Schwarz-Gelb unterm Hakenkreuz

Die taktische Entwicklung und gesellschaftliche Einordnung des Fußballs im Ruhrgebiet des Dritten Reiches unter besonderer Berücksichtigung des Vereins Borussia Dortmund


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Fußball im Deutschen Reich
2.1. Institutionalisierung bis 1933
2.2. Organisation ab 1933
2.3. Taktische Entwicklung bis 1939

3. Fußball im Ruhrgebiet
3.1. Das gesellschaftliche Umfeld
3.2. Einfluss des Nationalsozialismus
3.3. Die Bedeutung von Schalke 04

4. Sportliche Entwicklung des BVB
4.1. Vereinsgründung und Entwicklung bis 1935
4.2. Sportliche Entwicklung bis 1945
4.3. Bedeutung der Taktik
4.4. Bedeutung handelnder Persönlichkeiten

5. Der BVB zwischen Widerstand und Anpassung

6. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer Sportart stellt sich als problematisch dar, da die Schwelle zur populärwissenschaftlichen Methodik nur allzu leicht überschritten werden kann. Es sind deshalb Ansätze zu finden, die die Geschichte einer Sportart in einen bereits etablierten Bereich der Geschichtswissenschaft einordnet. So wird beispielsweise verhindert, dass die Beschäftigung mit einem bestimmten Verein in der Wiedergabe einer Vereinschronik mündet. Dies ist besonders wichtig, auch wenn einige Elemente der Vereins- und Institutionsgeschichte nicht vollständig ausgeklammert werden konnten. Deshalb wird hier ein sozialgeschichtlicher, mit sportwissenschaftlichen Elementen versehener, Ansatz gewählt, um der Thematik mit einer differenzierten Betrachtungsweise gerecht zu werden. Es wird in dieser Arbeit der Frage nachgegangen, ob der Einfluss der Nationalsozialisten oder die allgemeine sportliche Entwicklung für einen Aufstieg des Fußballs im Deutschen Reich bzw. im Ruhrgebiet ausschlaggebend war und inwieweit der Verein Borussia Dortmund als repräsentativ für diese Entwicklung gelten kann.

Die Relevanz einer Arbeit über die Geschichte des Fußballs gerade im Ruhrgebiet des Dritten Reiches ist deshalb hoch, da dieser Zeitraum von offizieller Seite des DFB und auch der Vereine oft stiefmütterlich behandelt worden ist, was nicht zuletzt im Zusammenhang mit deren Begünstigungen im eben erwähnten Zeitraum steht. Das heißt nicht, dass Vereine mit weniger aufbereiteter Vergangenheit gleichzeitig Günstlinge des Regimes gewesen seien, sondern vielmehr, dass die Auseinandersetzung auch in der oft als unpolitisch gehandelten Welt des Sports in der Verantwortung derer liegt, die Teil dieser Welt sind. Im Bereich von Borussia Dortmund geschah dies in ausführlicher Form in zwei Werken von Gerd Kolbe und Dietrich Schulze-Marmeling, die bei der Anfertigung dieser Arbeit herangezogen wurden. Da die reine Betrachtung des Vereins als Mikrokosmos bereits ausgeschlossen wurde, muss in den Bereich der Analyse auch die Sozialgeschichte des Dritten Reiches allgemein und des Ruhrbietes im speziellen mit einbezogen werden. Für eine weitere Betrachtung einzelner Städte oder des Ruhrgebiets über diese Arbeit hinaus wird auf die entsprechende Literatur[1] verwiesen, da sonst der Umfang der Arbeit überschritten worden wäre. Denn auch die Entwicklung des Fußballs und seiner Träger sind eng mit der sozialen Entwicklung in Deutschland von 1900 bis 1945 zu sehen, in die zwei Kriege und drei Staatsformen mit einzubeziehen sind. Daher ist diese Arbeit auf mehreren horizontalen und vertikalen Ebenen angelegt: Zuerst soll der Fußball im Deutschen Reich in seiner taktischen und institutionellen Entwicklung vom Kaiserreich über die Weimarer Republik ins Dritte Reich dargestellt werden, wobei hier noch zusätzlich ein Teil der internationalen Entwicklung Berücksichtigung findet. Im dritten Kapitel wird das Ruhrgebiet als ein Ausschnitt des Deutschen Reiches näher betrachtet, wo im Gegensatz zum zweiten Kapitel nicht die institutionelle, sondern die soziale und sportliche Entwicklung im Hinblick auf den im Dritten Reich erfolgreichen FC Schalke 04 sowie die wechselseitige Beeinflussung von Partei und Region analysiert wird. Im Schwerpunkt dieser Arbeit wird im vierten Kapitel die Entwicklung von Borussia Dortmund im Hinblick auf Taktik und gesellschaftliche Repräsentation analysiert. Hier soll die These der Sonderform dieses Vereins entkräftet oder erhärtet werden, auch in Bezug auf die Nähe zum Regime und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die zu einer bestimmten Entwicklung führten oder auch nicht. Die Betrachtung über die eben erwähnte Nähe zum Regime erhält in dieser Arbeit ein eigenes Kapitel, um der Problematik der gesellschaftlichen Einordnung dieses Vereins im Dritten Reich gerecht zu werden.

