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Phèdre – «ni tout à fait coupable, ni tout à fait innocente»?

Title: Phèdre – «ni tout à fait coupable, ni tout à fait innocente»?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 25 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Christine Reff (Author)

French Studies - Literature
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1. Racines Vorwort zu Phèdre: In der Préface zu seiner berühmtesten Tragödie, „Phèdre“, beschreibt Racine eingangs seine Titelheldin mit folgenden Worten:
« En effet, Phèdre n’est ni tout à fait coupable, ni tout à fait innocente. Elle est engagée, par sa destinée et par la colère des dieux, dans une passion illégitime, dont elle a horreur toute la première. Elle fait tous ses efforts pour la surmonter. Elle aime mieux se laisser mourir que de la déclarer à personne, et lorsqu’elle est forcée de la découvrir, elle en parle avec une confusion qui fait bien voir que son crime est plutôt une punition des dieux qu’un mouvement de sa volonté. » Das Verbrechen Phèdres, ihre – streng betrachtet - inzestuöse Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolythe, ist hier also als eine Strafe der Götter konzipiert. Diese Tatsache scheint Phèdre auf den ersten Blick fast vollkommen von Schuld an dieser unrechtmäßigen Liebe freizusprechen. Zudem wird sowohl im Vorwort als auch im Drama selbst mehrfach betont, wie sehr sich Phèdre gegen ihr Schicksal aufzulehnen versucht, in welchem Maße sie versucht, nicht schuldig zu werden. Dennoch bezeichnet Racine sie als « ni tout à fait coupable, ni tout à fait innocente » und schreibt ihr damit durchaus einen gewissen Anteil an Schuldhaftigkeit zu. Trotz der Tatsache, dass Phèdre diese illegitime Liebe als Strafe von den Göttern hat auferlegt bekommen, trotz ihres verzweifelten Versuchs, gegen diese Liebe anzukämpfen, ist sie dennoch schuldig geworden, inwiefern, das will diese Arbeit zu klären versuchen. In diesem Zusammenhang soll auf der Suche nach „Alternativschuldigen“ auch die Rolle der confidente Phèdres, die Figur der Oenone, Beachtung finden, so wie die der Götter und des Schicksals, die, wie eben angedeutet von entscheidender Bedeutung für die tragischen Entwicklungen der Tragödie sind. Zunächst jedoch soll eine kurze Differenzierung im Hinblick auf die Schuldfrage erfolgen: Woran soll Phèdre schuld sein? An ihrer inzestuösen Liebe, daran, diese gestanden zu haben, am Tod Hippolythes, an dem Oenones, an ihrem eigenen Tod?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Racines Vorwort zu Phèdre

2. Eine notwendige Differenzierung von Phèdres Schuld

3. Die Schuldverteilung in Phèdres Augen

3.1. Phasen in Phèdres Schuldeinschätzung

3.1.1. Tiefes Schuldempfinden bis hin zur Todessehnsucht

3.1.2. Phèdre als „Objet infortuné des vengeances célestes“

3.1.3. Erste Anschuldigung Oenones

3.1.4. Anschuldigung der Göttin Venus

3.1.5. Zweite Anschuldigung Oenones

3.1.6. Selbstanklage und Hilflosigkeit

3.1.7. Phèdres „jalouse rage“

3.1.8. Der Höhepunkt des Schuldempfindens

3.1.9. Die Verstoßung Oenones und die Schlussbeichte

3.2. Vermehrung der Schuld durch Öffentlichkeit – das Motiv des regard regardé

4. „Alternativschuldige“

4.1. Oenone

4.1.1. Racines Konzeption der Oenone und ihrer Handlungsmotivation

4.1.2. Phèdres Verantwortungsdelegation an Oenone

4.2. Götter und Schicksal

4.2.1. Phèdres Abstammung

4.2.2. Phèdres idolâtrie

4.2.3. Jansenismus vs. antikes Götterbild

5. Die Schlussszene: Eine geläuterte Phèdre?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexe Schuldfrage der Titelheldin in Racines Tragödie "Phèdre", indem sie analysiert, inwieweit Phèdre für ihre inzestuöse Liebe und deren verhängnisvolle Konsequenzen verantwortlich gemacht werden kann oder ob sie als determiniertes Opfer göttlicher Mächte und gesellschaftlicher Dynamiken zu sehen ist.

