Das Konzept des handlungsorientierten Lernens: Eine Darstellung von John Deweys Erziehungsphilosophie und deren Bedeutung in der heutigen Zeit


Studienarbeit, 2006

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Biographischer Hintergrund John Deweys

2 Handlungsorientiertes Lernen
2.1 Rezeption des handlungsorientierten Lernens in Deutschland
2.2 Philosophische Wurzeln des handlungsorientierten Lernens
2.3 Kurzbeschreibung des Konzeptes des handlungsorientierten Lernens
2.3.1 Anforderungen an Erziehungsinstitutionen
2.3.2 Deweys Konzept des handlungsorientierten Lernens
2.4 Zugrunde liegendes Menschenbild
2.5 Implizierte Wertvorstellung und deren Begründung
2.6 Typische Vorgehensweise und erzieherische Haltung

3 Kritische Stellungnahme in Bezug auf die aktuelle Praxisrelevanz

4 Persönliche Stellungnahme zur Studienarbeit

5 Literaturangaben

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird beschrieben, was John Dewey unter „handlungsorientiertem Lernen“, auch bekannt als „Projektunterricht“ oder „Projektorientierter Unterricht“, verstanden hat. Ziel ist es, ein umfassendes Bild von John Deweys Erziehungsphilosophie wiederzugeben und auf die Bedeutung dieser in unserer Zeit einzugehen.

Dazu wird als erstes die Biographie des Philosophen John Dewey kurz vorgestellt, auf die Herkunft des handlungsorientierten Lernens und den Einfluss in der Geschichte der deutschen Pädagogik eingegangen. Anschließend folgt seine Vorstellung von handlungsorientiertem Lernen. Weiter sollen das zugrunde liegende Menschenbild, sowie zugrunde liegende Werte beleuchten werden und auf die typischen Vorgehensweisen in der Erziehung eingegangen werden. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einer kritischen Stellung zu seinem Konzept des handlungsorientierten Lernens.

1 Biographischer Hintergrund John Deweys

Die hier wiedergegebene Biographie John Deweys orientiert sich an „John Dewey zur Einführung“ von Martin Suhr:

„John Dewey wurde am 20. Oktober 1859 in der Kleinstadt Burlington, Vermont, in Neuengland im Osten der USA geboren. John Deweys Vater Archibald Spague Dewey war Kolonialwarenhändler und hatte drei Söhne mit seiner Frau Lucina, die 20 Jahre jünger und streng religiös war. Sie setzte sich auch für die akademische Ausbildung ihrer Söhne ein“ (vgl. Suhr 1994, S. 9).

„John Dewey schloss die High School mit 15 Jahren ab, ging aufs College und begann 1879 an der Universität von Vermont ein Studium. Dies war eine sehr kleine Universität, an der versucht wurde den Studenten eine umfassende Bildung zu vermitteln. Die ersten beiden Jahre wurde Griechisch, Latein, alte Geschichte, analytische Geometrie und Differenzialrechnung gelehrt. Im dritten Jahr Naturwissenschaften unter anderem diskutierte man Darwins Evolutionstheorie. Im vierten Jahr überwiegend Philosophie“ (vgl. Suhr 1994, S. 9).

„1882 schrieb sich Dewey an der John-Hopkins-Universität, Michigan ein. Sein Lehrer in Philosophie war G.S. Morris. Mit einer Dissertation über Kants Psychologie schloss Dewey 1884 sein Studium ab und erhielt, vermittelt durch Morris, das Angebot, in Michigan zu lehren. Während dieser Zeit lernte er auch seine zukünftige Frau Alice Chipman kennen, die er 1886 heiratete“ (vgl. Suhr 1994, S 10f.).

