In diesem Abschnitt wird sich die vorliegende Arbeit mit der konstruktivistischen
Systemtheorie und dem Berührungspunkten dieser Theorie mit den Public Relations
auseinandersetzen. Um in das Thema einzusteigen, werden zu Beginn dieses Absatzes
zunächst die Grundbegriffe „Konstruktivismus“ und „Systemtheorie“ verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Konstruktivistische Systemtheorie
2.1 Der Radikale Konstruktivismus
3.0 Grundlagen der Systemtheorie
3.1 Die Denker der Systemtheorie
3.2 Die Allgemeine Systemtheorie
3.2.1 Organisierte Komplexität
3.2.2 Unorganisierte Komplexität
3.2.3 Offene und geschlossene Systeme
4.0 Die Systemtheorie in der Soziologie
4.1 Strukturfunktionalismus
4.1.1 Der Begriff Struktur
4.1.2 Der Begriff Funktion
4.1.3 Die Begriffe Struktur und Funktion in der Systemtheorie
5.0 Die Theorie sozialer Systeme nach Luhmann
5.1 Die funktional-strukturelle Theorie
5.1.1 Autopoiesis
5.1.1.1 Operative und strukturelle Kopplung
5.1.2 Kommunikation
6.0 Die PR-Theorie nach Klaus Merten
6.1 Der Rahmen der PR-Theorie nach Merten
6.2 Evolution von Kommunikation
6.3 Die wachsende Zahl an Medienangebote
6.4 Fiktionale Strukturen
6.4.1 Evolution fiktionaler Strukturen
6.4.2 Öffentliche Meinung
6.4.3 Corporate Identity (CI)
7.0 Konstruktion wünschenswerter Wirklichkeiten
8.0 PR als Metakommunikation
9.0 Kritische Würdigung
9.1 Konstruktivismus – Kritik nach Saxer
9.1.1 Der Konstruktivismus erklärt zu wenig
9.1.2 Journalismus braucht objektive Faktoren
9.2 Merten – Theorie mit ethischen Mängeln
10.0 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die theoretischen Grundlagen der Systemtheorie detailliert darzulegen und eine wissenschaftlich fundierte Verbindung zwischen diesen systemtheoretischen Ansätzen und den Public Relations (PR) herzustellen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern die PR-Theorie nach Klaus Merten als systemtheoretisch begründeter Ansatz zur Konstruktion von Wirklichkeiten fungiert.
- Grundlagen des Konstruktivismus und der Systemtheorie
- Strukturell-funktionale Systemtheorie nach Talcott Parsons
- Theorie sozialer Systeme und Autopoiesis nach Niklas Luhmann
- Die PR-Theorie von Klaus Merten als Wirklichkeitskonstruktion
- Fiktionale Strukturen und Metakommunikation in der PR
- Kritische Reflexion der Theorieansätze und ethische Aspekte der PR
Auszug aus dem Buch
6.4.2 Öffentliche Meinung
Neben den Images gibt es eine weitere fiktionale Struktur für die Beschreibung der Wirkungsbereiche der Public Relations – die öffentliche Meinung. Merten schreibt hierzu, dass jeder Einzelne eigentlich weiß, dass die öffentliche Meinung eine Fiktion ist. Obwohl aber dieses Wissen in der Bevölkerung latent vorhanden ist, richtet die Mehrheit ihr Verhalten an dieser Meinung aus. Beispielhaft hierfür ist z.B. der Irakkrieg. Die lange und fruchtbare Freundschaft zwischen den USA und Deutschland wurde durch eine „Anti-Kriegs-Haltung“ belastet und viele Menschen in Deutschland schlugen sich auf die Seite der Kriegsgegner obwohl sie evtl. für den Krieg der USA waren, sich aber lieber an der vermeintlichen öffentlichen Meinung ausrichteten. Einen solchen Vorgang der Meinungsanpassung nennt man Agenda Setting Funktion. (Merten 99, S. 255). Deutlich wird diese Verhaltensausrichtung, so Merten, an der starken Zunahme der Konstruktion künstlicher Ereignisse, wie Pressekonferenzen, Demonstrationen und Happenings. (Merten 99, S. 255). In diesen Bereich fällt auch die (wie schon oben angesprochen) symbolisierte Politik. Nach Merten müssen fiktionale Größen nicht durch Wahrheit, Authentizität oder Evidenz beweisbar bzw. gedeckt sein. So sind fiktionale Größen oft sehr flüchtig und können so von Fall zu Fall instrumentalisiert werden. (Merten 99, S. 255).