  • Differenzierung des individuellen Schuldempfindens von Phèdre
  • Die Rolle der Confidente Oenone als "Alternativschuldige"
  • Einfluss von Göttern, Schicksal und Genealogie auf das Handeln
  • Analyse des Motivs "regard regardé" (die öffentliche Wahrnehmung von Schuld)
  • Gegenüberstellung von jansenistischem Gottesbild und antiker Mythologie

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Phèdre als „Objet infortuné des vengeances célestes“

Ein signifikanter Wandel in Phèdres Beurteilung der Schuldverteilung vollzieht sich im „facheux entretien“ (V. 580) mit Hippolythe, nachdem sie ihm ihre Liebe gestanden hat. Sie bezeichnet sich als Opfer göttlicher Boshaftigkeit, als „Objet infortuné des vengeances célestes“ (V. 677) und äußert, sie sei „Innocente à mes yeux“ (V. 674).

Zum ersten Mal verteidigt sich Phèdre hier mit ihrer Fremdbestimmtheit durch göttliche Mächte und schreibt sich selbst keine Schuld mehr an ihrer inzestuösen Liebe zu, bezeichnenderweise genau in dem Moment, da sie ihr nachgegeben hat. Man darf vielleicht annehmen, dass ihr in diesem Augenblick, da ihre Gefühle sie gewissermaßen übermannt haben, erst die ganze Aussichtslosigkeit ihres Bemühens, gegen diese Liebe anzukämpfen bewusst wird, und sie den Glauben an ihre Willensfreiheit und Selbstbestimmung aufgibt. Die Stärke ihrer Gefühle, die sie nicht mehr zu unterdrücken in der Lage ist, lässt sie darauf schließen, diese müssten gewissermaßen als höhere Macht anerkannt werden. Dies schlussfolgernd gibt sie sowohl ihren Widerstand gegen diese Gefühle, als auch ihren Glauben an die Selbstbestimmung ihrer Handlungen, und damit auch die Gewissheit ihrer Schuldhaftigkeit auf. Denn wie könnte sie die Schuld an etwas tragen, was außerhalb ihrer Macht liegt?

Zusammenfassung der Kapitel

1. Racines Vorwort zu Phèdre: Analyse der Vorrede Racines, in der die Titelheldin als weder vollständig schuldig noch unschuldig charakterisiert wird.

2. Eine notwendige Differenzierung von Phèdres Schuld: Untersuchung der verschiedenen Schuldaspekte, von der inzestuösen Liebe bis zur Mitverantwortung am Tod anderer Figuren.

3. Die Schuldverteilung in Phèdres Augen: Analyse der chronologischen Entwicklung von Phèdres Selbstwahrnehmung und dem Versuch, Schuld auf andere abzuwälzen.

4. „Alternativschuldige“: Prüfung der Rollen von Oenone, den Göttern und dem Schicksal als Faktoren, die Phèdres Handlungsspielraum einschränken oder bestimmen.

5. Die Schlussszene: Eine geläuterte Phèdre?: Kritische Hinterfragung des Selbstmords der Heldin als vermeintliche Sühnehandlung.

Schlüsselwörter

Phèdre, Racine, Schuldfrage, Inzest, Oenone, Venus, Schicksal, Jansenismus, Tragödie, regard regardé, Determinismus, Projektion, Selbstmord, Mythologie, Schuldverteilung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der komplexen moralischen Bewertung der Titelheldin in Jean Racines Tragödie "Phèdre".

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die psychologische Analyse von Schuld, die Interaktion zwischen menschlichem Handeln und göttlicher Vorherbestimmung sowie die Rolle der Vertrauten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, inwieweit Phèdre für ihre Handlungen verantwortlich ist oder ob sie lediglich ein Objekt göttlicher Strafe darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und psychoanalytischen sowie theologiegeschichtlichen Ansätzen angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Phèdres wechselnder Selbsteinschätzung, die Rolle von "Alternativschuldigen" und die Gegenüberstellung von Götterglaube und Jansenismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe wie "Schuld", "Determinismus", "Jansenismus", "Oenone" und "regard regardé" sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.

Welche Bedeutung hat das Motiv des "regard regardé"?

Es beschreibt die psychologische Belastung der Heldin durch den ständigen (tatsächlichen oder gefühlten) beobachtenden Blick ihrer Mitmenschen, Götter und Ahnen, der ihre Scham (honte) steigert.

Warum wird Oenone in der Arbeit als "Alternativschuldige" betrachtet?

Phèdre delegiert die Handlungsverantwortung an ihre Vertraute, um ihr eigenes Gewissen zu entlasten, während Oenone aus blinder Ergebenheit bereitwillig jede Schuld auf sich nimmt.

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Details

Title
Phèdre – «ni tout à fait coupable, ni tout à fait innocente»?
College
University of Augsburg
Course
Jean Racine
Grade
2,3
Author
Christine Reff (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V88023
ISBN (eBook)
9783638023450
Language
German
Tags
Phèdre Jean Racine
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Reff (Author), 2006, Phèdre – «ni tout à fait coupable, ni tout à fait innocente»?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88023
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