David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur

Humes praktische Psychologie


Hausarbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Praktische Psychologie bei David Hume
2.1. Die Perzeptionen
i. Die Theorie der Perzeptionen
ii. Die Theorie der Perzeptionen in der Praxis – ein Beispiel
2.2. Stolz und Niedergedrücktheit
i. Betrachtung von Stolz und Niedergedrücktheit
ii. Was Objekte und Vorstellungen zu solchen macht
iii. Stolz und Niedergedrücktheit in der Praxis
2.3. Von den Beziehungen zwischen Eindrücken und Vorstellungen
i. Das Assoziationsgesetz
ii. Das Assoziationsgesetz in der Praxis

3. Zusammenfassung und Schluss

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Nie ist es einem literarischen Unternehmen unglücklicher ergangen als meinem Traktat über die menschliche Natur: Als Totgeburt fiel er aus der Presse und fand nicht einmal so viel Beachtung, um wenigstens unter den Eiferern ein leises Murren zu erzeugen.“[1], so schrieb David Hume selbst über das Werk, mit dem ich mich auszugsweise in dieser Hausarbeit beschäftigen möchte.

David Hume wurde am 7. Mai 1711 in Edinburgh geboren und starb am 25. August 1776 in seinem Geburtsort. Sein „Traktat über die menschliche Natur“ entstand 1737 während eines Aufenthaltes in Frankreich. Hume selbst tat ihn als unreifes Jugendwerk ab. 1739 erschienen der erste und zweite Band des Traktats.

Der Traktat gliedert sich in drei Bücher; das erste Buch behandelt den Verstand, das zweite Buch die Affekte und das dritte die Moral.

„Hume’s moral theory is an aspect of the more general account of man’s emotional nature. Hume, in the second two books of the Treatise, is concerned with an attempt to discover those psychological laws that explain human emotions (including moral emotions) and the behviour of people in societey. There is no neat division between Hume’s psychology and his moral thoery.”[2]

Hume war über die desolate Wissenschaftssituation frustriert und wollte einen Neuanfang machen. Er war der Meinung, dass wir uns zuerst mit uns selbst und unserem eigenen Geist befassen müssen: Was kann unser Geist und was nicht?

Ausgehend von dieser Frage legt Hume schon am Anfang des zweiten Bandes des Traktats über die menschliche Natur grundlegende Unterscheidungen fest. Wenn diese schon bestritten werden können, würde Humes Theorie ins Nichts verlaufen, denn auf diese bezieht er sich im Traktat immer wieder.

Deswegen möchte ich mich in meiner Hausarbeit mit den Grundlagen der praktischen Psychologie Humes beschäftigen. Dabei möchte ich zuerst textanalytisch vorgehen. Danach werde ich versuchen die Theorie mit einem von mir gewählten Beispiel nachzuvollziehen; somit Übereinstimmungen und Unterschiede finden und mit Hume in den Diskurs treten.

2. Praktische Psychologie bei David Hume

2.1. Die Perzeptionen

2.1.1 Die Theorie der Perzeptionen

Nach Hume ist alles in unserem Geist Perzeption, es gibt keinen geistigen Vorgang ohne sie. „Das Wort ,Perzeption’ selbst ist mehrdeutig und kann den Vorgang des Perzipierens als auch das, was erfasst wird, also das Perzeptum oder Objekt dieses Vorgangs, bezeichnen. Bei Hume ist in der Regel das zweite gemeint, so dass also eine Perzeption in Humes Terminologie zumeist einfach das (auf irgendeine Weise des Perzipierens) Erfasste ist.“[3] Die Perzeptionen werden in Eindrücke und Vorstellungen aufgespaltet. „Jede Perzeption ist entweder Eindruck oder Idee.“[4] Letztes ist für Hume das Denken und der Verstand. Somit sind es abstrahierte Eindrücke. Als Beispiel für Vorstellungen lassen sich das visuelle Denkvermögen und das begriffliche Denken anführen.

Hume legt jedoch auf die Eindrücke den primären Aspekt. Eindrücke sind Wahrnehmungen. „Die Eindrücke lassen wiederum eine Einteilung in primäre und sekundäre Eindrücke zu.“[5] Primäre Eindrücke sind die Sinneswahrnehmungen sowie körperliche Schmerz- und Lustgefühle des Menschen. Die sekundären Eindrücke sind Selbstwahrnehmungen, sie gehen aus den primären Eindrücken hervor, sind Reaktionen auf diese. Hierzu gehören Affekte und ähnliche Gefühlsregungen.

„Irgendwelche Perzeptionen, dies leuchtet ein, müssen im Geiste zuerst da sein; und da die Eindrücke den ihnen entsprechenden Vorstellungen vorangehen, so müssen gewisse Eindrücke (zuerst da sein, d.h.) ohne ihnen vorangehende Perzeptionen in der Seele auftauchen.“[6]

Die sekundären Eindrücke teilt Hume wiederum in ruhige und heftige Eindrücke ein. Zu den ruhigen Eindrücken „gehört das Gefühl der Schönheit und Hässlichkeit angesichts einer Handlung, einer künstlerischen Komposition oder äußerer Objekte.“[7] Heftige Eindrücke dagegen sind Affekte der Liebe, des Hasses, des Grams, der Freude, des Stolzes und der Niedergedrücktheit. Sie sind im allgemeinen stärker als die Gefühle.

