Der Begriff der fremdfinanzierten Übernahme beschreibt eine Technik zur Unternehmensakquisition, die in den USA schon seit Ende der 60er Jahre bekannt ist. In Europa gelangte das Konzept zuerst in Großbritannien zu Popularität und seit den 90er Jahren auch in Deutschland. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung und günstige Kredite zu guten Konditionen sind fremdfinanzierte Übernahmen, oder auch leveraged buyouts (LBO), zu einem elementaren Bestandteil des deutschen Beteiligungsmarktes geworden. Nahezu 1 Mio. Beschäftigte und Zuwachsraten, die deutlich über dem Bundes-durchschnitt liegen, gehen auf das Konto von Finanzinvestoren. Ebenfalls bemerkenswert ist die Effizienz dieser Branche, die größten der Branche wie Blackstone oder KKR weisen mitunter beträchtliche Renditen von über 40% auf. LBOs sind die gängigste Investitionsform dieser Privat-Equity-Gesellschaften und somit hängt das Image des LBOs unweigerlich an dem der Privat-Equity Branche und umgekehrt.
Jedoch gab und gibt es immer wieder kritische Stimmen, die insbesondere das Risiko fremdfinanzierter Transaktionen unterstreichen. Des Weiteren besteht in der öffentlichen Meinung bis heute das Bild der „Heuschrecken“, die Firmen aufkaufen, die Substanz entnehmen und sie dann fallen lassen. Statistische Zahlen zeigen jedoch das Gegenteil. Wie sind LBOs also zu bewerten? Steigern sie die Leistungsfähigkeit der Märkte oder sind sie kapitalistische Raubritter, die nehmen was sie bekommen können, ohne dabei jegliche soziale Verantwortung zu beachten.
Ziel ist es zu klären, ob LBOs für Einzelunternehmungen, sowie für die Volkswirtschaft ein Risiko darstellen oder ob sie ein Chance sind, makro- und mikro-ökonomischen Wandel zu vollziehen.
Hierzu werden im ersten Teil dieser Arbeit die Grundlagen des LBO-Konzepts erläutert, d.h. zunächst die zentralen Begriffe definiert. Es folgt ein kurzer historischer Rückblick und anschließend Einzelheiten zur Durchführung und Technik eines LBOs. Dabei wird insbesondere auf die drei Phasen Evaluation, Investition und Exit eingegangen.
Der zweite Teil beginnt mit der Analyse der gegenwärtigen Situation. Es wird zunächst ein kurzer Rückblick in die letzen Jahre gegeben, sowie die Ist-Situation dargestellt. Darauf aufbauend wird der gesamtwirtschaftliche Aspekt aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Zielsetzung und Methodik dieser Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Mergers & Acquisitations
2.1.2 Fremdfinanzierte Übernahmen / Leveraged Buyouts
2.1.3 Leverage Effekt
2.1.4 Cash-Flow
2.2 Geschichte des LBO
3 Durchführung und Technik eines LBO
3.1 Motive der beteiligten Gruppen
3.2 Evaluationsphase
3.2.1 Eigenschaften des Zielobjekts
3.2.2 Vertrag und Kauf
3.3 Investitionsphase
3.3.1 Wertsteigerung und strategische Neuorientierung
3.3.2 Rückfluss aus der Investition
3.4 Exitphase
4 Analyse der gegenwärtigen Situation
4.1 Rückblick & Ist-Situation
4.2 Aktuell: Immobilienkrise
4.3 Gesamtwirtschaftlicher Aspekt
5 Chancen & Risiken von LBO
5.1 Chancen & Vorteile
5.1.1 Für die einzelne Unternehmung
5.1.2 Gesamtwirtschaftlich
5.2 Risiken & Nachteile
5.2.1 Für die einzelne Unternehmung
5.2.2 Gesamtwirtschaftlich
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der fremdfinanzierten Unternehmensübernahme (Leveraged Buyout, LBO), um zu klären, ob diese Transaktionen für die beteiligten Einzelunternehmen sowie für die Volkswirtschaft ein Risiko darstellen oder als Instrument zur Steigerung der Leistungsfähigkeit dienen. Dabei werden die theoretischen Grundlagen, die operative Durchführung sowie die gegenwärtigen Rahmenbedingungen unter Berücksichtigung der Immobilienkrise analysiert.
- Theoretische Definitionen und historische Entwicklung von LBOs.
- Strukturierte Darstellung des Übernahmeprozesses: Evaluation, Investition und Exit.
- Analyse der aktuellen Marktsituation und Einfluss der Immobilienkrise.
- Systematische Gegenüberstellung von Chancen und Risiken für Unternehmen und Volkswirtschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Motive der beteiligten Gruppen
Die Interessenlage bei LBOs ist vielschichtig. Für die Käufer, Verkäufer und Fremdkapitalgeber ergeben sich zum Teil sehr unterschiedliche Motive für die Durchführung eines LBOs:
Käufer
Bei den Käufern handelt es sich entweder um strategische Investoren oder um Finanzinvestoren der Privat Equity Branche. Der strategische Investor ist vorwiegend am Know-How und dem Marktanteil der Zielgesellschaft interessiert. Es handelt sich hierbei um einen Mitbewerber oder ein Unternehmen, welches im Markt des Zielunternehmens tätig werden möchte.