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die wissenschaftliche Relevanz der Systemtheorie ein und skizziert das Vorhaben, eine Verbindung zwischen dieser Theorie und den Public Relations zu etablieren.
2.0 Konstruktivistische Systemtheorie: Das Kapitel erläutert die Grundbegriffe des Radikalen Konstruktivismus nach Ernst von Glasersfeld, wobei der Fokus auf der aktiven, kognitiven Wirklichkeitsbildung des Menschen liegt.
3.0 Grundlagen der Systemtheorie: Hier werden die Ursprünge der Systemtheorie in der Biologie und Physik beleuchtet sowie der Begriff der organisierten Komplexität nach Ludwig von Bertalanffy eingeführt.
4.0 Die Systemtheorie in der Soziologie: Dieses Kapitel stellt Talcott Parsons Ansatz der strukturell-funktionalen Systemtheorie vor, insbesondere das AGIL-Schema zur Beschreibung sozialer Prozesse.
5.0 Die Theorie sozialer Systeme nach Luhmann: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit Luhmanns funktional-struktureller Theorie, zentralen Begriffen wie Autopoiesis, Kommunikation und dem Unterschied zwischen System und Umwelt.
6.0 Die PR-Theorie nach Klaus Merten: Das Hauptkapitel verknüpft die Systemtheorie mit der PR, wobei Merten PR als Prozess der Konstruktion wünschenswerter Wirklichkeiten durch fiktionale Strukturen definiert.
7.0 Konstruktion wünschenswerter Wirklichkeiten: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand von Abbildungen die komplexen Beziehungen zwischen Systemen, PR-Maßnahmen und den daraus resultierenden fiktionalen Strukturen.
8.0 PR als Metakommunikation: Es wird dargelegt, dass PR als selbstreferentielles, soziales System fungiert, das Kommunikation reflektiert und gestaltet, womit sie dem Journalismus als Metakommunikation übergeordnet ist.
9.0 Kritische Würdigung: Hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit den theoretischen Ansätzen statt, insbesondere durch die Einbeziehung der Konstruktivismuskritik von Saxer sowie ethischer Bedenken gegenüber Mertens PR-Theorie.
10.0 Fazit: Das Fazit unterstreicht die Bedeutung der systemtheoretischen Perspektive für das Verständnis moderner Gesellschaftsprozesse und die professionelle Praxis der PR.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Public Relations, Konstruktivismus, Niklas Luhmann, Klaus Merten, Wirklichkeitskonstruktion, Soziale Systeme, Autopoiesis, Metakommunikation, Fiktionale Strukturen, Öffentliche Meinung, Komplexität, Kommunikation, Strukturfunktionalismus, Image
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Verbindungen zwischen der Systemtheorie und dem Berufsfeld der Public Relations (PR) im Kontext der Wirklichkeitskonstruktion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen den Radikalen Konstruktivismus, die soziologische Systemtheorie von Parsons und Luhmann sowie die spezifische Anwendung dieser Theorien auf die PR-Theorie nach Klaus Merten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Systemtheorie als theoretische Basis für professionelles PR-Handeln zu prüfen und aufzuzeigen, wie PR als Prozess der Konstruktion wünschenswerter Wirklichkeiten verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um verschiedene systemtheoretische Ansätze zu vergleichen und sie kritisch auf das Feld der PR anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der soziologischen Systemtheorie (Parsons/Luhmann) und deren Übertragung auf die PR-Theorie von Merten, inklusive der Rolle von fiktionalen Strukturen wie Images.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Systemtheorie, PR, Konstruktivismus, Autopoiesis, Wirklichkeitskonstruktion und Metakommunikation.
Warum ordnet Merten die PR dem Journalismus über?
Merten argumentiert, dass PR auf der Ebene der Metakommunikation agiert, also über Kommunikation nachdenkt und diese konstruiert, während der Journalismus auf der Ebene der direkten Kommunikation verbleibt.
Welche ethische Kritik wird an Mertens PR-Theorie geübt?
Die Kritik bezieht sich insbesondere auf die Instrumentalisierbarkeit fiktionaler Strukturen, wobei die Gefahr besteht, dass die Glaubwürdigkeit zugunsten momentaner Erfolge oder schneller Gewinne geopfert wird.
Was versteht Luhmann unter Autopoiesis im sozialen System?
Autopoiesis beschreibt Systeme, die sich durch eigene Operationen selbst herstellen und erhalten; im sozialen Kontext bedeutet dies, dass soziale Systeme primär durch Kommunikation entstehen und sich stetig reproduzieren.
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- Diplom Online-Journalist Michael Johannes Manger (Author), 2006, Systemtheorie und PR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88133