Mit dem erfolgreichen Klonen zweier Affenembryos haben US-Forscher den Durchbruch im Bereich des Klonens von Primaten geschafft und die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen des therapeutischen Klonens erneut entfacht.
Schon vor einigen Jahren schockierten die Nachrichten über das Klonschaf Dolly und das Klonkind Eve, dessen Nachricht sich jedoch später als fake herausstellte, die Gesellschaft. Wie lange würde es noch dauern, bis die ersten Eltern sich ein „Designerbaby“ zu Weihnachten wünschen würden? Wird es bald möglich sein, Zwillingsgeschwister auf Reserve zu züchten? Mit einem Mal sind all diese Diskussionen wieder im Fokus des Bewusstseins und die Thematik des Romans „Blueprint - Blaupause“ von Charlotte Kerner aktueller als je zu vor.
Die Aktualität und die Kontroverse des Themas Klonen möchte ich nutzen, um mithilfe von Charlotte Kerners Sf- und Adoleszenzroman „Blueprint -Blaupause“ eine fächerübergreifende Diskussion zu diesem Thema anzuregen. Ziel dieses fächerverbindenden Unterrichts ist eine Diskussion sein, die sich an technischen und moralisch-ethischen Fragestellungen orientiert und die Schüler und Schülerinnen zum Nachfragen und Nachdenken anregt. Sie sollen sich intensiv mit moralischen Fragestellungen auseinandersetzen, über ethische Urteile debattieren, um auf dieser Grundlage zu einer vorläufigen, aber begründeten Meinung zu kommen.
Im Mittelpunkt von Kerners Roman steht die Identitätssuche eines Mädchens namens Siri, die als Klon der berühmten Pianistin und Komponistin Iris Sellin zur Welt kommt. Egoistische Gründe veranlassten Iris Sellin zu dieser Entscheidung, ohne nur einen Gedanken an die Folgen für ihr Klonkind nachzudenken. Zu Beginn des Buches scheint die Mutter-Tochter-Beziehung, trotz der häufigen Trennungen, sehr harmonisch. Doch je älter Siri wird, desto schwieriger wird ihr Leben. Ab der Pubertät befindet sich Siri im ständigen Konflikt mit ihrem „eigenen“ Ich-Bewusstsein und dem ihrer Mutter. Wut und Trauer entstehen, als sie bemerkt, wie sehr sie ihrer Mutter in ihrem Aussehen und ihrer Art gleicht. Es beginnt ein Kampf um die eigene Identität. Mithilfe von schrillen Klamotten und schwarzen kurzen Haaren beginnt ein Abnabelungsprozess, der viele Tränen kostet und erst mit dem Tod von Iris Sellin beendet wird.
Dieser Roman von Charlotte Kerner erzählt eine fiktive Geschichte, die so fiktiv nicht mehr lange sein wird.
Gliederung
1. Einleitung
2.Charlotte Kerners Jugendbuch „Blueprint-Blaupause“
2.1 Problemstellung
2.1.1 Biographisches zu Charlotte Kerner und ihre Autorenmeinung
2.2 Gattungsfrage
2.3 Erzählstruktur
2.4 Personenkonstellation
2.4.1 Siri Sellin
2.4.2 Iris Sellin
3. Fächerverbindender Unterricht, was ist das?
3.1 Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki
3.2 Fächerverbindender Unterricht zum Thema „Chancen und Grenzen des Klonens“
3.2.1 Verfassen und Bearbeiten von Sachtexten im Deutschunterricht zum Thema Klonen
3.2.2 Jugend debattiert zum Thema „Chancen und Grenzen der gegenwärtigen Klonforschung“
3.2.3 Eine ethische und moralische Diskussion zur gegenwärtigen und zukünftigen Klonforschung
3.2.4 Eine Abhandlung zur Fortpflanzungsmedizin im Biologieunterricht
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Charlotte Kerners Roman "Blueprint – Blaupause" als literarische Grundlage für einen fächerverbindenden Unterricht, der Schüler dazu befähigt, sich kritisch mit den ethischen, moralischen und technischen Aspekten des Klonens auseinanderzusetzen.