„In den Jahren mit Morris, der in Deutschland studiert hatte, war folglich der Einfluss der deutschen Philosophie (Hegel´scher Idealismus) am größten, von der sich Dewey aber allmählich löste. (vgl. S11). Nach dem Tod von Morris wurde Dewey als sein Nachfolger berufen bevor er 1894 an die Universität von Chicago berufen wurde“ (vgl. Suhr 1994, S 11f.).

„Ausschlaggebend für den Wechsel nach Chicago war vor allem, dass hier Philosophie, Psychologie und Pädagogik in einem Department zusammengeschlossen waren. Chicago war zu der Zeit die zweitgrößte Stadt Amerikas, eine wirtschaftliche Metropole, die auch zur geistlichen Metropole werden wollte. Sie lag im Mittelpunkt der Revolten, in denen sich sozial Benachteiligte zur Wehr setzten. Chicago bot das ideale Klima für die pragmatistische Philosophie der Praxis, für die Wissenschaft im Dienste der Sozialreform, wie sie Dewey vertrat. Hier gründete er auch die „Laboratory School“, eine Versuchsschule, an der er seine Philosophie der Erziehung umzusetzen versuchte“ (vgl. Suhr 1994, S 12 - 14).

„10 Jahre später (1904) wurde Dewey an die Universität nach Columbia berufen und wurde 1930 emeritiert. Mit 87 Jahren heiratete er ein zweites Mal, seine erste Frau war bereits 1927 gestorben, und adoptierte zwei Kinder. John Dewey stab am 01.06.1952 in New York City” (vgl. Suhr 1994, S16).

„Starken Einfluss auf seine Erziehungsphilosophie nahm die Evolutionstheorie Charls Darwins“ (vgl. Schreier 1986, S 29) und „Principles of Psychology“ 1891 von William James und seinen Vorstellungen über Begriffsbildungen, Unterscheidung, Vergleich und Begründung“ (vgl. Suhr 1994, S 11).

2 Handlungsorientiertes Lernen

2.1 Rezeption des handlungsorientierten Lernens in Deutschland

Die Ideen des handlungsorientierten Lernens, nach der Auffassung von John Dewey, wurden in Deutschland, aus jeweils unterschiedlichen Intensionen heraus am Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert aufgegriffen:

- Reformpädagogik (Ende 19. Jahrhundert, Anfang 20. Jahrhundert)
“Vor allem in den 20er Jahren wurde versucht, den Projektgedanken der progressiven Erziehungsbewegung für die deutsche Schulreform nutzbar zu machen. Vertreter waren: Kerschensteiner, Hylla, Petersen“ (vgl. Schreier 1986, S 19).

- 1945 ab den Ende des 2. Weltkrieges

“Bemühungen der Amerikaner, das deutsche Schulwesen nach ihren Vorstellungen von Demokratie zu beeinflussen. In den 50ger Jahren gab es Versuche, Gruppenarbeit und sozialintegratives Verhalten der Lehrer in Deutschland zu entwickeln“ (vgl. Schreier 1986, S 19).

- 70er Jahre, Studenten- und Schülerbewegung

“Sie betonten Deweys zentrale Vorstellung einer Beteiligung der Lernenden an der Erstellung von Lehrplänen“ (vgl. Schreier 1986, S19).

- Handlungsorientiertes Lernen heute :

Praktisch angewandt werden Deweys Ideen des handlungorientierten Lernens heute unter anderem in der Laborschule Bielefeld, die unter der Leitung des Pädagogen Hartmut von Hentig 1974 gegründet wurde.

2.2 Philosophische Wurzeln des handlungsorientierten Lernens

Die Wurzeln von John Deweys Erziehungsphilosophie liegen in der pragmatischen Philosophie. Diese geht von der Grundannahme aus, dass die Bedeutung eines Begriffs ganz in seinen praktischen Folgen liegt. John Dewey ging es in erster Linie um die Erziehung aus Sicht der pragmatischen Philosophie. „Nach seiner Auffassung zeigt sich der Wert einer Philosophie in den konkreten Aussagen, die sie zur praktischen Erziehung machen kann“ (vgl Schreier 1986, S 161).

