Blick über den Tellerrand - Qualtätsmanagements in Regionalredaktionen von Regionalzeitungen


Diplomarbeit, 2006
558 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

Teil A Ergänzungen zum theoretischen Teil der Arbeit
1. Die Redaktionsforschung: Von Mr. Gates zur Systemperspektive
2. Exkurs: Redaktionsmanagement in den USA

Teil B Leitfäden der Interviews

Teil C Interviews und Autorisierungsnachweise

Teil D Analytischer Vergleich von Leitfadeninterviews und Teilen der Beobachtung
1. Vergleich der Regionalisierungskonzepte von Mitteldeutscher und Sächsischer Zeitung
2. Exkurs: Bewertung des Regionalisierungskonzeptes durch den jeweiligen Landesverband
des Deutschen Journalistenverbandes (DJV)
3. Vergleich der Grundeinstellungen der einzelnen Redaktionsebenen nach Grundsatz des
Total- Quality-Management
3.1. Mitteldeutsche Zeitung
3.2. Sächsische Zeitung
4. Zielrichtung der Tätigkeiten der einzelnen Redaktionsebenen

Teil E Standardisierte Fragebögen

Teil F SPSS-Tabellen

Abbildungsverzeichnis

Schaubild 1: Redaktionsstruktur der Sächsischen Zeitung

Schaubild 2: Redaktionsstruktur der Mitteldeutschen Zeitung

Schaubild 3: Redaktionsstruktur der Elbland-Redaktion der Sächsischen Zeitung

Schaubild 4: Redaktionsstruktur der Anhalt-Redaktion der Mitteldeutschen Zeitung

Schaubild 5: Durchschnittliches Seitenaufkommen (Angaben der Lokalchefs) und Personalbestand in den

Lokalredaktionen Riesa, Meißen, Dessau und Bernburg

Schaubild 6: Abweichung von der Definition geografischen Leserinteresses der Chefredaktion nach

Lokalausgaben in der Mitteldeutschen Zeitung

Schaubild 7: Abweichung von der Definition geografischen Leserinteresses der Chefredaktion nach

Redaktionsebenen in der Mitteldeutschen Zeitung

Schaubild 8: Selektionskriterien nach Redaktionsebenen der Mitteldeutschen Zeitung

Schaubild 9: Abweichung von der Definition geografischen Leserinteresses der Chefredaktion nach

Lokalausgaben der Sächsischen Zeitung

Schaubild 10: Abweichung von der Definition geografischen Leserinteresses der Chefredaktion nach

Redaktionsebenen der Sächsischen Zeitung

Schaubild 11: Selektionskriterien nach Redaktionsebenen der Sächsischen Zeitung

Schaubild 12: Regionalchefs: Layouten nach Rang der Seite

Schaubild 13: Regionalredakteure: Layouten nach Rang der Seite

Schaubild 14: SZ-Producer: Layouten nach Rang der Seite

Schaubild 15: Regionalchef: Schreiben nach Rang der Seite

Schaubild 16: Regionalredakteure: Schreiben nach Rang der Seite

Schaubild 17: SZ-Producer: Schreiben nach Rang der Seite

Schaubild 18: Regionalchefs: Redigieren nach Rang der Seite

Schaubild 19: Regionalredakteure: Redigieren nach Rang der Seite

Schaubild 20: SZ-Producer: Redigieren nach Rang der Seite

Schaubild 21: Regionalchef: Korrektur lesen nach Rang der Seite

Schaubild 22: Regionalredakteur: Korrektur lesen nach Rang der Seite

Schaubild 23: SZ-Producer: Korrektur lesen nach Rang der Seite

Schaubild 24: Regionalchefs: Koordination nach Redaktionsebenen

Schaubild 25: Regionalredakteure: Koordination nach Redaktionsebenen

Schaubild 26: SZ-Producer: Koordination nach Redaktionsebenen

Schaubild 27: Regionalchef: Anweisen von Mitarbeitern nach Redaktionsebene

Schaubild 28: Regionalchefs: Ort der Recherche

Schaubild 29: Regionalredakteure: Ort der Recherche

Schaubild 30: SZ-Producer: Ort der Recherche

Teil A Ergänzungen zum theoretischen Teil der Arbeit

1. Die Redaktionsforschung: Von Mr. Gates zur Systemperspektive

Forschungen über Redaktionsmanagement stellen eine Teildisziplin der Journalismusforschung dar. Das System „Journalismus“ selbst befindet sich nach RUSS-MOHL im Schnittpunkt der gesellschaftlichen Teilsystem „Wirtschaft“, „Politik & Verwaltung“ und Gesellschaft & Kultur“. (Vgl. RUSS-MOHL 2003: 28ff.) Ausgehend von PÜRERs Systematik der Publizistikwissenschaft lässt sich vorliegende Arbeit in den Bereich der Kommunikatorforschung unterordnen.[1] (Vgl. PÜRER 1993: 32ff.) Diese Teildisziplin wird unter anderem durch folgende Fragen dominiert (PÜRER 1993: 33):

- Der Frage nach „den Arbeitsbedingungen der Kommunikatoren: redaktionelle Gegebenheiten personaler, organisatorischer und technischer Art.
- Nach persönlichen Merkmalen der Kommunikatoren: Alter, sozialer Status, journalistische Laufbahn, Einstellung zum Beruf.

Die Redaktionsforschung selbst steckt nach RUSS-MOHL dabei immer noch „in den Kinderschuhen“ (RUSS-MOHL 2003: 253).

1.1. Mr. Gates oder die Individual-Perspektive

Bevor redaktionelles Entscheidungshandeln aus der Systemperspektive betrachtet wurde, herrschte seit David Mannings empirischer Untersuchung über das Nachrichtenselektionsverhalten von „Mr. Gates“ Anfang der 50er Jahre die Vorstellung vom Journalisten als Pförtner und Schleusenwärter vor. Für seine Studie untersuchte Mannings das Selektionsverhalten eines Nachrichtenredakteurs über den Zeitraum von einer Woche. Aus der Analyse der Ablehnungsgründe für nicht verwendete Meldungen sowie weiteren Testfragen folgerte Manning, dass die Auswahl von Nachrichten „highly subjective, based on the gatekeeper´s own set of experiences, attitudes and expectations“ (Manning, zitiert in: SCHULZ 1974: 20) verlief. Zwar reduzierte Manning seiner Analyse auf die Betrachtung der individuellen und somit scheinbar unabhängigen Selektionsentscheidungen der Redakteure, das Konzept des Gatekeeper wurde in der Folgezeit dennoch zum Schlüsselkonzept für journalistisches Entscheidungshandeln. Die institutionelle Verankerung des einzelnen Gatekeeper etwa in seiner Redaktion oder in einem Verlag wurde in den folgenden Gatekeeper-Studien kaum und wenn, dann lediglich als institutionelle Zwänge interpretiert.

Nach den von SAXER postulierten Normen für die Theoriebildung in der Kommunikationswissenschaft stellt die erste Phase der Gatekeeper-Forschung und der „implizite und zum Teil auch explizite Bezug auf Persönlichkeitstheorien … einen Missgriff dar.“ (SAXER 1993: 177) Theorien in der Kommunikationswissenschaft dürfen nach dem Prinzip der Herkunftskontrolle nicht auf Paradigmen rekurrieren, die in der Herkunftsdisziplin schon weitgehend obsolet oder falsifiziert worden sind.

Einen theoretischen Schritt in Richtung Organisationsforschung erfolgte mit der Ausweitung des Gatekeeper-Modells durch das so genannte „kybernetische“ Modell redaktionellen Handelns.[2] Der Fortschritt dieser Analysen liegt nach RÜHL vor allem darin, dass redaktionelle Entscheidungen nicht mehr allein als sozial isolierte Entscheidungen, sondern als Ergebnisse der Redaktion als soziales Handlungssystem betrachtet werden. (Vgl. RÜHL 1988: 11)

1.2. Die Systemperspektive

Erste Ansätze für den Eingang der Systemperspektive in die Redaktionsforschung finden sich bereits etwa zur gleichen Zeit wie Mannings „Mr. Gates“. SCHULZ charakterisiert Warren Breeds Dissertation „The Newspaperman, News and Society“ aus dem Jahre 1952 als „frühen Prototyp“ unter den Forschungsarbeiten, die einen Interaktionscharakter des redaktionellen Entscheidungshandelns betonen. (Vgl. SCHULZ 1974: 24) Vor allem die berufliche Sozialisation der Redakteure, die Dominanz der Zeitungslinie und die Erwartungen von Verlegern und Chefredakteuren fielen für Breed ins Gewicht.

Im Vorwort zur zweiten Auflage von „Die Zeitungsredaktion als soziales System“ erscheint es RÜHL im Jahre 1979 schließlich bereits als „einleuchtend, ja beinahe selbstverständlich“, die Zeitungsredaktion als Organisation zu denken und „sie in ihren internen und externen Beziehungen zu untersuchen“ (RÜHL 1979: 13). Der Begriff der Zeitungsredaktion meinte nach dem Verständnis RÜHLs also mehr als nur ein kompaktes Aggregat einzelner Journalisten. Sie – die Zeitungsredaktion – bestehe vielmehr aus strukturiertem, sinnvoll aufeinander bezogenem Handeln. In Ähnlichkeit zu Breed gruppiert Rühl um die Zeitungsredaktion verschiedene, für das Entscheidungshandeln relevante, extraredaktionelle Umweltsphären. Dazu gehören der Verlag, das Publikum, die Anzeigenkunden, Informanten und das Presserecht.

Im Gegensatz zur eher statischen Individualperspektive ermöglicht die Systemperspektive eine dynamische Betrachtungsweise des (nach RÜHL prozesshaften) redaktionellen Entscheidungshandelns.

Nach KLAUS markiert Rühl mit „Die Zeitungsredaktion als organisiertes soziales System“ einen Punkt, von dem sich zwei Entwicklungslinien weiterverfolgen lassen. (Vgl. KLAUS 1997: 91) Erstere beschäftigt sich mit der Organisations- und Redaktionsforschung, die zweite mit der Systemtheorie. Während die Redaktionsforschung die Organisation der Medien und deren Arbeitsabläufe zum Gegenstand hat, interessiert sich der systemtheoretische Zweig für die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Funktionen der Medien durch diese selbst. Die vorliegende Arbeit ist somit im Zweig der Redaktionsforschung zu verorten. Eine systemtheoretische Fundierung mag zwar verlockend sein, in Anbetracht der Tatsachen, dass zum einen Kommunikation in den Redaktionen eine wesentliche Rolle spielt und zum anderen den Regionalisierungsbestrebungen der untersuchten Tageszeitungen Veränderungen der ökonomischen (intermediärer Wettbewerb) und gesellschaftlichen (Lesepräferenzen) Rahmenbedingungen einhergingen. Auf lokaler Ebene – und letztlich spielen die Regionalredaktionen auf dieser – versagt der systemtheoretische Ansatz jedoch (vgl. HALLER 1995: 215).

1.3. Die offene Perspektive – Zeitungsinhalt als Manifestation redaktionellen Entscheidungshandelns

SCHULZ stellt bereits 1974 die für den Hintergrund dieser Arbeit zu berücksichtigende Absicht - die regionale und lokale Berichterstattung zu stärken - wichtige Frage: Wie wirken sich bestimmte, für das redaktionelle Entscheidungshandeln als relevant erachtete Einflussfaktoren auf den Zeitungsinhalt aus, wie schlagen sie sich im Zeitungsinhalt nieder? (SCHULZ 1974: 28). Die von ihm vorgestellten Studien stellen unter anderem kausale Zusammenhänge zwischen der Wettbewerbssituation einer Zeitung und ihrem Inhalt dar sowie den Einfluss der Verleger-Meinung auf den redaktionellen Output einer Redaktion. Der Zusammenhang zwischen Redaktion und externen Faktoren wie der Wettbewerbssituation, dem Verleger, etc. lässt sich auch problemlos in aktuelle Ansätze der Redaktionsforschung übertragen. Zum Beispiel an Hand der Begrifflichkeiten „Unternehmensziele“ im Modell des Total Quality Managements, oder der „marktorientierten Strategieplanung“ nach dem Modell des modernen Marketing-Managements.

2. Exkurs: Redaktionsmanagement in den USA

Der amerikanische Zeitungsmarkt war dem deutschen ein knappes Jahrzehnt voraus. Bereits Anfang der 90er Jahre – als sich hierzulande die großen Verlage zu einer Einkaufstour im „Beitrittsgebiet“ anschickten – wurden die amerikanischen Zeitungsverlage von einem harschen Konjunktureinbruch getroffen (Vgl. RUSS-MOHL 1992: 17). Die Ursachen lagen im Leserschwund und im veränderten Leseverhalten (hin zu Büchern und Zeitschriften), vor allem der jungen Generation, geringeren Zeitbudgets und wachsender Mobilität. Die Folge: Die Auflagen stagnierten, die Reichweiten brachen ein und die Leser-Blatt-Bindung ging zurück. (Vgl. RUSS-MOHL 1992: 23)

In den USA vollzieht sich daher seit rund zehn Jahren ein Wandel in der Logik des Managementhandelns. „Das Zauberwort (…) heißt Marketing“ (RUSS-MOHL 1992: 26). NEUMANN kritisiert dabei, dass US-amerikanische Zeitungsverlage ihre Managementstrategien nach einer Organisationslogik verfeinern, die nach wie vor „wirtschaftlichen Erfolg und journalistische Qualität für rational am besten kalkulierbar, planbar und steuerbar hält, während andere Industrie- und Dienstleistungsbranchen Hierarchiestufen und mittleres Management abspecken“ und „den begrenzten Nutzen von Marktforschung angesichts rasant wandelnder Bedürfnisse erkennen“ (NEUMANN 1997: 18). Deutsche Verleger würden dabei der Kurzsichtigkeit ihrer amerikanischen Kollegen aufsitzen.

Grundsätzlich gilt jedoch nach SYLVIE/WITHERSPOON, dass die „reasons for organizational change“ unter anderm in den „changes in customer expectations and behavoirs“ gründen. (SYLVIE/WITHERSPOON 2002: 39) Der Entscheidung für strukturelle Veränderungen in der Organisation muss eine Beantwortung folgender Fragen vorangestellt werden (Vgl. SYLVIE/WITHERSPOON 2002: 40):

- What major changes can be expected in the needs and wants of organizational stakeholders (employees, customers, managers)?
- What changes can be expected in the major stakeholders of the organization (in customer demographics? In employee’s expectations?)

Die Veränderungen in der Organisation von Zeitungsverlagen setzen nach SYLVIE/WITHERSPOON an drei Punkten an respektive lassen sich in drei Typen unterscheiden. Dies sind die Mitarbeiter (people), das Produkt (product) und die Produktionsstruktur (process). (Vgl. SYLVIE/WITHERSPOON 2002: 168) Da es in nahezu jeder Organisation Widerstand gegen Strukturveränderungen gibt, empfehlen SYLVIE/WITHERSPOON diese so zu vermitteln beziehungsweise anzugehen, dass

- Participants see change as reducing, not increasing, current task burdens.
- Participants feel their autonomy and security are not threatened.
- The change effort is adopted by consensus after discussions among organizational members.[3] (Vgl. SYLVIE/WITHERSPOON 2002: 41)

Einen weiteren Trend im amerikanischen Journalismus sieht RUSS-MOHL im Wandel des Editors zu einem „Topmanager“ (Vgl. RUSS-MOHL 1992: 147). Kann dieser amerikanische „Manager-Redakteur“ Vorbild für die Funktion des Leiters einer Regionalredaktion sein? Immerhin beschreibt MEIER die stärkere Differenzierung in Editors und Reporters als ein Rezept im „Kaleidoskop von Möglichkeiten“ für das Redaktionsmanagement deutscher Redaktionen (Vgl. MEIER 2002a: 108). NEUMANN beschreibt den „Manager-Redakteur“ der „Seattle Times“ wie folgt:

„Im redaktionellen Alltag garantieren die „Manager-Redakteure“ (…), dass Planung bezogen auf redaktionelle Inhalte und Reporter regelmäßig stattfindet. Mit größter Ernsthaftigkeit und eine Aura von Wichtigkeit verbreitend führen sie diverse Listen im Computer und sitzen mehrmals täglich in kleinen oder größeren Gesprächsrunden und Konferenzen zusammen“ (NEUMANN 1997: 139).

NEUMANN hat in ihrer Fallstudie zudem den Trend zu Zwischendurch-Besprechungen, also neben den vier täglichen und drei wöchentlichen Redaktionskonferenzen, beobachtet. Daran nehmen die Reporter meist nicht teil, sie halten „management talk“ daher auch für Zeitverschwendung (Vgl. NEUMANN 1997: 144).

Ein weiterer Kritikpunkt neben der Dominanz ökonomischer Imperative ist für NEUMANN die „Listengläubigkeit“ der Editors. Für alles gibt es eine Liste: Planungslisten, Themenlisten, Reporterlisten, Platzierungslisten. Die Folge: Zu früh auf die Liste gesetzte Themen werden thematisch „einzementiert“, weshalb die Reporter viele Geschichten so lange wie möglich für sich behalten. Zudem ersticke zu viel Planungseifer freiwilliges Engagement (Motivationsverlust) und blockiere Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit. Die journalistische Qualität würde sinken, „weil zwar alle Redaktionsmitglieder überaus beschäftigt seien, aber statt mit dem ´wirklichen Leben` draußen (…) viel zu sehr mit sich selbst“ (NEUMANN 1997: 149).

Ein Aspekt, der Kostenmanagement mit Personalmanagement verlinkt, ist das von NEUMANN beschriebene PFP-Programm der „Seattle Times“ (Pay For Performance) für Reporter. Nach klar definierten Kriterien wird die Leistung des Reporters jährlich beurteilt und finanziell belohnt. Das Modell ist sowohl bei Reportern als auch bei ihren Vorgesetzten umstritten (Vgl. NEUMANN 1997: 181ff.).

Ob derartige Modelle jedoch auch auf Redaktionen in Deutschland übertragen werden können, ist fraglich. NEUMANN bemerkt hierzu: „Die Komplexität die sich aus dem Zusammenhang aller direkten und indirekten Faktoren mit Einfluss auf die Gestaltung des redaktionellen Management (…) ergibt, lässt konkrete Schlussfolgerungen über eher positive oder negative Ansätze (…) nur bedingt zu. Die Übertragbarkeit auf Redaktionen in Deutschland wäre in jedem Fall fragwürdig, der Transfer einzelner Maßnahmen oder Strukturmerkmale kritisch zu prüfen“ (NEUMANN 1997: 236). Selbst WYSS als Verfechter des Total-Quality-Management-Ansatzes ist der Auffassung, dass „Management-Konzepte aus anderen Branchen, die primär auf Effizienz und Gewinnmaximierung zielen, nicht einfach einer Redaktion übergestülpt werden“ können (WYSS 2000: 224).

Teil B Leitfäden der Interviews

1. Leitfaden für Chefredakteure

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Chefredakteuren

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich

- Wie viele redaktionelle Mitarbeiter sind in Ihrem Haus beschäftigt?
- In welchen Arbeitsverhältnissen sind die redaktionellen Mitarbeiter beschäftigt – wie viele Mitarbeiter sind fest angestellt, wie viele arbeiten für eine Pauschale, gibt es Mitarbeiter, die gelegentlich für Ihr Blatt schreiben, etwa Mitglieder aus Vereinen oder auf Zeile schreibende Mitarbeiter?
- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?
- Wie würden Sie die derzeitige Wettbewerbssituation beschreiben, in der sich Ihre Zeitung befindet? Das heißt, welche Konkurrenten gibt es auf dem Leser- und dem Anzeigenmarkt?
- Wenn wir die redaktionelle Organisation betrachten, wie ist Ihre Zeitung da aufgebaut? Ich meine damit vor allem die Aufteilung von Lokalredaktion, Regionalredaktionen und der Mantelressorts.
- Wann wurden an der redaktionellen Struktur zuletzt entscheidende Veränderungen vorgenommen? Welche waren das? Gemeint sind etwa Änderungen an der Ressortaufteilung, Lokalredaktionen, Regionalredaktionen, Ausgliederungen, etc.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wann wurden die Regionalredaktionen eingeführt?
- In welchen Schritten erfolgten Ausgliederungen (SZ)?
- Welche Verlagsstruktur – also nicht-redaktionelle Struktur- liegt in Ihrem Haus vor? Ich meine, wie ist der Verlag territorial aufgestellt, wurde ausgegliedert oder wird das Verlagsgeschäft noch zentral gesteuert ?
- Wann wurde an der Struktur des Verlages zuletzt Entscheidendes verändert? Das heißt, wurden Verlagseinheiten zusammengelegt, neu geordnet, ausgegliedert?

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität?
- Wenn Sie sich an die Zeit vor Einführung der Regionalredeaktionen erinnern - welchen Problemen sah sich Ihre Zeitung da ausgesetzt, die letztlich zur Einführung der Regionalredaktionen führten?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- In welchem Zusammenhang steht die Regionalisierung mit der Ausgliederung der Lokalredaktionen?
- Sollten begonnen Umstrukturierungs- / Ausgliederungsprozesse vervollständigt werden?
- Gab es Qualitäts- / Professionalitätsprobleme? Wenn ja, wo?
- War die Auflage einzelner oder aller Lokalteile eingebrochen?
- Ging die Reichweite einzelner oder aller Lokalteile zurück?
- Gab es konkrete Forderungen des Verlags / Mutterkonzerns?
- Wollte man damit einem drohenden Gewinneinbruch gegensteuern?
- Sollte durch Rationalisierung Kosten gesenkt werden? Wenn ja, wodurch?
- In welchen Punkten erhoffen Sie sich von der Einführung der Regionalredaktionen nun eine Besserung der Situation, wo deutet sie sich bereits an?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sind die Kosten für die Lokal- und Berichterstattung gesunken?
- Wie hat sich die Qualität / Professionalität der einzelnen Lokalausgaben / des Blattes insgesamt seitdem entwickelt – woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Wurde der Leser stärker ans Blatt gebunden - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Ist die Zeitung nun näher an den Leseinteressen der Leser dran - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Handelte es sich bei der Einführung der Regionalredaktionen um eine Einzelmaßnahme oder wurden im Haus gleichzeitig auch an anderen Stellen Strukturen verändert, um die Probleme in den Griff zu bekommen? Wenn ja, welche?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wurden Teile des Mantels ausgegliedert?
- Sind weitere Umstrukturierungen in Bezug auf das Regionalisierungskonzept geplant, wenn ja, um welche handelt es sich konkret?
- Wenn Sie an die Einführung / Konzeption Ihrer Strukturreform im Lokalen / Regionalen denken, woran haben sie sich da orientiert? Gemeint ist, ob es Vorbilder gab, wie viele eigene Ideen in dem Konzept stecken und ob und wie Sie sich haben beraten lassen.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gab es Vorbilder bei anderen Zeitungen?
- Wurden wissenschaftliche Untersuchungen veranlasst?
- Zog man Fachliteratur zu Rate?
- Wurden meist eigene Vorstellungen umgesetzt?
- Gab es konkrete Vorgaben des Verlegers / Verlages?
- Wurden externe wirtschaftliche Berater oder externe wissenschaftliche Berater beauftragt?
- Wie wurde in Ihrem Haus die neue Struktur eingeführt und wie wurde sie gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern kommuniziert?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Mitarbeiter: Wurden Workshops für einige oder alle Mitarbeiter angeboten? Gab es Rundmails, Informationstreffen, Hausmitteilungen? Wurde die Information hierarchisch gestaltet, das heißt erst die Regionalleiter (künftigen), dann die Lokalchefs?
- Leser: Wurde auf die neue Struktur durch Beiträge, Hinweise im Blatt aufmerksam gemacht?
- Wie hat der Leser reagiert – quantitativ und qualitativ?
- Gibt es Unterschiede in der Vorgehensweise zwischen der ersten und der zweiten Ausgliederungsrunde?
- Die Struktur der Regionalredaktionen und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt der Regionalredaktionen eine Rolle – warum umfasst etwa die Anhalt- Redaktion diese und nicht andere Redaktionen? Welche Kriterien waren da ausschlaggebend?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sollte damit die Redaktionsstruktur der Verlagsstruktur angepasst werden?
- Sollten damit für eine Ausgliederung ökonomisch sinnvolle Einheiten geschaffen werden?
- Wurde darauf geachtet, dass starke und schwache Lokalredaktionen unter dem Dach einer Regionalredaktion organisiert sind?
- Vermutet man in dem Verbreitungsgebiet der Regionalredaktion eine bestimmte regionale Identität? Wenn ja, woran orientiert sie sich?
- Worauf stützen sich die Aussagen (Vermutung, Tests, Leserbefragungen)
- Die Regionalredaktion ist wie der Name scheinbar verspricht eine Redaktion für das Regionale: Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter dem Begriff „Region“?
- Mögliche Nachfragevarianten: Verwaltungseinheit, Raumordnungseinheit, Sprachraum, Wirtschaftsraum, Raum mit Einwohnern bestimmter regionaler Identität, Aktionsraum der Einwohner (wohnen, arbeiten, sich bilden, erholen, einkaufen, Freizeit)
- Ausgehend von Ihrem Regionsbegriff – welche Teile / Beiträge Ihrer Zeitung fallen für Sie unter den Begriff der regionalen Berichterstattung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Beiträge aus einem bestimmten Gebiet, das den Leser interessiert
- Beiträge aus anderen Lokalredaktionen
- Beiträge, in den regionale Akteure vorkommen
- Beiträge mit Themen, die für den Mantel nicht relevant genug, für Lokalteile jedoch zu bedeutend sind
- Beiträge mit mehreren Ortsmarken
- Regionale Berichterstattung lässt sich nicht definieren
- Die regionale Berichterstattung – findet die bei Ihnen eher im Lokalteil statt oder ist das eher etwas für den Mantel?

