Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Im Schulalltag können sie diesen jedoch nur beschränkt ausleben, da körperliche Aktivität im Unterricht immer weniger an Bedeutung gewinnt. Dabei können gerade Aktivität und Bewegung die Aufmerksamkeit von Kindern erhöhen.
Inwieweit fördert körperliche Aktivität die schulischen Leistungen von Kindern? Welche Arten von körperlichen Aktivitäten eignen sich für eine Steigerung der Konzentration besonders gut? Und wie können Schulen Bewegung sinnvoll in den Unterricht integrieren?
Der Autor Torben Tesche beleuchtet den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und schulischen Leistungen. Anhand eines Bewegungsprogramms von Grundschulen erklärt er, wie körperliche Betätigung im Unterricht die Konzentration von Kindern steigern kann. Dabei gibt er Tipps für die praktische Umsetzung.
Aus dem Inhalt:
- kognitive Leistung;
- Arbeitsgedächtnis;
- Lernmotivation;
- physical activity;
- Bewegungsmangel
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Intelligenz, körperliche Aktivität und Schulleistungen
2.1 Intelligenz und körperliche Aktivität - Eine Begriffsannäherung
2.2 Verbesserungen der schulischen Leistungen durch körperliche Aktivität
3 Exekutive Funktionen
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Entwicklung
3.3 Bedeutung für die schulischen Leistungen
4 Legitimation von körperlicher Aktivität in der Schule
4.1 Legitmierende Aspekte
4.2 Exkurs bewegte Schule
4.2.1 Definition
4.2.2 Merkmale
4.2.3 Legitimation des Konzeptes
4.3 Überlegungen zur Konzeption
5 Aktueller Forschungsstand zum Zusammenhang von körperlicher Aktivität und Schulerfolg
6 Hypothesen
7 Methodik der Studie
7.1 Beschreibung des Designs
7.2 Beschreibung der Stichprobe
7.3 Schulisches Bedingungsfeld
7.4 Auswahl der Erhebungsinstrumente
7.5 Inhalte des Bewegungsprogramms
7.6 Dropouts
7.7 Testgütekriterien
7.8 Statistische Verfahren der Datenanalyse
8 Ergebnisse der Studie
8.1 Ergebnisse der Schulleistungstests
8.2 RPE (Rated Perceived Exertion) Skala
8.3 Physical activity Enjoyment Scale
8.4 Interview mit der Klassenleitung der Versuchsgruppe
9 Diskussion
9.1 Diskussion der Methodik
9.2 Hypothesenspezifische Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Einführung eines Bewegungsprogramms in der Grundschule positive Auswirkungen auf die Ergebnisse standardisierter Schulleistungstests in den Fächern Mathematik, Lesen und Rechtschreibung hat und ob sich dadurch exekutive Funktionen fördern lassen.
- Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und kognitiven Leistungen bei Kindern
- Bedeutung exekutiver Funktionen für den schulischen Lernerfolg
- Methodische Konzeption und Evaluation eines schulbasierten Bewegungsprogramms
- Analyse des Einflusses von Bewegungspausen und Sportunterricht auf die Schulleistung
- Evaluation der Akzeptanz und Zufriedenheit durch sportpädagogische Erhebungsinstrumente
Auszug aus dem Buch
2.1 Intelligenz und körperliche Aktivität - Eine Begriffsannäherung
Schaut man sich das Wort schlau an, so stellt man fest, dass es in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat und mit einem Überlegenheitsgefühl von bestimmten Personengruppen einhergeht.
Was heißt es aber nun, schlau zu sein oder noch einen Schritt weiter, was ist eigentlich Intelligenz? So viel ist sicher: Schlau ist ein sehr populärwissenschaftlicher und medial weit verbreiteter Begriff.
Der Duden definiert schlau wie folgt: „die Fähigkeit besitzend, seine Absichten mit geeigneten Mitteln, die anderen verborgen sind oder auf die sie nicht kommen, zu erreichen; klug und durchtrieben; auf Schläue hindeutend; Schläue erkennen lassend.“ (Duden.de, 2019)
Bedeutet das, körperliche Aktivität soll dazu beitragen können, dass Kinder Absichten erreichen sollen, die anderen verwehrt bleiben?
Es wird vielmehr der Ansatz betrachtet, dass körperliche Aktivität dazu beitragen soll, die schulischen Leistungen zu verbessern (Kap. 2.2).
Intelligenz ist ein weit erforschter Begriff, welcher jedoch nicht eindeutig definierbar ist und somit zahlreiche Definitionen aufweist. Sie lässt sich nicht eindeutig auf das Konstrukt Schule anwenden. Auch gibt es unterschiedliche Modelle zur Intelligenz, welche diese beispielsweise global, strukturell oder hierarchisch auffassen (Rost, 2009).
