Skinheads gleich Nazis?


Hausarbeit, 2007
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Skinheads
2.1 Anfänge
2.2 Revival
2.3 Generation
2.4 Gruppierungen
2.4.1 Traditionelle Skinheads
2.4.2 SHARP
2.4.3 „Oi!“-Skins
2.4.4 RASH und Redskins
2.4.5 Blood and Honour
2.4.6 Combat 18
2.4.7 Hammerskins

3. Skinheads in Deutschland
3.1 Anfänge
3.2 Von der Deutschen Wiedervereinigung bis heute

4. Nazis und die Skins in Deutschland

5. Bewegungen gegen Rechts innerhalb der Skinheads

6. Was macht einen Skinhead zum Nazi?

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir tragen alle Hakenkreuze,

wir haben nur Gewalt im Sinn,

ist es das, was ihr hören wollt,

daß wir hirnlose Schläger sind? …

In den Medien steht es immer wieder,

daß wir die Schlägertrupps und Neonazis sind,

doch wir haben uns nichts vorzuwerfen,

denn es ist ihr Gerede, das stinkt.

Lüge, alles Lüge, Lüge, Lüge …

(aus dem Lied: Häßlich, Brutal Und Gewalttätig, Böhse Onkelz, 1985)

Was ist ein Skinhead, was macht einen Skinhead aus? Ist es die Kleidung, die Einstellung? Für viele Deutsche ist es ganz klar: kurze Haare, Bomberjacke und rechter Schläger. Dieses Bild ist nicht nur in Deutschland sehr verbreitet. Jedoch ist das Bild und das Lebensgefühl eines „traditionellen“ Skinheads um einiges vielschichtiger. Jedenfalls hatte die ursprüngliche Szene in Großbritannien, da sie sich unter anderem als „Gegenbewegung“ zu den eher „femininen“ Hippies verstand, nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Im Gegenteil, denn es gab zu dieser Zeit genauso Schwarze und Asiaten in den Gruppen der Skinheads. Ebenso gibt es noch heute Gegenbewegungen innerhalb der Skinheads gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit (z.B. SHARP).

Allerdings muss man zugeben, dass Leute, die sich nicht genauer mit der Materie „Skinhead“ befasst haben, eine Unterscheidung der Skinheadströmungen sehr schwer fällt, auch da in den Medien oft alle in einen Topf geworfen werden.

In dieser Arbeit möchte ich zuerst die Geschichte der Skinheadszene von seinen Anfängen Ende der Sechziger bis heute beleuchten. Später werde ich im Speziellen auf die Geschichte der Szene in Deutschland eingehen um dann das Verhältnis von Skinheads und Rechtsextremismus herauszuarbeiten. Ich werde einige Gegenbewegungen vorstellen und das öffentliche Bild des Skinheads erläutern.

2. Geschichte der Skinheads

2.1 Anfänge

Das Anfangsjahr der Skinheadbewegung wird oftmals mit 1969 angegeben, doch es gab auch in den Jahren vorher Jugendliche, die sich wie die damaligen Skinheads kleideten. Merkmale der Kleidung waren zum Beispiel „Braces“ (Hosenträger), enge Hosen und „Doc Martens“-Schuhe. Der Begriff „Skinhead“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Kahlkopf / Glatzkopf. Er benennt eine Kurzhaarfrisur, bei der die Kopfhaut durchscheint. Die Länge der Haare betrug in etwa 1,2 bis 1,6 cm. Die Länge der Haare war nicht nur praktisch, sondern man grenzte sich damit auch von der Bewegung der Hippies ab.

Die Bewegung der Skinheads entstand aus verschiedenen Bewegungen der frühen Sechziger Jahre:

- Mod (Modernists) – Jugendliche aus der britischen Mittel- und Unterschicht.

Sie stachen weniger durch ihr Aussehen hervor als durch ihren vorgespiegelten Lebensstil. Unabhängig vom ihnen zu Verfügung stehenden Einkommen, leisteten sie sich teure Statussymbole (z.B. Scooter (Roller), die durch Chrom und ähnlichem aufge„motzt“ wurden. Neben der Alltagskleidung unter der Woche, trugen die „Mods“ am Wochenende Anzüge und teure Schuhe. Als bevorzugte Musik ist der von den Amerikanern herüberschwappende „Soul“ und Ska zu erwähnen. Beides ist Musik, die vorher eher nur von Schwarzen gehört wurde. Aus den „Mods“ entwickelte sich auch ein harter Kern, die „Hard-Mods“, die sich auch die Haare kurz schoren und gewaltbereiter waren.

- Rude Boys – Subkultur hauptsächlich bestehend aus jamaikanischen Einwandererkindern

Die Bezeichnung „Rude“ (eigentlich „ruppig“, „rüpelig“) kommt vom jamaikanischen Slangwort für cool oder hip, da sich die „Rude boys“ trotz ihres oftmals geringen sozialen Status nicht nur in den Tanzsälen, sondern auch im täglichen Leben immer nach den neuesten modischen Trends kleideten.

Die Bezeichnung „rude boy“ stammt möglicherweise aber auch daher, dass auf sogenannten „Sound System Partys“ (Discos) ein Rum-basierter Drink serviert wurde, der „Rude to your parents“ genannt wurde. Die „Rude Boys“ trugen schwarze Anzüge und „Pork-Pie“- Hüte.

- Boot Boys – rivalisierende Fußballgangs und Vorläufer der Hooligans.

