Aristoteles' Naturphilosophie im zweiten Buch der Physik


Hausarbeit, 2007
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff und Entwicklung

3. Bedeutung von Natur

4. Grundlagen Aristoteles’ Naturphilosophie
4.1. Natur- und Nicht- Naturdinge
4.2 Die Naturbeschaffenheit
4.3 Der Stoff und die Form
4.4 Wirklichkeit und Möglichkeit
4.5. Das Werden
4.6. Fehlende Bestimmung und Gegensatz

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit sind die Grundlagen der aristotelischen Naturphilosophie auf der Textgrundlage des zweiten Buches aus Aristoteles` „Physik“, welches zu seinen Hauptwerken zählt. Aristoteles befasst sich in dieser Schrift vor allem mit der Klärung grundlegender Begriffe, die zur Beschreibung von Vorgängen in der Natur notwendig sind. Er entwirft ein Bild des Weltgebäudes und seiner Teile. Bei der Bearbeitung eines speziellen aristotelischen Problems stellt sich vor allem die Frage nach dem Verhältnis von Stoff und Form. Zuvor muss jedoch die Frage nach der Naturbeschaffenheit und dem Wesen der Dinge geklärt werden. In dieser Arbeit wird zunächst ein kurzer historischer Überblick über die Entwicklung der Naturphilosophie gegeben, bevor auf die sieben verschiedenen Bedeutungen des Wortes „Physis“ und die einzelnen Grundlagen Aristoteles´ Naturphilosophie eingegangen wird. Bei der Bearbeitung wird es notwendig sein auch in das Buch der „Metaphysik“ zu schauen, da einige Gedanken darin genauer untersucht werden oder ausführlicher besprochen werden.

2. Begriff und Entwicklung

Die Naturphilosophie versucht philosophisch, metaphysisch und erkenntniskritisch die Natur in ihrem Ganzen zu interpretieren, zu erklären und zu deuten. Die Philosophen der vorsokratischen Zeit werden zu den ersten Naturphilosophen gezählt. In diesem Zusammenhang entstanden Begriffe wie Prinzip, Stoff und Form und sie befassten sich mit der Frage nach der Arche, einem einheitlichen materiellen Prinzip des eigentlichen Ursprungs und Anfang der Dinge.[1] Aristoteles sah in Thales den ersten wirklichen „Physiker“[2], da sich dieser als Erster mit dem Prinzip der Dinge befasste und als Urgrund das Wasser sah. Die Scholastik pflegt die Naturphilosophie im Sinne des Aristoteles. Auch die Renaissance setzt ihre Hoffnung wieder auf die Geheimnisse der Natur.[3] Nach Francis Bacon zerfällt die Naturphilosophie in eine „spekulative“ (Physik, Metaphysik) und eine „operative“ (Mechanik) Naturphilosophie. Immanuel Kant lehrte eine dynamische, phänomenalistische Naturphilosophie, welche im engeren Sinn in der „Zurückführung gegebener, dem Anschein nach verschiedener Kräfte auf eine geringere Zahl Kräfte und Vermögen, die zur Erklärung der Wirkungen der ersten zulangen, welche Reduction aber nur bis zu Grundkräften fortgeht, über die unsere Vernunft nicht hinaus kann“[4] besteht. Im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts erreicht die Naturphilosophie eine Blütezeit. Schelling erklärt, dass mit der Naturphilosophie eine höhere Erkenntnis der Natur beginnt, in der sich eine neue Anschauung und ein neues Begreifen der Natur bilden. Er kritisiert an die bis dahin geführte Naturphilosophie, in dem er ankreidet, dass die Theorien bisher nur eine Möglichkeit gewesen seien und aber Notwendigkeiten hätten sein sollen. Sie betrachtet die Natur, wie sie in Gott ist. L. Oken sieht die Naturphilosophie als die Wissenschaft der Verwandlung Gottes in der Welt. Die aprioristische, konstruktive Naturphilosophie Hegels sieht in den Naturprozessen Momente der Selbstentwicklung der Idee und betrachtet als eine rationelle Physik das Allgemeine der Natur in seiner eigenen Notwendigkeit. Sie gewährt dem Geist die Erkenntnis seines Wesens in der Natur. Nachdem die Naturwissenschaft eine Zeitlang jegliche Naturphilosophie ablehnte, bekam sie durch den Darwinismus einen neuen Impuls und war anfangs sehr spekulativ. Schopenhauer übt Kritik an Schellingschen Vorstellung und sieht in einer Anwendung philosophischer Wahrheiten auf Naturwissenschaft das einzige Brauchbare. In mehr oder minder starker Anlehnung an die Naturwissenschaft lehren unter anderem J. H. Fichte, E. Haeckel oder Fr. Schultze, welcher unter Naturphilosophie die Theorie des Wissens von der Natur oder eine natürliche Erkenntnistheorie versteht.[5]