Im nächsten Abschnitt werde ich nun etwas speziellere Fragen zur Regionalredaktion stellen.

Der erste Fragenkomplex betrifft die Redaktionsorganisation es folgen Fragen zum Personalmanagement, zum Kostenmanagement und zum Kommunikationsmanagement, dem redaktionellen Marketing, den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt und dem Qualitätsmanagement.

Fragen zur Redaktionsorganisation sind Bestandteil des ersten Fragebereichs.

- Nach welchen Kriterien wurde der Hauptsitz der jeweiligen Regionalredaktion festgelegt?
- Sind die Lokalredaktion und die Regionalredaktion in der Regel räumlich getrennt?
- Mögliche Nachfragenvarianten: Gibt es Unterschiede in der Zusammenarbeit zwischen der Lokalredaktion am Sitz der Regionalredaktion und den übrigen Lokalredaktionen der Regionalredaktion?
- Welche Aufgaben / Funktionen soll der Leiter einer Regionalredaktion in Bezug auf das Management und die alltägliche Blattmache laut Konzept erfüllen?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Soll er eher schreibend, verwaltend oder koordinierend tätig sein?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalleiters von denen eines Regionalleiters?
- Und der Lokalchef – soll der mehr schreibend oder mehr koordinierend tätig sein?
- Ist die Lokalredaktion der verlängerte Arm der Regionalredaktion?
- Welche Weisungskompetenzen hat ein Regionalleiter gegenüber den Lokalchefs und Lokalredakteuren laut Konzept?
- Welche Aufgabe/Funktion im Blick auf die tägliche Blattmache soll die Regionalredaktion / die Regionalredakteure Ihrer Ansicht nach eigentlich erfüllen, wenn man sich an der Theorie des Konzepts orientiert?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Inwieweit soll die Arbeit der Lokalredaktionen koordiniert werden?
- Soll die Regionalredaktion auch selbstständig Beiträge produzieren? Wenn ja, für welchen Teil der Zeitung?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalredakteurs von denen eines Regionalredakteurs?
- Sind die Regionalredakteure dann eher die Leute, die ein Thema ranholen und einen Lokalredakteur hinschicken oder gehen die selbst hin und schreiben auch selbst?
- Bei der täglichen Blattmache – was macht der Regionalredakteur anders als der Lokalredakteur?
- Gibt es eine thematische Richtung, die Sie mit der neuen Struktur besonders bedienen wollen? Gibt es Schwerpunkte?
- Ist die Regionalredaktion auf bestimmte Themen konzentriert?
- Wofür sind die Mitarbeiter in den Regionalredaktionen laut Konzept überwiegend tätig: für den Lokalteil, für den Mantel oder für eigenen Seiten in Mantel und / oder Lokalteil?

Der zweite Fragenkomplex betrifft das Personalmanagement

- Welche Anforderungen muss ein Regionalredakteur in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?
- Wie werden die Regionalredakteure weitergebildet? Begründen Sie Ihre Antwort kurz!
- Welche Anforderungen muss der Leiter einer Regionalredaktion in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?
- Werden die Leiter Ihrer Regionalredaktionen in Managementaufgaben systematisch weitergebildet? Begründen Sie Ihre Antwort kurz!
- Generell gefragt: Wer entscheidet in Ihrem Haus über die Weiterbildung von Mitarbeitern?
- Wenn Weiterbildungen stattfinden, wer bezahlt sie dann?
- Woher stammen die Mitglieder der Regionalredaktion im Wesentlichen? Welche Gründe sehen Sie dafür?
- Eventuelle Nachfragevarianten:
- Wurden die Stellen auch extern besetzt? Wenn ja, woher kamen die Mitarbeiter
- Oder wurde nur intern umbesetzt?
- Ging dies zu Lasten bestimmter Lokalredaktionen?
- Ging dies einher mit einer Beförderung, Gehaltserhöhung?
- Wurden / werden die Stellen ausgeschrieben?
- Welche personelle Kompetenz besitzt der Regionalleiter? Gemeint ist hier, wie eigenständig kann er Mitarbeiter einstellen, Mitarbeiter versetzen und entlassen?
- Mitarbeiter kommen und gehen. Ist dies Ihrer Ansicht nach, in den Regionalredaktionen öfter der Fall als in anderen Redaktionen?

Fragekomplex Nummer drei beschäftigt sich mit dem Kostenmanagement.

- Wie ist die Finanzierung der Regionalredaktion und der ihr unterstehenden Lokalredaktion gestaltet, welche Etats, Kostenstellen, etc. gibt es?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Inwiefern wird das Budget der Regionalredaktion durch die Dresdner Zentrale kontrolliert und angewiesen?
- Besitzen die Regionalredaktionen – ein eigenes Redaktionsbudget, über welches sie selbstständig bestimmen können? Wenn ja, in welcher Höhe?
- Gibt es außerdem Budgets für die einzelnen Lokalredaktionen oder ist das Sache der einzelnen Regionalredaktionen?
- Für was ist das Geld der Regionalredaktionsbudgets bestimmt, was wird noch unter zentralen Kostenstellen geführt?
- Wie wird die Höhe des Budgets ermittelt? Fällt das Budget in allen Regionalredaktionen gleich aus?
- Nachfragevarianten: Wird jeder Punkt neu verhandelt (Zero-Budgeting), das Budget einfach fortgeschrieben (inkremenales Budgetieren)?
- Wird das Budget jedes Jahr einfach fortgeschrieben?
- Was passiert, wenn am Ende noch etwas im Topf ist:
- Wird das Budget im nächsten Jahr um den Betrag kleiner, den die Redaktion nicht verbraucht hat?
- Kann die Redaktion selbstständig über Verwendung nicht verbrauchter Beträge entscheiden?
- Fließt das nicht verbrauchte Geld fließt zurück ans Haupthaus?
- Welche Budget-Kompetenz hat der Regionalchef gegenüber seinen Lokalchefs? Gemeint ist, kann er über die Art und Weise der Mittelverwendung eigenständig entscheiden?
- Eventuelle Nachfragevarianten:
- Ist er in Bezug auf den Verwendungszweck gegenüber den Lokalchefs weisungsberechtigt?
- Wer kontrolliert die Budgets der Lokalredaktionen – Regionalleiter oder Chefredaktion?
- In welchem Umfang und Rahmen werden Leistungen (Fotos, Beiträge, Recherchen, Reisen), die von einer Regionalredaktion für eine andere erbracht worden sind, intern in Rechnung gestellt?
- Generell gefragt: Machen Sie in Bezug auf die Lokalausgaben und regionalen Seiten seit Einführung der Regionalredaktionen mehr Seiten für weniger Geld – sind sie also effizienter geworden? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Generell gefragt: Werden in den Lokalausgaben und in Bezug auf die regionalen Seiten die zur Verfügung stehenden Mittel (Geld, Mitarbeiter, Zeit) wirksamer eingesetzt – arbeit man also effektiver? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Wie viele Seiten stehen Ihren Lokalausgaben netto am Tag zur Verfügung? Welche Kriterien spielen da in welchem Maße eine Rolle (Anzeigenaufkommen, Drucktechnik)?

Der vierte Bereich umfasst nun Fragen zum Kommunikationsmanagement.

- Was schätzen Sie: Ist seit der Einführung der Regionalredaktionen mehr oder weniger Koordination und damit auch Kommunikation notwenig oder ist das in etwa gleich geblieben?
- Mit wem sollte Ihrer Einschätzung nach in der Regionalredaktion die meiste Koordination und somit auch Kommunikation stattfinden?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Für wie wichtig halten Sie die Abstimmung mit den Lokalredaktionen?
- Für wie wichtig halten Sie die Abstimmung mit dem Landesressort?
- Ist Koordination ausschließlich die Aufgabe des Regionalleiters oder sind daran auch die Regionalredakteure beteiligt?
- Worüber wird Ihrer Ansicht nach zwischen den einzelnen Ebenen – gemeint sind hier die Mantelredakteure, die Regional- und Lokalleiter sowie die Regional- und Lokalredakteure – am meisten gesprochen – Worum geht es da?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Welche Rolle spielt die Themenfindung in der täglichen Koordination?
- Oder geht es nur um die zeitlichen, inhaltlichen Aspekte der aktuellen zu produzierenden Beiträge?
- Rundmail, Mitarbeiterzeitschrift oder Mund-Propaganda: Wie informieren Sie die Mitarbeiter in der Regel über Informationen / Entscheidungen der Chefredaktion? Welche Informationen werden weitergeben?

Teilbereich Nummer fünf umfasst Fragen zum redaktionellen Marketing.

- Was verstehen Sie unter „journalistischer Qualität“?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das vorrangige Ziel einer Zeitung?
- Wie wichtig sind Ihnen generell Informationen über Ihre Leser?
- Nachfragevarianten:
- Welche Informationen sind Ihnen da vor allem wichtig?
- Welche Informationen hat Ihrer Redaktion vorliegen?
- Aus welchen Quellen stammen diese Informationen?
- Welche Themen interessieren die Leser Ihrer Zeitung Ihrer Ansicht nach am meisten? Begründen Sie Ihre Einschätzung?
- Welchen Einfluss haben die Informationen über den Leser auf die die Struktur und die konkrete Arbeit der Redaktion? Begründen Sie bitte Ihre Antwort!
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wie reagiert der Leser auf die veränderte Struktur – gibt es mehr Reaktionen (Leserbriefe, etc.) – wie fallen diese aus?
- Was unternehmen Sie um, um die Bindung des Lesers an Ihre Zeitung zu stärken?
- Wie beobachten Sie die Konkurrenz?

Kommen wir nun zu den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt bestehen.

- Gibt es einen bestimmten Anteil von regionalen Beiträgen, der von den Regionalredaktionen verpflichtend in den Lokalausgaben oder im Mantel platziert werden muss? Bitte begründen Sie Ihre Antwort kurz!
- Welche Auswirkungen hat die Regionalredaktion auf die Blattstruktur?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Steht Ihrem Gefühl nach mehr Regionales im Mantel, im Lokalteil?
- Gibt es eigene redaktionelle Elemente, die in Verantwortung der Regionalredaktion liegen?
- Werden mehr bereits veröffentlichte lokale Beiträge auch in anderen Lokalausgaben nachgezogen?

Kommen wir nun zum letzten Teilbereich: dem Qualitätsmanagement

- Wird in Ihrer Zeitung ein spezielles Qualitätsmanagementkonzept angewandt?
- Nachfragevarianten:
- Wenn nein, gibt es Überlegungen dazu?
- Wie wird dann Qualität sichergestellt?
- Welche Defizite / Probleme sind bei der Einführung der Regionalredaktion eingetreten und wie versucht man sie zu beheben.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Probleme in der Schlagkraft der Redaktionen, das heißt, können etwa aktuelle Termine unter Umständen nicht mehr besetzt werden?
- Welchen Einfluss hat die Ausgliederung auf die Qualität und deren Sicherung in den einzelnen Regionalredaktionen und Lokalredaktionen?
- Funktioniert das auch?
- Gab es diesbezüglich Änderungen im Qualitätsmanagement?
- Wird das das Konzept in inhaltlichen und finanziellen Aspekten kontrolliert, wenn ja, wer kontrolliert wann wen mit welcher Konsequenz und nach welchen Kriterien?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- In welchen Fällen ist eher der Regionalchef der Ansprechpartner, in welchen der Lokalchef?
- Denken Sie, dass in Bezug auf die Regional- und Lokalstruktur in Ihrem Haus gemessen an den vorhandenen Ressourcen das optimale Produkt gemacht wird? Begründen Sie Ihre Einschätzung!
- Wie sieht die Struktur der Redaktionskonferenzen aus – wer trifft sich wann mit wem um was zu besprechen?
- Antwortmöglichkeiten: tägliche Konferenzen, Planungskonferenzen, Wochenkonferenzen

Welche Aspekte fallen Ihnen noch ein, die für die Untersuchung der Regionalredaktion(en) in Ihrem Haus von Bedeutung sind?

2. Leitfaden für Regionalchefs

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Regionalchefs

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich

- Wie viele redaktionelle Mitarbeiter sind in Ihrer Redaktion beschäftigt?
- In welchen Arbeitsverhältnissen sind die redaktionellen Mitarbeiter beschäftigt – wie viele Mitarbeiter sind fest angestellt, wie viele arbeiten für eine Pauschale, gibt es Mitarbeiter, die gelegentlich für Ihr Blatt schreiben, etwa Mitglieder aus Vereinen oder auf Zeile schreibende Mitarbeiter?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wo sind die Mitarbeiter angestellt?
- In welchem Umfang werden freie Mitarbeiter beschäftigt?
- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Und wie sieht es bei Ihrer Redaktion aus?
- Wie würden Sie die derzeitige Wettbewerbssituation beschreiben, in der sich Ihre Redaktion befindet? Das heißt, welche Konkurrenten gibt es auf dem Leser- und dem Anzeigenmarkt?
- Wenn wir die redaktionelle Organisation Ihrer Redaktion betrachten, wie ist Ihre Redaktion da aufgebaut? Gemeint sind die Lokal- und Regionalredaktionen.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Welche Vorteile gibt es zu, welche Nachteile?
- Ist die Struktur seit Einführung der Regionalredaktion so geblieben, oder mussten Sie Änderungen vornehmen?

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität?
- Wenn Sie sich an die Zeit vor Einführung der Regionalredeaktionen erinnern - welchen Problemen sah sich Ihre Zeitung da ausgesetzt, die letztlich zur Einführung der Regionalredaktionen führten?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- In welchem Zusammenhang steht die Regionalisierung mit der Ausgliederung der Lokalredaktionen?
- Sollten begonnen Umstrukturierungs- / Ausgliederungsprozesse vervollständigt werden?
- Gab es Qualitäts- / Professionalitätsprobleme? Wenn ja, wo?
- War die Auflage einzelner oder aller Lokalteile eingebrochen?
- Ging die Reichweite einzelner oder aller Lokalteile zurück?
- Gab es konkrete Forderungen des Verlags / Mutterkonzerns?
- Wollte man damit einem drohenden Gewinneinbruch gegensteuern?
- Sollte durch Rationalisierung Kosten gesenkt werden? Wenn ja, wodurch?
- In welchen Punkten halten Sie sich durch die Einführung der Regionalredaktionen nun eine Besserung der Situation für möglich, wo deutet sie sich bereits an?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sind die Kosten für die Lokal- und Berichterstattung gesunken?
- Stehen mehr eigene Texte im Blatt und weniger Agentur?
- Wie hat sich die Qualität / Professionalität der einzelnen Lokalausgaben / des Blattes insgesamt seitdem entwickelt – woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Wurde der Leser stärker ans Blatt gebunden - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Ist die Zeitung nun näher an den Leseinteressen der Leser dran - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Wie wurde in Ihrem Haus die neue Struktur eingeführt und wie wurde sie gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern kommuniziert?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Mitarbeiter: Wurden Workshops für einige oder alle Mitarbeiter angeboten?, Gab es Rundmails, Informationstreffen, Hausmitteilungen? Wurde die Information hierarchisch gestaltet, das heißt erst die Regionalleiter (künftigen), dann die Lokalchefs?
- Leser: Wurde auf die neue Struktur durch Beiträge, Hinweise im Blatt aufmerksam gemacht?
- Wie hat der Leser reagiert – quantitativ und qualitativ?
- Gibt es Unterschiede in der Vorgehensweise zwischen der ersten und der zweiten Ausgliederungsrunde?
- Welche Rolle hatten die Mitarbeiter bei der Erstellung des Konzepts?
- Die Struktur der Regionalredaktionen und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt der Regionalredaktionen Ihrer Ansicht nach eine Rolle – warum umfasst etwa die Anhalt- Redaktion diese und nicht andere Redaktionen? Welche Kriterien waren da ausschlaggebend?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sollte damit die Redaktionsstruktur der Verlagsstruktur angepasst werden?
- Sollten damit für eine Ausgliederung ökonomisch sinnvolle Einheiten geschaffen werden?
- Erwarten Sie persönlich in den kommenden Jahren eine Ausgliederung?
- Wurde darauf geachtet, dass starke und schwache Lokalredaktionen unter dem Dach einer Regionalredaktion organisiert sind?
- Vermutet man in dem Verbreitungsgebiet der Regionalredaktion eine bestimmte regionale Identität? Wenn ja, woran orientiert sie sich?
- Worauf stützen sich die Aussagen (Vermutung, Tests, Leserbefragungen)
- Die Regionalredaktion ist wie der Name scheinbar verspricht eine Redaktion für das Regionale: Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter dem Begriff „Region“?
- Mögliche Nachfragevarianten: Verwaltungseinheit, Raumordnungseinheit, Sprachraum, Wirtschaftsraum, Raum mit Einwohnern bestimmter regionaler Identität, Aktionsraum der Einwohner (wohnen, arbeiten, sich bilden, erholen, einkaufen, Freizeit)
- Ausgehend von Ihrem Regionsbegriff – welche Teile / Beiträge Ihrer Zeitung fallen für Sie unter den Begriff der regionalen Berichterstattung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Beiträge aus einem bestimmten Gebiet, das den Leser interessiert
- Beiträge aus anderen Lokalredaktionen
- Beiträge, in den regionale Akteure vorkommen
- Beiträge mit Themen, die für den Mantel nicht relevant genug, für Lokalteile jedoch zu bedeutend sind
- Beiträge mit mehreren Ortsmarken
- Regionale Berichterstattung lässt sich nicht definieren
- Die regionale Berichterstattung – findet die bei Ihnen eher im Lokalteil statt oder ist das eher etwas für den Mantel?

Im nächsten Abschnitt werde ich nun etwas speziellere Fragen zur Regionalredaktion stellen.

Der erste Fragenkomplex betrifft die Redaktionsorganisation es folgen Fragen zum Personalmanagement, zum Kostenmanagement und zum Kommunikationsmanagement, dem redaktionellen Marketing, den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt und dem Qualitätsmanagement.

Fragen zur Redaktionsorganisation sind Bestandteil des ersten Fragebereichs.

- Welche Aufgaben / Funktionen soll der Leiter einer Regionalredaktion Ihrer Ansicht nach in Bezug auf das Management und die alltägliche Blattmache laut Konzept erfüllen?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Soll er eher schreibend, verwaltend oder koordinierend tätig sein?
- Schätzen Sie mal: Wie sieht das in der Praxis aus?
- Entspricht das den Erwartungen an einen Leiter der Regionalredaktion?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalleiters von denen eines Regionalleiters?
- Und der Lokalchef – soll der mehr schreibend oder mehr koordinierend tätig sein?
- Ist die Lokalredaktion der verlängerte Arm der Regionalredaktion?
- Welche Weisungskompetenzen hat ein Regionalleiter gegenüber den Lokalchefs und Lokalredakteuren laut Konzept?
- Wie sehen Sie sich selbst: Primus inter paris, Herr der Lokalredaktionen oder Schlussredakteur?
- Welche Aufgabe/Funktion im Blick auf die tägliche Blattmache soll die Regionalredaktion / die Regionalredakteure Ihrer Ansicht nach eigentlich erfüllen, wenn man sich an der Theorie des Konzepts orientiert?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Inwieweit soll die Arbeit der Lokalredaktionen koordiniert werden?
- Soll die Regionalredaktion auch selbstständig Beiträge produzieren? Wenn ja, für welchen Teil der Zeitung?
- Schätzen Sie mal: Wie sieht das in der Praxis aus?
- Entspricht das den Erwartungen an eine Regionalredaktion / einen Regionalredakteur?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalredakteurs von denen eines Regionalredakteurs?
- Sind die Regionalredakteure dann eher die Leute, die ein Thema ranholen und einen Lokalredakteur hinschicken oder gehen die selbst hin und schreiben auch selbst?
- Bei der täglichen Blattmache – was macht der Regionalredakteur anders als der Lokalredakteur?
- Gibt es eine thematische Richtung, die Sie mit der neuen Struktur besonders bedienen wollen? Gibt es Schwerpunkte?
- Ist die Regionalredaktion auf bestimmte Themen konzentriert?
- Wofür sind die Mitarbeiter in den Regionalredaktionen laut Konzept überwiegend tätig: für den Lokalteil, für den Mantel oder für eigenen Seiten in Mantel und / oder Lokalteil?
- Gibt es so etwas wie ein Außenstellendenken der Lokalredaktionen, die nicht am Sitz der Regionalredaktion angesiedelt sind?
- Wer macht das Blatt für die Lokalredaktionen?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wer entscheidet darüber, an welcher Stelle welches Thema gesetzt wird?
- Wer spiegelt das Blatt?

Der zweite Fragenkomplex betrifft das Personalmanagement

- Welche Anforderungen muss ein Regionalredakteur in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?
- Wie werden die Regionalredakteure weitergebildet? Begründen Sie Ihre Antwort kurz!
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Halten Sie es generell für sinnvoll, Regionalredakteure speziell weiterzubilden?
- Was spricht dafür, was dagegen?
- Welche Anforderungen muss der Leiter einer Regionalredaktion in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?
- Werden die Leiter Ihrer Regionalredaktionen in Managementaufgaben systematisch weitergebildet?
- Generell gefragt: Wer entscheidet in Ihrem Haus über die Weiterbildung von Mitarbeitern?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Inwieweit können Sie eigenständig über Weiterbildungen entscheiden?
- Würden Sie Weiterbildungen auch aus Ihrem eigenen Budget bezahlen?
- Wenn Weiterbildungen stattfinden, wer bezahlt sie dann?
- Woher stammen die Mitglieder der Regionalredaktion im Wesentlichen? Welche Gründe sehen Sie dafür?
- Eventuelle Nachfragevarianten:
- Wurden die Stellen auch extern besetzt? Wenn ja, woher kamen die Mitarbeiter
- Oder wurde nur intern umbesetzt?
- Ging dies zu Lasten bestimmter Lokalredaktionen?
- Welche Folgen hatte das für die Lokalredaktionen bzw. die Stammredaktionen?
- Welche personelle Kompetenz besitzt der Regionalleiter? Gemeint ist hier, wie eigenständig kann er Mitarbeiter einstellen, Mitarbeiter versetzen und entlassen?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Welche nutzen Sie auch?
- Wo spricht bei der Auswahl der Mitarbeiter noch die Zentrale rein?
- Mitarbeiter kommen und gehen. Ist dies Ihrer Ansicht nach, in den Regionalredaktionen öfter der Fall als in anderen Redaktionen?

Fragekomplex Nummer drei beschäftigt sich mit dem Kostenmanagement.

- Wie ist die Finanzierung der Regionalredaktion und der ihr unterstehenden Lokalredaktion gestaltet, welche Etats, Kostenstellen, etc. gibt es?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- SZ: Welche Kosten laufen noch über die Zentrale?
- Wie kommen Sie mit dem Budget klar?
- Was passiert, wenn am Ende noch etwas im Topf ist:
- Wird das Budget im nächsten Jahr um den Betrag kleiner, den die Redaktion nicht verbraucht hat?
- Kann die Redaktion selbstständig über Verwendung nicht verbrauchter Beträge entscheiden?
- Fließt das nicht verbrauchte Geld fließt zurück ans Haupthaus?
- Wie viel gönnen Sie den Lokalredaktionen, wie viel der Regionalredaktion?
- Welche Vorteile hat das System, welche Nachteile?
- Welche Budget-Kompetenz hat der Regionalchef gegenüber seinen Lokalchefs? Gemeint ist, kann er über die Art und Weise der Mittelverwendung eigenständig entscheiden?
- Eventuelle Nachfragevarianten:
- Wer kontrolliert die Budgets der Lokalredaktionen – Regionalleiter oder Chefredaktion?
- Welche konkreten Budgetabsprachen gibt es mit den Lokalchefs?

- Generell gefragt: Machen Sie in Bezug auf die Lokalausgaben und regionalen Seiten seit Einführung der Regionalredaktionen mehr Seiten für weniger Geld – sind sie also effizienter geworden? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Generell gefragt: Werden in den Lokalausgaben und in Bezug auf die regionalen Seiten die zur Verfügung stehenden Mittel (Geld, Mitarbeiter, Zeit) wirksamer eingesetzt – arbeit man also effektiver? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Wie viele Seiten stehen Ihren Lokalausgaben netto am Tag zur Verfügung? Welche Kriterien spielen da in welchem Maße eine Rolle (Anzeigenaufkommen, Drucktechnik)?

Der vierte Bereich umfasst nun Fragen zum Kommunikationsmanagement.

- Was schätzen Sie: Ist seit der Einführung der Regionalredaktionen mehr oder weniger Koordination und damit auch Kommunikation notwenig oder ist das in etwa gleich geblieben?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Woran ist das zu erkennen?
- Bringt das einen Mehrwert, eine Verbesserung zur Situation zuvor?
- Gibt es Nachteile?
- Mit wem findet Ihrer Einschätzung nach in der Regionalredaktion die meiste Koordination und somit auch Kommunikation statt?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Für wie wichtig halten Sie die Abstimmung mit den Lokalredaktionen?
- Für wie wichtig halten Sie die Abstimmung mit dem Landesressort?
- Ist Koordination ausschließlich die Aufgabe des Regionalleiters oder sind daran auch die Regionalredakteure beteiligt?
- Worüber wird Ihrer Ansicht nach zwischen den einzelnen Ebenen – gemeint sind hier die Mantelredakteure, die Regional- und Lokalleiter sowie die Regional- und Lokalredakteure – am meisten gesprochen – Worum geht es da?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Welche Rolle spielt die Themenfindung in der täglichen Koordination?
- Oder geht es nur um die zeitlichen, inhaltlichen Aspekte der aktuellen zu produzierenden Beiträge?
- Welche Themen melden Sie nach oben, welche geben Sie nach unten?
- Wovon hängt es ab, ob Sie ein Thema nach oben oder unter melden?
- Sind Ihrer Lokalchefs bestrebt, so viel wie möglich oder so viel wie nötig an Themen zu melden?
- Rundmail, Mitarbeiterzeitschrift oder Mund-Propaganda: Wie werden Sie über Entscheidungen der Chefredaktion informiert?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Fühlen Sie sich gut informiert?
- Woran liegt das?
- Inwieweit dienen informelle Wege als Informationsquelle?