„So weist Joseph L. Blau in seinem Buch Men and Movements in American Philosophy auf die Entsprechungen zwischen den Gründzügen einer idealisierten nordamerikanischen Sozialisation und den Grundannahmen des Pragmatismus hin: soziale Mobilität, Ausbildung aller für Kopf- und Handarbeit zugleich, Prämisse der politischen Mündigkeit jedes Bürgers.“ (Blau 1977, S. 229, zit. nach Schreier 1986, S 23)

„Der Pragmatismus sieht den Ursprung aller Dinge im Handeln, damit fragt er nicht mehr nach höchsten Gütern oder allgemeinsten Regeln, sondern nach der Veränderlichkeit, nach dem Prozesscharakter der Welt. Die Wirklichkeit besteht für die Pragmatisten in der Erfahrung der Welt. Wirklichkeit = Erfahrung, das, was wir nicht erfahren haben, existiert für uns nicht“ (vgl. Schreier 1986, S 24 -26). Hier lässt sich eine nähe der Pragmatisten zum Konstruktivismus erkennen.

Damit geht der Pragmatismus von einer Entwicklung der Welt aus. „Diese Idee wurde besonders durch die Evolutionstheorie von Charls Darwin untermauert. Dieser lieferte den Nachweis des Prozesscharakters des Lebens. Während Darwin das menschliche Denken als Funktion im Überlebenskampf des Anpassungsprozesses darstellt“ (vgl Schreier 1986, S 28 - 29), zeigen die Pragmatisten,

„[…]wie das Denken parallel zur Variation der Arten auf der genetischen Ebene selbst ein Instrument zur Hervorbringung von neuem in der Welt ist. Damit ist eine aktiv-kreative Funktion des Denkens bedeutet, […].“ (Schreier 1986, S29)

Erst durch Denken, durch die Verbindung von Ursache und Wirkung im Denkprozess ist der Mensch in der Lage, aus seinen Handlungen zu neuen Erkenntnissen und letztendlich zu neuer Erfahrung zu gelangen, welche höhere Erfahrung ermöglicht

„Der philosophische Ansatz des Pragmatismus sieht demnach die Welt als Experiment“ (vgl. Schreier 1986, S 29), als Projekt und der Schlüssel für einen möglichen Fortschritt liegt nicht in der Vergangenheit oder höheren Werten, wie sie in der Philosophie gern gesucht werden, sondern in der Untersuchung der gegenwärtigen Situation. Wenn die Zukunft also in der Gegenwart begründet liegt und der Mensch durch aktives, kreatives Denken Neues schaffen kann, so hat er auch eine große Verantwortung, denn er muss die tatsächlichen Folgen seines Handelns für die Zukunft abwägen. Dies lässt sich mit folgendem Zitat belegen:

„Ebenso klingt die Ethik des Utilitarismus an, der die tatsächlichen Folgen einer Handlungsweise anstelle der moralischen Beurteilung der ihr zugrunde liegende Motive für entscheidend gehalten hatte.“ (Schreier 1986, S33)

Kritik am Pragmatismus war dann auch die Unverbindlichkeit von jeglichen Wertvorstellungen und Individualismus. Kritiker fragten sich, woran sich der Mensch dann noch orientieren solle?

2.3 Kurzbeschreibung des Konzeptes des handlungsorientierten Lernens

Wesentliche Vorstellung zum handlungsorientierten Lernen sind in seinem Werk „Demokratie und Erziehung“ von 1915 zu finden. John Dewey war Philosoph und Pädagoge, er hat kein klar strukturiertes Konzept des handlungsorientierten Lernens geschrieben, sondern eine Erziehungsphilosophie entwickelt, aus der verständlich wird, warum Erziehung in öffentlichen Institutionen handlungsorientiert ablaufen sollte und wie diese Erziehung aussehen sollte.