Eine letzte Einteilung nimmt Hume vor, indem er die heftigen Eindrücke in direkte und indirekte Affekte einteilt. „Unter direkten Affekten verstehe ich solche, die unmittelbar aus einem Gut oder einem Übel, aus Schmerz oder Lust entspringen; unter indirekten Affekten dagegen verstehe ich solche, die auf derselben Grundlagen beruhen, bei denen aber noch andere Momente mitwirken.“[8]. Als Beispiel für direkte Affekte führt Hume Begehren, Abscheu, Schmerz, Freude, Hoffnung, Furcht, Verzweiflung und beruhigende Gewissheit auf; Beispiele für indirekte Affekte sind Stolz, Kleinmut, Ehrgeiz, Eitelkeit, Liebe, Mitleid, Groll und Großmut.[9]

2.1.2 . Die Theorie der Perzeptionen in der Praxis – Ein Beispiel

Wie ist diese Theorie in der Praxis zu verstehen? Wenn man eine rote Ampel im Straßenverkehr sieht, wäre das mit Humes Worten ein Eindruck und zwar ein primärer, weil es ein Sinneseindruck ist: Die Ampel ist rot. Das können wir sehen. Aus diesem primären Eindruck entsteht nun ein sekundärer, welcher eine Reaktion auf diesen darstellt. Eine Reaktion auf eine rote Ampel sollte sein, das Auto an der Haltelinie anzuhalten, ganz gemäß dem Gefühl: „Da ist eine rote Ampel, ich muss halten.“ Bei dieser Reaktion haben Menschen bestimmte Affekte. Diese sind von Mensch zu Mensch verschieden. Gehen wir von einem Menschen aus, der rote Ampeln überhaupt nicht mag, weil er durch sie immer warten muss. Dieser Mensch hat, nachdem er die Ampel gesehen und seinen Wagen abgestellt hat, einen heftigen Eindruck, nämlich einen Affekt des Hasses. Er hasst rote Ampeln. Dieser Affekt ist im allgemeinen stärker als jegliche Gefühle. Der Hass ist vorherrschend und lässt den Menschen alles vergessen. Dieser Abscheu gegen rote Ampeln ist ein direkter Affekt, denn er geht unmittelbar aus einem Übel hervor, nämlich aus der Tatsache, dass rote Ampeln zum Anhalten und damit zum Warten auffordern. Humes Theorie lässt sich also problemlos auf diesen Praxisfall übertragen.

Ein Mensch, der einer roten Ampel gegenüber positive Gefühle hat, hat auch diesen primären Eindruck der roten Ampel, die zu einer Selbstwahrnehmung wird. In diesem Falle wäre die Reaktion auf die Ampel die selbe: Er hält seinen Wagen an. Die Reaktion ist also positiv und verläuft dann in einen ruhigen Eindruck, nämlich ein Gefühl der Schönheit gegenüber der roten Ampel beispielsweise: „Gut, dass die Ampel rot ist, ich wäre sonst viel zu früh bei meinem Termin gewesen.“. Auch hier wirft die Theorie David Humes keine Probleme auf.

Was ist nun aber mit einem Menschen, der überhaupt keine Reaktion auf die rote Ampel zeigt? Es gibt leider auch Menschen, die an einer roten Ampel nicht anhalten. Somit geht aus einem primären Eindruck kein sekundärer Eindruck hervor. Der Mensch sieht nur, dass die Ampel rot ist. Müssen aus primären Eindrücken immer sekundäre Eindrücke hervorgehen? Diese Stelle bleibt bei Hume unklar:

„Primäre Eindrücke oder Eindrücke der Sinneswahrnehmung sind solche, die in der Seele entstehen, ohne dass gleichartige Perzeptionen ihnen vorrausgegangen sind. Sie entstehen aus der Körperbeschaffenheit, den Lebensgeistern oder aus der Einwirkung von Objekten auf die äußeren Organe. Sekundäre Eindrücke oder Eindrücke der Selbstwahrnehmung sind solche, die aus irgend einem primären Eindruck hervorgehen, entweder unmittelbar oder durch die Vermittlung der Vorstellung desselben.“[10]

[...]


[1] Keulenkampff, Jens: David Hume. München: Verlag C. H. Beck 1989. 2. Auflage. (= Becksche Reihe Denker 517). S. 11.

[2] Árdal, Páll S.: Passion and Value in Hume’s Treatise. Edinburgh: Edinburgh University Press 1966. 1. Auflage. S. 2.

[3] Keulenkampff, Jens: David Hume. München: Verlag C. H. Beck 1989. 2. Auflage. (= Becksche Reihe Denker 517). S. 30.

[4] Ebd. S. 29.

[5] Hume, David: Ein Traktakt über die menschliche Natur. Über die Affekte. Über die Moral. Übersetzt von Theodor Lipps. Hamburg: Felix Meiner Verlag 1978. Unveränderter Nachdruck der ersten Auflage. (= Philosophische Bibliothek Band 283b). S. 3.

[6] Ebd. S. 4.

[7]. Hume, David: Ein Traktakt über die menschliche Natur. Über die Affekte. Über die Moral. Übersetzt von Theodor Lipps. Hamburg: Felix Meiner Verlag 1978. Unveränderter Nachdruck der ersten Auflage. (= Philosophische Bibliothek Band 283b). S. 4.

[8] Ebd. S. 5.

[9] Für eine Übersicht über Humes grundlegende Einteilung der Perzeptionen vgl. Anhang Abb. 1.

[10] Hume, David: Ein Traktakt über die menschliche Natur. Über die Affekte. Über die Moral 1978. S. 3-4.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur
Untertitel
Humes praktische Psychologie
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Humes praktische Philosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V88111
ISBN (eBook)
9783638023719
ISBN (Buch)
9783640212187
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
David, Hume, Traktat, Natur, Humes, Philosophie
Arbeit zitieren
Doreen Kötschau (Autor), 2007, David Hume: Ein Traktat über die menschliche Natur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88111

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