Ein Frauendienst für Männer - Zum Problem einer möglichen didaktischen Funktion von Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Untersuchungsgegenstand

2. Der Frauendienst

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Untersuchungsgegenstand

Das Thema meiner Arbeit ist: „Ein Frauendienst für Männer. Zum Problem einer möglichen didaktischen Funktion von Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst.“ Zuerst werde ich den Frauendienst Ulrich inhaltlich nachvollziehen. Es scheint nämlich als habe er diesen als seine Lebensaufgabe oder Erfüllung gesehen. Dann halte ich es für sinnvoll den Frauendienst des Mittelalters erst einmal ganz grundsätzlich zu klären. Dabei wähle ich die Unterscheidungen zwischen den Dienstarten der hochhöfischen Epik und denen der Lyrik, da Ulrich meiner Meinung nach Elemente aus beiden Genres in seinem Roman verbindet.

Dem Frauendienst ist laut dem Herausgeber des Romans Franz Viktor Spechtler eine didaktische Funktion zuzuweisen. Diese Annahme wird dann Gegenstand meiner Untersuchung werden. Denn es stellt sich die Frage, ob es eine didaktische Funktion gibt und wenn ja welche. Bei meiner Arbeit bin ich in diesem Zusammenhang auf zwei Ansätze gestoßen, den Minnedienst zu bewerten. Dies ist zum einen den Frauendienst als persönliche Lebenslehre und zum anderen eine Neukonzeption des Frauendienstes, zu verstehen. Diese Thesen werde ich näher untersuchen und entweder textimmanent beweisen oder widerlegen. In den Fußnoten habe ich mich an der Übersetzung der zitierten Zeilen versucht. Schließlich kläre ich, welche Intention Ulrichs Frauendienstroman verfolgen könnte.

2. Der Frauendienst

Ulrichs Roman „frowen dienst“ ist eine, für das Mittelalter, literarisch neuartige Erscheinung, die Ausschnitte und Ereignisse aus seinem Leben, stilisierend und funktional der Minnehandlung und dem Frauendienst unterordnet, was an späterer Stelle gezeigt werden soll. Es zeigt die “Biographie“ eines adeligen Ritters, der sein Leben ganz diesem Dienst verschrieben zu haben scheint, wie die Zeilen „daz taet ich uf die triuwe min, ich wil in immer diende sin und immer wesen undertan und raten als ich beste chan“ (FD; 1753, 5-8)[1] vermuten lassen. Die folgende kurze Zusammenfassung soll Stationen seines Dienstes markieren und zeigen, dass seine Lebenserfüllung darin lag, den Frauen zu dienen, exemplarisch denen, die er in seinem Buch benennt.

Schon am Anfang gibt er an, dass „do ich ein cleinez kindel was, do hort ich ofte, daz man las und hort ouch die wissen sage, daz niemen wol bi sinen tagen erwerben mohte werdecheit, wan der ze dienest waer bereit guoten wiben sunder wanc: die heten hohen habdanc“ (FD, 8, 1-8)[2]. Das heißt, er behauptet schon in der Kindheit vom Frauendienst und seiner positiven Auswirkung auf den Menschen gehört zu haben. Darauf hin beschließt er: „so will ich hiut und immer me ir dienen“ (FD, 20, 7-8[3], also sein Leben ebenfalls dem Frauendienst zu widmen. Mit zwölf Jahren fährt er durch die Landen, „swa iemen werde vrowen vant“ (FD 12, 6)[4]. Die nächsten fünf Jahre verbringt er als Knecht an einem fremden Hof. Dort entschließt er sich der Dame dieses Hofes seinen Dienst zu widmen: „ich dien ir spat, ich dien ir fruo“ (FD 22, 8)[5]. Nun begeht er als Knecht erste Turnierfahrten im Dienste seiner Dame: „turniren huob man alzehant durch die vrowen dort und hie; der versaz ich einen nie, ich wolde da ze in allen sin durch die vil lieben vrowen min“ (FD 46, 4-8)[6]. Die nächste Etappe seines Dienstes setzt nach seiner Schwertleite ein, als er mit 24 ein Ritterleben führt. Er dient seiner Dame dabei nicht nur durch seine Botschaften, Lieder und den so genannten Büchlein, die er ihr mittels eines Boten zukommen lässt, sondern auch durch die Teilnahme an Turnieren, wie beispielsweise der Venusfahrt. Dabei lässt er sich durch keine der vielen Absagen der Dame entmutigen. Er treibt es sogar soweit, dass er sich einer Schönheitsoperation am Mund unterzieht und sich einen Finger abhacken lässt, um sie zu beeindrucken. Er erfüllt all ihre Bitten, auch wenn dies heißt, vor ihrer Burg bei den Aussätzigen hausen zu müssen. Doch als die Dame „mit wie getaner missetat sie ez gegen mir gedienet hat“ (FD; 1364, 7-8)[7], entsagt er ihr den Dienst, doch nicht ohne einige Zorneslieder auf sie zu singen, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. „Nach den lieden ich gesach ein wip, der man vil tugende jach“ (FD; 1375, 1-2)[8]. Nach dem er aus dem ersten geschieden ist, entschließt er sich zu einem neuen Dienst: „von wibes lop ich doch niht schiet“ (FD; 1376, 7)[9] und meint: „nach werdem wibe senender muot der tuot vil we und ist doch guot“ (FD; 1377, 3-4)[10]. Er entscheidet sich für eine tugendreiche Dame, und „der reinen wolt ich dienen da“ (FD; 1422, 1)[11]. Auch ihr schreibt er viele Lieder, in denen er ihre Tugenden und Vorzüge preist. Er dient ihr aber auch durch seine Artusfahrt und den stattfindenden Turnieren. Immer wieder betont Ulrich, wie „hochgemuot“ er durch den Dienst an dieser Dame sei. Selbst als er gefangen genommen wird, gedenkt er ihrer und wie froh sie ihn macht.

Ulrichs letzte Worte im Roman sind: „ez sol si ofte machen fro, vrowen dienst ist ez genant, da bi sol ez sin bechant“ (FD; 1850, 6-8)[12]. Doch was charakterisiert den Frauendienst des Mittelalters eigentlich ganz grundsätzlich? Schon Ovid hatte bereits konstatiert, dass die Liebe ein Dienst sei: „Militat omnis amans...“ („.Jeder Liebende dient.“ (Ovid, Amores 9/1). Die Trobadors und Minnesänger haben diesen Gedanken in das Zentrum ihrer Dichtung gerückt. Wie Bumke meines Erachtens richtig bemerkt, ist das Faszinosum hierbei, dass die Frau nicht als gleichwertige Partnerin sondern als Herrin aufgefasst wird. Der Mann blickt als Diener zu ihr auf und, um der Minne würdig zu werden, vollbringt er Leistungen in Form von Liedern (Vgl. Bumke 2005, S. 507). Die Aufgabe der Lieder besteht darin, durch öffentliches Lob den Ruhm der Dame zu verbreiten und damit zugleich allen Frauen zu huldigen (Vgl. Peters 1971, S. 112). Ursula Peters markiert, dass in der hochhöfischen Epik ebenfalls das Thema des Frauen- und Minnedienstes im Mittelpunkt steht (Vgl. Peters 1971, S. 90). Der Unterschied zur mittelalterlichen Lyrik besteht jedoch darin, dass die Geltung des Dienstgedanken dabei nicht zwingend an die Standesverhältnisse gebunden ist (Vgl. Bumke 2005, S. 509).

[...]


[1] Das nehme ich auf meine Treue, ich will immer ihr Diener sein und ihr untertänig sein und in wohlwollendster Absicht

[2] als ich ein kleines Kind war, da hörte ich oft, dass man viel davon lese und auch die Weisen sagen, wenn jemand zum Dienst bereit war an guten Frauen ohne Sinneswandel, dann hätten sie hohen Dank verdient

[3] so will ich heute und auch immer ihnen dienen

[4] ob ich herrliche Frauen fände

[5] ich diene ihr spät und froh

[6] Turniere beging man für Frauen hier und dort, ich versäumte es nie, ich wollte da ganz im Sinne meiner lieben Dame dienen

[7] mit wie getaner Missetat sie gegen mich gehandelt hat

[8] nach den Liedern sah ich eine Frau, der man viele Tugenden nachsagte

[9] vom Lob an der Frau schied ich doch nicht

[10] nach herrlichen Frauen sehnender Mut der tut oft weh und ist doch gut

[11] der Reinen wollte ich dienen

[12] es soll sie froh stimmen, Frauendienst wird es genannt, als das soll es bekannt sein

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ein Frauendienst für Männer - Zum Problem einer möglichen didaktischen Funktion von Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
HS Ulrich von Liechtenstein: Frauendienst
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V88028
ISBN (eBook)
9783638023498
ISBN (Buch)
9783638923965
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauendienst, Männer, Problem, Funktion, Ulrichs, Lichtenstein, Frauendienst, Ulrich, Liechtenstein, Frauendienst
Arbeit zitieren
Sabrina Rönsch (Autor), 2006, Ein Frauendienst für Männer - Zum Problem einer möglichen didaktischen Funktion von Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88028

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