Platon "Phaidon" - ein Essay über die Widerlegung des Einwandes von Simmias


Essay, 2007

4 Seiten


Leseprobe

Das Hauptgespräch in Platons Dialog „Phaidon“ ist neben der Beweisführung des Sokrates über die Unsterblichkeit der Seele zudem durch die Einwände von Kebes und Simmias charakterisiert. Sokrates, welcher schon während seiner Ausführungen bemerkte, dass Simmias mit diesen nicht komplett einverstanden war, forderte ihn auf seine Bedenken offen zu äußern. Zudem schätzte Sokrates das Vorbringen des Einwandes, da das ihm zeigte, dass Simmias seinen Reden genau zugehört und darüber nachgedacht hat und er nicht bloß seine Reden rezipiert.

Simmias Einwand beruht darauf, dass für ihn die Seele, welche er als Harmonie des Körpers setzt, diesen Körper nicht überdauern kann. Die Widerlegung dieses Zweifels durch den unerschütterten Sokrates bezieht sich vor allem darauf zu zeigen, dass die Seele nicht als eine Harmonie verstanden werden kann. Sokrates führt die Widerlegung sehr raffiniert durch. Er greift immer wieder den Einwand von Simmias auf und zeigt ihm, wie die Argumentationskette lauten müsste, wenn er die Seele als Harmonie beweisen würde. So macht Sokrates deutlich, dass die Ausführungen in sich unschlüssig erscheinen. Platon verdeutlicht die umgekehrte Argumentationsführung durch ein Frage- Antwort- Prinzip zwischen Sokrates und Simmias. Außerdem weist Sokrates immer wieder auf bereits gemachte Prämissen hin zur Verdeutlichung (93 d). Und schon der erste von Sokrates angesprochene Punkt der Widerlegung lässt Simmias einsehen, dass er einer falschen Annahme nachgegangen ist: Sokrates zeigt ihm auf, dass er sich selbst widerspricht, wenn er von der Präexistenz der Seele, dem Bestehen der Seele vor ihrem Eintritt in den Leib, ausgeht: „…;denn es war gesagt worden, dass unsere Seele, auch ehe sie in den Leib komme, ebenso sei, wie jenes Wesen ist, welches den Beinamen führt dessen, >> was ist <<.“ (92 d). Simmias betrachtet die Harmonie als zusammengesetztes Ding, so wie Sokrates im zweiten Beweis (78 b – 80 b) die Seele als etwas Zusammengesetztes betrachtet. Wenn nun aber Simmias davon ausgeht, dass die Seele aus dem Leib bzw. der Gestalt des Menschen hervorgeht, kann daraus nicht geschlussfolgert werden, dass die Harmonie schon eher vorhanden ist. Es kann nichts „eher vorhanden sein, als dasjenige da ist, woraus sie hervorgehen muss; …“ (92 b). Dieser erste Punkt der Widerlegung ist mir bis zum Schluss doch noch sehr undurchsichtig geblieben, da ich die Gedankengänge sehr vermengt fand. Es ist so sehr mühsam gewesen das Gesagte nachzuvollziehen. Im zweiten Schritt zur Widerlegung, dass die Seele eine Harmonie besitzt, gibt Sokrates an, dass eine Harmonie schon allein ihrer Natur nach verschiedene Stufen erreichen. So entspricht keine Harmonie einer anderen. Da aber ein festgelegtes Fundament besagt, dass jede Seele ihrem Wesen nach

der anderen gleicht, kann die Seele keine Harmonie sein (93 d). Sokrates schreibt der einen Seele Vernunft und Tugend zu und der anderen Seele Unvernunft und Verderben (93 b). Wenn ich das richtig erschlossen habe, sind dabei Vernunft und Tugend die Harmonie und Unvernunft und Laster sind die Disharmonie (93 b). Daraus folgt, dass es eine Harmonie in der Harmonie geben muss und dementsprechend sogar eine Disharmonie in der Harmonie (93 c). Das wäre aber unschlüssig, denn wie schon erwähnt ist jede Seele der anderen Seele gleich. Demnach dürfte eine Harmonie der anderen Harmonie ebenfalls gleich sein. Da dies aber nicht gegeben ist, kann die Seele keine Harmonie sein (94 b). Sokrates bringt noch einen dritten wichtigen Aspekt zur Sprache: Er weist darauf hin, dass die Seele, wenn diese eine Harmonia wäre, nie „entgegengesetzt klingen kann“ (94 c). Gleichzeitig setzt er einfach fest, dass sich aus Beobachtungen heraus sagen lässt, dass die Seele oft dem Leib widerstrebt. Sokrates gibt zum Schluss ein Beispiel aus Homeros Odyssee und zeigt, dass die Seele nicht dazu geschaffen sei vom Leib beherrscht zu werden, sondern vielmehr die Zustände des Leibes selbst leiten soll. Die Seele hat also über den Leib zu herrschen. Wenn sie aber eine Harmonia ist, kann der Leib nicht von der Seele abhängig sein und demnach kann die Seele keine Harmonie sein.

Die Widerlegung von Simmias Einwand scheint auf den ersten Blick sehr schnell abgehandelt zu werden. Bei meinen genaueren Betrachtungen wurde schnell klar, wie kompakt die Argumentation ist. Einige Aussagen erscheinen mir nach wie vor sehr verzerrt. Die Widerlegung wirkt durch das permanente Nachfragen von Sokrates und die kurzen Antworten von Simmias sehr locker, doch darin verstecken sich schwierige und logisch komplizierte Konstruktionen. Diese haben mir das Verständnis erschwert.

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Details

Titel
Platon "Phaidon" - ein Essay über die Widerlegung des Einwandes von Simmias
Hochschule
Universität Leipzig
Autor
Jahr
2007
Seiten
4
Katalognummer
V88130
ISBN (eBook)
9783638017213
ISBN (Buch)
9783656552437
Dateigröße
333 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Phaidon, Essay, Widerlegung, Einwandes, Simmias
Arbeit zitieren
Anja Thonig (Autor), 2007, Platon "Phaidon" - ein Essay über die Widerlegung des Einwandes von Simmias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88130

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