Die vorliegende Untersuchung knüpft an das Hauptseminar „Argumentation im öffentlichen Diskurs - am Beispiel des Spanischen“ an.
In einem ersten, theoretischen Teil wird zunächst der Frage nachgegangen, was man unter den Begriffen „Argumentation“ und „Diskurs“ verstehen kann. Die Definition dieser Begriffe ist für die nachfolgende Betrachtung von Argumentationstheorien bedeutsam, da diese mit den genannten Begriffen operieren. Es werden verschiedene Argumentationstheorien erläutert. Hieran schließt sich der praktische Teil an, in dem es um die sprachwissenschaftliche Analyse einer politischen Rede Francos geht, die in direktem Zusammenhang mit dem Beginn des Spanischen Bürgerkrieges im Jahr 1936 steht. Ein kurzer, historischer Überblick soll der Einordnung der Rede in den damaligen politischen Kontext dienen. Es wird kurz auf den Inhalt der Rede eingegangen und gezeigt, wie sich die Textsorte klassifizieren lässt. Anschließend wird versucht, das zuvor dargestellte Argumentationsmodell von Toulmin auf den Text anzuwenden und die wesentlichen rhetorischen Stilmittel werden erläutert. Darüber hinaus erfolgt eine Analyse der argumentativen bzw. diskursiven Strategie dieses Textes.
Nach Álvarez besteht argumentieren in „[…]aportar razones para defender una opinión[...]” .
Kopperschmidt versteht unter dem Begriff „Argumentation“ eine geregelte Abfolge von Sprechhandlungen, die ein zusammenhängendes Netz zwischen Aussagen bilden. Dieses Netz diene der methodischen Einlösung von Geltungsansprüchen.
Im Gegensatz zu expositiven Texten arbeite ein argumentativer Text mit Wahrscheinlichkeiten statt mit Gewissheiten. Eine Argumentation bestehe grundsätzlich aus einer These, einem argumentativen Körper und einer Schlussfolgerung.
In der klassischen Rhetorik ist Argumentation ein kommunikatives Verfahren, das auf die Persuasion des Rezipienten abzielt. Es setzt voraus, dass Persuasion und Argumentation miteinander verbunden sind.
Das persuadere (lat.: überreden, überzeugen) kann nach der klassischen Rhetorik in die drei Grade docere (lat.: lehren, unterweisen), delectare (lat.: erfreuen, interessieren) und movere (lat.: bewegen, erregen) aufgeteilt werden. Mit dem Begriff docere ist der Teil einer Rede gemeint, der Daten liefert, zum Beispiel eine bestimmte Situation darstellt und das Publikum hierüber informiert. Delectare zielt darauf ab, das Publikum emotional zu berühren, um seine Sympathie zu gewinnen. Das movere steigert die Dramaturgie der Rede.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Argumentation
2.2. Diskurs
3. Argumentationstheorien
4. Sprachwissenschaftliche Analyse des Textes Proclamación del Alzamiento
4.1. Politischer Kontext
4.2. Inhalt
4.3. Textsorte
4.4. Argumentative Strategie
4.5 Rhetorische Mittel
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Mechanismen und argumentativen Strategien im Manifiesto de las Palmas von General Franco, um zu analysieren, wie der Text als politisches Instrument zur Beeinflussung der Rezipienten im Kontext des beginnenden Spanischen Bürgerkrieges genutzt wurde.
- Analyse der Begriffe Argumentation und Diskurs im theoretischen Kontext.
- Anwendung des Argumentationsmodells von Toulmin auf den historischen Quelltext.
- Untersuchung der Textsorte "politische Rede" und ihrer spezifischen Merkmale.
- Identifikation argumentativer Strategien wie Polarisierung, Verschleierung und Täuschung.
- Analyse rhetorischer Mittel und deren emotionaler Wirkung auf das Publikum.
Auszug aus dem Buch
4.4. Argumentative Strategie
Franco verfolgt eine deduktive Strategie: Zunächst beklagt er allgemein die Situation in Spanien: „La situación de España es cada día más crítica;[…]“, kritisiert die Situation des öffentlichen Lebens, wird dann konkreter, indem er auf eine Situation des Hungers der arbeitenden Menschen zu sprechen kommt: „[…]creando una situación de hambre que lanzará a la desesperación a los hombres trabajadores.“
Franco beginnt seine Rede mit dem Appell, die Nation rufe das Volk zur Verteidigung. Dies entspricht nach dem Schema Toulmins der Konklusion. Im darauf folgenden Satz wird deutlich, warum: Franco beschreibt die Situation Spanien als „[…]cada día más crítica;[…] Es folgen Daten in Form von Zustandsbeschreibungen aus dem öffentlichen Leben, die der Begründung der Konklusion dienen sollen: Franco beklagt Anarchie und Streiks
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Rahmen des Seminars und umreißt die theoretische Fundierung sowie die Analyse der Rede Francos.
