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Vergleich zweier Inszenierungen von Goethes "Faust" - Dieter Dorn und Gustaf Gründgens

Title: Vergleich zweier Inszenierungen von Goethes "Faust" - Dieter Dorn und Gustaf Gründgens

Seminar Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christine Reff (Author)

Didactics - German Studies
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Summary Excerpt Details

Zwei bedeutende Faust-Verfilmungen sollen in dieser Arbeit miteinander verglichen werden, die von Peter Gorski aus dem Jahre 1960, die die Gründgens-Inszenierung von Goethes „Faust“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg aus dem Jahr 1960 praktisch „ohne Hinzufügungen und Veränderungen wiedergibt“ , und die von Dieter Dorn, der seine Verfilmung von 1988 eng an seine eigene Inszenierung der Goethe-Vorlage in den Münchner Kammerspielen anlehnte. Dies soll allerdings nicht im Hinblick auf die filmischen Elemente geschehen, wie es beispielsweise Michael Staiger in seinem Aufsatz „Faust verfilmt“ unternimmt, sondern hinsichtlich der Inszenierung, die in beiden Fällen der Verfilmung zugrunde liegt. Ich werde also nicht auf die filmspezifischen Aspekte, wie Kameraführung und Ähnliches eingehen, sondern mich auf das beschränken, was die Inszenierung ausmacht.

Von einem Vergleich mit der Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe soll hier, abgesehen von der Untersuchung der Textauswahl der beiden Inszenierungen, weitestgehend abgesehen werden. Dies geschieht im Hinblick auf die Tatsache, dass, wie Michael Staiger bemerkt, „[e]ine Literaturverfilmung (…) nicht als Übersetzung zu verstehen [ist], sondern als Ausdruck einer Interpretation, einer subjektiven Lesart des schriftlich fixierten Textes“ . Dasselbe gilt ja auch schon für die Inszenierung an sich. Es soll also nicht darum gehen, die Inszenierungen von Gründgens und Dorn auf ihre Textnähe hin zu untersuchen, sondern sie als eigenständige Interpretationen aufzufassen, die ihre Vorlage deuten und auslegen, und nicht etwa nur als bloße Wiedergabe, geschweige denn in einem 1:1-Verhältnis. Angesichts dieser Prämisse wird der Vergleich der beiden Inszenierungen zu einem Vergleich von zwei Interpretationen ein und desselben Stoffes.

Da für einen Vergleich der beiden Inszenierungen insgesamt hier der Raum fehlt, soll der Vergleich exemplarisch an einer Szene festgemacht werden, an der Hexenküchen-Szene, deren unterschiedliche Bearbeitung in den beiden Inszenierungen sehr augenfällig ist, und die aufgrund der klaren, leicht erkenntlichen Unterschiede und des zeitlichen Umfangs, den sie in den Inszenierungen einnimmt, meiner Ansicht nach für die Behandlung im Unterricht besonders geeignet ist.
Des Weiteren sollen, im zweiten Teil der Arbeit, Perspektiven für die Interpretation im Unterricht der Sekundarstufe eröffnet werden. Auch dies geschieht im Hinblick auf den Interpretationscharakter der Inszenierungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Inszenierung als Interpretation

2. Vergleich der „Faust“-Inszenierungen von Gustaf Gründgens und Dieter Dorn am Beispiel der Szene „Hexenküche“

2.1. Die szenische Darstellung

2.1.1. Kulisse

2.1.2. Die Hauptfiguren

2.1.2.1. Mephisto

2.1.2.2. Faust

2.1.2.3. Die Hexe

2.1.3. Musik

2.2. Textauswahl

3. Der Vergleich der beiden Inszenierungen im Unterricht der Sekundarstufe

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Inszenierungen der „Hexenküchen-Szene“ aus Goethes „Faust“ durch Gustaf Gründgens (1960) und Dieter Dorn (1988), um aufzuzeigen, wie divergierende Interpretationen des Dramenstoffs durch Regisseure entstehen. Dabei wird analysiert, wie visuelle Gestaltung, Musik und Textauswahl die Charakterisierung der Figuren sowie die Atmosphäre beeinflussen, um daraus didaktische Konzepte für den Literaturunterricht der Sekundarstufe abzuleiten.

  • Vergleichende Analyse der szenischen Gestaltung (Kulisse, Kostüme, Mimik/Gestik)
  • Untersuchung der filmischen Interpretation der zentralen Charaktere Mephisto, Faust und Hexe
  • Evaluierung der gewählten Textpassagen als Ausdruck dramaturgen-spezifischer Interpretation
  • Entwicklung didaktischer Strategien zur Behandlung von Drameninszenierungen im Unterricht

Auszug aus dem Buch

2.1.2.3. Die Hexe

Die Darstellung der Hexengestalt divergiert in gleichem Maße wie die ihrer Hexenküche. Gründgens stellt sie als eine farbenfroh gekleidete, relativ gutbürgerlich anmutende ältere Dame dar, die tatsächlich auch in einer Staubsaugerwerbung derselben Zeit auftauchen könnte (Vgl. Abb. 1), oder, trotzdem noch weit entfernt vom Wesen einer Hexe, als „Wahrsagerin auf Jahrmärkten“ durchgehen könnte. Ihr Alter wird durch ihr graues, dauergewelltes Haar verdeutlicht, sie wirkt jedoch insgesamt wie eine patente, vitale, ältere Dame in den besten Jahren. Es umgibt sie sogar eine etwas mütterliche Atmosphäre, ganz im Gegensatz zur bedrohlichen Ausstrahlung der Hexe in der Inszenierung von Dieter Dorn. Bei ihrem Zauberritual, das dem Zuschauer wie auch Faust selbst als betont sinnlose Spielerei erscheinen muss, setzt sie sich eine Art Brautschleier auf den Kopf, erst mit dem Schleier nach hinten, dann nach vorne, was ihre kindisch-harmlose Darstellung noch verstärkt und fast lächerlich wirkt. Auch ihre Stimme ist keinesfalls schrill oder hexenhaft, sondern durchaus natürlich.