2.3.1 Anforderungen an Erziehungsinstitutionen

John Dewey war ein Anhänger des Pragmatismus, er war der Meinung, dass die Welt auf Erfahrung beruht und der Mensch nur dann lernt, wenn es gelingt, die Erfahrung mit dem Vorherigen und dem Zukünftigen zu verbinden.

„Für Dewey stand der Mensch in einem kontinuierlichen Handlungskreislauf mit seiner Umwelt. Wurde dieser Kreislauf gestört und ließ sich die Situation nicht durch Routine und Gewohnheit bewältigen, dann begann der Mensch zu denken und das heißt methodisch vorzugehen.“ (Knoll 1992, S97)

Dabei war der Anteil des methodischen Denkens entscheidend für den Wert der Erfahrung, weshalb er zwei Arten der Erfahrung unterschied (vgl. Knoll 1992, S97):

- Die primäre Erfahrung als Versuch und Irrtum.
- Die sekundäre Erfahrung als System und Wissenschaft.

Für das Lernen von Bedeutung ist nur die sekundäre Erfahrung, da über das Problem und die Lösung nachgedacht werden muss, das heißt, alle fünf Phasen der wissenschaftlichen Methode durchlaufen werden.

Michael Knoll fand bei Dewey folgende fünf Phasen (vgl. Dewey 1910, nach Knoll 1992, S 97):

1. Eine Situation muss als problematisch erkannt werden.
2. Klären der Situation durch Präzisierung des Problems und Entwurf eines Plans.
3. Untersuchung des Problems, Aufstellen von Hypothesen und Überprüfung derselben.
4. Lösungen auf ihre Konsequenzen durchdenken.
5. Entscheidung für eine Lösung, nochmalige Überprüfung; annehmen oder ablehnen?

Nur wenn der Mensch auf unmittelbares Handeln verzichtet und methodisch denkt, kann er Erkenntnis und Erfahrung gewinnen, die ihn zu weiterer, höherer Erfahrung befähigt.

Lernen beruht also auf Erfahrung, aber wie muss Unterricht, Erziehung strukturiert werden, welche Einstellungen sind notwendig, um handlungsorientiertes Lernen zu ermöglichen. Dewey nannte folgende Bedingungen:

a) Verbindung von Theorie und Praxis:

„Von der Theorie getrennt steht Praxis in der Gefahr, in Konfusion, Routine, Irrelevanz zu verflachen.“ (Schreier 1986, S. 70) „Also kann nur eine durch aktives kreatives Denken untermauerte Praxis Erfahrung bringen. Für eine sinnvolle Erfahrung ergibt sich allerdings die Notwendigkeit, einen Plan für das weitere Vorgehen zu entwickeln, wodurch sich die Einheit von Theorie und Praxis zeigt. In Bezug auf die Schule weist Dewey darauf hin, dass die Erziehung zunehmend vom wirklichen Leben getrennt abläuft. Damit ist ein Hauptkritikpunkt Deweys am Schulsystem genannt. Die Trennung von Theorie und Praxis, von Körper (Wahrnehmung) und Geist (Denken)“ (vgl. Schreier 1986, S 71 -72).

[...]

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Details

Titel
Das Konzept des handlungsorientierten Lernens: Eine Darstellung von John Deweys Erziehungsphilosophie und deren Bedeutung in der heutigen Zeit
Hochschule
Hochschule München
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V88190
ISBN (eBook)
9783638017411
ISBN (Buch)
9783638935647
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Lernens, Eine, Darstellung, John, Deweys, Erziehungsphilosophie, Bedeutung, Zeit
Arbeit zitieren
Jan-Philip Frank (Autor), 2006, Das Konzept des handlungsorientierten Lernens: Eine Darstellung von John Deweys Erziehungsphilosophie und deren Bedeutung in der heutigen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88190

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