Die schnelle und erfolgreiche Suche von geeigneten Kandidaten für vakante Stellen ist nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Qualitäts- und Imagefaktor. Durch die gegenwärtige Arbeitsmarktlage fällt es Recruitern momentan verhältnismäßig leicht geeignete Mitarbeiter zu finden. Doch diese Verhältnisse scheinen sich in den letzten Monaten bereits zu verändern. In einigen stark expandierenden Branchen in Deutschland können bereits heute viele vakante Positionen erst nach geraumer Zeit besetzt werden. Diese sich anbahnenden Veränderungen in Hinsicht auf einen Mangel an qualifizierten Fachkräften werden sich in den nächsten Jahren in Deutschland spürbar verschärfen. Grund hierfür ist primär die demographische Entwicklung der Bevölkerungsstruktur. Dies führt dazu, dass beginnend mit dem Jahr 2020 wesentlich mehr Arbeitskräfte aus dem Berufsleben ausscheiden, als junge Leute in den Arbeitsmarkt eintreten. Die dadurch entstehende Bedarfslücke wird bald eine große Herausforderung für Recruiter deutscher Unternehmen darstellen.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit nach alternativen Maßnahmen und Techniken zur Rekrutierung zu suchen, welche auch nach dem Eintreffen dieser arbeitsmarkttechnischen Veränderungen zum Erfolg führen. Hierbei hilft der Blick auf Länder und Regionen mit ähnlichen kulturellen Voraussetzungen, in denen jedoch bereits heute die Situation eines extremen Fachkräftemangels gegeben ist. Eine solche Region ist der Südwesten Floridas in den Vereinigten Staaten. Diese Region hat seit Jahren mit einer Arbeitslosenquote von teilweise unter drei Prozent zu kämpfen. In vielen Bereichen sind die Durchschnittsgehälter in den letzten 5 Jahren um bis zu 40% gestiegen und dennoch reichen diese Anreize nicht aus, um vakante Stellen zu besetzen. Selbst Recruiter von namhaften Unternehmen wie Nissan, Hyatt und Ritz-Carlton haben es schwer Mitarbeiter zu finden und müssen daher in ihren Rekrutierungsanstrengungen innovativ und kreativ tätig werden. Durch neue angewandte Rekrutierungsmaßnahmen und Investitionen gelingt es einigen Recruitern trotz des enormen Mangels an Fachkräften den Bedarf für ihre Unternehmen erfolgreich zu decken. Recruiter von deutschen Unternehmen werden spätestens mit dem Jahr 2020 beginnend ähnliche arbeitsmarktspezifische Herausforderungen zu bewältigen haben. Es stellt sich somit die Frage, ob die in Südwest Florida erfolgreich praktizierten Recruitingmaßnahmen einen ebensolchen Erfolg bei einer Anwendung in Deutschland finden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Begriffe und Definitionen
2. Grundlagen
2.1 Die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland
2.2 Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf den deutschen Arbeitsmarkt
2.3. Gegenwärtige Arbeitsmarktsituation in Südwest Florida
2.4. Gemeinsamkeiten des Arbeitsmarktes in Südwest Florida und der prognostizierten Bedingungen in Deutschland ab 2012
3. Recruiting in Deutschland
3.1 Gegenwärtig genutzte Methoden
3.2 Evaluation auf zukünftige Wirksamkeit
4. Erfolgreich eingesetzte Recruitingmaßnahmen in Südwest Florida
4.1 Campus Recruiting
4.1.1 Bedeutung des Campus Recruitings
4.1.2 Auswahl der in Frage kommenden Hochschulen
4.1.3 Anlaufstellen und Ansatzpunkte erfolgreichen Campus Recruitings
4.1.4 Erstellung eines Recruitingprogramms
4.1.5 Wettbewerb zwischen Unternehmen im Campus Recruiting
4.2. Praktika als Mittel zum Recruiting
4.2.1 Die Bedeutung von Praktika für das Recruiting
4.2.2 Gestaltung und Optimierungsmöglichkeiten von Praktika
4.2.3 Beispiele für Praktika in amerikanischen Unternehmen
4.3 Empfehlungen von Mitarbeitern als Mittel zum Recruiting
4.4 Nutzung von Jobmessen
5. Kritische Betrachtung der amerikanischen Recruitingmethoden auf Anwendung in Deutschland
6. Erfolgversprechende Maßnahmen und daraus resultierende Handlungsempfehlungen für Unternehmen in Deutschland
7. Ansatzpunkte zur Unterstützung der Recruitinganstrengungen
7.1 Employer Branding zur Steigerung der Bewerberzahlen
7.1.1 Vorgehensweise bei der Implementierung des Employer Brandings
7.1.2 Beispiele für erfolgreiche Implementierungen
7.2 Mitarbeiterbindung als Hilfe zur Entlastung des Recruitings
7.2.1 Monetäre Anreize als klassisches Bindungsinstrument
7.2.2 Steigende Bedeutung nicht monetärer Anreize
7.2.3 Fluktuationsanalyse und Exit Interviews
8. Kritische Betrachtung des ganzen Modells
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Unternehmen dem drohenden Fachkräftemangel durch die Adaption erfolgreicher Recruiting-Strategien aus Südwest Florida begegnen können. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Übertragbarkeit spezifischer Maßnahmen unter Berücksichtigung kultureller und struktureller Unterschiede.
- Analyse demografischer Trends und deren Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt.
- Untersuchung innovativer Recruiting-Methoden in Südwest Florida (Campus Recruiting, Praktika, Mitarbeiterempfehlungen, Jobmessen).
- Kritische Evaluation der Anwendbarkeit dieser Methoden auf den deutschen Kontext.
- Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für Unternehmen in Deutschland.
- Bedeutung von Employer Branding und Mitarbeiterbindung zur Stärkung der Arbeitgeberattraktivität.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Bedeutung des Campus Recruitings
Das Campus Recruiting, in der amerikanischen Fachliteratur auch College Recruiting genannt, erlebte in den letzten Jahren einen starken Aufschwung in Südwest Florida. Der steigende Bedarf an hoch qualifizierten Mitarbeitern liegt auch in den Vereinigten Staaten in der stetig wachsenden Dienstleistungsbranche begründet. SESSIONS ist der Meinung: „One of the best ways to get good people … is to hire them directly from the source-colleges and universities.” Diese Methode des Recruitings ist bereits seit vielen Jahrzehnten in den USA beliebt und verbreitet und kann bereits als eine traditionelle Recruitingmethode bezeichnet werden. Wurde schon in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum des Engagements von Unternehmen an Hochschulen verzeichnet, so setzt sich dieser Trend momentan überall in den USA ungebremst fort.
Kamen beispielsweise im Jahr 1993 noch 41 Unternehmen an die University of Maryland, so waren es im Jahr 1999 bereits über 250. Die Anzahl der durchgeführten Einstellungsgespräche stieg innerhalb dieser sechs Jahre von 310 auf 616. An der California State University stieg die Präsenz von rekrutierenden Unternehmen von 150 im Jahr 2004 auf 250 im Jahr 2006, so dass die Anzahl limitiert werden musste. Daraus ist bereits erkennbar, dass diese Methode des Recruitings nicht nur beliebt, sondern offensichtlich auch sehr erfolgreich zu sein scheint. Die in Pennsylvania ansässige landesweit vertretene ‚National Association of Colleges and Employers’ bildet ein Bindeglied zwischen Karrierebüros der Hochschulen und Unternehmen. In einer im Jahr 2006 durchgeführten Umfrage unter allen Mitgliedsunternehmen wurde festgestellt, dass 94% den Erfolg des Campus Recruiting als gut, sehr gut oder exzellent einschätzen. Das Engagement der befragten Unternehmen mit Hochschulen stieg der Umfrage zufolge vom Jahr 2005 auf 2006 um fast 29%. Um Hochschulen als Quelle für den Bedarf an Fachkräften zu nutzen und trotz der hohen Konkurrenzsituation erfolgreich zu sein, ist eine strategische Herangehensweise unabdingbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die Problematik des Fachkräftemangels und beschreibt den Aufbau der Arbeit.
