Diese Arbeit befasst sich mit Bischof Waldemar von Schleswig, der von 1157/58 bis 1235/36 lebte. In diesem Zeitraum war Dänemark die vorherrschende Macht im Ostseeraum. Mit der Reichseinheit 1157 unter Waldemar I. begann eine Expansionspolitik Dänemarks, von der dessen Anrainer stark betroffen waren und die erst mit der Schlacht von Bornhöved 1227 endete.
Eingebunden in diese Umstände zielt die vorliegende Arbeit darauf ab, das Leben des Bischofs Waldemar von Schleswig zu beschreiben und ihn in Verbindung mit dem dänischen Ostseeimperium zu bringen. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Streit des Bischofs mit seinen Vettern gelegt, da der Grundstein für das Verhalten des Bischofs war. Zudem werden die Auswirkungen des Vetternstreits auf das Ostseeimperium betrachtet und es soll geklärt werden, inwieweit Bischof Waldemar eine Gefahr für das dänische Reich dargestellt hat.
Die Hauptquelle zur Geschichte des Bischofs Waldemar von Schleswig ist die Chronik „Arnoldi Chronica Slavorum“ des Arnolds von Lübeck. Für die Glaubwürdigkeit dieser Quelle spricht die Tatsache, dass Arnold zu jener Zeit Abt in Lübeck war. Es ist davon auszugehen, dass er seine Informationen von Bischof Dietrich von Lübeck bezogen hat, der Bremer war und vermutlich „viele Freunde und Bekannte in Bremen besaß, die ihn über die Vorgänge unterrichten konnten“ . Es somit sehr wahrscheinlich, dass Arnold gute Kenntnisse über die Ereignisse in Bremen hatte, wo Bischof Waldemar 1192/93 zum Erzbischof ernannt wurde.
Ein weiterer Chronist dieser Zeit ist Saxo Grammaticus, der in der Gesta Danorum die Geschichte Dänemarks von den Anfängen des Reiches bis 1185 erzählt. Riis verweist allerdings darauf, dass „seine gezielte Glorifizierung des dänischen Königtums und dessen christianisierende Expansion im Ostseeraum ihn mehrmals die historischen Tatsachen der zu vermittelnden Ideologie unterordnen lässt“ .
Andere Quellen sind päpstliche Urkunden sowie Briefe, die während der Gefangenschaft des Bischofs verfasst worden sind.
Diese Arbeit verbindet Ansätze verschiedener Autoren, die unterschiedliche Facetten der Geschichte des Bischofs beschrieben haben. Als Beispiel für diese Autoren können Godt und Freytag genannt werden, die jeweils einen Aufsatz über den Bischof verfasst haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Biografie des Bischofs Waldemar von Schleswig
3. Die Lage in Holstein und Nordelbingen
4. Der Vetternstreit
4.1 Die Datierungsproblematik
4.2 Die Gründe für die Auseinandersetzung
4.3 Die Wahl Bischof Waldemars zum Erzbischof von Bremen 1192/93
4.4 Eskalation: Angriff des Bischofs auf Dänemark
5. Zeit der Gefangenschaft und Flucht des Bischofs aus Rom
5.1 Die Gefangenschaft zwischen 1193 und 1206
5.2 Das Verhalten der Kurie zur Zeit der Gefangenschaft
5.3 Der Prozess und die Flucht
5.4 Das Leben des Bischofs nach seiner Flucht bis hin zu seinem Tod
6. Bischof Waldemars Bedeutung für das mittelalterliche dänische Ostseeimperium
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Bischof Waldemar von Schleswig im Kontext des mittelalterlichen dänischen Ostseeimperiums, wobei insbesondere der „Vetternstreit“ sowie das Machtkalkül zwischen dem dänischen Königshaus und dem deutschen Reich analysiert werden.
- Biografische Analyse des Bischofs Waldemar von Schleswig
- Untersuchung der Ursachen und Folgen des Vetternstreits
- Rolle des Bischofs im politischen Machtgefüge Norddeutschlands und Dänemarks
- Bedeutung der päpstlichen Interventionen und der Bremer Erzbischofswahl
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Datierungsproblematik
Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte um Waldemar Bischof von Schleswig ist die Auseinandersetzung mit seinen Vettern Knud und Waldemar. Die Forschung ist sich allerdings uneins über den genauen Zeitpunkt des Streitbeginns.
Wie oben bereits erwähnt, ist Hauptquelle für die Angelegenheit um Bischof Waldemar der Chronist Arnold von Lübeck. Im Folgenden beziehen sich die Autoren auf seine Überlieferungen sowie auf mehrere päpstliche Erlässe und Urkunden.