In krassem Kontrast dazu steht die Hexe in der Dorn-Inszenierung (Vgl. Abb. 2), eine ausgemergelte, steinalte Frau mit tieffaltigem, weißen Gesicht und neongrün und schwarz gesträhnten Haaren, die ihr wild vom Kopf abstehen. Dieselben Farben finden sich auch in ihrem gleichzeitig altertümlich und modern anmutenden Kleid von eben diesem grellen neongrün, über dem sie ein schwarzes gehäkeltes Überkleid trägt. Diese beiden Farben bestimmen wie oben erwähnt auch die Kulisse dieser Szene und verursachen eine düstere und surreale Atmosphäre, wie auch den Eindruck von vergifteter Luft. Bei der Zubereitung des Verjüngungstrankes hüllt sich die Hexe wie bereits erwähnt in einen Chemikerkittel, wodurch wohl ihre Fähigkeiten in der Alchemie betont werden sollen. Es wird deutlich, dass es sich um eine fähige Hexe handelt, die ganz offensichtlich praktiziert, und dies mit Ergebnissen, wie die Frucht ihrer Experimente, die Wesen ihrer Küche beweisen. Der Realismus der Horrorgestalten gibt der Hexe und ihren Fähigkeiten die Glaubwürdigkeit, die Dorn beim Publikum erreichen will.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Inszenierung als Interpretation: Die Einleitung erläutert, dass Filmversionen von Goethes „Faust“ als subjektive Interpretationen und nicht als bloße Textwiedergabe zu verstehen sind, und begründet die Fokussierung auf die „Hexenküchen-Szene“.

2. Vergleich der „Faust“-Inszenierungen von Gustaf Gründgens und Dieter Dorn am Beispiel der Szene „Hexenküche“: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die visuelle Gestaltung, die Charakterisierung der Figuren sowie die musikalische Untermalung und die Auswahl der Textstellen in den beiden Inszenierungen.

3. Der Vergleich der beiden Inszenierungen im Unterricht der Sekundarstufe: Das letzte Kapitel schlägt methodische Wege vor, wie die Analyse von Inszenierungsunterschieden didaktisch im Literaturunterricht eingesetzt werden kann, um Schülern den Interpretationscharakter von Dramen zu vermitteln.

Schlüsselwörter

Johann Wolfgang von Goethe, Faust, Gustaf Gründgens, Dieter Dorn, Hexenküche, Literaturverfilmung, Inszenierung, Interpretation, Mephistopheles, Didaktik, Sekundarstufe, Dramentheorie, Bühnenbild, Theaterwissenschaft, Szenische Analyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit vergleicht zwei unterschiedliche filmische Inszenierungen der „Hexenküchen-Szene“ aus Goethes „Faust“ durch die Regisseure Gustaf Gründgens und Dieter Dorn.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die filmische Interpretation literarischer Vorlagen, der Einfluss von Bühnenbild und Ausstattung auf die Rollencharakterisierung sowie die Vermittlung dieser Aspekte im Deutschunterricht.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie verschiedene Regisseure den gleichen Textstoff unterschiedlich deuten, und dieses Verständnis für didaktische Zwecke in der Sekundarstufe nutzbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse, bei der sie visuelle Elemente (Kulisse, Kostüm, Mimik), die musikalische Untermalung und die gezielte Textauswahl der beiden Inszenierungen gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der szenischen Gestaltung, der Darstellung der Figuren Mephisto, Faust und Hexe sowie der spezifischen Textauswahl der beiden Dramaturgen in der Hexenküche.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Inszenierung, Interpretation, Faust, Gründgens, Dorn, Hexenküche, Didaktik und dramaturgische Gestaltung.

Wie unterscheidet sich die Kulisse bei Gründgens von der bei Dorn?

Gründgens inszeniert die Hexenküche als einen bunten, skurrilen und fast kindlich verspielten Ort, während Dorn eine düstere, unheimliche Horror-Atmosphäre mit giftgrünen Farben und Schmutz wählt.

Warum wird die „Hexenküchen-Szene“ für den Unterricht als besonders geeignet angesehen?

Die Autorin begründet dies mit dem hohen Kontrast der Inszenierungen, der sich visuell leicht erfassen lässt, sowie der zentralen Bedeutung der Szene für den Handlungsverlauf des Faust.

Welche Rolle spielt die „Textauswahl“ laut der Autorin?

Die Textauswahl gilt als direkter Ausdruck der interpretatorischen Schwerpunkte des Regisseurs, da das Auslassen oder Betonen bestimmter Verse das Verständnis der Charakterbeziehungen und der Intention verändert.

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Details

Title
Vergleich zweier Inszenierungen von Goethes "Faust" - Dieter Dorn und Gustaf Gründgens
College
University of Augsburg
Course
Dramen und Drameninszenierung
Grade
1,3
Author
Christine Reff (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V88017
ISBN (eBook)
9783638023412
Language
German
Tags
Vergleich Inszenierungen Goethes Faust Dieter Dorn Gustaf Gründgens Dramen Drameninszenierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Reff (Author), 2005, Vergleich zweier Inszenierungen von Goethes "Faust" - Dieter Dorn und Gustaf Gründgens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88017
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