2. Definitionen: Hier werden die zentralen Begriffe „Argumentation“ und „Diskurs“ definiert und für die Arbeit operationalisiert.
2.1. Argumentation: Dieser Abschnitt beleuchtet verschiedene theoretische Perspektiven auf den Argumentationsbegriff, unter anderem nach Álvarez und Kopperschmidt.
2.2. Diskurs: Hier wird der Diskursbegriff im Kontext öffentlicher Kommunikation und politischer Reden definiert.
3. Argumentationstheorien: Das Kapitel behandelt verschiedene Ansätze zur Analyse von Argumentationen, insbesondere das Schema von Toulmin.
4. Sprachwissenschaftliche Analyse des Textes Proclamación del Alzamiento: Dieser Hauptteil analysiert die Rede Francos unter Anwendung der vorgestellten theoretischen Modelle.
4.1. Politischer Kontext: Es wird ein kurzer Überblick über die historischen Ereignisse des Jahres 1936 gegeben, die zur Veröffentlichung der Rede führten.
4.2. Inhalt: Dieser Abschnitt fasst die wesentlichen inhaltlichen Aussagen und den Appellcharakter der Rede zusammen.
4.3. Textsorte: Unter Bezugnahme auf Brinker wird der Text als Appelltext klassifiziert.
4.4. Argumentative Strategie: Hier wird das Argumentationsschema Francos detailliert nach Toulmin und anderen Ansätzen untersucht.
4.5 Rhetorische Mittel: Dieser Abschnitt identifiziert und erläutert die sprachlichen Stilmittel, mit denen Franco seine rhetorische Überzeugungskraft steigert.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit der Modelle auf die politische Rede.
Schlüsselwörter
Argumentation, Diskurs, politische Rede, Franco, Manifiesto de las Palmas, Toulmin, Appelltext, Rhetorik, Spanischer Bürgerkrieg, Polarisierung, Persuasion, Sprachwissenschaft, Diskursive Strategien, Geltungsanspruch, Wertbasis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Argumentationsstruktur und die rhetorischen Strategien in Francos Manifiesto de las Palmas von 1936.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die theoretische Definition von Argumentation, die Anwendung des Toulmin-Schemas auf politische Texte und die Analyse spezifischer diskursiver Strategien in politischen Reden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie Franco durch eine rezipientenorientierte, stark emotionale Argumentationsweise versucht, das spanische Volk für seine Sache zu gewinnen und militärischen Widerstand zu rechtfertigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die linguistische Textanalyse nach Brinker sowie das Argumentationsmodell von Toulmin zur Dekonstruktion der politischen Rede.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, die Bestimmung der Textsorte und eine tiefgehende Analyse der angewandten argumentativen Strategien und rhetorischen Mittel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Argumentation, Diskurs, politische Rede, Persuasion und rhetorische Strategien beschreiben.
Warum spielt das Toulmin-Modell eine wichtige Rolle?
Das Modell dient dazu, das logische Gerüst der Argumentation in Francos Rede freizulegen, obwohl es ursprünglich für den Alltagskontext entwickelt wurde.
Wie geht die Arbeit mit dem historischen Kontext um?
Der Kontext dient zur Einordnung der Rede in die politische Situation des Jahres 1936, um die Bedeutung der gewählten Strategien besser verständlich zu machen.
Welche Bedeutung kommt der "WIR-Identität" in der Analyse zu?
Die WIR-Identität ist ein zentrales Werkzeug Francos, um sich und das Volk von einem feindlichen "SIE" abzugrenzen und emotionale Solidarität zu erzeugen.
Warum wird die Rede als "Appelltext" klassifiziert?
Weil das übergeordnete Ziel des Textes darin besteht, das Publikum zu einer bestimmten Handlung – der Verteidigung des Vaterlandes – zu bewegen.
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- Diplomkaufmann (FH) Claas Riemer (Author), 2008, Argumentation im öffentlichen Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87882