Teilbereich Nummer fünf umfasst Fragen zum redaktionellen Marketing.

- Was verstehen Sie unter „journalistischer Qualität“?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das vorrangige journalistische Ziel der Regionalredaktion?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Denken Sie, dass das auch das Ziel der Lokalredaktionen ist?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das Ziel der Zeitung?
- Wie wichtig sind Ihnen generell Informationen über Ihre Leser?
- Nachfragevarianten:
- Welche Informationen sind Ihnen da vor allem wichtig?
- Welche Informationen hat Ihrer Redaktion vorliegen?
- Aus welchen Quellen stammen diese Informationen?
- Welche Themen interessieren die Leser Ihrer Redaktion Ihrer Ansicht nach am meisten? Begründen Sie Ihre Einschätzung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Unterschiede in den Leseinteressen der Leser Ihrer Redaktion und dem Leser, den die Zeitung insgesamt im Blick hat?
- Welchen Einfluss haben die Informationen über den Leser auf die die Struktur und die konkrete Arbeit der Redaktion? Begründen Sie bitte Ihre Antwort!
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wie reagiert der Leser auf die veränderte Struktur – gibt es mehr Reaktionen (Leserbriefe, etc.) – wie fallen diese aus?
- Was unternehmen Sie um, um die Bindung des Lesers an Ihre Zeitung zu stärken?
- Wie beobachten Sie die Konkurrenz?

Kommen wir nun zu den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt bestehen.

- Welche Auswirkungen hat die Regionalredaktion auf die Blattstruktur?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Steht Ihrem Gefühl nach mehr Regionales im Mantel, im Lokalteil?
- Gibt es eigene redaktionelle Elemente, die in Verantwortung der Regionalredaktion liegen?
- Werden – im Gegensatz zu früher - mehr bereits veröffentlichte lokale Beiträge auch in anderen Lokalausgaben nachgezogen?

Kommen wir nun zum letzten Teilbereich: dem Qualitätsmanagement

- Wie wird in Ihrer Redaktion Qualität gesichert?
- Welche Defizite / Probleme sind bei der Einführung der Regionalredaktion eingetreten und wie versucht man sie zu beheben.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Probleme in der Schlagkraft der Redaktionen, das heißt, können etwa aktuelle Termine unter Umständen nicht mehr besetzt werden?
- Welchen Einfluss hat die Ausgliederung auf die Qualität und deren Sicherung in den einzelnen Regionalredaktionen und Lokalredaktionen?
- Funktioniert das auch?
- Gab es diesbezüglich Änderungen im Qualitätsmanagement?
- Wer kontrolliert Sie in der täglichen Umsetzung des Konzepts in inhaltlichen und finanziellen Aspekten? Gemeint ist, wer kontrolliert Sie wann mit welcher Konsequenz und nach welchen Kriterien?
- Denken Sie, dass in Bezug auf die Regional- und Lokalstruktur in Ihrem Haus gemessen an den vorhandenen Ressourcen das optimale Produkt gemacht wird? Begründen Sie Ihre Einschätzung!
- Wie sieht die Struktur der Redaktionskonferenzen aus – wer trifft sich wann mit wem um was zu besprechen?
- Antwortmöglichkeiten: tägliche Konferenzen, Planungskonferenzen, Wochenkonferenzen

Welche Aspekte fallen Ihnen noch ein, die für die Untersuchung der Regionalredaktion(en) in Ihrem Haus von Bedeutung sind?

3. Leitfaden für Regionalredakteure

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Regionalredakteuren

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich:.

- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Und wie sieht es bei Ihrer Redaktion aus?
- Wie würden Sie die derzeitige Wettbewerbssituation beschreiben, in der sich Ihre Redaktion befindet? Das heißt, welche Konkurrenten gibt es auf dem Lesermarkt?

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität?
- Wenn Sie sich an die Zeit vor Einführung der Regionalredeaktionen erinnern - welchen Problemen sah sich Ihre Zeitung da Ihrer Ansicht nach ausgesetzt, die letztlich zur Einführung der Regionalredaktionen führten?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gab es Qualitäts- / Professionalitätsprobleme? Wenn ja, wo?
- War die Auflage einzelner oder aller Lokalteile eingebrochen?
- Ging die Reichweite einzelner oder aller Lokalteile zurück?
- Gab es konkrete Forderungen des Verlags / Mutterkonzerns?
- Wollte man damit einem drohenden Gewinneinbruch gegensteuern?
- Sollte durch Rationalisierung Kosten gesenkt werden? Wenn ja, wodurch?
- In welchen Punkten halten Sie durch die Einführung der Regionalredaktionen nun eine Besserung der Situation für möglich, wo deutet sie sich bereits an?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wurde der Leser stärker ans Blatt gebunden - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Ist die Zeitung nun näher an den Leseinteressen der Leser dran - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Wie wurde in Ihrem Haus die neue Struktur eingeführt und wie wurde sie gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern kommuniziert? Wie haben Sie das erlebt?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Mitarbeiter: Wurden Workshops für einige oder alle Mitarbeiter angeboten?, Gab es Rundmails, Informationstreffen, Hausmitteilungen? Wurde die Information hierarchisch gestaltet, das heißt erst die Regionalleiter (künftigen), dann die Lokalchefs?
- Wie hat der Leser reagiert – quantitativ und qualitativ?
- Welche Rolle hatten die Mitarbeiter bei der Erstellung des Konzepts?
- Die Struktur der Regionalredaktionen und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt der Regionalredaktionen Ihrer Ansicht nach eine Rolle – warum umfasst etwa die Anhalt- Redaktion diese und nicht andere Redaktionen? Welche Kriterien waren da ausschlaggebend?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sollte damit die Redaktionsstruktur der Verlagsstruktur angepasst werden?
- Sollten damit für eine Ausgliederung ökonomisch sinnvolle Einheiten geschaffen werden?
- Erwarten Sie persönlich in den kommenden Jahren eine Ausgliederung?
- Vermutet man in dem Verbreitungsgebiet der Regionalredaktion eine bestimmte regionale Identität? Wenn ja, woran orientiert sie sich?
- Worauf stützen sich die Aussagen (Vermutung, Tests, Leserbefragungen)
- Die Regionalredaktion ist wie der Name scheinbar verspricht eine Redaktion für das Regionale: Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter dem Begriff „Region“?
- Mögliche Nachfragevarianten: Verwaltungseinheit, Raumordnungseinheit, Sprachraum, Wirtschaftsraum, Raum mit Einwohnern bestimmter regionaler Identität, Aktionsraum der Einwohner (wohnen, arbeiten, sich bilden, erholen, einkaufen, Freizeit)
- Ausgehend von Ihrem Regionsbegriff – welche Teile / Beiträge Ihrer Zeitung fallen für Sie unter den Begriff der regionalen Berichterstattung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Beiträge aus einem bestimmten Gebiet, das den Leser interessiert
- Beiträge aus anderen Lokalredaktionen
- Beiträge, in den regionale Akteure vorkommen
- Beiträge mit Themen, die für den Mantel nicht relevant genug, für Lokalteile jedoch zu bedeutend sind
- Beiträge mit mehreren Ortsmarken
- Regionale Berichterstattung lässt sich nicht definieren
- Die regionale Berichterstattung – findet die bei Ihnen eher im Lokalteil statt oder ist das eher etwas für den Mantel?

Im nächsten Abschnitt werde ich nun etwas speziellere Fragen zur Regionalredaktion stellen.

Der erste Fragenkomplex betrifft die Redaktionsorganisation es folgen Fragen zum Personalmanagement, zum Kostenmanagement und zum Kommunikationsmanagement, dem redaktionellen Marketing, den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt und dem Qualitätsmanagement.

Fragen zur Redaktionsorganisation sind Bestandteil des ersten Fragebereichs.

- Welche Aufgaben / Funktionen soll der Leiter einer Regionalredaktion Ihrer Ansicht nach in Bezug auf das Management und die alltägliche Blattmache laut Konzept erfüllen?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Soll er eher schreibend, verwaltend oder koordinierend tätig sein?
- Ist die Lokalredaktion der verlängerte Arm der Regionalredaktion?
- Welche Aufgabe/Funktion im Blick auf die tägliche Blattmache soll die Regionalredaktion / die Regionalredakteure Ihrer Ansicht nach eigentlich erfüllen, wenn man sich an der Theorie des Konzepts orientiert?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Inwieweit soll die Arbeit der Lokalredaktionen koordiniert werden?
- Soll die Regionalredaktion auch selbstständig Beiträge produzieren? Wenn ja, für welchen Teil der Zeitung?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalredakteurs von denen eines Regionalredakteurs?
- Gibt es eine thematische Richtung, die mit der neuen Struktur besonders bedient werden soll? Gibt es Schwerpunkte?
- Ist die Regionalredaktion auf bestimmte Themen konzentriert?
- Denken Sie, dass Sie als Regionalredakteur so arbeiten wie es das Konzept vorsieht?
- Wofür sind die die Regionalredakteure Ihrer Erfahrung nach überwiegend tätig: für den Lokalteil, für den Mantel oder für eigene Seiten in Mantel und / oder Lokalteil?
- Gibt es so etwas wie ein Außenstellendenken der Lokalredaktionen, die nicht am Sitz der Regionalredaktion angesiedelt sind?

Der zweite Fragenkomplex betrifft das Personalmanagement

- Welche Anforderungen muss ein Regionalredakteur in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?
- Wie werden die Regionalredakteure weitergebildet? Begründen Sie Ihre Antwort kurz!
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Halten Sie es generell für sinnvoll, Regionalredakteure speziell weiterzubilden?
- Was spricht dafür, was dagegen?
- Haben Sie Weiterbildungen besucht?
- Wenn ja, wer hat die bezahlt?
- Woher stammen die Mitglieder der Regionalredaktion im Wesentlichen? Welche Gründe sehen Sie dafür?
- Eventuelle Nachfragevarianten:
- Wurden die Stellen auch extern besetzt? Wenn ja, woher kamen die Mitarbeiter
- Oder wurde nur intern umbesetzt?
- Ging dies zu Lasten bestimmter Lokalredaktionen?
- Welche Folgen hatte das für die Lokalredaktionen bzw. die Stammredaktionen?
- Mitarbeiter kommen und gehen. Ist dies Ihrer Ansicht nach, in den Regionalredaktionen öfter der Fall als in anderen Redaktionen?

Fragekomplex Nummer drei beschäftigt sich mit dem Kostenmanagement.

- Generell gefragt: Machen Sie in Bezug auf die Lokalausgaben und regionalen Seiten seit Einführung der Regionalredaktionen mehr Seiten für weniger Geld – sind sie also effizienter geworden? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Generell gefragt: Werden in den Lokalausgaben und in Bezug auf die regionalen Seiten die zur Verfügung stehenden Mittel (Geld, Mitarbeiter, Zeit) wirksamer eingesetzt – arbeit man also effektiver? Begründen Sie Ihre Antwort!

Der vierte Bereich umfasst nun Fragen zum Kommunikationsmanagement.

- Was schätzen Sie: Ist seit der Einführung der Regionalredaktionen mehr oder weniger Koordination und damit auch Kommunikation notwenig oder ist das in etwa gleich geblieben?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Woran ist das zu erkennen?
- Bringt das einen Mehrwert, eine Verbesserung zur Situation zuvor?
- Gibt es Nachteile?
- Mit wem findet Ihrer Einschätzung nach in der Regionalredaktion die meiste Koordination und somit auch Kommunikation statt?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Für wie wichtig halten Sie die Abstimmung mit den Lokalredaktionen?
- Für wie wichtig halten Sie die Abstimmung mit dem Landesressort?
- Ist Koordination ausschließlich die Aufgabe des Regionalleiters oder sind daran auch die Regionalredakteure beteiligt?
- Worüber wird dann meistens gesprochen?
- Rundmail, Mitarbeiterzeitschrift oder Mund-Propaganda: Wie werden Sie über Entscheidungen der Chefredaktion informiert?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Fühlen Sie sich gut informiert?
- Woran liegt das?
- Inwieweit dienen informelle Wege als Informationsquelle?

Teilbereich Nummer fünf umfasst Fragen zum redaktionellen Marketing.

- Was verstehen Sie unter „journalistischer Qualität“?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das vorrangige journalistische Ziel der Regionalredaktion?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Denken Sie, dass das auch das Ziel der Lokalredaktionen ist?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das Ziel der Zeitung?
- Wie wichtig sind Ihnen generell Informationen über Ihre Leser?
- Nachfragevarianten:
- Welche Informationen sind Ihnen da vor allem wichtig?
- Welche Informationen hat Ihrer Redaktion vorliegen?
- Aus welchen Quellen stammen diese Informationen?
- Welche Themen interessieren die Leser Ihrer Redaktion Ihrer Ansicht nach am meisten? Begründen Sie Ihre Einschätzung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Unterschiede in den Leseinteressen der Leser Ihrer Redaktion und dem Leser, den die Zeitung insgesamt im Blick hat?
- Welchen Einfluss haben die Informationen über den Leser auf die die Struktur und die konkrete Arbeit der Redaktion? Begründen Sie bitte Ihre Antwort!
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wie reagiert der Leser auf die veränderte Struktur – gibt es mehr Reaktionen (Leserbriefe, etc.) – wie fallen diese aus?

Kommen wir nun zu den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt bestehen.

- Welche Auswirkungen hat die Regionalredaktion auf die Blattstruktur?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Steht Ihrem Gefühl nach mehr Regionales im Mantel, im Lokalteil?
- Gibt es eigene redaktionelle Elemente, die in Verantwortung der Regionalredaktion liegen?
- Werden – im Gegensatz zu früher - mehr bereits veröffentlichte lokale Beiträge auch in anderen Lokalausgaben nachgezogen?

Kommen wir nun zum letzten Teilbereich: dem Qualitätsmanagement

- Wie wird in Ihrer Redaktion Qualität gesichert?
- Welche Defizite / Probleme sind bei der Einführung der Regionalredaktion eingetreten und wie versucht man sie zu beheben.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Probleme in der Schlagkraft der Redaktionen, das heißt, können etwa aktuelle Termine unter Umständen nicht mehr besetzt werden?
- Welchen Einfluss hat die Ausgliederung auf die Qualität und deren Sicherung in den einzelnen Regionalredaktionen und Lokalredaktionen?
- Funktioniert das auch?
- Gab es diesbezüglich Änderungen im Qualitätsmanagement?
- Denken Sie, dass in Bezug auf die Regional- und Lokalstruktur in Ihrem Haus gemessen an den vorhandenen Ressourcen das optimale Produkt gemacht wird? Begründen Sie Ihre Einschätzung!

Welche Aspekte fallen Ihnen noch ein, die für die Untersuchung der Regionalredaktion(en) in Ihrem Haus von Bedeutung sind?

4. Leitfaden für Lokalchefs

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Lokalchefs

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich

- Wie viele redaktionelle Mitarbeiter sind in Ihrer Redaktion beschäftigt?
- In welchen Arbeitsverhältnissen sind die redaktionellen Mitarbeiter beschäftigt – wie viele Mitarbeiter sind fest angestellt, wie viele arbeiten für eine Pauschale, gibt es Mitarbeiter, die gelegentlich für Ihr Blatt schreiben, etwa Mitglieder aus Vereinen oder auf Zeile schreibende Mitarbeiter?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wo sind die Mitarbeiter angestellt?
- In welchem Umfang werden freie Mitarbeiter beschäftigt?
- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Und wie sieht es bei Ihrer Redaktion aus?

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität?
- Wenn Sie sich an die Zeit vor Einführung der Regionalredeaktionen erinnern - welchen Problemen sah sich Ihre Zeitung da ausgesetzt, die letztlich zur Einführung der Regionalredaktionen führten?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- In welchem Zusammenhang steht die Regionalisierung mit der Ausgliederung der Lokalredaktionen?
- Sollten begonnen Umstrukturierungs- / Ausgliederungsprozesse vervollständigt werden?
- Gab es Qualitäts- / Professionalitätsprobleme? Wenn ja, wo?
- War die Auflage einzelner oder aller Lokalteile eingebrochen?
- Ging die Reichweite einzelner oder aller Lokalteile zurück?
- Gab es konkrete Forderungen des Verlags / Mutterkonzerns?
- Wollte man damit einem drohenden Gewinneinbruch gegensteuern?
- Sollte durch Rationalisierung Kosten gesenkt werden? Wenn ja, wodurch?
- In welchen Punkten halten Sie sich durch die Einführung der Regionalredaktionen nun eine Besserung der Situation für möglich, wo deutet sie sich bereits an?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sind die Kosten für die Lokal- und Berichterstattung gesunken?
- Stehen mehr eigene Texte im Blatt und weniger Agentur?
- Wie hat sich die Qualität / Professionalität der einzelnen Lokalausgaben / des Blattes insgesamt seitdem entwickelt – woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Wurde der Leser stärker ans Blatt gebunden - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Ist die Zeitung nun näher an den Leseinteressen der Leser dran - woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?
- Wie wurde in Ihrem Haus die neue Struktur eingeführt und wie wurde sie gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern kommuniziert?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Mitarbeiter: Wurden Workshops für einige oder alle Mitarbeiter angeboten?, Gab es Rundmails, Informationstreffen, Hausmitteilungen? Wurde die Information hierarchisch gestaltet, das heißt erst die Regionalleiter (künftigen), dann die Lokalchefs?
- Leser: Wurde auf die neue Struktur durch Beiträge, Hinweise im Blatt aufmerksam gemacht?
- Wie hat der Leser reagiert – quantitativ und qualitativ?
- Gibt es Unterschiede in der Vorgehensweise zwischen der ersten und der zweiten Ausgliederungsrunde?
- Welche Rolle hatten die Mitarbeiter bei der Erstellung des Konzepts?
- Die Struktur der Regionalredaktionen und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt der Regionalredaktionen Ihrer Ansicht nach eine Rolle – warum umfasst etwa die Anhalt- Redaktion diese und nicht andere Redaktionen? Welche Kriterien waren da ausschlaggebend?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Sollte damit die Redaktionsstruktur der Verlagsstruktur angepasst werden?
- Sollten damit für eine Ausgliederung ökonomisch sinnvolle Einheiten geschaffen werden?
- Erwarten Sie persönlich in den kommenden Jahren eine Ausgliederung?
- Wurde darauf geachtet, dass starke und schwache Lokalredaktionen unter dem Dach einer Regionalredaktion organisiert sind?
- Vermutet man in dem Verbreitungsgebiet der Regionalredaktion eine bestimmte regionale Identität? Wenn ja, woran orientiert sie sich?
- Worauf stützen sich die Aussagen (Vermutung, Tests, Leserbefragungen)
- Was ist das für Sie eigentlich - eine „Region“?
- Mögliche Nachfragevarianten: Verwaltungseinheit, Raumordnungseinheit, Sprachraum, Wirtschaftsraum, Raum mit Einwohnern bestimmter regionaler Identität, Aktionsraum der Einwohner (wohnen, arbeiten, sich bilden, erholen, einkaufen, Freizeit)
- Ausgehend von Ihrem Regionsbegriff – welche Teile / Beiträge Ihrer Zeitung fallen für Sie unter den Begriff der regionalen Berichterstattung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Beiträge aus einem bestimmten Gebiet, das den Leser interessiert
- Beiträge aus anderen Lokalredaktionen
- Beiträge, in den regionale Akteure vorkommen
- Beiträge mit Themen, die für den Mantel nicht relevant genug, für Lokalteile jedoch zu bedeutend sind
- Beiträge mit mehreren Ortsmarken
- Regionale Berichterstattung lässt sich nicht definieren
- Die regionale Berichterstattung – findet die bei Ihnen eher im Lokalteil statt oder ist das eher etwas für den Mantel?

Im nächsten Abschnitt werde ich nun etwas speziellere Fragen zur Regionalredaktion stellen.

Der erste Fragenkomplex betrifft die Redaktionsorganisation es folgen Fragen zum Personalmanagement, zum Kostenmanagement und zum Kommunikationsmanagement, dem redaktionellen Marketing, den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt und dem Qualitätsmanagement.

Fragen zur Redaktionsorganisation sind Bestandteil des ersten Fragebereichs.

- Welche Aufgaben / Funktionen soll der Leiter einer Regionalredaktion Ihrer Ansicht nach in Bezug auf das Management und die alltägliche Blattmache laut Konzept erfüllen?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Soll er eher schreibend, verwaltend oder koordinierend tätig sein?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalleiters von denen eines Regionalleiters?
- Und der Lokalchef – soll der mehr schreibend oder mehr koordinierend tätig sein?
- Ist die Lokalredaktion der verlängerte Arm der Regionalredaktion?
- Welche Aufgabe/Funktion im Blick auf die tägliche Blattmache soll die Regionalredaktion / die Regionalredakteure Ihrer Ansicht nach eigentlich erfüllen, wenn man sich an der Theorie des Konzepts orientiert?
- Mögliche Nachfragenvarianten:
- Inwieweit wird soll die Arbeit der Lokalredaktionen koordiniert?
- In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalredakteurs von denen eines Regionalredakteurs?
- Bei der täglichen Blattmache – was macht der Regionalredakteur anders als der Lokalredakteur?
- Gibt es eine thematische Richtung, die mit der neuen Struktur besonders bedienen werden soll? Gibt es Schwerpunkte?
- Ist die Regionalredaktion auf bestimmte Themen konzentriert?
- Gibt es so etwas wie ein Außenstellendenken der Lokalredaktionen, die nicht am Sitz der Regionalredaktion angesiedelt sind?

Der zweite Fragenkomplex betrifft das Personalmanagement

- Hatte die Besetzung der Regionalredaktionen auch personell Auswirkungen auf Ihre Redaktion?
- Personalentscheidungen – trifft die eher der Regionalchef oder die Chefredaktion?

Fragekomplex Nummer drei beschäftigt sich mit dem Kostenmanagement.

- Wie ist die Finanzierung der Lokalredaktion gestaltet, welche Etats, Kostenstellen, etc. gibt es?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- SZ: Welche Kosten laufen noch über die Zentrale?
- Wie kommen Sie mit dem Budget klar?
- Was passiert, wenn am Ende noch etwas im Topf ist:
- Wird das Budget im nächsten Jahr um den Betrag kleiner, den die Redaktion nicht verbraucht hat?
- Kann die Redaktion selbstständig über Verwendung nicht verbrauchter Beträge entscheiden?
- Fließt das nicht verbrauchte Geld fließt zurück ans Haupthaus?
- Wer kontrolliert die Budgets der Lokalredaktionen – Regionalleiter oder Chefredaktion?
- Welche konkreten Budgetabsprachen gibt es mit den Lokalchefs?
- Welche Vorteile hat das System, welche Nachteile?
- Generell gefragt: Machen Sie in Bezug auf die Lokalausgaben und regionalen Seiten seit Einführung der Regionalredaktionen mehr Seiten für weniger Geld – sind sie also effizienter geworden? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Generell gefragt: Werden in den Lokalausgaben und in Bezug auf die regionalen Seiten die zur Verfügung stehenden Mittel (Geld, Mitarbeiter, Zeit) wirksamer eingesetzt – arbeit man also effektiver? Begründen Sie Ihre Antwort!
- Wie viele Seiten stehen Ihren Lokalausgaben netto am Tag zur Verfügung? Welche Kriterien spielen da in welchem Maße eine Rolle (Anzeigenaufkommen, Drucktechnik)?

Der vierte Bereich umfasst nun Fragen zum Kommunikationsmanagement.

- Was schätzen Sie: Ist seit der Einführung der Regionalredaktionen mehr oder weniger Koordination und damit auch Kommunikation notwenig oder ist das in etwa gleich geblieben?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Woran ist das zu erkennen?
- Bringt das einen Mehrwert, eine Verbesserung zur Situation zuvor?
- Gibt es Nachteile?
- Fühlen Sie sich durch die neu eingerichtete Ebene der Regionalredaktion in irgendeiner Form ausgeschlossen?
- Mit wem sprechen Sie am häufigsten über was?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Welche Rolle spielt die Themenfindung in der täglichen Koordination?
- Oder geht es nur um die zeitlichen, inhaltlichen Aspekte der aktuellen zu produzierenden Beiträge?
- Welche Themen melden Sie nach oben, welche geben Sie nach unten?
- Wovon hängt es ab, ob Sie ein Thema nach oben oder unter melden?
- Sind die Lokalchefs bestrebt, so viel wie möglich oder so viel wie nötig an Themen zu melden?
- Rundmail, Mitarbeiterzeitschrift oder Mund-Propaganda: Wie werden Sie über Entscheidungen der Chefredaktion informiert?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Fühlen Sie sich gut informiert?
- Woran liegt das?
- Inwieweit dienen informelle Wege als Informationsquelle?

Teilbereich Nummer fünf umfasst Fragen zum redaktionellen Marketing.