Das Interesse der Einzelinvestoren hingegen besteht primär in der Aussicht auf einen hohen Return of Investment.
Somit verfolgen auch die großen Fonds und Beteiligungsgesellschaften, also Finanzinvestoren, die das Geld der Einzelinvestoren verwalten, mit dem Ziel eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen, insbesondere durch einen höchstmöglichen Profit beim Wiederverkauf, dieses Ziel. Bei hohen Transaktionsvolumen, schließen meistens mehrere Käufer zusammen, solche Käufer Zusammenschlüsse nennt man Clubdeals.
Verkäufer
Der Verkäufer verfolgt, je nach Gründen für den Verkauf des ganzen oder eines Teils des Unternehmens, unterschiedliche Interessen. Abgesehen davon, dass er in der Regel versucht, den maximalen Verkaufserlös zu erzielen, können seine weiteren Motive vielfältig sein. Zu nennen wären hier eine ungeklärte Unternehmensnachfolge, sowie Restrukturierungs- oder Sanierungsnotwendigkeit.
Für Unternehmen, die sich in staatlichem Eigentum befinden, sind oftmals Sparanreize, Effizienzsteigerung und Schuldentilgung ein Motiv. Bei einem Verkauf von Unternehmen aus staatlichem Eigentum spricht man von Privatisierung.
Fremdkapitalgeber
Die Motive der Fremdkapitalgeber sind ähnlich denen der Finanzinvestoren. Sie erhoffen sich eine höhere Rendite als bei alternativen Transaktionen. Hinzu kommt mögliches Cross-Selling-Potential wie z.B. Beratungsleistung oder die Vermögensverwaltung des Alteigentümers.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zielsetzung und Methodik dieser Arbeit: Einführung in das Thema der fremdfinanzierten Übernahmen und Definition der Forschungsziele sowie des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2 Grundlagen: Klärung zentraler Begrifflichkeiten wie M&A, Leveraged Buyout, Leverage-Effekt und Cash-Flow sowie ein kurzer historischer Abriss.
3 Durchführung und Technik eines LBO: Detaillierte Betrachtung der Motive aller Beteiligten sowie der Phasen der Evaluation, Investition und des Exits.
4 Analyse der gegenwärtigen Situation: Rückblick auf die Marktentwicklung, Einordnung der aktuellen Immobilienkrise und Diskussion der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen.
5 Chancen & Risiken von LBO: Detaillierte Gegenüberstellung der Vorteile und Gefahren für Einzelunternehmen sowie für die Volkswirtschaft.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Buyout-Marktes unter veränderten Kreditbedingungen.
Schlüsselwörter
Leveraged Buyout, LBO, Private Equity, Finanzinvestoren, Fremdkapital, Leverage-Effekt, Unternehmensübernahme, Cash-Flow, Rendite, Exitphase, Investitionsphase, Immobilienkrise, Unternehmenswert, Unternehmensnachfolge, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen fremdfinanzierter Firmenübernahmen, bekannt als Leveraged Buyouts (LBO), und bewertet deren Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen umfassen die Finanzierungstechnik von LBOs, die Interessen der beteiligten Akteure, die Prozesse der Unternehmenswertsteigerung und die aktuellen Herausforderungen durch das Marktumfeld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob LBOs ein Risiko für Unternehmen und Volkswirtschaft darstellen oder als Chance für die Leistungssteigerung und den notwendigen wirtschaftlichen Wandel zu werten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Analyse von Marktdaten sowie der Betrachtung theoretischer Modelle und Fallbeispiele aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Definitionen, die Beschreibung des Übernahmeprozesses in drei Phasen, die Analyse der Marktsituation sowie eine systematische Bewertung von Chancen und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Leverage-Effekt, Private Equity, Cash-Flow, Rückzahlungsfähigkeit und Systemische Risiken geprägt.
Wie beeinflusst die Immobilienkrise das LBO-Geschäft?
Die Immobilienkrise hat zu einer höheren Risikoaversion am Markt und zur Verknappung von günstigem Fremdkapital geführt, was den LBO-Boom dämpft und die Branche zu einer Normalisierung zwingt.
Warum spielt das Management-Team bei einem LBO eine so wichtige Rolle?
Das Management ist der entscheidende Faktor für die operative Umsetzung der Strategie, da nur durch erfolgreiches Wirtschaften der Unternehmenswert gesteigert und das aufgenommene Fremdkapital getilgt werden kann.
- Quote paper
- Jonas Sowa (Author), 2008, Chancen und Risiken von fremdfinanzierten Firmenübernahmen - Leveraged Buyouts (LBO), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87987