Um 1969 hatten sich verschiedene Gruppen der „Hard-Mods“ und der „Boot-Boys“ weiterentwickelt und auch untereinander vermischt. Sie trugen beide schwere Stiefel (Boots), T-Shirts und Jeans. Da die Gruppen sich kaum noch unterschieden und alle die Haare kurz geschoren hatten, wurde die Szene ab 1969 erstmals „Skinheads“ genannt. Zu dieser Zeit gab es mindestens 10.000 Skinheads in britischen Großstädten. Da die Presse noch nicht einig war, wie sie die neue Gruppierung nennen sollten, wurden die „Skins“ oft auch „Suits“ nach einem Ableger der „Mods“ bezeichnet, ein Beleg für die Ursprünge der Skins bei den „Mods“ (vgl. Menhorn S. 20f).

Die Bewegung der Skins war schon immer männerdominiert und auch die hauptsächlichen Lebensinhalte sind bis heute kaum verändert. Die Gemeinschaft hat einen hohen Stellenwert, wenn auch heute eher die enge Bindung an eine „Gang“ als die Einbindung in eine Szene im Vordergrund steht.

Treffpunkte waren Kneipen, wobei es dort oft zu Schlägereien kam, da die Skinheads hinausgeworfen wurden oder die anderen Gäste vergraulten. Auch Fußballspiele waren in der Anfangszeit wichtige Ereignisse, die für jeden dazugehörten. Ebenso spielt bis heute der Alkohol und die Abgrenzung vom Rest der Gesellschaft eine große Rolle.

Für die Jüngeren war die Clique eine Art Familienersatz. Zu Anfang ermittelte sich die Position eines „Skins“ in seiner Gruppe durch die physische Kraft, später trugen auch andere Kriterien zur Hierarchie bei, wie Mitglied einer Band oder „Fanzine“-Herausgeber zu sein.

Ein Tag im Leben eines Skinheads:

„Es ist einer dieser wenigen Tage im Jahr, wo du dem Großstadtdschungel des Innenstadtgefängnisses entfliehen kannst, ja, es ist mal wieder Bank Holiday Monday morgens, und wenn du aufwachst, fühlst du dich wie ein Gefangener, dessen lange Strafe zu Ende ist, weil du weißt, dies wird dein Tag, du bist frei und du wirst das genießen, und keiner wird dich aufhalten... und du fühlst dich so high, dass du nicht mal mehr den Kater von letzter Nacht bemerkst,... du springst aus dem Bett und los geht’s. Du zündest eine Zigarette an , legst ein Tighten-Up-Album auf den Plattenteller, um dich in die richtige Stimmung zu bringen, wäschst dich kurz, köpfst eine Dose Bier, schnappst dir ein Stück Toast zum Frühstück, und dann wird’s Zeit, deine Klamotten anzuziehen, deine hochgerollten Armeehosen, Lieblings-Perry-Hemd, deine Doctor Martens, half-inch-Hosenträger, Bomberjacke, und dann bist du fertig zu gehen, du nimmst dein Geld, deine Ration Zigaretten, deinen Kaugummi, ein Klopfen an der Tür, es sind ein paar deiner Jungs, die Oliver Twists und Robin Hoods von heute sind fertig zum Aufbruch, 9.15 Uhr.

Den Rest der Jungs triffst du an der Barking Station, und du bist Teil einer 300 Mann starken Armee mit Bovver Boots und kurzgeschorenen Haaren, du stehst da und wartest auf den Zug, der immer Verspätung hat, mit einer Büchse Bier in der Hand und die Hymnen von West Ham United singend, ja, ihr seid die Cockney Chorknaben, nur ein bißchen aus dem Takt.

Die Pubs sind offen..., aber wir kriegen kein Bier..., also... holt man sich Flaschen und Dosen aus dem Supermarkt, wir gehen ans Meer und rennen den Strand entlang, starren die Teds an, die altersmäßig unserer Väter sein könnten, ...wir ...tauschen ‚Come On’ – Blicke mit den einheimischen Mädchen aus, mit der hübschen Blonden mit ihrem betuchten Freund, und dann prügeln wir uns mit einer Gang von Rockern...

Vier Uhr ist vorbei und ... die TV-Kameras wollen ein bißchen Action für die Vorabendnachrichten, so was wie eine Schlägerei am Strand oder Unruhen in den Straßen, und die Polizei will ein bißchen Training, körperliche Entspannung, und so werden wir alle zusammengedrängt ..., es gab ein paar kleine Auseinandersetzungen, ein paar gebrochene Knochen, aber nichts besonderes, nur ein paar Festnahmen ...

Alles in allem ist es ein guter Tag gewesen, es war eine Abwechslung und das Gefühl, zu etwas dazuzugehören, und die Fahrt zurück besteht aus lautem Gelächter, dem Singen von Fußball-Liedern und dem Austauschen von Geschichten über unser Leben als Verbrecher oder unserer sexuellen Eroberungen... Als du heimkommst, fühlst du dich ein bißchen depressiv ..., deine Mutter ist bereits im Bett, dein Vater ist vor dem Fernseher eingeschlafen, ja, nichts hat sich geändert, alles alte Routine ..., du liegst auf deinem Bett und wünschst dir, jeder Tag könnte so sein, aber du weißt, das gibt’s nicht, du machst das Licht aus und träumst von dem hübschen Mädchen mit den blonden Haaren.“ (Johnson, Garry (1988): A view from the dead end of the street. Manchester S. 22)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Skinheads gleich Nazis?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Veranstaltung
Jugendsoziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V88351
ISBN (eBook)
9783638024303
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinheads, Nazis, Jugendsoziologie, Hausarbeit, aktuell, Sarrazin, Ausländer, Jugend, Musik
Arbeit zitieren
Holger Schmitt (Autor), 2007, Skinheads gleich Nazis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88351

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