2. Fußball im Deutschen Reich

2.1. Institutionalisierung bis 1933

Im Gegensatz zur heutigen Bundesrepublik war der Fußball im Bezug auf Popularität und Anzahl der Aktiven nicht die wichtigste Sportart im Deutschen Reich. Gerade in der Anfangszeit des Fußballs im Kaiserreich in den 1870er Jahren[2] war die Turnerschaft die tonangebende Organisation. Der aus England stammende Fußball war zuerst im aufstrebenden Bürgertum verankert und nicht in der Arbeiterschaft, die anfangs aus finanziellen und zeitlichen Gründen kein großes Interesse daran zeigen konnte und wollte.[3] Mit der Gründung des Deutschen Fußball Bundes (DFB) 1900 in Leipzig wurden zusätzlich zur Zentralisierung des deutschen Fußballs zwei Tendenzen verfolgt, zum einen die Sammlung und Festlegung der Regeln und zum anderen die Eindeutschung der ursprünglich englischen Fußballbegriffe, wie z.B. „Goal“ für „Tor“ und „Hands“ für „Hände“.[4] Weiterhin näherte sich der DFB im Bereich der Philosophie[5] an die Turnerschaft an, die auf die Pflege deutschen Kulturguts und die Beseitigung von gesellschaftlichen Grenzen innerhalb des Sports drängten. Gerade das Praktizieren des letzteren sorgte für einen starken Anstieg der Mitglieder des DFB von 13644 im Jahre 1906 auf 189294 im Jahre 1914, was wiederum den Einfluss des bis dahin noch nicht einzigen Fußballverbandes im Deutschen Reich dokumentierte, da dieser nach dem Krieg den größten Verband darstellte.[6] Hinzu kamen wirtschaftliche Interessen der einzelnen Vereine und Verbände, die auch den DFB in seinem Handeln beflügelten, was durch eine Aufstellung der positiven finanziellen Bilanzen aus dem Jahre 1914 belegt werden kann[7].

Da der Fußball eine breite gesellschaftliche Basis hatte, wuchs auch das Interesse des Militärs an der Sportart an sich, zwecks einer möglichen Wehrertüchtigung, aber auch an einer Organisation wie dem DFB, der eine Kontrolle des gesamten deutschen Fußballs als Dachorganisation anstrebte. So blieb es nicht aus, dass während des Ersten Weltkrieges weiter Fußballspiele, soweit dies personell möglich war, organisiert und noch einmal auf die körperlichen Vorteile des Fußballspielens hingewiesen wurde.[8] Nach der Niederlage 1918 widmete sich der DFB entgegen der allgemeinen revanchistischen Tendenz dem internationalen Engagement und der Steigerung seiner zahlenden Mitglieder. Jedoch führten die Ablehnung des Profifußballs und die relativ geringe Beteiligung der Vereine an den Einnahmen aus der Organisation der Deutschen Meisterschaft zu einem eher schlechten Ansehen des DFB.[9]

