Der Holocaust als Thema von Spielfilmen

Problematik und begleitende Diskussion am Beispiel der Filme "Schindlers Liste" und "Das Leben ist schön"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
24 Seiten, Note: 2.5

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Darf man den Holocaust in einem Spielfilm zeigen?
3.1 Meinungen dagegen
3.2 Meinungen dafür

4 „Schindlers Liste“ und „Das Leben ist schön“ als Holocaust-Spielfilme
4.1 Holocaustspielfilme
4.1.1 Holocaust-Tragödien
4.1.2 Holocaust-(Tragik)Komödien
4.2 Schindlers Liste
4.2.1 Der Film
4.2.2 Negative Kritikpunkte
4.2.3 Besonderheiten des Films
4.3 „Das Leben ist schön“
4.3.1 Der Film
4.3.2 Negative Kritikpunkte
4.3.3 Besonderheiten des Films

5 Diskussion über die beiden Filme

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

2 Einleitung

Das Kino mit seinen Spielfilmen nimmt im Alltag unserer Gesellschaft, vor allem bei der jüngeren Generation, eine wichtige Rolle ein. Die meisten Menschen gehen mindestens einmal im Monat ins Kino, manche auch häufiger. Ob sie sich Horrorfilme, Komödien oder Dramen ansehen, sie alle sind unter dem Hauptbegriff des Spielfilms zusammengefasst.

Unter Spielfilmen versteht man solche Filme, die oft auf fiktiven Handlungen basieren. Zum Teil bauen sie jedoch auf realen oder historischen Ereignissen auf. Bevor es zur Produktion eines Spielfilmes kommt, muss zuerst ein Drehbuch geschrieben werden. Jede Handlung, jeder Filmcharakter, jeder Dialog und jedes Accessoire, alles was für die Filmproduktion benötigt wird, muss darin festgehalten werden. Dies ist notwenig, damit der Produzent, der Regisseur, die Schauspieler, die Requisiteure, usw. wissen, wie der Ablauf der Geschichte ist, wie alles auszusehen hat, wie sie sich zu verhalten haben, was sie sagen müssen und noch vieles mehr.

Natürlich laufen in den Kinos noch andere Filmgattungen, wie bspw. Dokumentarfilme, jedoch sind es überwiegend Spielfilme, die gezeigt werden. Das Kino mit seinen Filmen sorgt für Abwechslung, Unterhaltung und Spannung. Wer kennt es nicht zu gut: Man sitzt zu Hause, häufiger in kalten Jahreszeiten, es gibt wie so oft nichts Sehenswertes im Fernsehen, in der Videothek sind die besten Filme schon ausgeliehen und so geht man, gerne in Begleitung von anderen Personen, ins Kino, kauft sich Süsses oder Popcorn und genießt die einzigartige Stimmung, die im Kino herrscht.

Spielfilme mit historischem Inhalt können uns die Zeit, in der ihre Handlung spielt, näher bringen und erklären. Auch kann der Zeitpunkt ihrer Entstehung interessant sein. Solche Filme geraten oft in die Kritik und lösen erhebliche Diskussionen aus, da in der Regel erwartet wird, dass sie sich genau an die bekannten Fakten halten, obwohl eigentlich klar ist, das nicht jeder Tatbestand, jede Handlung, jede Person und jeder Dialog aus der damaligen Zeit vorhanden sein kann. Werden bspw. zum Aufbau eines Handlungsfadens fiktive Handlungen und Personen eingefügt, kann dieses später zu heftigen Diskussionen führen.

Deshalb stellt sich gerade bei Spielfilmen mit geschichtlichem Rahmen immer wieder die Frage, ob es überhaupt angebracht und sinnvoll ist, Geschichte in Spielfilmen zu verarbeiten. Und ob ein Spielfilm, der Fiktion, Spannung und Unterhaltung assoziiert, real erlebtes menschliches Leid und menschliches Grauen zum Thema haben und damit dann auch erfolgreich sein kann?

Der Holocaust, die Ermordung von ca. sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten und Faschisten in Europa, ist eines der schrecklichsten historischen Ereignisse, zum mindest des letzten Jahrhunderts. Dies bewegt bis heute, mehr als 60 Jahre danach, immer noch große Teile der Menschheit.