- Analyse des Adoleszenzromans "Blueprint – Blaupause"
- Konzeption eines fächerverbindenden Unterrichtsmodells
- Ethische Reflexion über die Möglichkeiten der Klonforschung
- Entwicklung von Diskussionskompetenzen durch "Jugend debattiert"
- Integration fachspezifischer Ansätze aus Deutsch, Politik, Philosophie und Biologie
Auszug aus dem Buch
2.1 Problemstellung
„Wer bin ich“ (S.9) ist die zentrale Frage, die sich Siri Sellin zu Beginn des Buches stellt und die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman zieht. Die Suche nach einer eigenen Identität und somit nach eigenen Wünschen und Träumen steht für die Lebensgeschichte von Siri. Sie ist ein Klon, ein „blueprint“, d.h. nur eine Kopie des Originals. Sie wurde durch einen technischen Eingriff erzeugt und nicht durch die Liebe zweier Menschen. Vielmehr ist sie das Ergebnis von unbedachter Eigenliebe. Sie ist ein Mensch, der ungefragt zum Leben erweckt wurde und dessen Biographie nur wenig Raum für eine individuelle Entwicklung gelassen hat. Mit zunehmenden Alter wird sich Siri dieser Problematik bewusst und beginnt sich mit allen ihr gegebenen Mitteln und der Unterstützung ihres Freundes Janeck gegen ihre `Vorbestimmung` zu sträuben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um das Klonen ein und begründet die Relevanz von Charlotte Kerners Roman für den schulischen Kontext.
2.Charlotte Kerners Jugendbuch „Blueprint-Blaupause“: Dieses Kapitel analysiert den Roman hinsichtlich seiner Identitätsthematik, der Gattung, der Erzählstruktur sowie der zentralen Personen Siri und Iris Sellin.
3. Fächerverbindender Unterricht, was ist das?: Hier wird der theoretische Rahmen des fächerverbindenden Unterrichts definiert und durch die didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki untermauert.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und bewertet den Nutzen sowie die organisatorischen Herausforderungen fächerverbindender Unterrichtskonzepte.
Schlüsselwörter
Blueprint – Blaupause, Charlotte Kerner, Klonen, Adoleszenzroman, Identitätssuche, fächerverbindender Unterricht, Ethik, Didaktik, Wolfgang Klafki, Biologieunterricht, Politische Bildung, Jugend debattiert, Moral, Menschenwürde, Designerbaby.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Nutzung des Romans "Blueprint – Blaupause" von Charlotte Kerner, um Schülern der 10. Klasse ein komplexes ethisches Thema durch fächerverbindenden Unterricht näherzubringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die Identitätsfindung von Klonen, die ethischen Implikationen moderner Fortpflanzungsmedizin sowie didaktische Strategien zur Verknüpfung von Deutsch, Politik, Philosophie und Biologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein konkretes Unterrichtskonzept zu entwerfen, das Schüler zu kritischem Denken und zum Aufbau einer fundierten Meinung hinsichtlich der "Chancen und Grenzen des Klonens" anregt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans und wendet die didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki an, um die Unterrichtsinhalte methodisch aufzubereiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die literarische Analyse des Romans als auch die fächerspezifischen Unterrichtsvorschläge für Deutsch, Politik, Praktische Philosophie und Biologie detailliert ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Klonen", "Adoleszenzroman", "Identitätssuche", "didaktische Analyse" und "fächerverbindender Unterricht".
Wie bewertet die Autorin die Beziehung zwischen Siri und Iris Sellin?
Die Beziehung wird als konfliktreich beschrieben; Iris agiert narzisstisch und sieht in Siri lediglich eine Kopie ihrer selbst, was bei Siri zu einer tiefen Identitätskrise und einem Kampf um Eigenständigkeit führt.
Warum ist das Thema "Klonen" laut der Autorin besonders relevant für den Unterricht?
Die Autorin argumentiert, dass das Thema durch aktuelle wissenschaftliche Fortschritte an Fiktionalität verliert und es daher unerlässlich ist, Schüler frühzeitig zur moralischen Urteilsbildung zu befähigen.
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- Juliane Dube (Author), 2008, Charlotte Kerners Jugendbuch "Blueprint-Blaupause" als literarische Grundlage für fächerverbindenden Unterricht zum Thema „Chancen und Grenzen des Klonens“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88367