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Zum Motivkreis der Nacht in Eichendorffs Lyrik

Title: Zum Motivkreis der Nacht in Eichendorffs Lyrik

Seminar Paper , 2000 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Julia Irsch (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Nacht, jene dunkle Tageszeit, fasziniert seit jeher Menschen in allen Kulturkreisen. Sie ist Symbol für alles Chaotische, Ungeordnete und Unbekannte. Vor allem aber ist sie jener Raum, aus dem alles entstand. So heißt es in der Genesis: "Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe [...]" Und laut alten orientalischen Überlieferungen war im Anbeginn "alles gleich einem Meere ohne Licht" Man setzt die Nacht gleich mit dem Dämonischen, mit dem Unwissen, sieht sie als von feindlichen Mächten bevölkerten Raum. Doch nicht nur Bedrohung geht von ihr aus, die Nacht kann auch eine wohltuende und beruhigende Erfahrung sein.
Die Nacht als sinnliche Erfahrung war es, die Joseph von Eichendorff so sehr anzog, so sehr beeindruckt hat. Die Nacht war für ihn eine ambivalente Erfahrung. Erlebte er sie einerseits als tröstlich und schützend, so war sie ihm doch andererseits eine Unheimliche, eine Schaurige und Beängstigende. Bei Neunzig findet sich dazu folgende Stelle:
"[...] er, der die glücklichste Kindheit hatte, die sich denken läßt, kannte die Schwermut, kannte die Verlockung, sich fallenzulassen, die Lust, sich zu verirren. Das Dämonische war für ihn nicht nur ein Wort. Wer in der Lage ist, die Dinge und die Natur sprechen zu lassen, ist nicht nur tastselig und gescheit, er hat die Schatten des Unheimlichen gesehen.."
Die Ambivalenz, mit der Eichendorff dem Motiv der Nacht begegnete, soll Thema dieser Arbeit sein. Dabei muß unterschieden werden zwischen seiner christlichen und seiner romantischen Nachtanschauung, die er häufig auch untrennbar miteinander verband. Im folgenden möchte ich an einigen ausgewählten Beispielen zeigen, wann Eichendorff der mythisch-romantischen Nachtsicht verhaftet bleibt und wann er seinen Rezipienten einen neuen, den christlichen Weg des bedingungslosen Gottvertrauens anbietet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Nacht im Kontext romantischer Naturphilosophie

2. Nächtliche Erfahrungen Eichendorffs

2.1 Romantische Nachtsicht

2.1.1. Sehnsucht

2.1.2 Zwielicht

2.2 Christliche Nachtsicht

2.2.1 Der Einsiedler

2.2.2 Der stille Grund

3. Schluß

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ambivalenz des Nacht-Motivs in der Lyrik Joseph von Eichendorffs. Ziel ist es, die Unterscheidung zwischen der mythisch-romantischen Nachtsicht und der christlich-transzendenten Nachtanschauung zu schärfen und aufzuzeigen, wie Eichendorff diese beiden Ebenen in seinem Werk verknüpft.

  • Die Nacht als ambivalentes Symbol zwischen Dämonie und Geborgenheit.
  • Eichendorffs Auseinandersetzung mit der romantischen Naturphilosophie.
  • Analyse spezifischer Nachtgedichte (u.a. „Sehnsucht“, „Zwielicht“, „Der Einsiedler“, „Der stille Grund“).
  • Die Bedeutung der christlichen Transzendenz als Ausweg aus der romantischen Nacht-Symbolik.

Auszug aus dem Buch

2.1 Romantische Nachtsicht

Das romantische Bild der Nacht ist bei Eichendorff entscheidend geprägt von jenen mythischen Vorstellungen, wie sie schon Novalis oder Tieck konzipierten. Die Nacht als personifiziertes Wesen steigt aus höheren Sphären herab, um ihr Geheimnis in verrätselter Sprache mitzuteilen. Immer wieder spricht Eichendorff von der „wunderbaren“, „phantastischen“ Nacht. Diese Attribute dürfen aber nicht nur als schmückendes Beiwerk angesehen werden, verweisen sie doch auf das Wesen der Nacht, welches das Wunderbare an sich verkörpert. Die Nacht versetzt den Erlebenden in einen Traumzustand und teilt ihm ihre Geheimnisse in chiffrierter Sprache mit. Daraus resultiert auch das Unbehagen, von dem Eichendorffs lyrisches Ich mitunter ergriffen wird. Es entsteht nicht aus Angst vor dem Übernatürlichen an sich, sondern aus dem Zweifel über dessen Natur und Bedeutung. Wie Mayer überzeugend darstellt, läßt sich dieses Gefühl des Unheimlichen auf den „Ausdruck der Unsicherheit, welche jeder angedrohten Destabilisierung der normalen Beziehung zwischen dem Menschen und der Welt zwangsläufig folgt“ zurückführen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Ambivalenz des Nachtmotivs bei Eichendorff zwischen romantischer Faszination und christlicher Geborgenheit.

