 1999, Die Ethik Kants in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87859

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