Charlotte Kerners Jugendbuch "Blueprint-Blaupause" als literarische Grundlage für fächerverbindenden Unterricht zum Thema „Chancen und Grenzen des Klonens“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2.Charlotte Kerners Jugendbuch „Blueprint-Blaupause“
2.1 Problemstellung
2.1.1 Biographisches zu Charlotte Kerner und ihre Autorenmeinung
2.2 Gattungsfrage
2.3 Erzählstruktur
2.4 Personenkonstellation
2.4.1 Siri Sellin
2.4.2 Iris Sellin

3. Fächerverbindender Unterricht, was ist das?
3.1 Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki
3.2 Fächerverbindender Unterricht zum Thema „Chancen und Grenzen des Klonens“
3.2.1 Verfassen und Bearbeiten von Sachtexten im Deutschunterricht zum Thema Klonen
3.2.2 Jugend debattiert zum Thema „Chancen und Grenzen der gegenwärtigen Klonforschung“
3.2.3 Eine ethische und moralische Diskussion zur gegenwärtigen und zukünftigen Klonforschung
3.2.4 Eine Abhandlung zur Fortpflanzungsmedizin im Biologieunterricht

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internet

1. Einleitung

Mit dem erfolgreichen Klonen zweier Affenembryos haben US-Forscher den Durchbruch im Bereich des Klonens von Primaten geschafft und die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen des therapeutischen Klonens erneut entfacht.[1]

Schon vor einigen Jahren schockierten die Nachrichten über das Klonschaf Dolly und das Klonkind Eve, dessen Nachricht sich jedoch später als fake herausstellte, die Gesellschaft.[2] Wie lange würde es noch dauern, bis die ersten Eltern sich ein „Designerbaby“ zu Weihnachten wünschen würden? Wird es bald möglich sein, Zwillingsgeschwister auf Reserve zu züchten? Mit einem Mal sind all diese Diskussionen wieder im Fokus des Bewusstseins und die Thematik des Romans „Blueprint - Blaupause“ von Charlotte Kerner aktueller als je zu vor.

Die Aktualität und die Kontroverse des Themas Klonen möchte ich nutzen, um mithilfe von Charlotte Kerners Sf- und Adoleszenzroman „Blueprint -Blaupause“ eine fächerübergreifende Diskussion zu diesem Thema anzuregen. Ziel dieses fächerverbindenden Unterrichts ist eine Diskussion sein, die sich an technischen und moralisch-ethischen Fragestellungen orientiert und die Schüler und Schülerinnen zum Nachfragen und Nachdenken anregt. Sie sollen sich intensiv mit moralischen Fragestellungen auseinandersetzen, über ethische Urteile debattieren, um auf dieser Grundlage zu einer vorläufigen, aber begründeten Meinung zu kommen.[3]

Im Mittelpunkt von Kerners Roman steht die Identitätssuche eines Mädchens namens Siri, die als Klon der berühmten Pianistin und Komponistin Iris Sellin zur Welt kommt. Egoistische Gründe veranlassten Iris Sellin zu dieser Entscheidung, ohne nur einen Gedanken an die Folgen für ihr Klonkind nachzudenken. Zu Beginn des Buches scheint die Mutter-Tochter-Beziehung, trotz der häufigen Trennungen, sehr harmonisch. Doch je älter Siri wird, desto schwieriger wird ihr Leben. Ab der Pubertät befindet sich Siri im ständigen Konflikt mit ihrem „eigenen“ Ich-Bewusstsein und dem ihrer Mutter. Wut und Trauer entstehen, als sie bemerkt, wie sehr sie ihrer Mutter in ihrem Aussehen und ihrer Art gleicht. Es beginnt ein Kampf um die eigene Identität. Mithilfe von schrillen Klamotten und schwarzen kurzen Haaren beginnt ein Abnabelungsprozess, der viele Tränen kostet und erst mit dem Tod von Iris Sellin beendet wird.

Dieser Roman von Charlotte Kerner erzählt eine fiktive Geschichte, die so fiktiv nicht mehr lange sein wird. Für die Schüler und Schülerinnen entsteht somit ein besonderer Reiz ein Gedankenexperiment zu verfolgen und auszubauen, das schon in Kürze zu einem realen Experiment werden könnte.

Im ersten Teil meiner Arbeit analysiere ich das Buch nach seinen wichtigsten Punkten, um mich im zweiten Teil, dem didaktischen Bereich, mit der Frage der Bearbeitung im Unterricht auseinander zusetzen. Meiner Meinung nach liefert das Buch eine Vielzahl verschiedener Aspekte, die unmöglich nur allein im Deutschunterricht behandelt werden können. Aufgrund dieser Themenkomplexität entschied ich mich für die didaktische Bearbeitung des Buches in einem fächerverbindenden Unterricht. Dabei habe ich neben der Begriffsklärung und der didaktischen Analyse meines Unterrichts auch Unterrichtsvorschläge für die Fächer Deutsch, Politik, Praktische Philosophie und Biologie angehängt.