1. Die Nacht im Kontext romantischer Naturphilosophie: Beleuchtung der romantischen Vorstellung von der Nacht als Medium für seelische Erfahrungen und als Gegenentwurf zur Aufklärung.

2. Nächtliche Erfahrungen Eichendorffs: Übergang zur spezifischen Analyse von Eichendorffs Werk und der zentralen Bedeutung der Nacht in seiner Lyrik.

2.1 Romantische Nachtsicht: Untersuchung der mythischen und personifizierten Nacht als Traumzustand und Quelle des Unheimlichen.

2.1.1. Sehnsucht: Analyse des Gedichts im Hinblick auf die romantische Sehnsuchts-Symbolik und die Flucht in die Ferne.

2.1.2 Zwielicht: Untersuchung des Grenzzustands der Dämmerung und der Bedrohung durch die dunkle Nachtseite.

2.2 Christliche Nachtsicht: Betrachtung der Nacht als Ort christlicher Transzendenz und göttlicher Führung.

2.2.1 Der Einsiedler: Analyse der Nacht als Ort des Trostes und der Geborgenheit bei Gott.

2.2.2 Der stille Grund: Auseinandersetzung mit der Gefahr der Selbstverlorenheit und der Rettung durch den christlichen Morgen.

3. Schluß: Zusammenführende Betrachtung der engen Verknüpfung von romantischen und christlichen Motiven in Eichendorffs Werk.

Schlüsselwörter

Joseph von Eichendorff, Nachtmotiv, Romantik, Lyrik, Naturphilosophie, Christliche Transzendenz, Sehnsucht, Zwielicht, Traumzustand, Dämonie, Geborgenheit, Ambivalenz, Literaturanalyse, Gottvertrauen, Symbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Motiv der Nacht in den Gedichten Joseph von Eichendorffs und untersucht, wie er unterschiedliche philosophische und religiöse Konzepte darin integriert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die romantische Nachtanschauung, die Naturphilosophie der Epoche sowie der Kontrast und die Verbindung zur christlich-transzendenten Weltsicht.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Ambivalenz zwischen der als romantisch-geheimnisvoll wahrgenommenen Nacht und ihrer Bedeutung als Raum der christlichen Zuflucht differenziert herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Die Autorin wendet eine textnahe Interpretation ausgewählter Gedichte an und setzt diese in Bezug zu zeitgenössischen literaturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Diskursen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einleitung zur romantischen Nachtsicht sowie in konkrete Analysen ausgewählter Gedichte, unterteilt in romantische und christliche Nachtkonzeptionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Eichendorff, Nachtmotiv, Romantik, Christliche Transzendenz, Sehnsucht, Zwielicht, Dämonie und Geborgenheit sind die tragenden Begriffe der Arbeit.

Welche Rolle spielen die "Zwiegespräche" mit der Nacht in Eichendorffs Lyrik?

Die Nacht wird oft personifiziert dargestellt. Sie dient dem lyrischen Ich sowohl als Spiegel für innere Ängste als auch als Resonanzraum für metaphysische Erfahrungen.

Warum ist die Unterscheidung zwischen der "romantischen" und der "christlichen" Nacht für Eichendorff so schwierig?

Die Autorin legt dar, dass Eichendorff beide Motive oft eng miteinander verwebt, da er als gläubiger Katholik die romantische Symbolik nutzte, um gleichzeitig christliche Sinngehalte auszudrücken.

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Details

Title
Zum Motivkreis der Nacht in Eichendorffs Lyrik
College
University of Frankfurt (Main)  (Neuere deutsche Literatur)
Course
Seminar - Eichendorff, Lyrik und Erzählprosa
Grade
1,3
Author
Julia Irsch (Author)
Publication Year
2000
Pages
28
Catalog Number
V8817
ISBN (eBook)
9783638156899
Language
German
Tags
Motivkreis Nacht Eichendorffs Lyrik Seminar Eichendorff Lyrik Erzählprosa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Irsch (Author), 2000, Zum Motivkreis der Nacht in Eichendorffs Lyrik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8817
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