- Was verstehen Sie unter „journalistischer Qualität“?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das vorrangige journalistische Ziel der Lokalredaktion?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Denken Sie, dass das auch das Ziel der Regionalredaktion ist?
- Was ist Ihrer Ansicht nach das Ziel der Zeitung?
- Wie wichtig sind Ihnen generell Informationen über Ihre Leser?
- Nachfragevarianten:
- Welche Informationen sind Ihnen da vor allem wichtig?
- Welche Informationen hat Ihrer Redaktion vorliegen?
- Aus welchen Quellen stammen diese Informationen?
- Welche Themen interessieren die Leser Ihrer Redaktion Ihrer Ansicht nach am meisten? Begründen Sie Ihre Einschätzung?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Unterschiede in den Leseinteressen der Leser Ihrer Redaktion und dem Leser, den die Zeitung insgesamt im Blick hat?
- Welchen Einfluss haben die Informationen über den Leser auf die die Struktur und die konkrete Arbeit der Redaktion? Begründen Sie bitte Ihre Antwort!
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Wie reagiert der Leser auf die veränderte Struktur – gibt es mehr Reaktionen (Leserbriefe, etc.) – wie fallen diese aus?
- Was unternehmen Sie um, um die Bindung des Lesers an Ihre Zeitung zu stärken?
- Wie beobachten Sie die Konkurrenz?

Kommen wir nun zu den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt bestehen.

- Welchen Einfluss hat die neue Blattstruktur auf Ihre Arbeit?
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Steht Ihrem Gefühl nach mehr Regionales im Mantel, im Lokalteil?
- Gibt es eigene redaktionelle Elemente, die in Verantwortung der Regionalredaktion liegen?
- Werden – im Gegensatz zu früher - mehr bereits veröffentlichte lokale Beiträge auch in anderen Lokalausgaben nachgezogen?

Kommen wir nun zum letzten Teilbereich: dem Qualitätsmanagement

- Welche Defizite / Probleme sind bei der Einführung der Regionalredaktion eingetreten und wie versucht man sie zu beheben.
- Mögliche Nachfragevarianten:
- Gibt es Probleme in der Schlagkraft der Redaktionen, das heißt, können etwa aktuelle Termine unter Umständen nicht mehr besetzt werden?
- Welchen Einfluss hat die Ausgliederung auf die Qualität und deren Sicherung in den einzelnen Regionalredaktionen und Lokalredaktionen?
- Funktioniert das auch?
- Gab es diesbezüglich Änderungen im Qualitätsmanagement?
- Wer kontrolliert Sie in der täglichen Umsetzung des Konzepts in inhaltlichen und finanziellen Aspekten? Gemeint ist, wer kontrolliert Sie wann mit welcher Konsequenz und nach welchen Kriterien?
- Denken Sie, dass in Bezug auf die Regional- und Lokalstruktur in Ihrem Haus gemessen an den vorhandenen Ressourcen das optimale Produkt gemacht wird? Begründen Sie Ihre Einschätzung!
- Wie sieht die Struktur der Redaktionskonferenzen aus – wer trifft sich wann mit wem um was zu besprechen?
- Antwortmöglichkeiten: tägliche Konferenzen, Planungskonferenzen, Wochenkonferenzen

Welche Aspekte fallen Ihnen noch ein, die für die Untersuchung der Regionalredaktion(en) in Ihrem Haus von Bedeutung sind?

Teil C Interviews und Autorisierungsnachweise

1. Autorisiertes Interview mit Hans Eggert, Chefredakteur der Sächsischen Zeitung am 24.04.2006 in den Räumen der Chefredaktion in Dresden

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Chefredakteuren

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich

- Wie viele redaktionelle Mitarbeiter sind in Ihrem Haus beschäftigt und in welchen Arbeitsverhältnissen sind sie beschäftigt – wie viele Mitarbeiter sind fest angestellt, wie viele arbeiten für eine Pauschale, gibt es Mitarbeiter, die gelegentlich für Ihr Blatt schreiben, etwa Mitglieder aus Vereinen oder auf Zeile schreibende Mitarbeiter?
Fest sind es etwa 135 Mitarbeiter, freie Mitarbeiter für die Gesamtausgabe sind es etwa 60.
- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?
Gut. Die wirtschaftlichen Ergebnisse sind so, dass unsere Gesellschafter erfreut sind.
- Wie würden Sie die derzeitige Wettbewerbssituation beschreiben, in der sich Ihre Zeitung befindet? Das heißt, welche Konkurrenten gibt es auf dem Leser- und dem Anzeigenmarkt?

Auf dem Anzeigenmarkt hat sich die Situation seit 2003 wieder etwas entspannt. Ich denke, wir erreichen die Werte des Vorjahres und sind damit erstmals seit Jahren wieder auf ansteigendem Ast. Auch wenn die Wettbewerbssituation bei bestimmten Anzeigenarten sich eher negativ darstellt – damit meine ich vor allem die Rubrikenmärkte. Auf dem übrigen Anzeigenmarkt ist die Konkurrenz einigermaßen übersichtlich, die Erwartungen der Kunden sind kaum verändert. Auf dem Lesermarkt haben wir in Dresden einen starken Konkurrenzkampf zwischen BILD und Morgenpost als Kaufzeitungen und zwischen den Dresdner Neuesten Nachrichten und der Sächsischen Zeitung als Abo-Zeitungen. Das heißt, wir haben hier einen relativ kleinen Markt, auf dem sich vier Zeitungen tummeln. Das Bild ändert sich, wenn man mehr auf die ländlichen Gebiete sieht. Dort hat die SZ stärkere Verbreitung. In der Niederlausitz stehen wir allerdings in Konkurrenz zur Lausitzer Rundschau, und zwar mit den zwei Lokalausgaben Hoyerswerda und Weißwasser. Im Kreis Döbeln haben wir die Konkurrenz zur Leipziger Volkszeitung.

Welche Konkurrenz entsteht Ihnen durch die elektronischen Medien?

Sehen wir vom Internet ab, wäre hier vor allem der Rundfunk zu nennen, das regionale Fernsehen spielt kaum eine Rolle. Der Rundfunk ist ein beachtenswerter Konkurrent, je regionaler er sein kann. Das bezieht sich vor allem auf die Lausitz. Die Anzeigenblätter, sind weniger redaktionell, aber dafür umso mehr wirtschaftlich gesehen eine beachtenswerte Konkurrenz.

- Wenn wir die redaktionelle Organisation betrachten, wie ist Ihre Zeitung da aufgebaut? Ich meine damit vor allem die Aufteilung von Lokalredaktion, Regionalredaktionen und der Mantelressorts.

Von unten nach oben: Wir haben 20 Lokalredaktionen zwischen Weißwasser und Döbeln. Darüber haben wir in den letzten Jahren Regionalredaktionen aufgebaut: 1997 in Bautzen die erste für die gesamte sächsische Lausitz – hier arbeiten neun Lokalredaktionen. Seit 2002 haben wir systematisch weiter regionalisiert: mit einer Regionalredaktion im Elb-Land, mit den Lokalausgaben Meißen, Riesa, Großenhain und Radebeul. Es folgte eine Regionalredaktion für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge – das sind mit Pirna, Sebnitz, Freital und Dippoldiswalde vier Lokalredaktionen. Und wir uns haben vor kurzem entschlossen, die Struktur in der Lausitz noch einmal leicht zu ändern, indem wir die Region Westlausitz von Bautzen aus stärker regionalisiert betrachten. Damit konnten auch einige Probleme der Lokalsport-Berichterstattung besser gelöst werden. Die Dresden-Ausgabe gilt als eine Regionalausgabe, die sich zunächst auf die Stadt bezieht, wobei die Dresden-Redaktion eine gewisse Federführung für Umlandausgaben Rödertal (also Radeberg und Umgebung), Radebeul und zum Teil für Freital zu leisten hat.

Die Radebeuler Lokalredaktion gehört dann zur Elblandredaktion oder zur Dresdner Regionalredaktion?

Radebeul gehört zur Elblandredaktion, übernimmt aber Teile der Dresdner Ausgabe unter dem Rubrum „Aus der Landeshauptstadt“. Das sind zwei, drei Seiten am Tag. Die Dresdner bearbeiten das Material so, dass es auch in Radebeul verstehbar ist.

Soweit der Aufbau vom Lokalen zum Regionalen. Zudem gibt es – nicht darüber, sondern parallel dazu - die üblichen Mantelverantwortlichkeiten: Politik/Nachrichten, Kultur, Gesellschaft, Reportage, Wirtschaft und Verbraucher, Sport und Wissenschaft.

Ist „Sachsen“ ein eigenes Ressort?

Nein, das ist Teil der Politikredaktion. Man müsste sagen: „Politik und Sachsen.“, weil hier der Schwerpunkt auf der politischen Berichterstattung auch aus dem Land liegt.

Dass „Sachsen“ kein eigenes Ressort besitzt, ist das schon immer so oder ein Ergebnis des Regionalisierungskonzeptes?

Das war schon immer so. Das Regionalisierungskonzept zielt darauf ab, die regionalen und dennoch Sachsen verbundenen Themen, die in den Regionen auftauchen, stärker im Mantel berücksichtigt werden können – sowohl auf der Sachsenseite, aber auch sehr stark im Wirtschafts- und Kulturteil.

- Wann wurden an der redaktionellen Struktur zuletzt entscheidende Veränderungen vorgenommen? Welche waren das? Gemeint sind etwa Änderungen an der Ressortaufteilung, Lokalredaktionen, Regionalredaktionen, Ausgliederungen, etc.

Wir haben zum Januar 2005 die letzten Lokal- bzw. Regionalredaktionen ausgegliedert.

- Welche Verlagsstruktur – also nicht-redaktionelle Struktur- liegt in Ihrem Haus vor? Ich meine, wie ist der Verlag territorial aufgestellt, wurde ausgegliedert oder wird das Verlagsgeschäft noch zentral gesteuert?

Die Regionalredaktionen arbeiten in ausgegliederten Verlagsgesellschaften. Das heißt z.B., die Verlagsgesellschaft „Neiße“ in Görlitz gliedert sich in fünf Lokal- und die Regionalredaktion. Das Verlagsgeschäft ist ebenso strukturiert. Als wir die Regionalredaktionen bildeten war es sinnvoll, im nächsten Schritt die Verlagsstrukturen entsprechend zu modifizieren.

- Wann wurde an der Struktur des Verlages zuletzt Entscheidendes verändert? Das heißt, wurden Verlagseinheiten zusammengelegt, neu geordnet, ausgegliedert?

Mit der Abrundung des Regionalkonzeptes haben wir darauf gedrungen, dass in der Region Sächsische Schweiz/Osterzgebirge die ursprünglich zwei Gesellschaften zu einer fusionierten. Ähnlich auch im Elbland. Wir haben nun vier Regionalverlage und den DD+V, der die gesamte Zeitung steuert.

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität?

Das Handwerkszeug vorausgesetzt: Lesernähe, Themennähe und der permanente Versuch, Themen so zu entwickeln und aufzuarbeiten, dass ihre regionale Bedeutung klar wird. Das beziehe ich auch auf überregionale Themen, die für die Leserschaft in der Region verständlich und auch „nachfühlbar“ werden müssen. Arbeitslosigkeit ist zum Beispiel in der Lausitz etwas anderes als in Dresden. Das muss man einfach so akzeptieren, wenn man das über Jahre verfolgt.

- Wenn Sie sich an die Zeit vor Einführung der Regionalredeaktionen erinnern - welchen Problemen sah sich Ihre Zeitung da ausgesetzt, die letztlich zur Einführung der Regionalredaktionen führten?

Das war zum Ersten eindeutig ein viel größerer Abstand zwischen dem, was im sog. Mantel als wichtig angesehen und thematisch verarbeitet wurde, und jenen Themen, die im Lokalen „stattfanden“. Zum Zweiten war ein zu großer Abstand zwischen den lokalen Darstellungen und den in ganzen Landstrichen interessierenden Themen. Drittens haben wir heute eindeutig mehr „Land-und-Leute-Themen“, mehr Unterhaltsames aus dem Leben der Regionen und mehr Wirtschaftsthemen aus der Region im Blatt.

Abstand – meinen Sie damit Qualität- und Professionalitätsprobleme oder die bearbeiteten Themen?

Das war nicht die Professionalität – die ist im Einzelnen ganz unterschiedlich zu beurteilen. Es war vielmehr ein Problem der Themenwahl, der Themenmischung und der Themenbearbeitung. Beispiel: Ein Verkehrsthema ist sicher ein kommunalpolitisches Thema, wenn es konkret um Dinge geht, die etwa bei einer Straße im Landkreis Löbau-Zittau zu lösen sind – bei einer Verbindungsstraße nach Tschechien zum Beispiel. Das ist aber auch ein regionales Thema, weil es da um übergreifende Interessen geht – und genau so muss es bearbeitet werden. Themen von hohem lokalen Interesse sind meist auch regional von Interesse.

In welchem Zusammenhang steht die Regionalisierung – also die Einführung der Regionalredaktionen - mit der Ausgliederung der einzelnen Lokalredaktionen?

Da gab es zunächst keinen Zusammenhang. Es bestand auf redaktioneller Seite die Erkenntnis, dass eine regionale Zeitung wie unsere wirklich regional bezogen sein muss, weil ihre Erscheinungsgebiete und Märkte zu differenziert und – geografisch gesehen – zu groß sind. Die Interessenlage der Leserschaft unterscheidet sich partiell ziemlich stark zwischen dem, was etwa in der Lausitz zum Thema Arbeitslosigkeit passiert und was in Dresden. Oder zwischen dem, was sich in der Lausitz und entlang der böhmischen Grenze und dem was sich in Dresden zum Thema Grenzverkehr, Grenzkriminalität vollzieht. Gravierende Unterschiede gibt es auch beim Thema Kultur. Die Dresdner Kultur ist zwar prägend für den gesamten Großraum, aber eben nicht der einzige Kulturkreis, der in unserem Verbreitungsgebiet Beachtung findet.

Inwieweit waren Auflagen- und / oder Reichweitenverluste einzelner oder aller Lokalausgaben Grund für die Einführung der Regionalredaktionen?

Da gibt es keine signifikanten Ergebnisbewertungen. Ich gehe davon aus, dass die Auflagenverluste in Problemgebieten wie der Lausitz größer wären, hätten wir das nicht getan.

Gab es konkrete Forderungen des Verlags bzw. des Mutterkonzerns?

Nein, das haben wir aus Redaktionssicht entwickelt, selbstverständlich, ich sagte das schon, in enger Abstimmung mit dem Verlag.

Sollten mit durch die Ausgliederung der Lokalredaktionen bestehende oder befürchtete Qualitäts- und Professionalitätsprobleme durch die Einführung der Regionalredaktion behoben werden?

Zunächst: Es ist ein großer Vorteil, über Leute vor Ort zu verfügen, die auch stärker auf die Qualität im Lokalen achten. Bei 20 Lokalredaktionen ist das allein von der Zentrale aus nie zu schaffen. Wir haben zudem parallel zu dieser Entwicklung eine Qualitätsoffensive – übrigens mit Hilfe des Journalistik-Instituts der Universität Leipzig ­ gestartet. In dem Augenblick, in dem sich die Struktur änderte, wurde die Qualitätsüberprüfung gestartet, um letztendlich auch eine Qualitätsentwicklung in Gang zu bringen.

Vielleicht könnten Sie kurz ein paar Qualitätsprobleme nennen, die es gab oder vielleicht auch noch gibt?

Abgesehen vom elementaren Handwerk – bis hin zu sprachlichen Dingen, die ich jetzt außen vor lasse und die nicht unbedingt an Lokales, sondern durchaus an einzelne Personen, Entwicklungen, Biographien gebunden sind – gab es in einigen Lokalausgaben Probleme mit der Themenwahl und der Themenvielfalt, auch der Genrevielfalt. Es gab Mängel in Formalien, vor allem im Umgang mit Fotos. Auf alle diese Dinge haben wir versucht, Einfluss zu nehmen. Wir jetzt gehen systematisch Lokalausgabe für Lokalausgabe durch, um Qualitätsanmaßstäbe in die Diskussion zu bringen und nachhaltige Verbesserungen zu erreichen. Außerdem tun wir hier auch etwas für die Ausbildung. Dabei steht für uns nicht die Ausbildung der ohnehin Ausgebildeten im Vordergrund, sondern die der freien Mitarbeiter, die keine oder nur eine geringe Ausbildung im Sinne des Berufsbildes haben. Neben dem Programm für das Volontariat organisieren wir deshalb ein vergleichbares redaktionsinternes Programm für freie Mitarbeiter.

Sollten durch die Einführung der Regionalredaktionen auch Kosten gesenkt werden?

Die Kostenentwicklung musste gedämpft werden. Wenn die Auflage sinkt, wenn es zudem Probleme bei den Anzeigenerlösen gibt, müssen wir, um die Zukunft der Zeitung und der Arbeitsplätze zu sichern, die Kostenentwicklung in den Griff bekommen.

Wo hat man da angesetzt?

Die ausgegliederten Gesellschaften arbeiten, sofern sie neu einstellen, nicht mehr nach dem Flächentarif. Dafür bekommen junge Journalistinnen und Journalisten eine Chance auch dann, wenn es angesichts der bisherigen redaktionellen Tarifstrukturen unmöglich wäre, freie Stellen neu zu besetzen. Zudem hat es durch die Regionalredaktionen viele Rationalisierungseffekte gegeben, was sich in den Kosten allerdings nicht direkt auswirkt – etwa in der Zeitungsproduktion und der Themenfindung. In großen Lokalredaktionen bzw. an den Standorten der Regionalredaktion haben wir beispielsweise Produktionspools eingerichtet, die für zwei, drei oder sogar vier Lokalredaktionen die Seitenproduktion übernehmen. Das heißt, dort sitzen Kollegen, die alle Lokalseiten Seiten ihres Bereichs in die Hand nehmen, layouten und sich mit den Lokal-Redakteuren über die Platzierung abstimmen. Die Artikel bearbeiten und einpassen. Die Folge: Die Kollegen in den Lokalredaktionen sind von der Last befreit, selbst noch Seiten zu produzieren.

Inwieweit hätte man diesen Rationalisierungsdruck auch ohne Ausgliederung der Redaktionen aufbauen können?

Der Aufbau von Zentren in den Regionen war zwingend, weil wir ansonsten einen überbordenden Koordinierungsaufwand hätten treiben müssen, um unser inhaltliches Konzept umsetzen zu können. Auch die Lokalredaktionen sind an dieser Entwicklung interessiert, um größere Freiräume für ihre journalistische Arbeit zu gewinnen. Sie befreien sich ja nicht nur von den Produktionsaufgaben, sie können nun auch in den Themen-Fundus anderer greifen, kurzum, es hätte aus meiner Sicht keine sinnvolle Alternative zu dem Weg gegeben, den wir gegangen sind. Die Ausgliederung hat dies wesentlich erleichtert.

- In welchen Punkten erhoffen Sie sich von der Einführung der Regionalredaktionen nun eine Besserung der Situation, wo deutet sie sich bereits an?

Verbesserungen bestehen eindeutig darin, dass Lokalredaktionen, die in Regionen mit großen Übereinstimmungen in Identität, in Alltags-, in Sozial- und Wirtschaftsentwicklungen tätig sind, abgestimmter und systematischer zusammenarbeiten können ­ damit stärkt sich die redaktionelle Schlagkraft, die Themenreichweite wird größer, gemeinsame Seiten zu übergreifenden Themen können unkomplizierter entstehen, kurzum: Wir sind dem Leben näher als bisher. Beispiel: Spezielle Wirtschafts- oder Kulturseiten, die den Leserinteressen im gesamten Elbland entsprechen, ohne das Lokale zu vernachlässigen.

Wie hat sich die Qualität / Professionalität der einzelnen Lokalausgaben / des Blattes insgesamt seitdem entwickelt und woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?

Ich denke, dass sich das Niveau ehemals relativ schwacher dem der starken Lokalredaktionen angenähert hat und wir insgesamt an Professionalität zulegen konnten. Sichtbare Fortschritte hat es unter anderem dort gegeben, wo wir Gelegenheit hatten, personelle Änderungen herbeizuführen – vor allem im Bereich der Lokalchefs.

Wurde der Leser stärker ans Blatt gebunden und woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?

Ich hatte ja schon im Zusammenhang mit der Lausitz gesagt, dass, hätten wir das Lausitz-Konzept nicht umgesetzt, die Zeitung beispielsweise für Görlitz wesentlich „dresdenlastiger“ wäre. Dass sie es nicht ist, wird die Bindung zum Leser dort ganz eindeutig stärken. Und das wird dazu geführt haben, dass wir nicht noch größere Auflagenprobleme haben als ohnehin schon.

Wenn Sie sagen, Sie wollen weg vom Metropolendenken und hin zu regionalen Zentren, sind Sie damit auch näher an den Leseinteressen der Kundschaft dran – oder will die vielleicht lieber Dresden haben? Woran ist dies Ihrer Ansicht nach zu erkennen?

Da müsste man den Leser in beispielsweise in Görlitz fragen, aber wenn dem Görlitzer der Dresdner Kulturteil angeboten wird, dann wird er wenig über die relativ gut entwickelte Kulturlandschaft entlang der Neiße oder in Görlitz finden. Was der Görlitzer Leser dazu sagen würde, das wissen wir,­ es ist jedenfalls kein Lob. Das bezieht sich auch auf den Sport, schließlich sind wir im starken Maße auch Träger und Transporteur von lokalen und regionalen Sportinteressen. Und das bezieht sich auch auf Wirtschaft. Deshalb gibt es in der Lausitz eine andere Struktur der Zeitung als in Dresden, ohne dabei auf wichtige „Dresdner“ Themen zu verzichten.

Um welche Änderungen handelt es sich dabei konkret?

Die Lausitzer Ausgabe bietet ihren Lesern zum Beispiel dort, wo wir in Dresden „Kultur“ anbieten, eine Seite „Lausitzer Leben“ mit Themen aus Kultur, Geschichte, Tradition und Freizeit. Damit hat die Regionalredaktion einen Kulturbegriff umgesetzt, der weiter gefasst, stärker bezogen auf Leben und Erleben der Leser in der Lausitz ist.

- Handelte es sich bei der Einführung der Regionalredaktionen um eine Einzelmaßnahme oder wurden im Haus gleichzeitig auch an anderen Stellen Strukturen verändert, um die Probleme in den Griff zu bekommen? Wenn ja, welche?

Der Verlag musste in dem Augenblick reagieren, da wir versucht haben, aus redaktioneller Sicht, aus Lesermarktsicht, Veränderungen herbeizuführen. Deshalb hat es auch im Verlag Einschnitte gegeben.

Hat es auch anderer Stelle redaktionelle Ausgliederungen gegeben? Im Mantel zum Beispiel?

Nein, im Mantel wurde nichts ausgegliedert. Aber es gibt natürlich Entwicklungen im Verlag, bestimmte Zusatzgeschäfte – auch Zusatzgeschäfte, die im Printbereich liegen – in eigenständigen Unternehmungen zu produzieren.

Sind weitere Umstrukturierungen in Bezug auf das Regionalisierungskonzept geplant, wenn ja, um welche handelt es sich konkret?

Das Konzept ist weitgehend umgesetzt. Es gibt nach wie vor einige ungelöste Probleme, die wir sicher angehen werden. So sind wir etwa im nördlichen Umland von Dresden mit zwei zusätzlichen Lokalredaktionen vertreten, die zwar Teile der Dresden-Ausgabe übernehmen, aber für Radebeul und Radeberg spezielle Teile haben. Das gibt es im Dresdner Südumland nicht. Die Lokalausgabe Freital ist eine selbstständigere Unternehmung als etwa die Radeberger. Ähnliche „Abrundungen“ sind auch noch in anderen Gebieten nötig, etwa in Ausläufern des Landkreises „Sächsische Schweiz“.

- Wenn Sie an die Einführung / Konzeption Ihrer Strukturreform im Lokalen / Regionalen denken, woran haben sie sich da orientiert? Gemeint ist, ob es Vorbilder gab, wie viele eigene Ideen in dem Konzept stecken und ob und wie Sie sich haben beraten lassen.

Entwickelt hat sich das – jetzt seit zehn Jahren – zunächst aus dem Ansatz heraus, dass wir in der Lausitz auf einem anderen Lesermarkt treffen als im Westen unseres Erscheinungsgebietes. Aber dafür gab es keine Vorbilder, möglicherweise, weil sich vergleichbare Probleme anderswo etwa gleichzeitig entwickelten.

Gab es wissenschaftliche Untersuchungen?

Die sind mir nicht bekannt.

Hat man Fachliteratur zu Rate gezogen?

Wir konnten keine Fachliteratur zu Rate ziehen, weil nach unserem Wissen dazu nichts vorlag.

Gab es konkrete Vorgaben des Verlegers / Verlages?

Nein.

Wurden externe wirtschaftliche Berater oder externe wissenschaftliche Berater beauftragt?

Was den redaktionellen Aufbau betrifft, gab es das nicht. Aber die ausgegliederten Regionalverlage sind natürlich mit Hilfe von Unternehmensberatungen entstanden. Das lag in der Verantwortung des Verlages.

- Wie wurde in Ihrem Haus die neue Struktur eingeführt und wie wurde sie gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern kommuniziert?

Die neue Struktur wurde auf ganz unterschiedliche Weise kommuniziert. Nach Bildung der selbständigen Verlagsgesellschaften haben sich deren Vertreter natürlich vorgestellt, haben den Redakteuren erklärt, warum sie jetzt so existieren, warum sie in Görlitz und nicht in Weißwasser sitzen. Die Ausgliederung selbst war, als der Prozess 1999 begann, – heiß umstritten. Da hat es auch einen Streik gegeben. Seit der Streik mit einem Kompromiss über die Modalitäten und Mechanismen von Ausgliederungen ein Ende gefunden hat, wird danach verfahren.