2.Charlotte Kerners Jugendbuch „Blueprint-Blaupause“

2.1 Problemstellung

„Wer bin ich“ (S.9) ist die zentrale Frage, die sich Siri Sellin zu Beginn des Buches stellt und die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman zieht. Die Suche nach einer eigenen Identität und somit nach eigenen Wünschen und Träumen steht für die Lebensgeschichte von Siri. Sie ist ein Klon, ein „blueprint“, d.h. nur eine Kopie des Originals. Sie wurde durch einen technischen Eingriff erzeugt und nicht durch die Liebe zweier Menschen. Vielmehr ist sie das Ergebnis von unbedachter Eigenliebe. Sie ist ein Mensch, der ungefragt zum Leben erweckt wurde und dessen Biographie nur wenig Raum für eine individuelle Entwicklung gelassen hat. Mit zunehmenden Alter wird sich Siri dieser Problematik bewusst und beginnt sich mit allen ihr gegebenen Mitteln und der Unterstützung ihres Freundes Janeck gegen ihre `Vorbestimmung` zu sträuben. Was sind Siris Gefühle und Gedanken und welche sind die Gedanken und Gefühle ihrer Mutter? Diese Fragen werden schnell zu Zweifeln und entfachen zunehmend Wut und Protest gegen das Handeln der Mutter. Die anfänglich harmonische Beziehung zwischen „Kehinde“ und „Taiwo“ scheint der immer größer werdenden Belastungsprobe nicht mehr gewachsen.[4] Immer wieder kommt es zu großen Auseinandersetzungen, ohne das sich Siri jedoch vollkommen von ihrer Mutter lösen kann. Auch der Umzug in eine andere Stadt kann die `Zwillingsbänder` nicht zerreißen. Erst als Iris Sellin auf dem Sterbebett liegt, beginnt für Siri ihr Leben („Mein Anfang war dein Ende. Dein Ende mein Anfang.“ S.157). Mit dem Zerschneiden ihres blauen Konzertkleides kann sich Siri endlich von den DNS-Strängen ihrer Mutter trennen und als Original weiterleben (S. 162/163).

Charlotte Kerner beschreibt mit ihrem Jugendroman eine mögliche Klonbiographie, wie sie zukünftig durchaus Realität werden könnte. Doch nicht nur der innere Konflikt, die Identitätssuche Siris, wird thematisiert, sondern ebenso Fragen wie: Ist ein Klon Mittel oder Zweck? (S.81) Kann ein Klon sich frei entscheiden und zum Individuum werden? (S. 62, 126) Verstößt Klonen gegen die Menschenwürde? (S.19, 25) Kann man auch die Seele klonen? Ist Klonen in gewissen Fällen zu tolerieren? (S.49).[5] Auf viele dieser Fragen findet man erst in einer anschließenden Diskussion eine mögliche Antwort.

Die Geschichte von Siri erzeugt Betroffenheit und wirft die Frage auf: Darf die Wissenschaft alles, was technisch möglich ist?

2.1.1 Biographisches zu Charlotte Kerner und ihre Autorenmeinung

Charlotte Kerner wurde 1950 in Speyer geboren und studierte nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss Soziologie und Volkswirtschaft an der Mannheimer Universität. Im Anschluss an Studienaufenthalte in Kanada und China verfasste sie ihre ersten Bücher. Als Journalistin arbeitete sie u.a. für GEO-Wissen, die Zeit und Emma. Ebenso war sie als Pressereferentin bei "Jugend forscht" tätig. Ihr besonderes Interesse gilt der Verarbeitung von medizinischen Themen, wobei meist Frauenschicksale auf psychologisch-emotionaler Ebene im Vordergrund stehen. 1979 lebt sie als freie Autorin und Journalistin in Lübeck.[6]

Als Charlotte Kerner Mitte der neunziger Jahre die Geschichte zu „Blueprint-Blaupause“ aufschrieb, begann die Fiktion Kerners bereits in großen Schritten zur Realität zu werden. Im Oktober 1993 trennten amerikanische Wissenschaftler zum ersten Mal menschliche Embryonen in der Schale und erzeugten somit die ersten künstlichen Zwillinge. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, dauerte es nicht lange bis das erste Säugetier (1998) und die ersten Primaten (2007) erzeugt wurden. Mit jedem neuen Schritt im Bereich des Klonens gewinnt die fiktive Geschichte Charlotte Kerners an realen Zügen. Sie selbst findet diesen Fortschritt mehr als beklemmend und möchte mit ihren Büchern auf die Folgen der Fortpflanzungsmedizin für den einzelnen Menschen hinweisen. Ihr Ziel ist es, die Gefühle der möglichen Klonkinder zu verbalisieren, um die Identitätsproblematik zu verdeutlichen.[7] Charlotte Kerner ist der Ansicht, dass die ersten „Designerbabys“ nicht mehr lange auf sich warten lassen werden. Im Namen der Fortpflanzungsfreiheit werden sich Menschen klonen lassen, weil sie ihr eigenes Interesse und ihre eigene Entscheidungsfreiheit über die des ungeborenen Lebens stellen. Sie unterstützt ihre These mit dem bereits ausgebrochenen Klonhandel, bei dem millionenschwere Geschäfte mit alten oder verstorbenen Haustieren geführt werden.[8]

Charlotte Kerner lässt jedoch offen, ob alle Seiten dieses Fortschritts negativ sind, denn viele Kinder verdanken diesem ihr Leben. Viele Eltern können sich nur aufgrund des technischen Fortschritts in der Fortpflanzungsmedizin um ihre eigenen Kinder sorgen.