2. Grundlagen: Analysiert die demografische Entwicklung in Deutschland und vergleicht sie mit der Arbeitsmarktsituation in Südwest Florida.
3. Recruiting in Deutschland: Beschreibt aktuelle Rekrutierungsmethoden in Deutschland und bewertet deren Wirksamkeit unter zukünftigen Bedingungen.
4. Erfolgreich eingesetzte Recruitingmaßnahmen in Südwest Florida: Stellt innovative Methoden wie Campus Recruiting, Praktika und Mitarbeiterempfehlungen vor.
5. Kritische Betrachtung der amerikanischen Recruitingmethoden auf Anwendung in Deutschland: Hinterfragt die Übertragbarkeit der US-Methoden auf deutsche Gegebenheiten.
6. Erfolgversprechende Maßnahmen und daraus resultierende Handlungsempfehlungen für Unternehmen in Deutschland: Leitet konkrete Strategien für deutsche Unternehmen ab.
7. Ansatzpunkte zur Unterstützung der Recruitinganstrengungen: Erläutert Employer Branding und Mitarbeiterbindung als komplementäre Erfolgsfaktoren.
8. Kritische Betrachtung des ganzen Modells: Reflektiert die Ergebnisse und die Grenzen der getroffenen Prognosen.
Schlüsselwörter
Recruiting, Fachkräftemangel, Südwest Florida, Demografie, Campus Recruiting, Praktika, Arbeitgebermarke, Employer Branding, Mitarbeiterbindung, Arbeitsmarkt, Personalbeschaffung, High Potentials, Exit Interviews, Retention Management, Networking
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Unternehmen sich auf den kommenden Fachkräftemangel vorbereiten können, indem sie erfolgreiche, in Südwest Florida praktizierte Recruiting-Strategien analysieren und deren Übertragbarkeit auf den deutschen Markt prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind demografischer Wandel, moderne Recruiting-Methoden an Hochschulen, Praktikantenprogramme, Mitarbeiterempfehlungssysteme sowie Employer Branding und Retention Management.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für deutsche Recruiter zu entwickeln, um trotz sinkender Bevölkerungszahlen und verschärftem Wettbewerb qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu binden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie Experteninterviews, die der Autor mit sechs Recruitern erfolgreicher Unternehmen in Südwest Florida im Jahr 2007 geführt hat.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert aktuelle deutsche Methoden, stellt US-amerikanische Best-Practices vor, hinterfragt diese kritisch hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit und diskutiert flankierende Maßnahmen wie Employer Branding.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Recruiting, Fachkräftemangel, Employer Branding, Campus Recruiting und Mitarbeiterbindung definieren.
Warum ist ausgerechnet Südwest Florida das Vergleichsbeispiel?
Die Region weist ähnliche wirtschaftliche Herausforderungen wie das prognostizierte Szenario für Deutschland ab 2012 auf, insbesondere bei der Arbeitslosenquote und dem Fachkräftebedarf.
Welche Rolle spielt das Employer Branding in diesem Kontext?
Employer Branding wird als ganzheitlicher Ansatz dargestellt, um den Wettbewerb um Talente zu gewinnen, indem das Unternehmen als attraktive Arbeitgebermarke positioniert wird.
- Quote paper
- Michael Sitte (Author), 2007, Chancen und Möglichkeiten des Recruitings neuer Mitarbeiter bei verschärftem Fachkräftemangel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88179