In welchem Maße wurden die Mitarbeiter und ihre Ideen und Vorschläge bei der Erarbeitung des Konzepts einer Regionalredaktion einbezogen?

Die Mitarbeiter wurden mit einbezogen, schon weil wir ­ etwa in der Lausitz ­ genügend Zeit hatten, um Erfahrungen zu sammeln. In dieser Zeit haben sich die Kollegen sehr intensiv mit dem Konzept beschäftigt. Die Erfahrungen, die dort gesammelt worden sind – es war auch ein stellvertretender Chefredakteur über drei Jahre direkt vor Ort tätig – wurden bei der Bildung der anderen Regionalredaktionen berücksichtigt. Wichtig ist: Es war ein fließender Prozess und kein „Ab morgen ist es gegründet“ ­ abgesehen von der rechtlichen Seite

Und der Leser – wie wurde er darauf aufmerksam gemacht?

Natürlich wurde der Leser darauf aufmerksam gemacht. Ich erinnere mich noch, dass die Neiße-Redaktion sich im Blatt vorgestellt hat – mit Bild: Hier sind wir, wir sitzen in Görlitz und beschäftigen uns mit folgenden Themen Ich bin hier für die Kultur zuständig, ich mache die Wirtschaft – das wurde schon deshalb offensiv verbreitet, um den Eindruck zu stärken, „wir sind vor Ort, wir sind hier, wir sind näher an ihren Problemen dran“.

Wie hat der Leser reagiert – quantitativ und qualitativ?

Qualitativ gesehen gab es schon positive Reaktionen, weil natürlich in den Regionen ein Gefühl von Aufwertung entstand durch eine Zeitung, die bislang „in Dresden gemacht wurde“. Es hat vor allem auch positive Reaktionen aus der Kommunalpolitik gegeben. Dass aber Frau Schulze aus Görlitz deswegen zur Feder griffe, wäre eher Ausnahme.

- Die Struktur der Regionalredaktionen und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt der Regionalredaktionen eine Rolle Welche Kriterien waren da ausschlaggebend?

Das waren zunächst geografische, aber auch historische, man kann auch sagen: landsmannschaftliche Kriterien. Letzteres findet man zwar nicht in der Sächsischen Schweiz/Ostergebirge, aber im Elbland und ganz stark in der Lausitz. Zudem kommen Besonderheiten vor allem in der sozialen Entwicklung. Die Lausitz hat eben eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, die sich – auch durch die Grenzsituation – strukturell und damit qualitativ unterscheidet von der im Raum Dresden. So gesehen, lag es auf der Hand, unser Erscheinungsgebiet in „Märkte“ einzuteilen. Der Großraum Dresden war ohnehin ein Schwerpunkt und die Lausitz war ohnehin geprägt durch den geografischen Begriff. Die anderen haben wir gewissermaßen dazu „erfunden“, wobei wir auch auf historische Bindungen und auf die Verwaltungsstrukturen geachtet haben, die im Lokalen immer eine große Rolle spielen. Das betrifft sowohl aktuelle als auch künftige Kreisstrukturen.

Sollte damit die Redaktionsstruktur der Verlagsstruktur angepasst werden?

Das war, wie gesagt, nicht das Problem. Das Problem war, dass sich Redaktionsstrukturen herausbildeten und redaktionelle, journalistische Bedürfnisse entstanden, auf die der Verlag entsprechend reagiert hat.

Die Regionalverlage waren die in dieser Form eher da als die Regionalredaktionen?

Nein, wir hatten seit 1997 zwar eine Lausitz-Redaktion, aber keinen entsprechenden Regionalverlag. Erst danach sind dann diese Strukturen im Verlag entstanden.

Inwieweit hat man darauf geachtet, dass diese Einheiten – also die Regionalredaktionen und die ihr zugeordneten Lokalredaktionen – ökonomisch sinnvoll gestaltet sind?

Wir haben immer darauf geachtet, dass wirtschaftlich starke Einheiten entstehen konnten. Es ging ja auch darum, Zusatzprodukte zu entwickeln und zu vertreiben. Görlitz produziert zum Beispiel einmal im Monat eine Theaterzeitung ­ auch für Zittau. Görlitz und Zittau haben eine Hochschule mit Sitz in Zittau und zum großen Teil Lehre in Görlitz. Da war es auch sinnvoll, in einer gemeinsamen Verlagsstruktur gemeinsame Studentenseiten einzuführen. Also: Geografische Gegebenheiten, die sich in Inhalten zeigen und journalistisch bearbeiten lassen.

Wurde darauf geachtet, dass starke und schwache Lokalredaktionen unter dem Dach einer Regionalredaktion organisiert sind?

Ja, denn wenn man beispielsweise neue Produkte – wie das touristische „Oberlausitzmagazin“ – anbieten will, dann müssen schwach strukturierte Gebiete mit wenig Tourismus und Gebiete mit viel Tourismus und entsprechender Infrastruktur unter „einem Dach“ angeboten werden. Die Verlags-Gesellschaften müssen als Unternehmen auf dem lokalen und regionalen Markt wirtschaftlich selbständig handeln können. Das hat mit Journalismus erstmal gar nichts zu tun.

Sie hatten bereits das Stichwort „regionale Identität“ angesprochen. Inwieweit war das ein Kriterium beim Zuschnitt der Regionalredaktionen?

Das war einer der Ausgangspunkte bei der Entwicklung des Konzepts.

Wodurch ist die regionale Identität für Sie definiert?

Sie definiert sich durch geografische und soziale Gegebenheiten, natürlich auch durch gemeinsame geschichtliche Erfahrungen und Strukturen. Zum Beispiel ist das beim Meißner Land eindeutig der Fall. Das ist immerhin das historische Kerngebiet dessen, was wir heute unter Sachsen verstehen. Hieraus ergeben sich dann auch Identitäten, die man keineswegs unterschätzen darf. 1996 hatten wir beispielsweise auch zu berücksichtigen, dass die Lausitz Siedlungsgebiet der Sorben ist, einer nationale Minderheit. Mit eigener Sprache und großer kultureller Tradition. Daraus entstehen dann ganz bestimmte andere, auch aktuell-politische Probleme, die beim Zeitungsmachen eine Rolle spielen müssen.

Das heißt, die regionale Identität geht über Verwaltungsgrenzen hinaus beziehungsweise lässt sich damit nicht gleichsetzten?

Die lässt sich damit überhaupt nicht gleichsetzen. Denn die Landesgrenze Sachsens begrenzt nicht die Lausitz.

Haben Sie Untersuchungen veranlasst, was welchen Leser in Bezug auf das geografische Gebiet interessiert?

Wir haben zumindest Leserumfragen soweit differenzieren können, dass wir erkennen können, dass es da erhebliche Unterschiede gibt.

Und inwieweit wurden diese Ergebnisse dann auch berücksichtigt?

Die wurden berücksichtigt,­ ob nun bei Strukturänderungen oder im Zeitungsalltag.

- Die Regionalredaktion ist wie der Name scheinbar verspricht eine Redaktion für das Regionale: Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter dem Begriff „Region“?

Eine Region ist sowohl ein Aktionsraum, ein Lebens- und Erlebensraum, aber auch ein Wirtschaftsraum mit bestimmten Grenzen, die mit Verwaltungsgrenzen nicht in jedem Fall identisch, aber durch diese nachgezeichnet sind. Die Abgrenzung der Lausitz von den sächsischen Räumen ist so stark historisch fundamentiert, dass man sie auch bei der nächsten Kreisreform nicht übersehen kann.

- Ausgehend von Ihrem Regionsbegriff – welche Teile / Beiträge Ihrer Zeitung fallen für Sie unter den Begriff der regionalen Berichterstattung?

Alle Teile.

Und welche vor allem?

Wir haben im Grunde genommen mehrere große Ausgaben.­ Eine Lausitzer Ausgabe, eine Elbland-Ausgabe, eine Dresdner Ausgabe und, in Teilen eine Ausgabe für die Sächsische Schweiz und das untere Erzgebirge. Die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Ausgaben treten natürlich zwischen der Lausitzer und der „Westausgabe“ auf. Das beginnt schon auf der ersten Seite: die Lausitzer Ausgabe, die im Lokalteil noch einmal in neun, zehn Lokalausgaben untergegliedert ist, kommt an dieser Stelle ganz anders daher. Mit einem anderen Titelfoto, manchmal mit einem anderen Aufmacher oder zumindest mit einem Aufmacher, der an bestimmte Entwicklungen in der Lausitz angepasst ist. Das betrifft auch die Sachsen-Seite , wir haben im Durchschnitt zwei Sachsen-Seiten am Tag, wo wir auch bestimmte Themen wechseln oder stärker oder weniger stark beachten. Das betrifft auch die Kultur sehr stark und den Sport, der sich stark differenziert zwischen dem Westteil unseres Verbreitungsgebietes und der Lausitz. In der Lausitz wird in Weißwasser Eishockey gespielt, im „Westen“ vor allem in Dresden Oder in der Wirtschaft: Hier gibt es einen starken Hang, sich regionalen Wirtschaftsthemen im Mantel zu nähern. Die Wirtschaftsredakteure in den Regionalredaktionen sind ja Wirtschaftsspezialisten und haben auch die größere Chancen, fast täglich ins Blatt zu kommen. Da wird allerdings sehr oft nicht gewechselt, also partizipiert der Mantel von den „Vor-Ort-Interessen“.

Sehen Sie eine Entwicklung zu mehr eigenen Texten, weg vom Agenturmaterial?

Ganz eindeutig. In dieser Republik reden ja manche darüber, wie sie ihre Zeitung zur Autorenzeitung gemacht hätten. Darüber haben wir nicht geredet, aber es ist eindeutig die Entwicklung. Denn man bekommt ja nichts Regionales von der Agentur, was wir nicht auch hätten, im Gegenteil: die Agentur schreibt oft bei uns ab. Wer hat denn die Informationen? Die Informationen haben die Mitarbeiter von Lokalredaktionen und der Regionalredaktionen.

Im nächsten Abschnitt werde ich nun etwas speziellere Fragen zur Regionalredaktion stellen.

Der erste Fragenkomplex betrifft die Redaktionsorganisation es folgen Fragen zum Personalmanagement, zum Kostenmanagement und zum Kommunikationsmanagement, dem redaktionellen Marketing, den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt und dem Qualitätsmanagement.

Fragen zur Redaktionsorganisation sind Bestandteil des ersten Fragebereichs.

- Nach welchen Kriterien wurde der Hauptsitz der jeweiligen Regionalredaktion festgelegt?

Wir haben entschieden nach der Größe der ursprünglichen Lokalredaktion, nach Räumlichkeiten vor Ort und nach der Bedeutung des Ortes für den Gesamtraum. Pirna ist zum Beispiel eindeutig das Zentrum des Regionalraumes. Ebenso Meißen, das – nicht nur von Dresden aus – gut erreichbar und von der Wirtschaft und Kultur her ein wichtiges Regional-Zentrum ist.

- Sind die Lokalredaktion und die Regionalredaktion in der Regel räumlich getrennt?

Nein. Die sollen ja zusammenarbeiten.

- Gibt es Probleme dadurch, dass die eine Lokalredaktion mit der Regionalredaktion durch den gemeinsamen Sitz sehr verbunden ist und die anderen Lokalredaktionen nicht? Gibt es dort eine Art Außenstellen-Denken?

Ich sehe keine nennenswerten Probleme Die Lokalredaktionen haben ihre sehr speziellen Aufgaben.

- Welche Aufgaben / Funktionen soll der Leiter einer Regionalredaktion in Bezug auf das Management und die alltägliche Blattmache laut Konzept erfüllen?

Er muss die Potenzen seiner Lokalredaktionen kennen und so entwickeln, dass er sie stärkt. Er muss sehr kooperativ koordinieren. Er muss die kleine Regionalredaktion, die ihm direkt unterstellt ist, so einsetzen können, dass regionale Themen tatsächlich auch eine Rolle spielen und nicht unter lokalen Aspekten verschwinden. Er muss dafür sorgen, dass die Regionalredaktion regional arbeitet und nicht lokal – das ist sehr wichtig. In der Regel sind das Kollegen, die auch gern schreiben und ihre speziellen Themen haben.

Soll der Regionalchef nach dem Konzept eher schreibend, verwaltend oder koordinierend tätig sein?

Die „Verwaltung“ ist ihm in dem Sinne zugeordnet, dass er einer der mindestens zwei oder auch drei Geschäftsführer der jeweiligen GmbH ist. Er hat seinen Honoraretat, seinen Reisekostenetat zu verwalten. Er wird davon aber nicht aufgefressen. Er hat eine größere Personalverantwortung als früher ein Lokalchef, denn er ist auch für die Lokalredaktionen personalverantwortlich.

Das heißt, die Hauptaufgabe des Regionalchefs liegt nicht im Schreiben, sondern eher in der Koordination von Themen und der Verwaltung der Redaktionen?

Die frage ist m.E. schon beantwortet. Zum Beispiel die neue Pfand-Rückgaberegelung. Heute ist der erste Tag, an dem diese Regelung gilt. In der Mittagssitzung wird überlegt: Machen wir da auf der Wirtschaftsseite noch mal was, auf der wir das Thema aber schon hin und her erklärt haben? Oder machen die Lokalen und Regionalen etwas, schwärmen die aus und schauen, wie das klappt? Ein Thema kann also sowohl lokal, regional und überregional gespielt werden. Dies aus der Sicht der Region zu beurteilen, obliegt dem Regionalchef. Das haben wir fast jeden Tag: Kriminalität, Arbeitsmarkt, alles Themen, die wir sowohl lokal-regional und überregional spielen müssen.

Wenn die Themensuche die erste Aufgabe des Regionalchefs ist, was folgt dann als zweitwichtigste Ausgabe?

Ich enthalte mich einer theoretischen Reihung. Die Tagessituation entscheidet.

Entspricht die Praxis den Erwartungen an einen Leiter der Regionalredaktion?

Ja.

In welcher Hinsicht unterscheiden laut Konzept sich die Aufgaben eines Lokalleiters von denen eines Regionalleiters?

Dass er dem Lokalchef übergeordnet ist.

- Welche Aufgabe/Funktion im Blick auf die tägliche Blattmache soll die Regionalredaktion / die Regionalredakteure Ihrer Ansicht nach eigentlich erfüllen, wenn man sich an der Theorie des Konzepts orientiert?

Wie ein Mantelredakteur ist er davon befreit, sich wie ein Lokalredakteur um alles zu kümmern. Lokalredakteure sind Generalisten, die müssen wissen, was in der Sparkasse los ist, was im Kindergarten los, in der Schule und möglicherweise im Kreiskrankenhaus auch. Im Gegensatz dazu ist der Regionalredakteur weiter ein Fachredakteur, der Wirtschaftsredakteur in Pirna oder Meißen kümmert sich vordringlich um Wirtschaftsfragen. Zudem gibt es spezielle Interessengebiete: Der Meißner Wirtschaftsredakteur kümmert sich für das Gesamtblatt um die Landwirtschaft. Der Wirtschaftsredakteur in der Lausitz ist stark an der gesamten Energiewirtschaft und Energiepolitik interessiert und vertritt dann auch die Energiepolitik im Mantel.

Das heißt, die Regionalredakteure sind Mitarbeiter, die ausschließlich Fachredakteure sind und die auch selbstständig produzieren und nicht nur Anweisungen an die Lokalredakteure geben?

Nein, das sind Redakteure, die ihre Fachgebiete vor Ort bearbeiten, sehr nahe am Thema und in der Region sind, letztlich sich aber auf ihrer Ebene mit den Fachredaktionen im Mantel koordinieren.

Sie sagen, der Regionalredakteur soll nicht zum Lokaljournalisten werden, lokal arbeiten, sich im Mantel wieder finden. Der Mantel ist also die „Richtung“ in die der Regionalredakteur arbeitet – oder gibt es keine konkrete Zielrichtung?

Der Regionalredakteur findet sich überall dort in der Zeitung wieder, wo spezielle Themen auch regional von Interesse sind. Ich will es noch mal an einem Beispiel verdeutlichen: Hätten wir die Kulturredakteurin nicht in der Lausitz – seit zehn Jahren macht sie das jetzt – dann hätten wir in Dresden viel weniger von der sehr ausgeprägten Theaterszenerie in der Lausitz mitbekommen. Wir hätten in der Zeit der Görlitzer Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt wesentlich größere Probleme gehabt, uns dem Thema von Dresden aus zu nähern. Und wir hätten auch von vielen interessanten Nebendingen aus dieser Kulturszene nichts mitbekommen. Das schließt aber nicht aus, dass ein Regionalredakteur nicht auch mal einen Beitrag liefert, der nur im Landkreis Löbau-Zittau interessant ist. Dann erscheint er eben nur dort.

Der zweite Fragenkomplex betrifft das Personalmanagement

- Welche Anforderungen muss ein Regionalredakteur in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?

Er muss nachweisen, dass er sehr selbstständig arbeiten kann, dass seine Kreativität sehr stark davon geprägt ist, dass er Themen aufnimmt und erschnüffelt.

Also in noch stärkeren Maße als ein Lokalredakteur?

Ein Lokalredakteur hat eine ganze Redaktion hinter sich und kann auf Pressemitteilungen der Bürgermeister oder des Landrates bauen. Das kann der Regionalredakteur selten. Der muss sehr selbstständig sein im Finden von Themen und im Abwägen, welche Interessenebenen seine Themen berühren. Er muss zudem „vom Fach“ sein. Und er muss seine Lehrzeit – mindestens seine Lehrzeit – im Lokalen gearbeitet haben. Die Stellen werden normal ausgeschrieben, aber natürlich wird derjenige, der nachweisen kann, dass er in einer bestimmten Beziehung zu der Region steht, möglicherweise größere Chancen haben.

- Wie werden die Regionalredakteure weitergebildet?

Die nehmen in der Regel an den Beratungen der Fachredaktion teil.

Gibt es aber auch externe Weiterbildungen?

Es gibt schon den Wunsch, auch externe Angebote zu nutzen, beim DJV oder an einer Journalistenschule. Das kommt aber nicht allzu oft vor, weil die Regionalredakteure natürlich auch Träger, Lobbyisten ihres Themas sind. Da verabschiedet man sich möglicherweise nicht so gern in einen mehrwöchigen Lehrgang. Wir bieten dennoch bestimmte Lehrgänge an, auch zu ganz normalen handwerklichen Dingen.

- Welche Anforderungen muss der Leiter einer Regionalredaktion in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt?

Er muss auch Geschäftsführer sein können.

Das heißt, er muss Betriebswirtschaft studiert haben?

Nein, aber er muss in der Lage sein, sich in betriebswirtschaftliche Aufgaben hineinzudenken.

Merken Sie das dann erst später, wenn er das dann nicht tut?

Wir waren bisher nicht in der Situation, eine derartige Stelle ausschreiben zu müssen. Wir haben aus unserer Redaktion diejenigen ausgewählt, die sich über Jahre schon damit beschäftigt haben. Das sind Leute, die im lokalen Bereich eine besonders starke Rolle gespielt haben oder die über andere Wege in diese lokal-regionale Arbeit gekommen sind beziehungsweise sich im Mantel damit beschäftigt haben. Betont sei: Die Regionalchefs sind nicht die ökonomischen Geschäftsführer.

- Werden dann die Leiter Ihrer Regionalredaktionen in Managementaufgaben systematisch weitergebildet? Begründen Sie Ihre Antwort kurz!

Das hat es zu Anfang für alle Regionalchefs gegeben: spezielle Angebote für Unternehmensstarter, Geschäftsführerstarter und ähnliche Dinge.

Waren diese Weiterbildungen vor allem der rechtlichen Eigenständigkeit der Regionalredaktionen geschuldet oder hätte es die auch ohne die Ausgliederung gegeben?

Hätte es diese Weiterbildung nicht gegeben, hätten wir meiner Meinung nach etwas versäumt. Die Regionalchefs sind ja diejenigen, die in der Region auch zusätzliche Produkte, u.a. Bücher verantworten. Der muss auch in der Lage sein – und das ist ein normaler Redakteur aus seiner Ausbildung heraus natürlich nicht – betriebswirtschaftliche Betrachtungen anzustellen. Die Ausgliederung macht die Regionalchefs selbständiger in ihrer Entscheidung. Insofern hat sich die Weiterbildung gelohnt ­aber: Sie hätte sich auch ohne Ausgliederung gelohnt.

- Generell gefragt: Wer entscheidet in Ihrem Haus über die Weiterbildung von Mitarbeitern?

Das entscheidet die Chefredaktion. Denn wir bezahlen das ja alles.

- Woher stammen die Mitglieder der Regionalredaktion im Wesentlichen? Welche Gründe sehen Sie dafür?

Ursprünglich kamen sie alle aus dem Mantel oder den Lokalredaktionen. Die Lausitz-Kulturredakteurin war vorher Lokalredakteurin in Weißwasser und stark an kulturellen Entwicklungen interessiert. Sie hatte auch ein Volontariat bei uns absolviert und da auch einen Großteil ihrer Zeit im Mantel in der Kulturredaktion. Das vollzog sich ähnlich bei anderen Redakteuren. Wenn es im Laufe der Zeit zu Fluktuation kommt, muss die Stellen dann auch ausgeschrieben werden.

Wurden die Stellen auch extern besetzt?

Ich sagte schon: In der Phase der Gründung nicht. Da haben wir das aus dem eigenen Pool gemacht, denn der sollte und dufte nicht mehr werden.

Ging die ursprüngliche Besetzung zu Lasten der jeweiligen Stammredaktionen?

Es war, wenn man so will, eine Umverteilung. In einigen Fällen mussten wir wieder ausgleichen. Vor allem waren Mantelredaktionen betroffen.

Ging die Anstellung in der Regionalredaktion einher mit einer Beförderung, Gehaltserhöhung?

Nein.

- Welche personelle Kompetenz besitzt der Regionalleiter? Gemeint ist hier, wie eigenständig kann er Mitarbeiter einstellen, Mitarbeiter versetzen und entlassen?

Der Regionalleiter wird immer gut beraten sein, wenn er eine Einstellung oder Entlassung mit dem Chefredakteur bespricht.

Ist das eine Muss- oder eine Kann-Bestimmung?

Es wird kein Lokalchef ohne die Zustimmung des Chefredakteurs erfolgen.

Das heißt, er präsentiert Ihnen dann seinen Vorschlag?

So kann man das verstehen.

Inwieweit haben Sie dann noch rechtliche Sanktionsmöglichkeiten?

Der Chefredakteur hat klar umrissene Aufgaben und Rechte, wenn es um die personelle Zusammensetzung der gesamten Redaktion geht.

Wie funktioniert das denn konkret. Gibt es dann Beschlüsse der Gesellschafterversammlung oder ist das Einsehen des Regionalchefs einfach so groß?

Das ist reine Theorie, die Praxis ist wie bisher auch, dass wir in ständigem Gedankenaustausch über die Personalentwicklung stehen und daraus sich auch die notwendigen Entscheidungen ergeben. Erst danach werden entsprechende Beschlüsse etwa in der Gesellschafterversammlung herbeigeführt.

- Mitarbeiter kommen und gehen. Ist dies Ihrer Ansicht nach, in den Regionalredaktionen öfter der Fall als in anderen Redaktionen?

Es hat in den letzten Jahren in allen Lokalredaktionen – mag Zufall sein – durchaus Fluktuationen gegeben, die auch dazu genutzt wurden, die Qualitätsfragen zu beeinflussen. Die Fluktuation in den Regionalredaktionen ist prozentual gesehen größer, weil die Mitarbeiter jünger sind und wir zudem ein Stück weit bei den Strukturen experimentieren mussten. Da muss man damit rechnen, dass sich Kolleginnen und Kollegen auch einmal neu orientieren wollen. Nichts ist schlimmer im Journalismus als das Kleben am Stuhl.

Inwiefern bekommt man da aber nicht Probleme, wenn der Posten des Regionalredakteurs doch stark an die Person des Redakteurs gebunden ist – also ein Redakteur, der sich fachlich und auch regional auskennt?

Bislang haben wir keine signifikanten Probleme feststellen müssen. Wir haben hervorragend ausgebildete und von uns noch ein wenig geschliffene Volontäre. Denen bieten wir natürlich auch zuerst bestimmte Jobs an. Und wenn man solche Leute hat, dann geht man auch kein großes Risiko ein.

Fragekomplex Nummer drei beschäftigt sich mit dem Kostenmanagement.

- Wie ist die Finanzierung der Regionalredaktion und der ihr unterstehenden Lokalredaktion gestaltet, welche Etats, Kostenstellen, etc. gibt es?

Natürlich gibt es eigene Etats. Die speisen sich aus entsprechenden Dienstleistungsverträgen mit dem Gesamthaus. Diese Verträge sind auf der Basis der Kosten geschlossen worden, die die Herstellung einer bestimmten Zahl von Lokalteilen verursachen – Spar- und auch gewisse Wachstumsfaktoren eingeschlossen. Hinzu kommen noch Material-, Honorar- und Reisekosten, Daraus ergibt sich eine Art Gesamtbetrag – das ist dann der Preis, für den wir diese Lokalteile den Regionalverlagen „abkaufen“. Deren Umsatz erweitert sich noch um Erlöse aus Zusatzgeschäften und um Provisionen aus zusätzlichen Anzeigengeschäften.

Der Gesamtbetrag - wird der jedes Jahr neu aufgedröselt oder fortgeschrieben?

Die Etats der Regionalverlage werden, Kostensteigerungen berücksichtigt grundsätzlich fortgeschrieben, wobei wir noch immer dabei sind, die Strukturen an einigen Punkten zu optimieren. Das bringt es dann natürlich mit sich, an einzelnen Stellen auch grundsätzlich neu zu verhandeln. Der Etat wird aller drei Jahre grundsätzlich neu verhandelt, zudem aber jährlich überprüft.

