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Der "wîpsaelige" - zur Gestaltung der Lanzelet-Figur bei Ulrich von Zatzikhoven

Title: Der "wîpsaelige" - zur Gestaltung der Lanzelet-Figur bei Ulrich von Zatzikhoven

Thesis (M.A.) , 2005 , 75 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magistra Artium Andrea Böhle (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Der Lanzelet des Ulrichs von Zatzikhoven musste eine lange Zeit ein literarisches Schattendasein fristen, da die Altgermanistik ihn für einen zwar frühen, aber eindeutig trivialen Roman unter den Artusdichtungen hielt. Bei dem Werk über den Musterritter Lanzelet handelt es sich um die erste deutsche Bearbeitung des Lancelot-Stoffes, wobei das Werk jedoch signifikant von seinem berühmten Namensvetter und literarischen Vorläufer, dem Lancelot des Chrétiens des Troyes, abweicht.

Diese Arbeit setzt sich mit der Gestaltung der Lanzelet-Figur bei Ulrich von Zatzikhoven auseinander.

Als eine der größten "Besonderheiten" oder "Abweichungen" von der "klassischen" Artusdichtung ist hierbei die andere oder veränderte Aufbaustruktur des Werkes zu nennen, die sich vor allem durch einen krisenlosen Titelhelden und dessen biographische Lebensdarstellung äußert.

Weiterhin wird der Aufbau der Ritterfigur untersucht, um den Hintergrund bzw. die Funktion einer vollkommenen Ritterfigur für die Romanhandlung darzustellen.

Neben der zweckorientierten Namenlosigkeit und vollkommenen Ritterfigur, ist an erster Stelle aber seine „wîpsaelikheit“ zu nennen.

Da sich die „höfischen“ Darstellungen der ersten drei Frauenfiguren stark voneinander abgrenzen, soll dabei gezeigt werden, dass Ulrich die jeweilige Zeichnung der weiblichen Figuren und das Minneverhältnis zum Helden kontinuierlich steigert und auch die vierte Frauenbegegnung im Kontrast zu den anderen weiblichen Figuren steht.

Allerdings stellt Ulrich von Zatzikhoven so nicht nur verschiedene Frauenfiguren dar, sondern verbindet mit ihnen gleichzeitig den âventiure-Weg seines Musterritters.
Deshalb wird das Verhältnis von Lanzelet zu den Frauenfiguren anhand ihrer Darstellung, der jeweiligen Minnebindung und parallel hierzu der Qualität der kämpferischen Auseinandersetzungen des Titelhelden analysiert und einander gegenübergestellt.

Da der Lanzelet in seiner Thematik ebenfalls die Figuren der arthurischen Romanwelt beinhaltet und die Lanzelet-Figur in der „zweiten Romanhälfte“ auch als Artusritter agiert, schließt sich im nächsten Punkt die Darstellung von Lanzelets Aventiuren in der Funktion eines Tafelrundenritters an.

Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der untersuchten und vorgestellten Merkmale der Gestaltung der Lanzelet-Figur und ihrem Zusammenhang mit den Frauenfiguren. Und gibt weiterhin einen Ausblick und Anregungen für weitere Auseinandersetzungen mit diesem Werk und seiner Heldenfigur.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Position der Forschung

3. Der Aufbau des Lanzelet

4. Zur Gestaltung der Lanzelet-Figur

4.1 Die Funktion der Namenlosigkeit

4.2 Der Aufbau der Ritterfigur

4.3 Das Verhältnis zu den Frauen – Lanzelet als wîpsaeliger Minneritter?

4.3.1 Die erste Frauenbegegnung – Die Galagandreiz-Tochter

4.3.2 Die zweite Frauenbegegnung – Ade

4.3.3 Die dritte Frauenbegegnung – Iblis

4.3.4 Die vierte Frauenbegegnung – Die Pluris-Königin

4.3.5 Lanzelet als „Erlöser“ in der Drachenkuss-Aventiure?

4.4 Lanzelet als Artusritter und die Rettung der Königin im Lanzelet

4.5 Lanzelet als Herrscher

5. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich intensiv mit der Gestaltung der Lanzelet-Figur im gleichnamigen Versepos des Ulrich von Zatzikhoven auseinander. Das primäre Ziel ist es, den Musterritter Lanzelet differenziert zu betrachten, insbesondere unter Berücksichtigung seiner „wîpsaelikheit“, seiner krisenlosen Lebensdarstellung und seines Wandels vom namenlosen Einzelritter zum Artusritter und schließlich zum Herrscher, um eine neue Sichtweise auf das Werk zu etablieren.

  • Analyse der narrativen Struktur und Biographik des Lanzelet.
  • Untersuchung der Bedeutung der Namenlosigkeit und des Aventiure-Weges.
  • Differenzierte Darstellung der vier Frauenbegegnungen und Minneverhältnisse.
  • Erörterung der Rolle Lanzelets als Artusritter und seiner Herrscher-Position.