Eine differenzierte und durchaus kritische Definition nach Gottfredson, 1997 lautet:
„Intelligence is a very general mental capability that, among other things,involves the ability to reason, plan, solve problems, think abstractly, comprehendcomplex ideas, learn quickly and learn from experience. It is not merely booklearning, a narrow academic skill, or test-taking smarts. Rather, it reflectsa broader and deeper capability for comprehending our surroundings catching on’ ‘making sense’ of things‘ or ‘figuring out’ what to do.”
Nach dieser Definition heißt es, dass gute schulische Leistungen nicht immer ein Indikator für Intelligenz sind. Umgekehrt bedeutet das auch, dass intelligente Kinder nicht immer auch gute Schüler sind (Gerrig, Zimbardo, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Bewegungsförderung an Grundschulen zur Verbesserung kognitiver Leistungen und definiert das Forschungsanliegen der Arbeit.
2 Intelligenz, körperliche Aktivität und Schulleistungen: Dieses Kapitel nähert sich den Begriffen Intelligenz und körperliche Aktivität an und diskutiert neurobiologische sowie neurophysiologische Zusammenhänge.
3 Exekutive Funktionen: Es werden die Definition, die Entwicklung und die Bedeutung der exekutiven Funktionen als Grundlage für das schulische Lernen erläutert.
4 Legitimation von körperlicher Aktivität in der Schule: Das Kapitel begründet die Notwendigkeit von Bewegung in der Schule und stellt das Konzept der "Bewegten Schule" vor.
5 Aktueller Forschungsstand zum Zusammenhang von körperlicher Aktivität und Schulerfolg: Ein systematischer Überblick über bestehende Studien und Meta-Analysen zur Wirksamkeit von Bewegungsinterventionen im schulischen Setting.
6 Hypothesen: Basierend auf der Forschungslage werden die Forschungsfragen in prüfbare Hypothesen überführt.
7 Methodik der Studie: Detaillierte Darstellung des quasi-experimentellen Designs, der Stichprobe, der verwendeten Testinstrumente sowie des Bewegungsprogramms.
8 Ergebnisse der Studie: Präsentation und statistische Auswertung der Daten aus Schulleistungstests, Belastungsskalen und Lehrerinterviews.
9 Diskussion: Kritische Reflexion der methodischen Durchführung, Analyse der Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen und Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext.
Schlüsselwörter
körperliche Aktivität, Schulleistung, Grundschule, Bewegungsprogramm, exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtnis, Inhibition, kognitive Flexibilität, bewegte Schule, schulischer Erfolg, Lernmotivation, sportpädagogische Intervention, kognitive Entwicklung, Bewegungsförderung, Schulleistungstests
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität bei Grundschulkindern und deren schulischen Leistungen in den Bereichen Mathematik, Lesen und Rechtschreibung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft sportwissenschaftliche Erkenntnisse über Bewegung mit lernpsychologischen Aspekten wie Intelligenz, exekutiven Funktionen und dem Konzept der "Bewegten Schule".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob ein zielorientiertes Bewegungsprogramm im Schulalltag messbare Verbesserungen der schulischen Leistungen bewirkt und als Fördermittel eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein quasi-experimentelles Studiendesign mit einer Interventions- und einer Kontrollgruppe gewählt, inklusive standardisierter Leistungstests (Pre- und Posttest) sowie statistischer Auswertungen mittels ANOVA.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung (exekutive Funktionen, Bewegte Schule), den aktuellen Forschungsstand, die detaillierte Methodik der Intervention und die umfassende Auswertung der Testergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind: körperliche Aktivität, Schulleistung, Grundschule, exekutive Funktionen, Arbeitsgedächtnis, kognitive Entwicklung und Bewegungsförderung.
Welche Rolle spielt die "Bewegte Schule" für die Intervention?
Das Konzept dient als theoretischer und praktischer Rahmen, um Bewegung spielerisch und ganzheitlich in den Schulalltag zu integrieren, anstatt Sport nur als isoliertes Fach zu betrachten.
Warum ist die Unterscheidung zwischen motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten wichtig?
Diese Differenzierung hilft, die verschiedenen Arten sportlicher Betätigung (z.B. koordinative Übungen vs. Ausdauer) hinsichtlich ihrer spezifischen Anforderungen an die exekutiven Funktionen besser zu verstehen.
Welche Schwierigkeiten ergaben sich bei der Umsetzung des Bewegungsprogramms?
Die Herausforderungen bestanden primär in den begrenzten räumlichen Kapazitäten im Klassenzimmer, der knappen zeitlichen Verfügbarkeit sowie der Schwierigkeit, junge Kinder zur realistischen Selbsteinschätzung ihrer Belastung zu bewegen.
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- Torben Tesche (Author), 2020, Wie körperliche Aktivität die schulischen Leistungen von Kindern verbessern kann. Einführung von Bewegungsprogrammen in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/882615