Im Zusammenhang mit dieser Thematik stellen sich die Fragen, ob man ein solch heikles und schwieriges Thema überhaupt in Spielfilmen abhandeln darf? Darf ein Film, der den Holocaust zum Inhalt hat, die Realität um fiktive Handlungen und Personen erweitern? Was darf ein Spielfilm überhaupt an Bildern und Szenen zeigen, ohne seine Betrachter zu überfordern oder gar abzustoßen? Und ist es sogar möglich, das Thema Holocaust in einer Komödie darzustellen, ohne eine große Welle von Empörung und Protest auszulösen?

Letztendlich muss gerade ein Spielfilm immer darauf achten neben guten Kritiken und entsprechenden Auszeichnungen möglichst viele Besucher anzulocken, um auch einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen

Die Arbeit soll, anhand von zwei sehr erfolgreichen Holocaust-Spielfilmen, zeigen wie in Spielfilmen mit solch einer Thematik umgegangen werden kann. Des Weiteren zeigt sie was für negative sowie positive Kritikpunkte es in den Diskussionen gibt. Ich vergleiche die Filme „Schindlers Liste“ und das „Leben ist schön“ in meiner Arbeit miteinander, da diese beiden, obwohl sie das selbe Thema haben, unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie gehen auf ganz andere Art und Weise an das Thema des Holocaust heran. Die Verschiedenheit sehe ich als geeignete Grundlage für einen Vergleich der beiden Filme.

3 Darf man den Holocaust in einem Spielfilm zeigen?

3.1 Meinungen dagegen

Die Frage, ob man Geschichte in Spielfilmen verarbeiten darf, ist durchaus umstritten. Vor allem, wenn es dabei um die Verfilmung von Ereignissen in der Dimension des Holocaust geht.

Claude Lanzmann zählt zu den Gegnern der Holocaust-Spielfilme. Er ist der Ansicht, dass es verboten ist, Bilder des Holocaust zu zeigen, da diese nichts Wirkliches aussagen. Zum einen sind sie in einer bestimmten Situation gemacht worden und somit situationsabhängig. Auf Grund dessen darf man die Bilder, bzw. das Archivmaterial nicht auf den „gesamten“ Holocaust beziehen bzw. anwenden. Zum anderen darf ein so schreckliches Ereignis nicht in Bildern dargestellt werden, da diese verfälschen und nur obszön wirken würden. Ebenso wie Claude Lanzmann, spricht sich Heim Bresheet strikt für ein Bilderverbot aus.

Filme wie z.B. „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni sind für Lanzmann ein Gräuel, da diese auf keinen wahren Begebenheiten beruhen. Er sieht es als Verbrechen an, ein derartiges Ereignis wie den Holocaust als Fiktion darzustellen.

Für Lanzmann liegt „um den Holocaust (...) ein Flammenkreis (...) eine Warnung an die Erzählmaschine des Films und des Fernsehens, sich durch Fiktionen ein Bildnis von den Mordorgien und dem Sterben zu machen.“[1]

Das von Claude Lanzmann streng vertretene Bilderverbot ist ein häufiges Argument in vielen Diskussionen um Holocaust-Spielfilme. In einer abgeschwächten Form wird es in jedem Film berücksichtigt. Bspw. gibt es keinen Film, der die konkrete Vergasung der Juden zeigt, da sich dies allein aus Anstand und Rücksichtnahme auf die Opfer und ihre überlebenden Angehörigen nicht gehört.

Tilo Werner bringt in diesem Zusammenhang das Gebot „Du sollst dir kein Bildnis machen“ aus dem Alten Testament. Dieses Gebot besagt, dass nur das Original das Wahre ist. Deshalb ist eine Verfilmung des Holocaust höchstens eine Annäherung an das Original, aber nie es selbst. Wenn die Annäherung jedoch für das Original gehalten wird, verschwindet somit die „Autorität des Authentischen“[2] Deshalb dürfen die Tatbestände des Holocaust nicht verfilmt werden.