Und der Gesamtbetrag reicht für die Regionalredaktion und die Lokalredaktionen aus?

Der ist so berechnet, dass alle Kosten gedeckt werden. In dem Augenblick, in dem wir aus dem Mantel Arbeitsplätze in die Regionalverlage verlagern, muss das natürlich auch durch Kostenerstattung gesichert sein. Gewinne vor Ort entstehen, siehe oben, durch zusätzliche Umsätze und selbstredend durch Kostensenkungen. Die zusätzlichen Einnahmen kommen übrigens nur zu einem geringen Teil aus dem Anzeigenumsatz. Das haben wir so gewollt, denn im Negativfall könnte es ja sein, dass Einnahmeverluste durch Anzeigen entstehen, weil Kunden mit redaktionellen Dingen nicht einverstanden sind. Das war stets auch eine Befürchtung der Gewerkschaften, die befürchteten, durch die Ausgliederung werde der Gefälligkeitsjournalismus gefördert. Nein, wenn eine Kreissparkasse Anzeigen storniert, weil sie von der Lokalredaktion kritisiert worden ist, dann geht das nicht zu Lasten der Gesellschaft. Die Zusatzproduktionen ­ etwa Bücher, wie zum Beispiel zur Geschichte der Husaren in Großenhain oder zum Fußball in Riesa ­ sind mittlerweile durchaus ein Umsatzfaktor geworden.

Welche Budgetkompetenzen haben Sie noch gegenüber den Regionalchefs, welche Berechtigungen haben Sie noch, da einzugreifen?

Der Gesellschafter (und damit der Chefredakteur) legt die Budgets fest und wird sie dann auch entsprechend kontrollieren.

Sie interessiert also nicht mehr, was da wem gezahlt wird und was für die Seiten ausgegeben wird?

Vor Ort wird gewirtschaftet, das war übrigens schon immer so. Letzteres ist deren Bier. Die Gehälter gucken wir uns aber schon an. Schon um gewisse Auszeichnungen und Gerechtigkeiten herzustellen. Aber das ist eher informell.

Gibt es noch zentrale Kostenstellen?

Es gibt noch zentrale Kostenstellen, die liegen dann bei mir. Über Reiseetats verfügen alle Ressorts und Regionalverlage, die sie nutzen, wenn es um Aufwendungen für Reisen geht, die im unmittelbaren Interesse des jeweiligen "Faches" liegen. Beim Chefredakteur gibt es einen Reserveetat, der genutzt wird, wenn Reisen anstehen, die im genannten Sinne nicht eingrenzbar oder wenn Kolleginnen oder Kollegen der Regionalverlage unterwegs sind, um Themen für den Mantel zu bearbeiten.

- Welche Budget-Kompetenz hat der Regionalchef gegenüber seinen Lokalchefs?

Der Regionalchef ist Geschäftsführer. Daraus ergibt sich seine Kompetenz

Das heißt, er entscheidet, wer, was, wann und wie verwendet?

Ich denke nicht, dass er das im Einzelfall entscheidet. Denn das wäre eine Überforderung, da gibt es Delegierungen an den Lokalchef. Der muß seinen Honoraretat, seinen Reiseetat im Griff behalten. Er muss vor Ort entscheiden, wofür er was ausgibt.

Was letztlich vom Gesamtbudget übrig bleibt, was der Regionalchef nicht ausgibt, ist dann sein Gewinn, das kann er behalten?

Es ist der Gewinn des Unternehmens, die Gesellschafter entscheiden über dessen Verwendung.

Das fließt also in keiner Weise zurück?

Kaum.

Und das Budget würde dann auch nicht um den Betrag gekürzt werden, wenn er kräftig einspart?

Die Regionalchefs arbeiten sehr sparsam, weil sie natürlich auch selbst daran interessiert sind, denn sie bekommen Tantieme – so wie jeder andere auch, der Personalverantwortung trägt. Und natürlich wollen die Regionalchefs auch für ihre Mitarbeiter einen Spielraum haben, um besondere Leistungen zu würdigen. Eine Gewinnbeteiligung gibt es leider noch nicht, das ist ein sehr schwieriges steuerrechtliches Problem.

- Generell gefragt: Machen Sie in Bezug auf die Lokalausgaben und regionalen Seiten seit Einführung der Regionalredaktionen mehr Seiten für weniger Geld – sind sie also effizienter geworden? Oder werden die zur Verfügung stehen Mittel wirksamer – also effektiver – eingesetzt? Begründen Sie Ihre Antwort!

Es werden im gesamten mehr Seiten gemacht, an denen auch die gesamte Redaktion beteiligt ist. Allein deshalb, weil wir unsere Fähigkeit verbessert haben, aus der Vielzahl von Angeboten – lokal, regional, zentral – noch einmal spezielle Seiten zusammenzustellen. Es vergeht kein Tag, an dem in Döbeln und in der Lausitz nicht eine andere Sachsenseite stünde, auf der wir Material verwenden, das speziell nur in dieser Gegend von Interesse ist. Kurzum: Wir setzen die Mittel effektiver ein.

Klar ist zudem: Wenn wir mehr Seiten machen, während die Stellenzahl in der Gesamtredaktion nicht wächst, dann werden Gelder effektiver eingesetzt. Nur müssen wir zugleich sehen: Die Kosten insgesamt steigen - Papier liegt derzeit rund sechs Prozent über Vorjahr. Der Vertrieb verteuert sich durch höhere Spritpreise, Energie ist wesentlich teurer geworden.

- Wie viele Seiten stehen Ihren Lokalausgaben netto am Tag zur Verfügung? Welche Kriterien spielen da in welchem Maße eine Rolle (Anzeigenaufkommen, Drucktechnik)?

Der normale vereinbarte Umfang des Lokalteils beträgt netto vier Seiten. Dazu kommen Spezialseiten für ihre Region, z.B. zwei Mal pro Woche eine regionale Kulturseite, vier Mal eine Lokal-/Regionalsportseite, dazu noch eine regionale Wirtschaftsseite – das sind die festen Größen. In der Lausitz kommen weitere Seiten hinzu: Lausitzer Leben, eigene Programm- und Ankündigungsseiten, (Lausitzer Kulturkalender, eine eigene Szene-Seite) , und Nachbarland-Seiten aus Tschechien und Polen. Am Tag kommen wir so auf durchschnittlich sechs bis acht spezielle Seiten.

- Inwieweit ist das abhängig von Anzeigenaufkommen und Druckabläufen?

Abhängig ist das von einer Grundsatzentscheidung. Ein Lokalteil außerhalb Dresdens hat circa vier Seiten netto – also ohne Anzeigen. Und dann hat er noch diese und jene Seite, die im Lokalteil steht oder im Mantel gewechselt wird. Übersteigt das Anzeigenaufkommen die vereinbarte Größe, muss das Blatt erweitert werden.

Der vierte Bereich umfasst nun Fragen zum Kommunikationsmanagement.

- Was schätzen Sie: Ist seit der Einführung der Regionalredaktionen mehr oder weniger Koordination und damit auch Kommunikation notwenig oder ist das in etwa gleich geblieben?

Das ist aus der Sicht der Chefredaktion mehr geworden.

Woran ist das zu erkennen, wo findet die Kommunikation statt?

Die findet vormittags statt, indem sich ein Kollege der Chefredaktion, der die Arbeit im Lokalen zu koordinieren hat, eine Konferenzschaltung leitet, an der jede Regionalredaktion teilnimmt – in Abstimmung mit den Lokalredaktionen. Der Regionalchef bündelt die Themen. Nach dieser Konferenz beginnt dann zwölf Uhr die Mittagskonferenz, wo der gesamte Mantelteil und der Dresdenteil detailliert durchgeplant werden. In diese Planung gehen spezielle Angebote aus den Regionen mit ein. Später gibt es dann noch Einzelkoordinationen, die der Chefdienst bei Bedarf vornimmt.

Themenfindung, zeitliche, inhaltliche Aspekte - was sind denn die wesentlichen Inhalte der Kommunikation?

Themen und die Frage, wo sie von besonderem Interesse sind oder ob sie regional angepasst werden müssen .

Inwieweit spielen Verwaltungsaspekte – finanzielle Aspekte, Urlaubspläne, etc. – bei der Kommunikation eine Rolle?

Die spielen eine ­ wenngleich untergeordnete ­ Rolle.

Inwieweit spielt die Blattkritik, die Qualitätssicherung allgemein eine Rolle?

Die Blattkritik findet der Mittagssitzung statt, und die hat natürlich auch Einfluss auf bestimmte Entscheidungen. Die Lokalteile werden in der Chefredaktion täglich kritisch analysiert.

- Rundmail, Mitarbeiterzeitschrift oder Mund-Propaganda: Wie informieren Sie Ihre Mitarbeiter in der Regel über Informationen / Entscheidungen der Chefredaktion? Welche Informationen werden weitergeben?

Die Lokal- und Regionalchefs bekommen täglich eine Mail – über Inhalte, die wir kurzfristig oder längerfristig planen. Allgemein interessierende Anregungen und Informationen werden ähnlich transportiert ­oder per Intranet. Bei besonderen Anlässen schreibt der Chefredakteur Rundmails. Die Lokalchefs treffen sich zudem monatlich zur Beratung.

Teilbereich Nummer fünf umfasst Fragen zum redaktionellen Marketing.

- Was verstehen Sie unter „journalistischer Qualität“?

Wir sprechen schon die ganze Zeit davon. Noch einmal zusammen gefasst: Abgesehen von den elementaren handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ein Journalist hat oder nicht , sind das vor allem Themenauswahl, Exklusivität im Land und im Regionalen, die Fähigkeit, Leser zu packen und zu halten ­ weil wir in der Lage sind, ihnen Zusammenhänge zu erläutern und Hintergründe anzubieten. Das ist für mich Qualität, alles andere ist akademische Auseinandersetzung.

- Informieren, Kritik üben, belehren - was ist Ihrer Ansicht nach das vorrangige Ziel einer Zeitung?

Gekauft und gelesen zu werden. Für mich ist das Wesentliche, tatsächlich angenommen zu werden. Die Predigt muss schon mal gehört werden, bevor man damit Wirkung erzielt. Wichtig ist für mich, dass wir in der Lage sind, aus der Informationsfülle die Themen auszuwählen, zu forcieren, als Schwerpunkt zu bringen, die bei denen die Leute Fragen haben und wo elementar das Bedürfnis besteht, mehr wissen zu wollen. Das bezieht sich sowohl auf das berühmte „Herunterbrechen“ von überregionalen Themen auf die Regionalität oder Lokalität. Und das bezieht sich auf bestimmte Themenfelder.

- Wie wichtig sind Ihnen generell Informationen über Ihre Leser?

Wenn ich ein Produkt verkaufe, muss ich natürlich wissen, an wen ich das verkaufen kann. Halte ich also für sehr wichtig.

- Welche Informationen sind Ihnen da vor allem wichtig?

Das sind Lesermeinungen, das sind die Leserbefragungen, die wir von Zeit zu Zeit zielgerichtet machen oder wo wir uns anhängen. Oder wo wir durch bestimmte Filter Informationen gewinnen. Dann sind es auch die Leserbriefe, die sind für uns ziemlich wichtig. Wir haben ja jede Woche so ein Leserthema – eine Art Forum – da bekommt man sehr viel mit, was Stimmungen und Meinungen angeht. Quellen sind für mich aber auch die großen Analysen, die Media Analyse z.B. aus denen aus großflächiger Sicht auf bestimmte Interessenstrukturen zu erkennen sind. Da ist zum Beispiel festgestellt worden, dass 70 Prozent der Leserschaft außerhalb Dresdens einen Garten hat. Also beschlossen wir, eine wöchentliche Gartenseite zu gründen, die es eigenartiger Weise nie gab.

- Welche Themen interessieren die Leser Ihrer Zeitung Ihrer Ansicht nach am meisten? Begründen Sie Ihre Einschätzung?

Unsere Leser sind nach wie vor stark politisch interessiert, vor allen Dingen innenpolitisch und da vor allem, wenn Probleme unmittelbar ins Alltagsleben eingreifen.­ also alles, was die deutsche Politik derzeit im besonderen Maße beschäftigt, ­Themen sozialpolitischer Natur, Bildung und Erziehung, Gesundheitsreform.

- Worauf stützen Sie Ihre Vermutung?

Auf die Leserreaktionen, auf Umfragen., auf wissenschaftliche Untersuchungen, die allerdings oft nicht den kurzen Reaktionszeiten entsprechen, denen wir unterliegen. Ich denke, dass die Leser an den genannten Themen generell sehr interessiert sind, weil sie für sich selber höchst praktisch Folgen und von uns Schlussfolgerung und Lebenshilfe erwarten.

- Welchen Einfluss haben die Informationen über den Leser auf die die Struktur und die konkrete Arbeit der Redaktion? Begründen Sie bitte Ihre Antwort!

Das ist ein langfristiger Prozess gegenseitiger Beeinflussung. Es gibt aktuelle Vorgänge, die und veranlassen, kurzfristig Arbeitsgruppen zu bilden, die sich auf entsprechende Thematiken konzentrieren, es gibt täglich Vorgänge, denen wir Themenseiten widmen oder zumindest größere Teile von Seiten ­ und an denen mehrere Ressorts oder Regionalredaktionen beteiligt sind, um mehr zu bieten als die Sprechblasen und Kurzinformationen in elektronischen Medien. Andererseits entwickelt man eine Technik des Nachfragens: Was regt den Leser gerade auf?

Das heißt, die Themen, die einen selber interessieren und die aus Leserbriefen stammen, die setzt man dann eher um?

Zumindest denkt man nach, wie man sie umsetzen kann.

- Was unternehmen Sie, um die Bindung des Lesers an Ihre Zeitung zu stärken?

Eine Vielzahl von Dingen im Bereich der Dienstleistungen und des Marketing. Wir treten regelmäßig als Veranstalter von Events auf. Wir laden Leser zu allen möglichen Dingen in ihrer Region ein. Wir haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von Möglichkeiten entwickelt, wo Leser sich ganz gezielt an uns wenden können: Leserseminare, Leserforen. Wir starten übers Jahr rund 20 SZ-Aktionen, etwa den Rastelli-Wettbewerb vor der Fußball-WM, an dem mehr als tausend Fußballkinder teilgenommen haben Oder die Aktion JobSZ, mit der wir Jugendlichen helfen, eine Lehrstelle zu finden. Oder das Fahrradfest der SZ... Wir bieten Dienstleistungen an wie das Online-Archiv, den Ticket-Service, die SZ-Leserreisen. Damit hoffen wir, dem Leser klar zu machen, dass er unser Blatt braucht, um nichts zu verpassen.

- Wie beobachten Sie die Konkurrenz?

Ich sehe mir an, was die forcieren, was nicht, was die haben und wir nicht.

Kommen wir nun zu den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt bestehen.

- Gibt es einen bestimmten Anteil von regionalen Beiträgen, der von den Regionalredaktionen verpflichtend in den Lokalausgaben oder im Mantel platziert werden muss? Bitte begründen Sie Ihre Antwort kurz!

Das hängt ganz von der aktuellen Entwicklung ab. Grundsätzlich ist es aber so, dass die Titelseite von regionalisierten Themenansätzen geprägt ist. Allerdings schließt das nicht aus, große aktuelle Themen auf der Seite 1 zu behandeln ohne zu regionalisieren. Im Übrigen hat sich nach der Neuordnung der Redaktionsstruktur eindeutig der Drang der Kollegen der Regional-, ja selbst der Lokalredaktionen verstärkt, auch Beiträge für den Mantel zu produzieren.

- Steht Ihrem Gefühl nach mehr Regionales im Mantel oder im Lokalteil?

Das hat nichts mit Gefühl zu tun. Der Grundsatz ist schon beschrieben.

- Gibt es eigene redaktionelle Elemente, die in Verantwortung der Regionalredaktion liegen?

Natürlich, jede Menge, ich glaube, sie hinreichend beschrieben zu haben.

Kommen wir nun zum letzten Teilbereich: dem Qualitätsmanagement

- Wird in Ihrer Zeitung ein spezielles Qualitätsmanagementkonzept angewandt?

Wir haben wie gesagt, mit Hilfe der Kollegen von der Universität Leipzig eine Umfassende Qualitätsanalyse der Lokalteile vorgenommen, daraus detaillierte Schlussfolgerungen gezogen, vor Ort ausgewertet – und werden die Nachhaltigkeit dessen systematisch überprüfen. Außerdem haben gibt es eine tägliche Blattkritik.

- Welche Defizite / Probleme sind bei der Einführung der Regionalredaktion eingetreten und wie versucht man sie zu beheben.

Bitte konkreter.

Unter Problemen wäre etwa zu verstehen, dass man etwa bei der Auswahl des Geschäftsführers nicht so genau hingeschaut hat und dann korrigierend eingreifen musste….

Wir haben in einem Fall korrigierend eingegriffen.

… oder dass Kommunikations- und Koordinierungsprozesse in der täglichen Blattmache nicht so gelaufen sind wie sie hätten laufen sollen.

Die haben wir optimiert, da wir früh nicht mehr mit 20 Lokalchefs an einem Telefon diskutieren.

…oder dass man mit den Budgets für die Regionalredaktionen nicht hingekommen ist.

Wenn das im Einzelnen so war, dann haben wir das korrigiert.

- Wird das Konzept in inhaltlichen und finanziellen Aspekten kontrolliert, wenn ja, wer kontrolliert wann wen mit welcher Konsequenz und nach welchen Kriterien? Machen Sie das oder gibt es eine Art Stabsstelle?

Wir haben keine Bürokratie nach der Art von Stabsstellen. Kontrolliert wird in erster Linie durch den Leser: Der ist zufrieden oder unzufrieden mit dem Blatt und sagt das auch. Die lokale Arbeit wird durch einen stellvertretenden Chefredakteur, kontinuierlich verfolgt und koordiniert -­ das ist nicht neu. Neu sind sicher einige Maßnahmen, die wie beschrieben für eine nachhaltige Qualitätsverbesserung sorgen. Auf verlegerischer Seite wird mit vergleichbarem Aufwand die Regional- und Lokalarbeit begleitet.

Die inhaltliche Kontrolle – wer übernimmt das, wer greift wann zum Hörer?

Neben der täglichen Auswertung gibt es eine monatliche Auswertung einzelner Redaktionen.

- Denken Sie, dass in Bezug auf die Regional- und Lokalberichterstattung in Ihrem Haus gemessen an den vorhandenen Ressourcen das optimale Produkt gemacht wird? Begründen Sie Ihre Einschätzung!

Ja, wobei wir sicher immer neu schwache Stellen entdecken werden. – sowohl in der Lokalisierung wie auch im regionalen Herangehen. Was die Änderung des Charakters des Blattes als Regionalzeitung – im wahrsten Sinne des Wortes – angeht, sind wir an einem Punkt, den ich als optimal ansehe.

- Wie sieht die Struktur der Redaktionskonferenzen aus – welche Konferenzen gibt es neben der Mittagskonferenz?

Die Antwort habe ich schon oben gegeben.

Welche Aspekte fallen Ihnen noch ein, die für die Untersuchung der Regionalredaktion(en) in Ihrem Haus von Bedeutung sind?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Autorisiertes Interview mit Ulf Mallek, Leiter der Elbland-Redaktion der Sächsischen Zeitung, geführt am 18.05.2006, in den Räumen der Sächsischen Zeitung, Dresden.

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Regionalchefs

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich

- Wie viele redaktionelle Mitarbeiter sind in Ihrer Redaktion beschäftigt?
Wir sind in der Regionalredaktion vier Mitarbeiter, die direkt für die Regionalredaktion arbeiten. Wir haben einen Kulturredakteur, einen Wirtschaftsredakteur, einen „Politikredakteur“, also einen „Redakteur für alle Fälle“ und einen Regionalchef. Zudem haben wir einen Producer-Pool, der aus vier Mitarbeitern besteht. Der ist zwar der Regionalredaktion zugeordnet, arbeitet aber vor allem für die Lokalredaktionen. Der Regionalredaktion unterstellt sind zudem zwei Mitarbeiter, die den Regionalsport betreuen.
- In welchen Arbeitsverhältnissen sind die redaktionellen Mitarbeiter beschäftigt – wie viele Mitarbeiter sind fest angestellt, wie viele arbeiten für eine Pauschale, gibt es Mitarbeiter, die gelegentlich für Ihr Blatt schreiben, etwa Mitglieder aus Vereinen oder auf Zeile schreibende Mitarbeiter?

Das ist im Moment gemischt. Den Planstellen nach arbeiten in der Elbland-Redaktion zwei Redakteure und ein festfreier Mitarbeiter. Im Moment ist der Kulturredakteur im Erziehungsurlaub, so dass wir diese Stelle mit einer freien Mitarbeiterin besetzt haben.

Wo sind die Mitarbeiter denn angestellt – im Mutterhaus, in einer Lokalredaktion?

Die festfreien Mitarbeiter sind gar nicht angestellt, die haben nur einen Pauschalvertrag mit der RuV Elbland, also der Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland. Die Redakteure sind ebenfalls hier angestellt, nicht im Mutterhaus.

Die Pauschalverträge sind das Pauschalen, die sich auf den Monat beziehen oder auf den Tag beziehen?

In diesem Fall sind das Tagespauschalen, die sind aber sehr unterschiedlich gestaltet.

- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?

Das ist im Moment eine sehr gesunde wirtschaftliche Situation. Es gab nach dem Jahr 2000 eine Krise im Anzeigengeschäft. Nach dem Platzen der Blase im Neuen Markt erlebte Deutschland gesamt einen wirtschaftlichen Abschwung, gerade im Medienbereich. Und das hat sich auch auf die Sächsische Zeitung durchgeschlagen. Dennoch ist es dem Haus gelungen, durch eine differenzierte Führung des Unternehmens darauf zu reagieren. Es wurden Veränderungen vorgenommen, auch in der Struktur des Hauses. Dazu gehörten auch die Ausgründungen.

Spiegelt sich die Situation der Zeitung auch in der der Regionalredaktion, also de „Elbland- GmbH“ wieder?

Wir haben ein positives wirtschaftliches Ergebnis erwirtschaftet, bleiben prozentual aber hinter dem Ergebnis des Gesamthauses zurück. Das hat verschiedene Ursachen, unter anderem haben wir auf dem Lande nicht solche lukrativen Märkte wie in Dresden.

- Wie würden Sie die derzeitige Wettbewerbssituation beschreiben, in der sich Ihre Redaktion befindet? Das heißt, welche Konkurrenten gibt es auf dem Leser- und dem Anzeigenmarkt?

Wir sind schon in einer Wettbewerbssituation. Die ist sicherlich nicht so hart wie in Dresden, wo wir mit DNN und BILD harte Wettbewerber haben. Das schlägt auf dem Lande nicht ganz so durch. Dennoch gibt es eine Reihe von Anzeigenblättern, die auch wirtschaftlich auf dem Markt agieren und uns den immer kleiner werdenden Anzeigenkuchen streitig machen. Das ist in erster Linie der Wochenkurier, aber auch der Sächsische Bote. Lange Jahre hatten wir mit dem Meißner Tageblatt Konkurrenz. Das war jetzt die Konkurrenz für den Meißner Raum. Es gibt auch Anzeigenblätter im Riesaer Raum, in Großenhain und vor allem auch in Radebeul.

Wie sieht es auf dem Lesermarkt aus?

Auf dem Lesermarkt haben wir nicht so sehr das Problem, dass Leser zu Konkurrenten gehen. Das würde sich auch auf die DNN als zweite große Kaufzeitung beschränken. Das spielt zwar in Radebeul eine Rolle, dort ist die DNN präsent, die DNN bringt dort eine extra Radebeul-Seite. In Großenhain, Riesa und Meißen ist das jedoch weniger der Fall. Dort haben wir eher das Problem, dass allgemein die Leser schwinden. Das ist ein gesamtdeutsches Phänomen: Die Tageszeitungen verlieren jedes Jahr effektiv an Lesern und Abonnenten. Die gehen zu keiner anderen Zeitung, sondern sind einfach weg. Das liegt zum einen daran, dass die Menschen eben sterben und weniger Leute nachwachsen. Zum anderen liegt es daran, dass wir in Sachsen einen Bevölkerungsschwund haben. Es ziehen mehr Leute weg als herziehen. Aber auch das muss man differenziert sehen. In Radebeul oder in Klipphausen haben wir auch wieder einen Zuzug. Aber im Saldo verlieren wir dadurch Leser. Zudem gibt es das allgemeine Phänomen der Lesemüdigkeit, die Frage der Konkurrenz durch Internet und Neue Medien, die gerade die jungen Leute anziehen. Junge Leute abonnieren gewöhnlich keine Tageszeitung. Die müssen über 30 sein und Familie haben, bevor sie an so etwas denken.

- Wenn wir die redaktionelle Organisation Ihrer Redaktion betrachten, wie ist Ihre Redaktion da aufgebaut? Gemeint sind die Lokal- und Regionalredaktionen.

Wir haben in der GmbH drei Geschäftsführer. Zwei Geschäftsführer sind verantwortlich für den wirtschaftlichen Teil und befassen sich mit Anzeigenverkauf, Vertrieb, etc. Das teilt sich zudem in zwei Gebiete: das Gebiet Meißen-Radebeul und Riesa-Großenhain. Ich bin der dritte Geschäftsführer und zuständig für die Redaktion. Wir haben vier Lokalredaktionen, in Riesa, Meißen, Radebeul und Großenhain. Diese haben wieder Lokalchefs, die mir direkt unterstellt sind. Und letztlich gibt es die Elbland-Redaktion als Regionalredaktion. Es gibt den Producer-Pool, der nominal zur Elbland-Redaktion dazugehört, aber eigentlich Sonderfunktionen hat und wir haben eine kleine Sportredaktion, die aus zwei festfreien Mitarbeitern besteht, die für alle Lokalredaktionen den Sportteil produzieren.

Welche Vorteile sehen Sie in der Struktur, welche Nachteile?

Früher gab es nur Lokalredaktionen. Die unterstanden einem stellvertretenden Chefredakteur und wurden zentral geführt. 2002 haben wir Regionalredaktionen eingeführt, da sich in Sachsen Regionen herausbildeten. Vor allem in meiner Region, dem Elbland, wo die Kreise Riesa-Großenhain und Meißen-Radebeul zusammenwachsen. Den Vorteil sehen wir darin, dass durch eine engere Zusammenarbeit der Lokalredaktionen Synergien geschaffen werden können. Man macht eine Aufmachung und zieht diese durch alle vier Lokalteile - aber lokalisiert sie etwas in den einzelnen Lokalausgaben. Das spart Kraft. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir eine Regionalredaktion neu geschaffen haben, die auch positiv auf die Lokalredaktionen wirkt, diese unterstützt und ihr auch die Arbeit abnimmt, im Mantel präsent zu sein. Diese Präsenz im Mantel ist sehr wichtig für die Region. Die Leser registrieren schon, ob ein Text im Lokalteil oder vorne steht. Diesbezüglich haben wir seit 2002 einen deutlichen Qualitätssprung gemacht. Wir haben den lokalen Sportteil zentralisiert - früher war der Teil des Lokalteils. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Sportfreunde es gut finden, wenn man den lokalen Sport in den Mantelsport integriert. Wir treffen so den an Sport interessierten Rezipienten zielgenauer als vorher. Und die nicht an Sport interessierten haben trotzdem noch die Möglichkeit, einen großen Lokalteil zu lesen. Immerhin: Die Mehrheit liest nun den Lokalsport nicht. Nachteile sehe ich in der Struktur aktuell überhaupt keine.

Wie wäre es mit mangelnder Aktualität, geringere Themenvielfalt?

Warum sollte die Struktur da nachteilig wirken? Im Gegenteil: das ist sogar von Vorteil, denn wir fördern damit den geistigen Austausch. Früher waren die Lokalredaktionen auf sich gestellt und haben vielleicht noch mal mit ihrem Pendant – also Riesa mit Großenhain, Meißen mit Radebeul – gearbeitet. Aber nur wenn sie sich verstanden haben. Und jetzt ist das so organisiert, dass dieser Austausch erfolgen muss. Auch wenn sie sich nicht verstehen sollten, müssen sie miteinander klar kommen. Und durch den Producer-Pool, der die Seiten für die Lokalredaktionen layoutet, sind die Lokalredaktionen von grafischer und Routinearbeit entlastet.

Der Producer-Pool – gibt es den schon seit 2002, also seit Anfang der Regionalredaktion?

Der Producer-Pool ist erst in Etappen eingeführt worden. Sowohl Producer-Pool als auch Sportredaktion gab es 2002 noch nicht.

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität? Was macht eine gute regionale Berichterstattung aus?

Eine gute regionale Berichterstattung sollte zunächst einmal aus der einzelnen Region stammen. Dabei ist es gar nicht einfach, in der Region etwas zu finden, wenn nichts los ist. Man muss jeden Tag neu überlegen, was den Leser aus der Region, aber auch den Leser außerhalb der Region an Themen aus meiner Region interessieren könnte. Da gehen die Ansichten weit auseinander und wir haben uns damit am Anfang sehr schwer getan – und tun uns teilweise auch heute noch. Es ist nicht einfach, Themen zu finden, die nicht durch den Terminkalender des Ministerpräsidenten vorgegeben sind. Wir haben kaum, eigentlich keine, Pressekonferenzen, keine Highlights. Aber wir haben dennoch eine spannende, interessante Region, in der etwas geschieht und sich etwas entwickelt. Und das zu entdecken, was zudem noch andere interessiert, das macht eine gute regionale Berichterstattung aus.

Sie denken bei der Themensuche also nicht nur daran, was den Leser in der Region interessiert, sondern auch den Leser aus anderen Regionen über Ihre Region?

Ja, so muss ich denken. Ich stehe doch in Konkurrenz mit anderen Regionalredaktionen, die alle so denken. Was interessiert den Leser in Dresden aus Görlitz, aus Riesa oder aus Radebeul? Oder andersrum: Was interessiert den Leser aus Görlitz von dem was hier im Elbland passiert? Da bleibt nicht mehr viel übrig. Deswegen ist es auch so schwer, eine spannende regionale Berichterstattung hinzubekommen. Es ist uns in Teilen sehr gut gelungen, indem wir uns am Anfang einfach auf das Originäre des Elblandes beschränkt haben. Wir haben Porzellan, Wein, die Elbe, Biber und wir haben fleißig Brücken gebaut. Das sind die Fixpunkte, an denen wir uns am Anfang hochgeangelt haben. Wir haben den Wein und die Albrechtsburg in Meißen, wir hatten mit Köhler einen umtriebigen Bürgermeister in Riesa. Aber irgendwann hört das auch mal auf, man kann ja nicht immer wieder dasselbe schreiben. Also mussten wir überlegen, was ist aus der Region noch interessant. Und das ist auch jeden Tag ein Streitpunkt beziehungsweise ein Ideenfindungsproblem.

- Inwieweit war die Regionalredaktion notwendig, um eventuell aus der Ausgliederung resultierende Probleme zu beheben bzw. aus ausgegliederten Lokalredaktionen bekannte Probleme zu vermeiden?

Es hatte also keine wirtschaftlichen Gründe, diese Regionalredaktion zu gründen. Wir sind erst im Jahre 2005 ausgegliedert worden - die Regionalredaktion wurde schon 2002 gegründet. Wir empfanden es vielmehr als richtig, die Sächsische Zeitung regionaler zu gestalten und im Wettbewerb mit anderen Zeitungen, vor allem mit der DNN, den regionalen Aspekt zu betonen. Wir haben einen sehr starken Mantel in der Sächsischen Zeitung, eine hervorragende Politikredaktion, eine tolle Kultur. Aber wir hatten Schwächen in der regionalen Widerspiegelung des Lebens. Und die Regionalredaktionen waren die Reaktion darauf.

Inwiefern ist Ihrer Ansicht nach die Einführung der Regionalredaktion dann – direkt oder indirekt - als Vorbereitung der Ausgliederung zu bewerten?

Nein, das hatte damit absolut nichts zu tun.

- Wenn die Zeitung gesamt zu lokal orientiert war, inwieweit hat sich Ihrer Meinung nach die Situation vergangen Jahren verbessert?

Es war ja nicht das Problem der Regionalredaktion, die hat von Anfang an über den Tellerrand blicken müssen. Das ist ja ihr Brot. Das war eher das Problem der Lokalredaktionen. Die hatten – das verstehe ich ja auch – die Aufgabe, den Lokalteil zu gestalten und nicht die Aufmachung für die Seite 1 zu schreiben. Dazu waren die personell nicht in der Lage. Und waren nie besonders erfreut, wenn große Flächen im Mantel zu füllen waren. Das übernimmt heute die Regionalredaktion. Aber auch die Lokalredakteure machen das heute freiwillig. Das hat ein Bewusstseinswandel stattgefunden. Die Leute haben registriert, dass es ankommt, wenn man im Mantel schreibt. Es wird von mehr Leuten wahrgenommen, es wird in der Chefredaktion registriert, man bekommt Anrufe aus anderen Städten außerhalb unserer Region. Das macht einen schon ein wenig stolz.

Wenn die Qualität der Zeitung gesamt besser geworden ist, woran ist das im Detail zu erkennen?

Der Regionalaspekt wird im Mantel einfach stärker bedacht. Wenn man das Qualitätskriterium anerkennt, ist die Qualität besser geworden.

Macht für Sie höhere Qualität dann einfach die verstärkte Existenz von regionalen Themen aus oder sind die tiefer recherchiert, besser formuliert….?

Wir bringen zum einen mehr regionale Themen. Zum anderen sind aber die Möglichkeiten einer Regionalredaktion auch größer als die einer Lokalredaktion. Die Mitarbeiter hier sind in der Lage auch mal etwas auszurecherchieren. Wenn sie das wollen, können sie auch mal drei Tage recherchieren und machen dann einen Text für die Seite drei. Das schafft ein Lokalredakteur nicht, da hat er einfach keine Zeit.

Ist man jetzt näher an den Leseinteressen der Leserschaft dran?

Das hoffen wir. Wir wechseln auch vie stärker, etwa das Aufmacherfoto auf der Titelseite. Da bringen wir im Elbland ein Elbebild oder eine Weinernte. Wir regionalisieren auch den Mantel in unserem Interesse. Wir übertreiben das aber nicht, weil wir doch noch relativ nah an Dresden sind und der „Dresden-Blick“ der Chefredaktion nicht ganz so fern ist. Die Lausitz muss täglich die Optik wechseln und auf die Lausitz zuschneiden.

Ist der Leser dadurch stärker ans Blatt gebunden worden? Gibt es Erkenntnisse, Reaktionen, an denen man das erkennen könnte?

Wir hoffen es, wir gehen davon aus.

- Wie wurde in Ihrem Haus die neue Struktur eingeführt und wie wurde sie gegenüber den Mitarbeitern und den Lesern kommuniziert, wurden die Mitarbeiter einbezogen?

Es gab Überlegungen, es wurden Konzepte aufgeschrieben und eine Arbeitsgruppe aus dem Haus und mit Beteiligung der Lokalredaktionen gegründet. Diese Arbeitsgruppe hat dann das Konzept erarbeitetet. Anschließend wurde das Konzept dann in den Lokalredaktionen vorgestellt.

Inwieweit wurden Ideen der Mitarbeiter berücksichtigt?

So gut es eben ging. Man kann keine Arbeitsgruppe mit hundert Leuten gründen, bei uns waren es immerhin zehn Mitarbeiter. Ich war selbst als Meißner Lokalchef Teil der Arbeitsgruppe. Wir haben schon versucht, unsere Überlegungen zu kommunizieren und verschiedene Standpunkte der Mitarbeiter mit einfließen zu lassen.

Wie hat der Leser damals reagiert?

In der ersten Etappe hat der Leser schon mitbekommen, dass es nun mehr aus Meißen oder Großenhain im Mantel zu lesen gab. Da gab es schon positive Reaktionen aus unserer Region. In der zweiten Etappe wurden diese Regionalseiten im Mantel – die zwei regionalen Kulturseite und eine regionale Wirtschaftsseite in der Woche – eingeführt. Das kam ebenfalls ganz gut an.

Woran war das zu erkennen?

Es gab Anrufe und andere Reaktionen. Am Anfang hatten die Leser ein wenig Schwierigkeiten, die neuen Seiten zu finden, weil diese nicht im Lokalteil sondern im Mantel standen. Die mussten erst einmal begreifen, dass die dritte Wirtschaftsseite Mantel eben aus der Region ist. Das hat eine Weile gedauert.

- Die Struktur der Regionalredaktion und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt Ihrer Ansicht nach eine Rolle – warum umfasst etwa die Elbland- Redaktion diese und nicht andere Redaktionen? Welche Kriterien waren da ausschlaggebend?

Einfachstes Kriterium war, dass die Region Elbland als solche existiert und das sind nun mal diese vier Lokalredaktionen. Das ist ein Gebiet, das auch zueinander zustrebt. Im Jahre 2008 wird das wahrscheinlich ein Kreis werden.

Wollte man mit dem Zuschnitt Einheiten schaffen, die so groß sind, dass sie wirtschaftlich eigenständig arbeiten können?

Das hat damit wenig zu tun gehabt. Vielleicht hat man eine GmbH im Hinterkopf. Aber vornehmlich waren das inhaltliche Gründe. Wir machen eine Regionalredaktion – unabhängig von irgendwelchen wirtschaftlichen Erwägungen.

Wenn Sie sagen, es liegt im Elbland so etwas wie eine regionale Identität vor, die Kreise streben zusammen – worauf stützen Sie Ihre Vermutungen? Sind da nur die politisch-administrativen Strukturen die Basis oder gab es hat Umfragen und Untersuchungen, wofür sich die Leser der einzelnen Ausgaben territorial auch interessieren?

Das ist in gewissem Maße schon durch die Verwaltungsstrukturen aufgezwungen: Es gibt ein Arbeitsamtsbezirk, wir haben ein Arbeitsamt in Riesa. Wir haben ein Finanzamt in Meißen. Außerdem gibt es einen Kulturraum – das ist sehr wichtig. Da wird auch das Geld gemeinsam von beiden Landräten verteilt. Die haben in dem gemeinsamen Kulturkonvent je eine Stimme.

Also sind es vor allem diese gemeinsamen Strukturen, die auf ein gegenseitiges Interesse der Leser in den einzelnen Kreisen / Lokalausgaben schließen lassen?

Dann gibt es natürlich auch die historischen Beziehungen, die kennen wir ja auch. Natürlich ist die Beziehung zwischen Riesa und Großenhain nicht so stark, obwohl es ein Landkreis ist. Da gibt es gegenseitige Vorbehalte. Aber es gibt bei beiden eine enge Beziehung nach Meißen. Riesa orientiert sich zwar auch ein bisschen stärker in Richtung Leipzig und Oschatz, aber auch nach Meißen. Meißen und Radebeul – das war schon immer eine Art Hassliebe – schon durch die beiden Weinfeste. Wir wissen ja auch, wo die Menschen hingehen, wo sie einkaufen, wie sie vernetzt sind.

Woher wissen Sie das?

Weil die Mitarbeiter hier leben und mitbekommen, wo etwa der Radebeuler hinfährt, wo er einkauft. Oder als Meißner weiß ich doch, wo der Meißner hingeht.

Gab es diesbezüglich auch Leserbefragungen oder andere Untersuchungen?

Wir haben nicht direkt Leserbefragungen durchgeführt. Aber wir haben mit den Bürgermeistern gesprochen und denen das Konzept vorgestellt.

- Die Regionalredaktion ist wie der Name scheinbar verspricht eine Redaktion für das Regionale: Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter dem Begriff „Region“ - ist eine Region für Sie zum Beispiel ein Kulturraum, ein Sprachraum, Raumordnungseinheit, ein Raum mit Einwohnern, die eine bestimmte Identität besitzen, ist es ein Raum, der historisch gewachsen ist, wo die Menschen ihren Aktions- und Lebensraum haben?

Das ist eigentlich alles.

- Ausgehend von Ihrem Regionsbegriff – wo findet in der Sächsischen Zeitung die regionale Berichterstattung überwiegend statt?

Natürlich haben wir im Mantel nicht so viel Platz. Wenn wir dort zwei Aufmachungen und eine Meldung aus dem Elbland unterbringen können, sind wir schon gut. So gesehen findet die regionale Berichterstattung vor allem auf den Regionenseiten und die regionalen Spezialseiten statt.

- Was macht für Sie einen Beitrag zu einem regionalen Beitrag?

Im engeren Sinne sollte der Beitrag schon in der Region spielen, sonst ist es kein regionaler Beitrag. Aber wir gehen darüber hinaus. Wir versuchen einen Ansatz in der Region zu finden und vergleichen das mit Gegebenheiten in der Lausitz oder in Dresden. Das ist für mich auch noch ein regionaler Beitrag.

Im nächsten Abschnitt werde ich nun etwas speziellere Fragen zur Regionalredaktion stellen.

Der erste Fragenkomplex betrifft die Redaktionsorganisation es folgen Fragen zum Personalmanagement, zum Kostenmanagement und zum Kommunikationsmanagement, dem redaktionellen Marketing, den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt und dem Qualitätsmanagement.

Fragen zur Redaktionsorganisation sind Bestandteil des ersten Fragebereichs.

- Welche Aufgaben / Funktionen soll der Leiter einer Regionalredaktion Ihrer Ansicht nach in Bezug auf das Management und die alltägliche Blattmache laut Konzept erfüllen?

Der Regionalchef sollte erstmal die regionale Berichterstattung organisieren – sowohl für den Mantel als auch für den Lokalteil und die regionalen Spezialseiten. Aber gleichzeitig ist er auch zuständig für die Lokalredaktionen. Er muss auch sehen, dass diese Theorie von den Synergieeffekten zwischen den Lokalredaktionen auch umgesetzt wird. Er muss also auf zwei Hochzeiten tanzen.

Soll er eher schreibend, verwaltend oder koordinierend tätig sein?

Eigentlich alles. Ich möchte auch gern schreiben. Das gelingt mir jetzt nicht mehr ganz so gut. Aber ein Regionalchef sollte auch schreibend in Erscheinung treten.

In welcher Hinsicht unterscheidet sich der Regionalchef vom Lokalchef?

Der Lokalchef ist für seinen Lokalteil verantwortlich. Da hat sich nichts geändert und das soll so bleiben. Der Regionalchef muss darüber hinaus schauen, was die einzelnen Lokalteile verbindet, was er aus den Lokalteilen für die Mantelproduktion herausziehen und wie er den Lokalteilen helfen kann.

Sind die Lokalteile der verlängerte Arm, die Außenstelle der Regionalredaktion?

Nein, überhaupt nicht. Es ist ein Nehmen und Geben. Wir haben auch festgelegt, dass die Regionalredaktion hilft. So wird die Montagsaufmachung der Lokalausgaben von der Regionalredaktion gestemmt. Wir übernehmen auch mal eine Pressekonferenz für die Lokalredaktionen. Wenn etwa die Manufaktur in Meißen eine Pressekonferenz macht, dann gehen wir hin und schreiben eine Aufmachung für das Lokale und einen Zweispalter für die Wirtschaftsredaktion. Es ist nicht so, dass wir nur die Ideen aus den Lokalausgaben raussaugen und nach vorn vermarkten.

Wie sehen Sie sich selbst: Primus inter paris, Herr der Lokalredaktionen oder Schlussredakteur?

Ich sehe mich nicht als Schlussredakteur. Das soll der Producer-Pool in der Endausbauphase werden. Dazu ist das Unternehmen auch zu groß. Wir haben 40 feste Mitarbeiter und 20 Freie, da kann ich nicht alle Lokalteile durchlesen. Aber ich habe mir vorgenommen die Lokalteile zu lenken und zu steuern.

Welche Rolle spielen Sie bei der Qualitätssicherung?

Das wesentliche Qualitätssicherungsinstrument ist die Mittagssitzung. Damit versuchen wir durch Einschätzung und Selbsteinschätzung Fehler zu vermeiden. Das passiert zwar im Nachgang, aber hilft auch Fehler künftig zu vermeiden. Außerdem haben wir die 17:30 Uhr-Konferenz mit den Lokalchefs und den Producern. Die läuft noch nicht optimal. Uns muss es noch stärker gelingen, Einfluss auf die laufende Produktion der Lokalteile zu nehmen. Da sehe ich noch Reserven – auch bei mir. Bei der regionalen Mantelberichterstattung haben wir schon ein hohes Qualitätsniveau erreicht, da wir hier die Texte intensiv besprechen und redigieren. Wir müssen uns jetzt verstärkt um die Lokalteile kümmern, denn da ist die Qualität noch unterschiedlich. Da müssen wir die weniger guten noch an die starken ranführen.

Meinen Sie da die generelle Qualität oder eher das Detail, etwa mangelnde Abstimmung?

Nein, die Abstimmung läuft durch den Producer-Pool sehr gut. Qualitätsunterschiede gibt es eher im Kreativpotential selbst. Die Idee hinter dem Producer-Pool ist ja folgende: Der Producer-Pool baut die lokalen Seiten und entlastet die Lokalredaktionen von mechanischer und Redigierarbeit. Die haben damit mehr Kraft, rauszugehen, zu recherchieren, mit den Leuten zu sprechen, Ideen zu entwickeln. Diese Idee muss noch mehr mit Leben erfüllt werden.

- Welche Aufgabe/Funktion im Blick auf die tägliche Blattmache soll die Regionalredaktion / die schreibenden Regionalredakteure Ihrer Ansicht nach eigentlich erfüllen, wenn man sich an der Theorie des Konzepts orientiert?

Die schreibenden Regionalredakteure haben zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe ist ihre eigene Seite eigenverantwortlich zu produzieren. Das ist zum einen eine Kulturseite am Montag und am Mittwoch, das ist zweitens eine Wirtschaftsseite am Freitag und drittens eine Immobilienseite am Freitag. Dazu kommen die zwei mal zwei Regionalsportseiten am Montag – zwei für Meißen-Radebeul, zwei für Riesa-Großenhain -, und am Dienstag, Donnerstag, Freitag für jeden Kreis eine Regionalsportseite. Und viertens sollen die Regionalredakteure im Mantel über die Region berichten. Dafür gibt es dann keine eigenen Seiten, sondern da wird zugeliefert: für Seite 1, Seite 3 und vor allem die Sachsenseite – das ist unser Hauptkampffeld – und auch für das Magazin.

- Gibt es so etwas wie ein Außenstellendenken der Lokalredaktionen, die nicht am Sitz der Regionalredaktion angesiedelt sind?

Das weiß ich nicht. Natürlich gibt es Unterschiede. Wir sind erst vor kurzem mit der Regionalredaktion und Lokalredaktion Meißen umgezogen und haben nun für Verlag und Redaktion tolle Räumlichkeiten. Das ist in Radebeul und Großenhain beschaulicher. Deswegen müssen die Mitarbeiter da aber nicht unglücklicher sein. Ich habe da nichts festgestellt

Der zweite Fragenkomplex betrifft das Personalmanagement

- Welche Anforderungen muss ein Regionalredakteur in Ihrem Haus erfüllen, muss er andere oder mehr Kompetenzen als ein Lokalredakteur oder Mantelredakteur mitbringen?

Es sollte ein Schreibstil vorhanden sein, der den Anforderungen des Mantels genügt. Das heißt nicht, dass wir riesige Unterschiede zwischen dem Mantel und den Lokalredaktionen haben. Da war die Schere früher viel größer. Ein Regionalredakteur sollte auch eine hohe Recherchesicherheit besitzen. Das sollten schon Geschichten sein, die Hand und Fuß haben und gut abgeklopft sind.

Auch die Producer sind ein Teil der Regionalredaktion – welche Anforderungen gibt es an sie. Müssen die spezieller im Layout auskennen?

Natürlich sollten die Producer sich besonders im Layout auskennen. Aber sie sind nicht nur Layouter, sondern verstehen sich im Sinne eines Schlussredakteurs als Mitarbeiter, die Überschriften machen, redigieren und Korrektur lesen. Die haben sich teilweise selbst weitergebildet, stehen aber auch in sehr engem Kontakt mit dem Art Director des Hauses. Es gab auch Zusammenkünfte der Producer, die sie selbst organisiert haben. Wir haben uns auch an anderen Standorten angesehen, wie so ein Pool arbeitet.

- Wie werden die Regionalredakteure weitergebildet? Begründen Sie Ihre Antwort kurz!

Es gibt Weiterbildungen. In letzter Zeit ging es da aber vor allem um die Betriebsratsarbeit.

- Welche Anforderungen muss der Leiter einer Regionalredaktion in Ihrem Haus erfüllen, das heißt, nach welchen Kriterien wird er ausgewählt, was muss er können – auch im Unterschied zum Lokalchef?

Das Wichtigste ist, dass man Wichtiges von Unwichtigem klar trennen kann. Man kann sich da sehr schnell an Kleinigkeiten aufreiben. Es ist schon so ähnlich wie beim Lokalchef. Aber das Gebiet ist halt größer.

- Inwieweit wurden Sie als Leiter einer Regionalredaktionen in Verwaltungs- und Führungsaufgaben systematisch weitergebildet?

Ich habe verschiedene Seminare besucht. Denn der Regionalchef ist auch Geschäftsführer und damit für das Geld verantwortlich.

- Generell gefragt: Wer entscheidet in Ihrem Haus über die Weiterbildung von Mitarbeitern, wer bezahlt die Weiterbildungen?

Das entscheidet meist der Regionalchef, da muss ich eigentlich niemanden mehr fragen. Wer es bezahlt ist dann immer eine Streitfrage. Manchmal zahlt es das Haus, manchmal zahlen wir es.

- Woher stammen die Mitglieder der Regionalredaktion im Wesentlichen? Welche Gründe sehen Sie dafür?

Ursprünglich sind es Fachredakteure, die aus dem Mantel kommen. Die Producer stammen hingegen aus den Lokalredaktionen.

Führte das letztlich zu Personalnot bzw. zu personellen Schwächungen in den Lokalredaktion?

Nein, denn die Arbeit musste gemacht werden – egal von wem. Insofern stehen sie ja den Lokalredaktionen weiterhin zur Verfügung. Früher gab es in den Lokalredaktionen einen Spiegeldienst, da war auch eine Person komplett mit dem Layouten beschäftigt. Nun haben wir vier Mitarbeiter zentral für vier Lokalredaktionen. Ich kann daher keine Schwächung der Lokalredaktionen erkennen.

- Welche personelle Kompetenz besitzt der Regionalleiter? Gemeint ist hier, wie eigenständig kann er Mitarbeiter einstellen, Mitarbeiter versetzen und entlassen?

Das kann ich im Angestelltenbereich weitgehend allein entscheiden. Bei Redakteuren und Lokalchefs benötige ich die Zustimmung des Hauptgesellschafters.

Inwieweit mischt sich die Chefredaktion noch in Personalfragen ein?

Die Chefredaktion spricht mir in Personalfragen nicht rein. Aber wir sind eine Zeitung und haben einen Chefredakteur, der für das Blatt verantwortlich ist. Da kann es natürlich nicht sein Interesse sein, dass es Regionalredaktionen gibt, die je nach Laune, Redakteure und Lokalchefs einsetzen. Daher sprechen wir uns auf freiwilliger Basis mit ihm ab. Wir wollen und brauchen auch das Einvernehmen mit der Chefredaktion

Welche personelle Kompetenz hat der Lokalchef?

Rein juristisch hat er keine Möglichkeit, Mitarbeiter einzustellen oder zu entlassen. Das kann nur der Geschäftsführer. Aber er wird aber natürlich gefragt. Ich werde nie über den Kopf des Lokalchefs jemanden einstellen.

- Mitarbeiter kommen und gehen. Ist dies Ihrer Ansicht nach, in den Regionalredaktionen öfter der Fall als in anderen Redaktionen?

Der Wirtschafts- und der Kulturredakteur sind von Anfang an da. Wo wir Fluktuation haben, ist der festfreie Posten für Politik. Das liegt aber nicht daran, dass es den Leuten nicht gefällt, sondern dass wir da meist junge Leute entwickeln. Die machen das ein bis eineinhalb Jahre und werden dann Volontär. Ich sehe das auch ein wenig als Ausbildungsstelle. Wir suchen Talente und entwickeln sie für die gesamte Zeitung. Wir wollen auf diesem Posten keine altgedienten Redakteure, sondern jungen, frischen Zugang.

Fragekomplex Nummer drei beschäftigt sich mit dem Kostenmanagement.

- Wie ist die Finanzierung der Regionalredaktion und der ihr unterstehenden Lokalredaktion gestaltet, welche Etats, Kostenstellen, etc. gibt es?

Wir sind wirtschaftlich selbständig. Wir bekommen eine Dienstleistungspauschale und damit müssen wir leben. Wir können natürlich auch Nebengeschäfte machen.

Kommt die Redaktion mit dem Budget gut klar oder ist das eher knapp bemessen?

Natürlich könnte es mehr sein. Aber es geht irgendwie.

Was passiert, wenn am Ende noch etwas im Topf ist, können sie über die Verwendung selbst entscheiden?

Wenn aus dem Honoraretat etwas übrig bleiben sollte, können wir damit machen, was wir wollen. Wir könnten damit auch Verluste auf anderen Geschäftsfeldern ausgleichen, was aber nicht richtig ist. Denn wir wollen auch unsere Mitarbeiter anständig bezahlen. Ich sehe darin schon ein Problem, das sich in diesem Sparsamkeitswahn seit der Zeitungskrise entwickelt hat. Die läuft aber hoffentlich aus, wie man es ein wenig am Arbeitsmarkt merkt. Ich möchte, dass auch die freien Mitarbeiter für ihre Arbeit angemessen entlohnt werden. Es ist noch ein gutes Stück Weg dahin. Das ist aber ein deutschlandweites Problem: Feste Stellen werden aus Kostengründen nicht mehr besetzt durch billige freie Kräfte ersetzt. Aber das ist eine Marktsituation, wenn der Markt sich wieder anders entwickelt, dann werden die Verlage auch wieder mehr bezahlen müssen.

Wie wird das Budget verhandelt?

Wir haben Verträge, die über drei Jahre laufen. Darin sind auch Steigerungen von Tarifgehältern und Pauschalen enthalten. Zumindest sollten sie das sein, obwohl ich das jetzt nicht genau weiß. Der Teufel steckt aber immer Detail. Man kann aber nachverhandeln, wenn man Probleme hat.

Sehen Sie in diesem System Nachteile?

Nein, sehe ich nicht. Natürlich könnte man sagen, die Eigenverantwortung der GmbHs könnte in irgendeiner Form ein Nachteil sein. Das sehe ich aber nicht. Ich denke, das Modell ist ein Modell für ganz Deutschland. Es wird sich durchsetzen, weil es die Identität der Leute entwickelt – das Wir-Gefühl – wir sind eine Firma, wir sind ein Elbland, unser Elbland kämpft mit oder gegen die Lausitz. Dieses Wir-Gefühl entwickelt sich stärker, wenn man eine Führung hat. Es gibt ja nur eine Geschäftsführung in der Firma. Man muss nicht mehr wie früher tausend Leute im Haupthaus fragen. Und dann entwickelt sich – weil ja nicht nur zwei, sondern vier Lokalredaktionen angedockt sind – eine Art Eigenstärke, Eigendynamik. Wir sind stark genug, eine größere Geschichte allein zu stemmen und damit stark ins Blatt zu kommen. Das schafft eine Lokalredaktion allein nicht.

- Welche Budget-Kompetenz hat der Regionalchef gegenüber seinen Lokalchefs? Welche Kompetenzen verbleiben beim Lokalchef?

Da hat sich zu früher nichts geändert. Er hat weiter einen eigenen Honoraretat.

Kann er allein über nicht verbrauchte Mittel entscheiden?

Nein. Das fließt dann zurück in den Topf der GmbH.

Welchen Zeitraum umfasst der Lokaletat?

Der Lokalchef hat ein Jahresbudget.

- Generell gefragt: Machen Sie in Bezug auf die Lokalausgaben und regionalen Seiten seit Einführung der Regionalredaktionen mehr Seiten für weniger Geld – sind sie also effizienter geworden? Begründen Sie Ihre Antwort!

Wir arbeiten viel preiswerter als vorher. Das System produziert mehr Seiten mit weniger Geldeinsatz. Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist es sehr erfolgreich.

- Generell gefragt: Werden in den Lokalausgaben und in Bezug auf die regionalen Seiten die zur Verfügung stehenden Mittel (Geld, Mitarbeiter, Zeit) wirksamer eingesetzt – arbeit man also effektiver? Begründen Sie Ihre Antwort!

Ich will nicht sagen, dass alles perfekt ist. Natürlich wird kann man immer noch etwas verbessern und verändern. Ich kann nur sagen, dass wir zu 2002 und von Jahr zu Jahr effektiver arbeiten. Allein durch den wirtschaftlichen Druck, sich zu überlegen, wie das gesamte Unternehmung effektiv arbeitet. Das hat mich als Lokalchef vorher nicht so interessiert. Das war ja nicht mein Geld. Jetzt geht es um mein Geld. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, das sich auf dem Elbland-Markt etabliert hat. Wir machen das Amtsblatt in Meißen, wir bringen Bücher raus, produzieren Flyer und organisieren Veranstaltungen.

- Der DJV hat zu Beginn der Ausgliederungen bei der Sächsischen Zeitung im Jahre 1999 vor einem Verlust, einer Einschränkung der journalistischen Unabhängigkeit gewarnt. Wie sieht das heute konkret aus - spielen die Anzeigenkunden und deren Einfluss auf die Berichterstattung eine größere Rolle?

Die Befürchtungen, die es da damals gab, sind nicht eingetreten. Das wird auch der DJV heute so sehen. Es gibt da keinen Unterschied zu früher. Möglicherweise ist der Einfluss der Anzeigenkunden generell und deutschlandweit gewachsen.

Der vierte Bereich umfasst nun Fragen zum Kommunikationsmanagement.

- Was schätzen Sie: Ist seit der Einführung der Regionalredaktionen mehr oder weniger Koordination und damit auch Kommunikation notwenig oder ist das in etwa gleich geblieben?

Natürlich ist nun mehr Abstimmung notwendig, weil vier Lokalredaktionen zusammen arbeiten. Dazu kommen die regionalen Spezialseiten, die Sportseiten, der Mantel – das muss man alles abstimmen. Ich denke aber, dass wir den Aufwand dafür gering halten. Was sich natürlich intensiv entwickelt hat, ist die Koordination, die von dem Producer-Pool geleistet wird.

Und hat diese Kommunikation auch einen Mehrwert?

Die hat auf jeden Fall einen Mehrwert. Es kommt zu weniger Dopplungen. Es passiert auch weniger, dass uns ein Thema aus dem Lokalen durch die Lappen geht.

- Mit wem findet Ihrer Einschätzung nach in der Regionalredaktion die meiste Koordination und somit auch Kommunikation statt?

Wenn wir viel Mantel haben, dann muss ich viel mit dem Mantel absprechen. Wenn wir weniger Mantel haben, dann kommuniziere ich eher mit den Lokalchefs.

Worum geht es da?

Wenn ich Zeit habe, sehe ich mir die lokalen Seiten und dann sprechen wir ab, was man verbessern könnte und überlegen uns auch, was man am nächsten Tag machen könnte. Mit dem Mantel bespreche ich mehr die aktuelle Tagesproduktion.

- Rundmail, Mitarbeiterzeitschrift oder Mund-Propaganda: Wie werden Sie über Entscheidungen der Chefredaktion informiert?

Der Regionalchef steht der Chefredaktion so nah, dass er angerufen wird, wenn etwas Wichtiges anliegt.

Inwieweit gibt es in der Information durch die Chefredaktion für Sie eine Institutionalisierung – ein tägliches Fax, täglich Mail, etc.?

Wir haben die Mittagskonferenz, in der jede Regionalredaktion ihren Regionalteil und die Lokalteile vorstellt. Anschließend gibt es die Mittagskonferenz im Haupthaus. Danach gibt es eine Mail der Chefredaktion mit den Themen der morgigen Ausgabe, und wie sich die Regionen beteiligen – wer also was liefern muss.

Fühlen Sie sich über Entscheidungen der Chefredaktion gut informiert?

Ja.

Teilbereich Nummer fünf umfasst Fragen zum redaktionellen Marketing.

- Was verstehen Sie unter „journalistischer Qualität“?

Zugespitzt gesagt: Ein Reader-Scan-Wert über 50 Prozent, darunter gibt es keine journalistische Qualität. Qualität ist ein Text, der gern und mit Freude gelesen wird.

Es muss also ein hohes Maß an Unterhaltung dabei sein?

Es muss ein hohes Maß an Lesbarkeit vorhanden sein. Ich bedauere auch am deutschen Journalismus, dass einige Leute nicht mehr klar und geradeaus schreiben können. Sondern von hinten durch die Brust und mit möglichst vielen Fremdwörtern. Das mag für andere Qualität sein, aber ich empfinde das als Bildungsprotzerei. Ich möchte Spaß am Lesen haben, etwas draus lernen und gut informiert sein.

- Was ist Ihrer Ansicht nach das vorrangige journalistische Ziel der Regionalredaktion?

Ich möchte aus dem Elbland informieren. Sendungsbewusstsein eines Journalisten habe ich nicht. Ich sehe aber auch den Wert einer freien Presse in Bezug auf die Kontrollfunktion. Ich bin ein großer Freund von kritischer Berichterstattung. Aber das schaffe ich in meiner Funktion als Regionalchef nicht in dem Maße und das können wir auch mit der Kraft der Regionalredaktion nur bedingt leisten. Das ist eher eine Aufgabe der Lokalredaktionen.

Denken Sie, dass das auch das Ziel der Lokalredaktionen ist?

Das sollte so sein. Das oberste Ziel sollte sein, einen schönen Lokalteil zu machen, an dem die Leser ihre Lesefreude haben.

Denken Sie, dass das auch das Ziel der Zeitung ist?

Da kommt natürlich auch die Hilfe zur Meinungsbildung dazu – nicht das Sendungsbewusstsein. Auch die Unterhaltung und Hintergrundinformationen sind im Internetzeitalter sehr wichtig.

- Wie wichtig sind Ihnen generell Informationen über Ihre Leser?

Der Leser ist immer noch das eher unbekannte Wesen. Es ist sehr schwer, verlässliche Informationen über ihn zu bekommen.

Was genau für Informationen über den Leser interessieren Sie genauer und welche liegen in Ihrer Redaktion vor?

Wir haben in den 90ern so genannte Copytests gemacht. Die sind natürlich sehr teuer und in der Aussage fragwürdig, wenn Menschen unter Aufsicht lesen. Dann gibt es Leserbriefe und andere Meinungsäußerungen zu Themen – damit kann man auch nicht viel anfangen. Die Gründe von Abbestellungen – auch das ist nicht sehr hilfreich, denn meist handelt es sich um wirtschaftliche Gründe. Es gibt auch die Media.Analyse und ähnliche Untersuchungen. Die sind sehr ausdifferenziert, da stehen ganz exakt die Interessen der Leser. Aber die sind nur bedingt verwertbar, um daraus Schlüsse für die eigene Arbeit zu ziehen. Man kann aus der Media.Analyse keine Zeitung machen. Ich bleibe dabei: Einen guten Journalisten zeichnet vielmehr sein Bauchgefühl und ein gutes Gespür für Stimmungen aus. Man kann auch eine theoretisch durchgestylte Zeitung an den Baum fahren. Das hat man doch bei so vielen Projekten gesehen. Ich bin ein Fan des Reader-Scan-Verfahrens, weil ich denke, dass das ziemlich ehrlich ist.

Wenn Sie mit Ihren Redakteuren über Themen und Beiträge sprechen, nehmen Sie sehr oft Reader-Scan als Vorbild….

Ja, dass hat mich schon sehr beeindruckt. Auch wenn wir Reader-Scan nicht haben, ist es auch ein Mittel, die Mitarbeiter auf Lesernähe zu trimmen. Ist das wirklich interessant, was du da schreibst? Würdest du das selbst lesen? Und ist das vor allem auch optisch so, dass man es lesen kann

- Was unternehmen Sie um, um die Bindung des Lesers an Ihre Zeitung zu stärken?

Wir haben jetzt in den Lokalredaktionen das Lesertelefon eingeführt. Da kann sich der Leser hinwenden und wir lösen dann sein Problem – so gut es geht. Wir veranstalten auch ein richtiges lokales und regionales Redaktionsmarketing. Zum Beispiel mit unserem Rastelli-Wettbewerb jetzt vor der Fußball-WM. Da stellen wir junge Fußballer vor und organisieren Wettbewerbe. Dann veranstalten wir auch begrenzte lokale Aktionen und bemühen uns, thematische Gesprächsforen zu organisieren. Das wird aber eher lokal gesteuert. Ich plane außerdem eine Art „Elblandgespräch“.

- Wie beobachten Sie die Konkurrenz?

Ich lese die Anzeigenblätter, schaue was dort an Themen passiert.

Kommen wir nun zu den Zusammenhängen, die zwischen Redaktionsstruktur und Blattstruktur bzw. Blattinhalt bestehen.

- Werden im Gegensatz zu früher mehr lokale Geschichten von anderen Lokalredaktionen nachgezogen?

Das wird gleich geblieben sein. Wir haben ja auch nicht mehr Platz. Vielleicht wird es jetzt schlauer nachgezogen.

Kommen wir nun zum letzten Teilbereich: dem Qualitätsmanagement

- Wie wird in Ihrer Redaktion neben der 13:00-Uhr-Konferenz Qualität gesichert?

Das Korrekturlesen war schon immer ein wenig ein Problem. Jetzt lesen meist die Sekretärinnen Korrektur und korrigieren dien Fehler. Das funktioniert in allen Redaktionen ganz gut. Inhaltlich wollen wir, dass auch ein gesundes Klima in den Lokalredaktionen herrscht, dass die Mitarbeiter sich auch gegenseitig ihre Texte zum Lesen geben. Das funktioniert größtenteils auch. Ein richtig hohes Maß an Qualitätssicherung erreichen wir mit der letzten Ausbaustufe des Producer-Pools. Der Pool wird dann einen kompletten Überblick über alle Seiten haben und einen noch stärkeren Einfluss nehmen können: auf die Optik, das Layout, Überschriften, Vorspanne.

- Wer kontrolliert Sie in der täglichen Umsetzung des Konzepts in inhaltlichen und finanziellen Aspekten? Gemeint ist, wer kontrolliert Sie wann mit welcher Konsequenz und nach welchen Kriterien?

Der Chefredakteur. Es gibt auch einen stellvertretenden Chefredakteur, der für die Lokal- und Regionalredaktion zuständig ist, mit dem haben wir eine ganz enge Zusammenarbeit. Einmal im Monat treffen sich alle Lokal- und Regionalchefs und jedes Vierteljahr die Regionalchefs. Dann sprechen wir Themen und gemeinsame Aktionen wie Serien ab. Der Kontakt zwischen den Regionalchefs ist zwar nicht täglich, aber wir helfen uns auch gegenseitig und geben uns auch Tipps.

Wann ruft Sie der Chefredakteur am ehesten an – bei formellen Aspekten, rechtlichen Aspekten, inhaltlichen Aspekten finanziellen Aspekten?

Es geht dann eher um inhaltliche oder juristische Fragen. Wenn es um eine Gegendarstellung oder eine Rüge des Presserats geht. Ansonsten ruft der Chefredakteur selten an. Das läuft eher über den für das Lokale und Regionale zuständigen Stellvertreter.

- Denken Sie, dass in Bezug auf die Regional- und Lokalberichterstattung in Ihrem Haus gemessen an den vorhandenen Ressourcen das optimale Produkt gemacht wird? Begründen Sie Ihre Einschätzung!

Ich denke, regional können wir das noch ein wenig steigern. Die regionale Wirtschaftseite könnte man vielleicht noch ein wenig besser machen. Da haben wir noch Reserven. Das schränkt sich aber wieder dadurch ein, dass wir nun seit kurzem auch den Immobilienteil produzieren. Die regionale Kulturseite machen wir schon recht gut, da kann man nicht viel verbessern. Die Zuarbeit für den Mantel kann man schon noch steigern, wir müssen da noch stärker auf die Seite 3 drängen. Auf der Sachsenseite halten wir uns schon recht gut. Im Lokalen können wir uns ebenfalls noch steigern. Da gibt es gute Redaktionen und welche, die noch nicht so gut sind. Diese an das Niveau der guten Redaktionen heranzuführen, ist die nächste dringliche Aufgabe. Das ist noch wichtiger als das Regionale. Denn das sind wir schon ganz gut.

- Welche Konferenzen gibt es in der Elblandredaktion neben den täglichen Konferenzen?

Wir besprechen jeden Freitag den Wochenplan. Darüber hinaus haben wir auch ab und zu Treffs, wo wir längerfristige Dinge besprechen. Das ist aber nicht institutionalisiert und nicht regelmäßig.

Welche Aspekte fallen Ihnen noch ein, die für die Untersuchung der Regionalredaktion(en) in Ihrem Haus von Bedeutung sind?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Autorisiertes Interview mit Harald Dassler, Leiter der Lokalredaktion Riesa der Sächsischen Zeitung, geführt in der Lokalredaktion Riesa am 18.5.2006.

Strukturiertes Leitfadengespräch mit Lokalchefs

Zum Einstieg ein paar Fragen zur Zeitung an sich

- Wie viele redaktionelle Mitarbeiter sind in Ihrer Redaktion beschäftigt?

In der Lokalredaktion Riesa arbeiten vier fest angestellte Redakteure, eineinhalb festefreie Mitarbeiter sowie drei freie Mitarbeiter, die von sich aus Beiträge liefern und auch am Wochenende unterwegs sind.

- Wie würden Sie die wirtschaftliche Situation Ihrer Zeitung derzeit einschätzen?

Die Auflagenzahlen sinken zwar, aber die Sächsische Zeitung ist für deutsche Verhältnisse ein potentes Unternehmen.

Und wie sieht es in der Regionalredaktion aus?

Die Regionalredaktion hat sehr mit der sinkenden Auflage zu kämpfen. Auch die Anzeigen kommen nicht so, wie das von Dresden vorgegeben ist. Ich vermute, dass sich daraus wirtschaftliche Probleme ergeben.

Nun einige Fragen zur Einführung der Regionalredaktion

- Was verstehen Sie im Zusammenhang mit der regionalen Berichterstattung überhaupt unter Qualität?

Eine gute regionale Berichterstattung muss aktuell sein und das aufgreifen, was die Leser hier in der Region bewegt. Das klingt sehr allgemein, ist aber im Einzelfall sehr schwierig. Ich habe mich viele Jahre eher um Landes- und Bundespolitik gekümmert. Im Vergleich dazu werden auf der regionalen Ebene weniger Themen durch Termine vorgegeben. Daher muss man in der regionalen Berichterstattung sehr genau überlegen, welche Themen man aufgreifen kann und welche davon auch wirklich den Leser interessieren. Da geben wir uns viel Mühe und nehmen uns sehr viel Zeit für die Themenfindung.

Wo sehen Sie da einen Unterschied zwischen lokaler und regionaler Berichterstattung?

Der Unterschied liegt in der Größe des zu betreuenden Gebiets. Das Lokale lässt sich auf eine Stadt eingrenzen, für die es eine eigene Seite gibt oder die „Dorfseiten“, die wir jeden Tag für ein bestimmtes Gebiet unserer Ausgabe produzieren. Zum Regionalen gehören sowohl die Kreis Riesa-Großenhain und Meißen-Radebeul als auch die umgebenden Gebiete.

- Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile einer Regionalredaktion in Bezug auf die tägliche Blattmache und die Leserorientierung?

Ein Vorteil der Regionalredaktion liegt darin, dass sich die Regionalredaktion nicht um das Tagesgeschäft kümmern muss. Die schreibenden Regionalredakteure können sich im Gegensatz zu den Lokalredakteuren auch mal einen ganzen Tag Zeit nehmen, um eine Geschichte schön anzugehen. Ein weiterer Vorteil der Regionalredaktion ist, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Ausprägung eines neuen regionalen Bewusstseins leistet, indem sie den Bogen immer wieder von Großenhain bis nach Meißen schlägt.

Inwieweit soll eine Regionalredaktion eine regionale Identität der Einwohner mit ihrer Berichterstattung bedienen, und inwieweit soll sie erst begründen, bzw. fördern? Wo sollte da das Hauptaugenmerk liegen?

Die Regionalredaktion sollte sich eher an den vorhandenen Gegebenheiten orientieren. Das neue Regionalbewusstsein kann dann allmählich entstehen. Auch wenn irgendwann neue Kreisstrukturen kommen. Rein zufällig ist unsere Elbland-GmbH daher fast wie ein künftiger Elbland-Kreis strukturiert. Das spielt im Osten jedoch eine geringere Rolle, da die jüngeren Menschen sehr viel mobiler und flexibler sein müssen. Wo sie wohnen, arbeiten, einkaufen – das sind alles Dinge, die sich momentan stark wandeln.

- An welchen Stellen hilft Ihnen die Regionalredaktion, welche Vor- und Nachteile bringt sie für die Lokalredaktion im täglichen Geschäft?

Die Regionalredaktion bringt für mich keine Nachteile. Die Abstimmung funktioniert recht gut. Ich weiß immer, an welchen Themen die Regionalredakteure gerade arbeiten. Wir gehen uns dennoch nicht sonderlich auf die Nerven, sondern arbeiten eher nebeneinander. Aber ich habe auch kein Problem damit, wenn die Regionalredaktion anruft und noch ein paar Stimmen aus dem Lokalen benötigt. Umgekehrt würde ich das nicht machen, denn für meinen Bereich bin immer noch ich selbst verantwortlich.

- Die Struktur der Regionalredaktionen und der ihr zugeordneten Lokalredaktionen - welche Kriterien spielten bei dem konkreten Zuschnitt der Regionalredaktionen Ihrer Ansicht nach eine Rolle – warum umfasst etwa die Elbland- Redaktion diese und nicht andere Redaktionen?

Die vielen Lokalredaktionen der Sächsischen Zeitung sollten gebündelt werden. Ich vermute, man hat sich an den Altkreisen orientiert. Da lag es auf der Hand, die Redaktionen in Meißen, Riesa, Großenhain und Radebeul zusammenzufassen. Außerdem gibt es immer wieder kleine Klammern, zum Beispiel die Elbweindörfer zwischen Meißen und Riesa. Da besteht ein gegenseitiges Interesse.

Wenn Sie das Gebiet betrachten, das die Regionalredaktion Elbland umfasst: Liegt bei den Einwohnern dieses Gebietes so etwas wie eine regionale Identität vor?

Vor allem im Gespräch mit älteren Einwohnern stößt man auf eine solche Identität. Auch die Riesaer sind trotz ihrer Stahlwerkervergangenheit Menschen, die an der Elbe leben und für die die Elbe wichtig ist. Und zur Elbe gehören auch die Weinberge, etc.

Gibt es neben diesen Gesprächen und Vermutungen auch Untersuchungen, Tests, Leserbefragungen, die diese regionale Identität und das Interesse aneinander bestätigen?

Ich kenne keine derartigen Untersuchungen. Aber sie wären sicherlich hilfreich und zweckmäßig.

[...]


[1] PÜRER unterscheidet die Publizistikwissenschaft in die Teilbereiche „Kommunikator“, „Aussage“, „Medium“ und „Rezipient/Wirkung“. (Vgl. PÜRER 1993: 25f.)

[2] Als Beispiele für das „kypernetische“ Modell können etwa die Untersuchung des redaktionellen Handelns und Entscheidens der jugoslawischen Nachrichtenagentur TANJUG von Gertrude J. Robinson aus dem Jahr 1970 und die Analyse von George A. Bailey und Lawrence W. Lichty der Redaktionsorganisation bei NBC (1972) gelten.

[3] Vgl.Sylvie/Witherspoon (2002), S. 41

Ende der Leseprobe aus 558 Seiten

Details

Titel
Blick über den Tellerrand - Qualtätsmanagements in Regionalredaktionen von Regionalzeitungen
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
558
Katalognummer
V88104
ISBN (eBook)
9783638063494
Dateigröße
4242 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Blick, Tellerrand, Qualtätsmanagements, Regionalredaktionen, Regionalzeitungen
Arbeit zitieren
Tobias Schilling (Autor), 2006, Blick über den Tellerrand - Qualtätsmanagements in Regionalredaktionen von Regionalzeitungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88104

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