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Funktion der Namenlosigkeit

Lanzelet, als Säugling seiner Mutter geraubt, wächst im magischen Reich der merminne auf, ohne seinen Namen, sein Geschlecht und dementsprechend seine Herkunft zu kennen. Elisabeth Schmid deutet diesen Umstand dahingehend, dass „der mütterlichen Instanz die symbolische Funktion der Namengebung abgesprochen“41 wird. Die Funktion der Namengebung obliegt somit nun der Meerfee, aber diese verweigert sie, als der Jüngling ihr Land wegen turnieren unde rîten (V. 305) verlassen möchte. Bezüglich Lanzelets Frage nach seinem Namen muss dabei beachtet werden, dass Lanzelet erst nach seiner Familie – mîne mâge (V. 314) – und danach erst nach seinem eigentlichen Namen fragt (ich enweiz niht mînes namen V. 318). Hierdurch kommt den Verwandtschaftsverhältnissen ebenfalls eine hohe Bedeutung zu.

Dementsprechend ist die Namensuche von Lanzelet nicht nur eine Suche nach dem eigenen Namen, sondern auch eine Suche nach der Familie. René Pérennec beurteilt diese Suche deshalb nicht als eine Wesensuche, sondern als eine Suche nach familiärer Information,42 die letztlich auch eine ganz bestimmte strukturelle Funktion erfüllt. Die Namensuche leitet nämlich, durch ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse und deren Bedeutsamkeit für den Protagonisten, zu den Abenteuern des zweiten Handlungsteils, die Lanzelet größtenteils mit seinen und für seine Verwandte bestreitet, über.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet den Wandel der Forschung am Lanzelet, der lange als trivial galt, heute jedoch differenzierter als eigenständiges Werk betrachtet wird.

2. Die Position der Forschung: Diskutiert die Kontroversen in der Altgermanistik über den "andersartigen" Artusroman, dessen Struktur stark von Chrétien de Troyes abweicht.

3. Der Aufbau des Lanzelet: Erläutert, dass das Werk einer biographischen Erzählung folgt, in der die für andere Artusromane typische Existenzkrise des Helden fehlt.

4. Zur Gestaltung der Lanzelet-Figur: Analysiert zentrale Merkmale des Helden, wie Namenlosigkeit, Rittertum und seine spezifische "wîpsaelikheit" durch verschiedene Frauenbegegnungen.

5. Ausblick: Führt die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Rolle Lanzelets als alternative Heldenfigur zum klassischen Artusmodell.

Schlüsselwörter

Lanzelet, Ulrich von Zatzikhoven, Artusroman, Rittertum, Minne, Iblis, Namenlosigkeit, wîpsaelikheit, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Aventiure, Identitätsfindung, höfische Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die Charaktergestaltung und Funktion der Titelfigur im "Lanzelet" von Ulrich von Zatzikhoven und deren Einordnung in die literaturwissenschaftliche Diskussion.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Struktur des Romans, die ritterliche Identitätsentwicklung Lanzelets, das Verhältnis zu den Frauenfiguren sowie die Einbindung in die höfische Welt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist eine Rehabilitation der Lanzelet-Figur durch eine differenzierte Analyse, die zeigt, dass die Andersartigkeit des Werkes eine gezielte Gestaltung und nicht ein Mangel ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text kritisch gegenüber älteren Forschungsmeinungen und anderen Artusromanen (z.B. von Chrétien de Troyes) abwägt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Namenlosigkeit, die Ausbildung zum Ritter, das Verhältnis zu vier zentralen Frauenfiguren und Lanzelets Rolle als Artusritter sowie Herrscher.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem "wîpsaelikheit", "Aventiure", "staete", "Minne", die Doppelrolle als Einzelritter und späterer Tafelrundenritter sowie die "biographische" Struktur des Werkes.

Welche Bedeutung kommt der Namenlosigkeit des Helden zu?

Sie fungiert als Antriebsfeder für Lanzelets Aventiuren, da er seinen Namen und seine familiäre Herkunft erst durch Bewährung in der höfischen Welt erringen muss.

Warum wird Iblis als "ideale" Frau dargestellt?

Im Gegensatz zu den anderen Frauenfiguren verkörpert Iblis Beständigkeit ("staete") und Treue, wodurch sie Lanzelets würdige Analogie bildet und seine Herrscher-Position legitimiert.

Was macht die "wîpsaelikheit" des Helden aus?

Der Begriff beschreibt, dass der Held durch Frauen beglückt wird und seine Erfolge oft eng mit diesen Begegnungen verknüpft sind, was für den Autor eine Möglichkeit ist, verschiedene Minnedarstellungen zu reflektieren.

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Details

Title
Der "wîpsaelige" - zur Gestaltung der Lanzelet-Figur bei Ulrich von Zatzikhoven
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
Grade
1,0
Author
Magistra Artium Andrea Böhle (Author)
Publication Year
2005
Pages
75
Catalog Number
V88319
ISBN (eBook)
9783638028110
ISBN (Book)
9783638926263
Language
German
Tags
Gestaltung Lanzelet-Figur Ulrich Zatzikhoven
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Andrea Böhle (Author), 2005, Der "wîpsaelige" - zur Gestaltung der Lanzelet-Figur bei Ulrich von Zatzikhoven, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88319
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