3. Bedeutungen von Natur

Bevor auf die einzelnen Grundlagen der aristotelischen Naturphilosophie eingegangen wird, ist es notwendig den Begriff „Physis“ (Natur) näher zu betrachten, da Aristoteles der Meinung ist, dass ein Wort nie nur eine Bedeutung habe.[6]

Er unterscheidet sechs verschiedene Bedeutungen.[7] Im ersten Sinne heißt Natur „Ursprung oder Geburt“, „alles Werden, Wachsen und Sprießen“[8]. Eine zweite Bedeutung wäre der „Same“. Natur wäre in diesem Sinne alles woraus die Dinge bestehen, „der ursprüngliche Bestandteil, aus dem das, was ein Wachstum hat, hervorsprießt“[9]. Drittens heißt Natur „die Quelle der Bewegung oder der Veränderung“. Aristoteles schreibt „die ursprünglich bewegende Ursache, die in dem Gegenstande als solchem wirksam ist“[10]. Collingwoods Erklärung dieses Bedeutungsaspekts verständlicher als Aristoteles’ Erläuterung. Er gibt an, dass sich darunter vorzustellen sei, dass „ein Stein von Natur aus fällt und Feuer von Natur aus aufsteigt“[11]. Die „ursprüngliche Materie“ ist die vierte Bedeutung des Wortes. Aristoteles führt das Beispiel der aus Erz gemachten Dinge an: „So ist für die aus Erz gemachten Dinge das ursprüngliche Material in Bezug auf sie das Erz.“[12]. Eine weitere Bedeutung ist die, die Natur als das Wesen und die Form zu beschreiben. Diese Bedeutung ist Ziel des Werdens. Da die Beschreibung der Natur als Wesen oder Form natürlicher Dinge für Aristoteles zu weit gefasst ist, erweitert er die Bedeutung indem er „natürliche Dinge“ ersetzt durch „Dinge, die eine Quelle der Bewegung in sich selbst haben“.[13] Er spricht natürlichen Dingen ein innewohnendes Prinzip des Wachsens und der Bewegung zu. Diese letzte Bedeutung ist für Aristoteles die Wichtigste. Er fasst in seinem Buch „Metaphysik“ in einem letzten Abschnitt der Begriffsklärung von „Natur“ diese grundlegende Bedeutung zusammen:

„ Nach dem Dargelegten bedeutet also Natur im Ursprünglichen

und eigentlichen Sinne das Wesen dessen, was das Prinzip seiner

Bewegung in sich enthält, sofern es ist was es ist. Die Materie wird

Natur genannt deshalb, weil sie für ein solches Prinzip empfänglich

ist, die Arten des Werdens aber und das Wachsen deshalb, weil es

Bewegungen sind, die aus diesem Prinzip stammen. Dieses den durch

innere Anlage existierenden Dingen einwohnende Prinzip für ihre

Bewegung aber ist in ihnen irgendwie entweder als bloßes Vermögen

oder als wirksame Kraft.“[14]

[...]


[1] johannes hirschberger, kleine philosophiegeschichte, S. 14f

[2] „Physiker“ ist in diesem Fall mit „Philosoph“ gleichzusetzen

[3] Hirchberger 2005, S. 134

[4] digitale Bibliothek , Philosophielexikon, Eintrag Naturphilosophie, S. 2

[5] digitale Bibliothek, S.1ff

[6] Collingwood 2005, S. 98

[7] Ich werde bei den Bedeutungsbezeichnungen die Formulierungen von Robin G. Collingwood übernehmen.

[8] DB Metaphysik, Zweite Abteilung, Kapitel 6, S. 10

[9] DB Metaphysik, Zweite Abteilung, Kapitel 6, S. 10

[10] Ebd, S.10

[11] Collingwood 2005, S. 99

[12] DB Metaphysik, Zweite Abteilung, Kapitel 6, S. 12

[13] Collingwood 2005, S. 100

[14] DB Metaphysik, Zweite Abteilung, kapitel 6, S. 12

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Aristoteles' Naturphilosophie im zweiten Buch der Physik
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V88119
ISBN (eBook)
9783638017176
ISBN (Buch)
9783638925921
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Naturphilosophie, Buch, Physik
Arbeit zitieren
Anja Thonig (Autor), 2007, Aristoteles' Naturphilosophie im zweiten Buch der Physik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88119

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