Christian Godt datiert den Anfang zwischen die Jahre 1188 und 1192. Des Weiteren geht er von einem bestimmten Auslöser aus, durch den der Streit begonnen haben muss. Hans Joachim Freytag sieht den Streitbeginn in den Jahren 1189 bis 1192, während Rudolf Usinger den Beginn am 28. Juni 1191 angibt, da an diesem Tag Herzog Waldemar seine Mündigkeit erlangt haben soll. Dieser These schließt sich Georg Dehio an, nennt aber in diesem Zusammenhang kein explizites Datum. Im Folgenden werden exemplarisch die Datierungsansätze Godts und Freytags dargestellt:
Godt geht davon aus, dass 1187/88 noch ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Waldemars bestand und der Streit kurz danach begann. Einen Beweis für seine Vermutung bleibt er aber schuldig. Er deutet nur darauf hin, dass es keine Urkunden zur genauen Zeitbestimmung gibt und führt drei Möglichkeiten auf, die den Anfang des Streits datieren könnten. Zuerst zu nennen ist die Legation des Kardinalpresbyters Cinthius, den Papst Cölestin III. am 28. Juli 1191 als Legat nach Norddeutschland, Schweden und Dänemark sendete. Am 31. Dezember des gleichen Jahres schrieb Cölestin einen Brief an den Bischof von Uppsala aus dem sich schließen lässt, dass sich Cinthius im Winter 1191/1192 in Schweden aufgehalten haben muss. Godt vermutet, dass sich der Legat auf seiner mehrere Monate andauernden Rückkehr aus Schweden mit der Auseinandersetzung zwischen Bischof Waldemar und seinem Vetter Herzog Waldemar beschäftigt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung Bischof Waldemars von Schleswig und sein Verhältnis zum dänischen Ostseeimperium ein.
2. Die Biografie des Bischofs Waldemar von Schleswig: Das Kapitel beleuchtet die Herkunft, die Investitur und die frühe politische Rolle des Bischofs bis zu seiner Haft.
3. Die Lage in Holstein und Nordelbingen: Hier werden die politischen Machtverschiebungen in Nordelbingen nach dem Sturz Heinrichs des Löwen dargelegt.
4. Der Vetternstreit: Dieser Hauptteil analysiert die Ursachen und die Eskalation des Konflikts zwischen dem Bischof und seinen dänischen Vettern.
5. Zeit der Gefangenschaft und Flucht des Bischofs aus Rom: Das Kapitel dokumentiert die jahrelange Haft, die päpstlichen Interventionen und die Fluchtversuche Waldemars.
6. Bischof Waldemars Bedeutung für das mittelalterliche dänische Ostseeimperium: Dieser Abschnitt bewertet die Auswirkungen des Handelns Waldemars auf die Stabilität des dänischen Reiches.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über das Wirken des Bischofs als „politischer Abenteurer“ im Kontext des nordischen Mittelalters.
Schlüsselwörter
Bischof Waldemar, Dänemark, Ostseeimperium, Schleswig, Vetternstreit, Knud VI., Waldemar II., Erzbistum Bremen, Machtpolitik, Papsttum, Mittelalter, Nordelbingen, Heinrich der Löwe, Investitur, politischer Abenteurer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit behandelt das Leben und Handeln des Bischofs Waldemar von Schleswig, insbesondere seine politischen Konflikte mit dem dänischen Königshaus.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der Vetternstreit, die Machtkonstellationen im Ostseeraum des 12. und 13. Jahrhunderts und die Rolle der Kirche in diesen Konflikten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, den Einfluss Bischof Waldemars auf das dänische Ostseeimperium und die Gründe für sein „unruhiges“ politisches Wirken zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Dokumente, wie etwa der „Arnoldi Chronica Slavorum“ und päpstlicher Urkunden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv dem Vetternstreit, der Datierungsproblematik dieser Konflikte und der Zeit der Gefangenschaft sowie den Fluchtversuchen Waldemars.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Machtpolitik, dänisches Ostseeimperium, Kirchenpolitik und der Konflikt zwischen Welfen und Staufern.
Warum wird der Bischof als „unruhiger Geist“ bezeichnet?
Diese Bezeichnung spiegelt sein ständiges Streben nach politischer Macht und seine wiederholten Versuche wider, sich gegen das dänische Königshaus aufzulehnen, selbst nach Exkommunikation und Flucht.
Welche Bedeutung hatte die Wahl zum Erzbischof von Bremen für den Konflikt?
Die Wahl Waldemars zum Erzbischof von Bremen durch die staufisch geprägte Geistlichkeit vertiefte den Konflikt mit dem dänischen Königshaus massiv und wurde vom König als Hochverrat eingestuft.
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- Johannes Thoböll (Author), 2007, Ein unruhiger Geist: Bischof Waldemar von Schleswig, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87939