Demzufolge schließt Kerners Nachwort mit dem Appell, mit Mut zur Moral die gesellschaftlich-ethische Diskussion zum Thema Klonen aktiv fortzuführen.[9]

Charlotte Kerner erhielt 2000 für ihr Werk „Blueprint–Blaupause“ den Deutschen Jugendliteraturpreis.[10].

2.2 Gattungsfrage

„Blueprint-Blaupause“ ist ein Buch für junge Erwachsene über das Erwachsen werden. In der Literaturwissenschaft werden diese Romane als Adoleszenzromane bezeichnet. Dies ist ein junger Begriff aus den 80er Jahren. Die Bezeichnung stammt aus dem Amerikanischen `adolescent novel` und etablierte sich erst mit dem Beginn der 90er Jahre in Deutschland. Hauptaugenmerk dieses Romantyps liegt auf der Zeit der Pubertät mit all ihren Problemen (Ablösung vom Elternhaus, Drogen, erste sexuelle Kontakte, etc.). Demzufolge werden auch häufig Situationen des Scheiterns thematisiert. In Charlotte Kerners Roman dreht sich alles um die Probleme der Identitätssuche des jungen Klonmädchens Siri Sellin. Die Zeitspanne der Erzählung umfasst den gesamten Prozess der Identitätsfindung und endet offen, um den jugendlichen Leser zum Nachdenken anzuregen. Die Figur der Siri Sellin wird als unverwechselbarer Charakter in einer differenzierten und nuancierten Darstellung beschrieben.[11]

[...]


[1] Klonen, Stern <http://www.stern.de/wissenschaft/natur/:Primaten-Forschern-Durchbruch-Klonen/602564.html> am 18.11.2007.

[2] 1997 war es den Forschern um Ian Wilmut vom Roslin-Institut bei Edinburgh gelungen, das Klon-Schaf Dolly zu erschaffen und 2002 zu Weihnachten kursierten die ersten Nachrichten über das Klonkind Eve. aus: Klonen, Abendblatt <http://www.abendblatt.de/daten/2002/12/28/108429.html> 18.11.2007.

[3] Wiesen, Herbert und Brigitte, Charlotte Kerner. Blueprint/Blaupause, 1. Aufl., Rot a .d. Rot 2003, S. 4.

[4] Kerner, Charlotte, Blueprint-Blaupause, Weinheim Basel u.a. 1999, S. 35/36.

[5] Wiesen, Herbert und Brigitte, Charlotte Kerner. Blueprint/Blaupause, 1. Aufl., Rot a .d. Rot 2003, S. 5.

[6] Lange, Günter, Charlotte Kerners Jugendromane in der Sekundarstufe 1 und 2, in: Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht Bd. 2, hrsg. v. Günter Lange, Hohengehren 2006, S. 1.

[7] Kerner, Charlotte, Blueprint-Blaupause, Weinheim Basel u.a. 1999, S. 178-180.

[8] s. ebd., S. 181/182.

[9] s. ebd., S. 183/184.

[10] „Plötzlich trauerte sie, dass sie keine Kinder hatte. Niemand, dem sie ihr Talent, ihr Wissen weitergeben konnte. Niemand, der ihr Erbe antreten würde. Niemand, den sie wirklich liebte der sie wieder liebt…“ (S.13)

[11] Stanzel, Franz K., Theorie des Erzählens. 7. Aufl. München 2001.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Charlotte Kerners Jugendbuch "Blueprint-Blaupause" als literarische Grundlage für fächerverbindenden Unterricht zum Thema „Chancen und Grenzen des Klonens“
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Aktuelle Kinder- und Jugendliteratur in der Sekundarstufe I
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V88367
ISBN (eBook)
9783638024334
ISBN (Buch)
9783640811847
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Buch wurde für den fächerverbindenden Unterricht ein Stück zu weit instrumentalisiert.
Schlagworte
Charlotte, Kerners, Jugendbuch, Blueprint-Blaupause, Grundlage, Unterricht, Aktuelle, Kinder-, Jugendliteratur, Sekundarstufe
Arbeit zitieren
Juliane Dube (Autor:in), 2008, Charlotte Kerners Jugendbuch "Blueprint-Blaupause" als literarische Grundlage für fächerverbindenden Unterricht zum Thema „Chancen und Grenzen des Klonens“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88367

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