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Das Flirten zwischen einem Kellner und seinem Gast

Das Problem des organisational erzeugten einseitigen Initiativrechts am Beispiel Gastronomie

Title: Das Flirten zwischen einem Kellner und seinem Gast

Term Paper , 2008 , 26 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Michael Grothe (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Soziologische Werke zum Thema Flirt finden sich selten. „Nur die spröde Schöne Soziologie verweigert sich standhaft dem Gegenstand“, wurde es einmal in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie beschrieben (1993).
Die existierenden Ausarbeitungen fanden zumeist nur wenig Beachtung, wurden erst gar nicht veröffentlicht oder entstanden als Nebenprodukte.
Im Rahmen der folgenden Arbeit werden daher die bisherigen Erkenntnisse zusammengeführt und im Hinblick auf die Wirkungsmöglichkeiten von Organisationen erweitert.
Bisherige Ausarbeitungen gehen nämlich i.d.R. von einem zweiseitigen Initiativrecht beim Beginn mit intimer Kommunikation aus. D.h.: Beide Flirtbeteiligten können den ersten Schritt machen. Dies ist allerdings gar nicht immer der Fall. So kommt es auch vor, dass dieses Verhältnis einseitig liegt, also nur einer der Flirtenden den ersten Schritt tun kann.
Dieses einseitige Initiativrecht wird vorrangig durch Organisationen geschaffen (wenn es denn geschaffen wird). Sie können die Möglichkeiten ihrer Mitglieder durch formale Regeln beschränken und somit auch in das Flirtgeschehen eingreifen.
Besonders gut lässt sich dies vor allem an Gastronomiebetrieben beobachten.
Während sich bei der Annäherung, sowohl zwischen Bekannten als auch zwischen Unbekannten, das Problem der Initiative (also welcher von beiden den ersten Schritt wagt) auf beiden Seiten einstellt (beide können die Initiative ergreifen) liegt die Möglichkeit zur Initiative in diesem Sonderfall nur beim Gast.
Geflirtet wird zwischen Kellnern und Gästen aber trotzdem, auch wenn es verboten sein sollte. Der Kellner verfügt immer noch indirekte Mitteilungsmöglichkeiten. Abschließend wird daher noch auf die Möglichkeiten eines Gastronomiebetriebes eingegangen, auch auf diese Formen des indirekten Flirts einzuwirken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Das Thema Flirt in der Soziologie und das Ziel dieser Arbeit

2. Das Annäherungsverhalten – Indirekte Kommunikation und das Problem der Initiative

2.1 Der Flirt – Eine kurze Einleitung

2.2 Was ist Kommunikation?

2.3 Was ist indirekte Kommunikation?

2.4 Was ist das eigentlich genau: Flirten?

3. Das Flirten in Organisationen – informal oder formal illegal?

4. Warum der Kellner nicht den ersten Schritt tun kann - Das einseitige Problem der Initiative beim Flirten zwischen Kellner und Gast

4.1 Die Rolle des Kellners – Flirtbegünstiger und -behinderer zugleich

4.2 Die Sozialstruktur eines Gastronomiebetriebes

5. Wie der Kellner flirten kann – Möglichkeiten der Motivation zur Initiative

6. Wie der Gast flirten kann – Das Problem der Einschätzung der Lage

7. Wieso der Chef zum Flirten anstiftet – Funktionen, Folgen und Möglichkeiten für die Organisation

8. Abschließende Bemerkungen – Kellner-Gast-Beziehungen unter Bekannten, Geschlechterunterschiede und der formal illegal handelnde Vorgesetzte

9. Fazit

10. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das soziologische Phänomen des Flirts unter Berücksichtigung organisationaler Kontexte, wobei der Fokus auf der Asymmetrie des Initiativrechts in der Gastronomie liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kellner durch indirekte Kommunikation versuchen, Gäste zur Initiative zu bewegen, wenn direkte Flirtversuche durch die Arbeitsrolle oder betriebliche Regeln untersagt sind.

  • Soziologische Analyse der Kommunikation und indirekten Kommunikation
  • Strukturelle Analyse von Organisationen als Rahmen für Flirtsituationen
  • Die Rolle der Kellner als Flirtbegünstiger und -behinderer in Gastronomiebetrieben
  • Die Funktion organisationaler Steuerung und Führung beim Umgang mit Mitarbeiterflirts

Auszug aus dem Buch

4. Warum der Kellner nicht den ersten Schritt tun kann - Das einseitige Problem der Initiative beim Flirten zwischen Kellner und Gast

Der Beruf des Kellners zeichnet sich, wie fast alle Dienstleistungsberufe, gegenüber Berufen aus der Industrie oder Landwirtschaft, durch den intensiven und ständigen Kundenkontakt aus (vgl. Whyte 1949: S.302). In Dienstleistungsberufen gehört es typischerweise zur Arbeitsanforderung (im Gegensatz zu Industrieberufen) seine Emotionen zu regulieren (vgl. Zapf et al 2000: S.1). Arlie Hochschild spricht in diesem Zusammenhang von „emotional labor“ (Hochschild 1990: S.30) bzw. „emotion work“ (Hochschild 1979: S.551). Diese „Emotionsarbeit“ (Zapf et al 2000: S.2) definiert sich als bezahlte Arbeit, die ein „Gefühlsmanagment (emotion managment)“ (Hochschild 1990: S.30) erfordert, um, unabhängig vom inneren Empfinden, nach außen ein bestimmtes Gefühl durch kontrollierte Mimik, Gestik und Sprache auszudrücken.

Das bedeutet, dass i.d.R. beim Kunden ein gutes Gefühl erzeugt werden soll, was zumeist durch Demonstration positiver Gefühle seitens des Arbeitenden erreicht wird (vgl. Zapf et al 2000: S.2). Beim Kellner sieht dies nicht anders aus. Er muss lächeln, höflich und aufmerksam sein. Er nutzt solche Gestiken, Mimiken und verbale Kommunikationsformen, die man üblicherweise auch zum Flirten benutzen würde, um damit ein gutes Gefühl beim Gast zu erzeugen. Je nach Rollenzuschnitt benutzt er mehr oder weniger dieser Mitteilungsmöglichkeiten. So kann beispielsweise auch ein Zuzwinkern noch Teil der Arbeitsrolle des Kellners sein.

Das Paradoxe scheint zu sein, dass die Nutzung solcher Mitteilungsformen, die man üblicherweise auch zum Flirten benutzen würde, einen Flirt zwischen Kellner und Gast begünstigt als auch gleichzeitig behindert. Zum Einen eröffnet sich dadurch, dass diese Mitteilungsformen Teil der Arbeitsrolle sind und insofern auch als solche genutzt werden (müssen), oft erst die Möglichkeit sie auch als Flirtmittel einzusetzen. Denn wenn man Mitteilungsformen nutzt, die nicht durch die Rolle gedeckt sind, läuft man schnell Gefahr aus der Rolle zu fallen und sogar sanktioniert zu werden, weil man die Arbeitsanforderungen nicht mehr erfüllt. Zum Anderen werden diese Mitteilungsformen (falls ein Kellner versucht sie zum Flirten einzusetzen) vom Gast nicht ohne weiteres als Flirt verstanden, da dieser sie wiederum als Teil der Arbeitsrolle ansieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Das Thema Flirt in der Soziologie und das Ziel dieser Arbeit: Einführung in die soziologische Vernachlässigung des Flirts und Erläuterung der Zielsetzung, die Erkenntnisse um die Wirkungsmacht von Organisationen zu erweitern.

2. Das Annäherungsverhalten – Indirekte Kommunikation und das Problem der Initiative: Theoretische Grundlegung der Kommunikationsbegriffe und Definition des Flirts als Kommunikation, die zur Initiative für ein intimes System motivieren will.

3. Das Flirten in Organisationen – informal oder formal illegal?: Untersuchung der Unterscheidung zwischen informellem Flirten und formell illegalem Verhalten unter Berücksichtigung organisationaler Regelungen.

4. Warum der Kellner nicht den ersten Schritt tun kann - Das einseitige Problem der Initiative beim Flirten zwischen Kellner und Gast: Analyse der Kellnerrolle als emotionsarbeitende Funktion, die Flirtsituationen einerseits ermöglicht, andererseits durch Rollenerwartungen einschränkt.

5. Wie der Kellner flirten kann – Möglichkeiten der Motivation zur Initiative: Beschreibung der Strategien, mit denen Kellner durch Übertreibung ihrer Rolle und gezielte indirekte Signale das einseitige Initiativrecht des Gastes zu nutzen versuchen.

6. Wie der Gast flirten kann – Das Problem der Einschätzung der Lage: Diskussion der Schwierigkeit für den Gast, einen aufrichtigen Flirt von einer rein professionellen Dienstleistung zu unterscheiden.

7. Wieso der Chef zum Flirten anstiftet – Funktionen, Folgen und Möglichkeiten für die Organisation: Erläuterung, warum Organisationen indirektes Flirten bewusst steuern und fördern, um Kontrolle über Mitarbeiterinteraktionen zu gewinnen.

8. Abschließende Bemerkungen – Kellner-Gast-Beziehungen unter Bekannten, Geschlechterunterschiede und der formal illegal handelnde Vorgesetzte: Reflexion über weitere Einflussfaktoren wie Vorbekanntheit, Geschlecht und das Verhalten von Vorgesetzten.

9. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass Flirtsituationen durch Organisationen strukturiert und manipuliert werden können.

10. Literatur: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Flirt, Soziologie, indirekte Kommunikation, Organisation, Gastronomie, Initiativrecht, Emotion Work, Interaktionssystem, Kellner, Arbeitsrolle, Kommunikation, Intimsystem, formale Regeln, Sozialstruktur, Führung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Phänomen des Flirtens in Organisationen, insbesondere innerhalb von Gastronomiebetrieben, und untersucht die damit verbundenen Kommunikationsstrukturen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Systemtheorie der Kommunikation, die Rolle von Organisationen bei der Regelung von Interaktionen und die Dynamik zwischen Arbeitsrollen und privaten Annäherungsversuchen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Organisationen das Flirtverhalten ihrer Mitglieder (hier: Kellner) durch Regeln und Erwartungen steuern und welche Folgen dies für die Interaktion mit Kunden hat.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt vorwiegend theoretische Ansätze aus der Systemtheorie (insb. Luhmann) sowie eigene empirische Beobachtungen aus seiner jahrelangen Erfahrung in der Gastronomie.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das "Problem der Initiative", bei dem der Kellner aufgrund seiner Arbeitsrolle nur indirekt kommunizieren kann, während der Gast das einseitige Recht zur direkten Initiative behält.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Flirt, indirekte Kommunikation, Organisation, Gastronomie, Initiativrecht und Emotionsarbeit sind die zentralen Begriffe der Analyse.

Wie beeinflusst die "Emotionsarbeit" die Flirtmöglichkeiten des Kellners?

Da Kellner dazu angehalten sind, professionelle Freundlichkeit und Emotionen zu zeigen, verschwimmen die Grenzen zwischen notwendigem Service-Lächeln und echtem Flirt, was es dem Kellner erschwert, seine privaten Absichten deutlich zu machen.

Warum fördern manche Vorgesetzte das Flirten, obwohl sie es eigentlich verbieten?

Indem der Vorgesetzte das indirekte Flirten thematisiert und "erlaubt", hebt er die Möglichkeit der Leugnung für den Kellner auf. Dadurch erhält der Vorgesetzte ein Kontrollinstrument über die Interaktionen zwischen Mitarbeiter und Gast.

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Details

Title
Das Flirten zwischen einem Kellner und seinem Gast
Subtitle
Das Problem des organisational erzeugten einseitigen Initiativrechts am Beispiel Gastronomie
College
Bielefeld University
Course
Empirische / Theoretische Zugänge zu Interaktion in Organisationen
Grade
2,0
Author
Michael Grothe (Author)
Publication Year
2008
Pages
26
Catalog Number
V88043
ISBN (eBook)
9783638023566
ISBN (Book)
9783638924016
Language
German
Tags
Flirten Kellner Gast Empirische Theoretische Zugänge Interaktion Organisationen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Grothe (Author), 2008, Das Flirten zwischen einem Kellner und seinem Gast, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88043
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