2.2. Organisation ab 1933

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten änderte sich, neben anderen Institutionen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, auch die Zusammensetzung und Gliederung des DFB im Rahmen der Gleichschaltung. Die Gleichschaltung aller Verbände mit den Sport-Organisationen der NSDAP, unter Beibehaltung fast aller bürgerlichen Funktionäre, war hauptsächlich auf den Opportunismus der nationalsozialistischen Führung zurückzuführen, die im Hinblick auf die Olympischen Spiele 1936 keine Experimente und keinen eventuellen Misserfolg in Kauf nehmen wollte.[10]

Unter der Leitung des NS-Reichsportführers Hans von Tschammer und Osten wurde ab 1933 auch im DFB das demokratische Element des Fußball Bundestages zu Gunsten der Einführung des Führerprinzips[11] abgeschafft. Weiterhin wurde der DFB ab 1934 in den so genannten Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL) eingegliedert und verlor damit seine Eigenständigkeit, trotz einiger daraus entstandener Vorteile für viele der Funktionäre.[12] Diese Entwicklung war beim DFB fast ohne Reibungen verlaufen, sollte sich aber bei dem Versuch der Auflösung aller sieben Landesverbände als Trugschluss erweisen. Trotz des Vorbildes der übrigen sechs Verbände erfolgte die Unterordnung des Westdeutschen Spielerverbandes (WSV) erst im Rahmen von Drohungen der Reichssportführung, die Eigenständigkeit und dezentralen Tendenzen durch eine Auflösung des WSV zu beenden.[13] Die Widerborstigkeit resultierte dabei aus der Zusammenfassung eines allgemeinsportlichen Landesverbandes unter der Leitung eines reinen Fußball-Dachverbandes und der damit einhergehenden Benachteiligung anderer Sportarten in finanziellen Angelegenheiten.[14] Der Streit endete 1935 nach einer Verfügung des Reichssportführers und einer Beschlagnahmung des WSV-Vermögens durch den DRL.[15] Damit war die Etablierung der 16 Gauverbände, die unter sich die Deutsche Meisterschaft im Fußball ausspielten, auch im Westen des Reiches beendet und eine Durchsetzung des Führerprinzips vom Reichssportführer über die Fachamtsleiter (hier: Fußball) und Gaufachwarte bis hin zu den Vereinsführern, als Ersatz für die ersten Vorsitzenden, durchgesetzt.[16]

[...]


[1] Vgl. Faulenbach, Bernd; Jelich, Franz-Josef (Hrsg.): Literaturwegweiser zur Geschichte an Ruhr und Emscher. Essen 1999.

[2] Havemann, Nils: Fußball unterm Hakenkreuz. Bonn 2006, S. 33.

[3] Ebd. S. 33.

[4] Ebd. S. 34.

[5] Ebd. S. 35.

[6] Ebd. S. 36.

[7] Ebd. S. 41.

[8] Ebd. S. 50.

[9] Havemann, Fußball, S. 50. Für eine weitere Betrachtung der Entwicklung des DFB im Kaiserreich und in der Weimarer Republik vgl. Eggers, Erik: Fußball in der Weimarer Republik. Kassel 2001 und Jönen, Stefan: Fußball im Nationalsozialismus. Ursprünge und Kommerzialisierung. Saarbrücken 2007.

[10] Ebd., S. 114f.

[11] Ebd. S. 115.

[12] Ebd. S. 117f.

[13] Ebd. S. 123f.

[14] Ebd. S. 125.

[15] Ebd. S. 127.

[16] Ebd. S. 463.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Schwarz-Gelb unterm Hakenkreuz
Untertitel
Die taktische Entwicklung und gesellschaftliche Einordnung des Fußballs im Ruhrgebiet des Dritten Reiches unter besonderer Berücksichtigung des Vereins Borussia Dortmund
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Kultur und Gesellschaft im 3. Reich
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V88311
ISBN (eBook)
9783638034289
ISBN (Buch)
9783640282142
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarz-Gelb, Hakenkreuz, Kultur, Gesellschaft, Reich
Arbeit zitieren
Benjamin Pommer (Autor), 2008, Schwarz-Gelb unterm Hakenkreuz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88311

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