Ein weiterer Gegner der Verfilmung von Geschichte ist Ian Jarvie. Er vertritt die Ansicht, dass jede Verfilmung von Geschichte verboten werden müsse, da das bewegte Bild und somit die Filme, kaum Informationsgehalt und ebenso große Defizite besitzen würden. Für Jarvie besteht „Geschichte (...) nicht primär aus einer beschreibenden Erzählung dessen, was wirklich passierte, sondern hauptsächlich aus den Debatten der Historiker darüber, was genau geschah, warum es geschah und welche Darstellung der Bedeutung der Geschehnisse angemessen wäre.“[3]

Er kritisiert an Filmen, dass es weder Raum zur Reflexion, noch zur Überprüfung von Fakten oder für Diskussionen gibt. Er ist der Meinung, dass man auf der Leinwand „interessante, erhellende und plausible historischen Geschichten erzählen, nicht aber die entscheidenden kritischen Elemente des historischen Diskurses vermitteln [kann].“[4] Diese Eigenschaften machen jedoch die Geschichte erst aus und ohne sie ist jede Geschichte bzw. jeder Spielfilm, der Geschichte vermittelt und verarbeitet, ein Witz.

3.2 Meinungen dafür

Ein eindeutiger Befürworter für die Verfilmung von Geschichte ist der Historiker R. J. Raack. Für ihn stellt der Film zur Verarbeitung von Geschichte das ideale Medium dar. Er sieht den Film fast als passender an, als das geschriebene Wort.

Er ist der Meinung, dass „die traditionelle, geschriebene Geschichte (...) zu linear [sei] (...).“[5] Für ihn hält sie sich zu sehr an einzelnen Aspekten auf, um die große Menge an Erfahrungen, Geschehnissen, Erlebnissen, etc., die auf der ganzen Welt geschehen und geschehen sind, wiedergeben zu können.

„Nur der Film mit seinen Möglichkeiten, Bild und Ton gegenüberzustellen, schnelle Schnitte zu neuen Bildsequenzen, Überblendungen, Ausblendungen, Zeitraffer und Zeitlupe zu benutzen, könne sich jedem wirklichen Leben anzunähern hoffen.“[6] Nach Raack ist nur das Medium Film in der Lage, in einer Rekonstruktion zu zeigen, wie die Menschen in der Vergangenheit gelebt haben. Nur der Film kann „(...) die ganze Lebendigkeit der Vergangenheit“[7] zurückzuholen.

Auch wenn nicht alle Ereignisse, Orte und Handlungen, manchmal auch Personen auf „echten“ Fakten beruhen, wird in Filmen ermöglicht, sich einen gewissen Überblick über die Geschichte zu verschaffen. Tilo Werner stimmt dem zu, dass „uns der Film viel eher als das geschriebene Wort einen direkten Blick auf vergangene Ereignisse zu eröffnen scheint, uns die Menschen und Orte erfahren lässt, als wären wir selber dabei.“[8]

[...]


[1] Werner, Tilo (2004): Holocaust-Spielfilme im Geschichtsunterricht: Schindlers Liste, der Pianist, Drei Tage im April, Das Leben ist schön, Zug des Lebens. Books on Demand GmbH, Norderstedt. S. 27

[2] Vgl. Werner, Tilo. 2004. S. 27

[3] Rostenstone, Robert A.: Geschichte in Bildern/ Geschichte in Worten: Über die Möglichkeit, Geschichte wirklich zu verfilmen. In: Rother, Rainer (1991): Bilder schreiben Geschichte: Der Historiker im Kino. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin. S. 68

[4] Vgl. Rosenstone, Robert A.. 1991. S. 69

[5] Vgl. Rosenstone, Robert A.. 1991. S. 67

[6] Vgl. Rosenstone, Robert A.. 1991. S. 67

[7] Vgl. Rosenstone, Robert A.. 1991. S. 68

[8] Vgl. Rosenstone, Robert A.. 1991. S. 68

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Holocaust als Thema von Spielfilmen
Untertitel
Problematik und begleitende Diskussion am Beispiel der Filme "Schindlers Liste" und "Das Leben ist schön"
Hochschule
Universität Luzern
Veranstaltung
Geschichte im Film, Kritik in der Anschaulichkeit
Note
2.5
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V88341
ISBN (eBook)
9783638024273
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Holocaust, Thema, Spielfilmen, Geschichte, Film, Kritik, Anschaulichkeit
Arbeit zitieren
Julia Degenhardt (Autor), 2006, Der Holocaust als Thema von Spielfilmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88341

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Holocaust als Thema von Spielfilmen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden