Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet die Theorie der Entfremdung von Arbeit.
Entfremdungsphänomene können sich auf verschiedene Weise einstellen, für die vorliegende Arbeit ist aber lediglich die Entfremdung von (Erwerbs-) Arbeit interessant. Im Zuge einer zunehmenden Industrialisierung, entfremdet sich der Mensch zunehmend von seiner Arbeit. Arbeitsteilung und Technisierung trennen den Menschen vom Produkt seiner Arbeit. Der Sinnbezug seiner Tätigkeit geht zunehmend verloren, Vereinzelung und psychische Probleme sind die Folge.
Der Mensch entfernt sich im Prozess der Entfremdung aber nicht nur von seiner Arbeit, sondern auch von seinen Mitmenschen. Ein Bestandteil dieser Überlegungen ist die Einschätzung, dass die Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur Lebenswelt des Menschen leistet. Er verbringt einen großen Teil seines Lebens notwendigerweise mit Arbeit. In Deutschland befindet sich der durchschnittliche Arbeiter ca. 40 Stunden pro Woche an seinem Arbeitsplatz. Hier tritt er in Beziehung zu seinen Mitmenschen, hier findet er einen Großteil seiner sozialen Kontakte, hier wird er sozialisiert.
Sozialisierung von Erwachsenen findet freilich nicht ausschließlich im Arbeitsleben statt, der Mensch findet soziale Kontakte auch in seiner Freizeit, in der Familie und beim Ausüben von Hobbys. Sozialisierung in der Arbeitswelt nimmt aber einen großen Anteil ein und wirkt damit zu einem Teil identitätsstiftend. Der Mensch identifiziert sich mit seiner Arbeit, er begreift sich als Arbeiter, Angestellter oder Manager, als Zahnarzt, Architekt oder Kellner.
Selbst die negative Ausprägung von Arbeit, die Arbeitslosigkeit kann vergemeinschaftend wirken und so kann auch der Status der Arbeitslosigkeit Teil der Identität des einzelnen werden. Lernen zwei sich vorher unbekannte Menschen kennen, ist eine der ersten Fragen meist auch die Frage nach der Arbeit. Alter, Wohnort und Arbeitsstelle sind Fakten die uns beim anderen interessieren, die uns helfen einzuschätzen „wer“ der andere ist. Arbeit nimmt also einen großen Stellenwert ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entfremdung
2.1 Der Entfremdungsbegriff bei Emile Durkheim
2.2 Der Entfremdungsbegriff bei Erich Fromm
2.3 Der Entfremdungsbegriff bei Michel Crozier
2.4 Kritik der entfremdungstheoretischen Ansätze bei May
2.5 Ein einheitlicher Entfremdungsbegriff
3 Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Thema Kleinbetriebe
3.1 Sozialwissenschaftliche Forschung
3.2 Wirtschaftswissenschaftliche Mittelstandsforschung
4 Zur Definition von Kleinbetrieben
4.1 Qualitative Definitionskriterien
4.2 Quantitative Definitionskriterien
4.3 Betriebsgrößenklassen
4.3.1 Institutionelle Klassifizierung von Betriebsgrößenklassen
4.3.2 Klassifizierung in der Wissenschaft
4.4 Kleinbetriebe im Verständnis der vorliegenden Arbeit
5 Die Bedeutung von Kleinbetrieben in beschäftigungspolitischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht
6 Typologien von Kleinbetrieben
6.1 Die Typologie von Brussig et al.
6.1.1 Offene Betriebe
6.1.2 Determinierte Betriebe
6.1.3 Prägende Betriebe
6.2 Die Typologie von Weimer
6.2.1 „Der handwerkliche oder handwerksnahe Kleinbetrieb“
6.2.2 „Der unterentwickelte Industriebetrieb“
6.2.3 „Problemlöser“
6.3 Erkenntnisgewinn für das Thema dieser Arbeit
7 Sozialbeziehungen in Kleinbetrieben
7.1 Das Konzept der betriebliche Sozialordnung
7.1.1 Die gemeinschaftliche Sozialordnung
7.1.2 instrumentalistische Sozialordnung
7.1.3 Einflussfaktoren auf die Sozialordnung
7.1.4 Erkenntnisgewinn für das Thema dieser Arbeit
7.2 Die Person des Unternehmers
7.3 Mitbestimmung und Beteiligung der Beschäftigten im Betrieb
7.3.1 Institutionalisierte Interessenvertretung (Gewerkschaft und Betriebsrat)
7.3.1.1 Der Betriebsrat
7.3.1.2 Der gewerkschaftliche Einfluss in Kleinbetrieben
7.3.1.3 Bewertung der geringen Betriebsratsquote
7.3.2 Mitarbeiterbeteiligung
7.4 Entlohnungsbedingungen in Kleinbetrieben
8 Die Attraktivität der Arbeit im Kleinbetrieb
9 Spezifische Vor- und Nachteile von Kleinbetrieben
9.1 Vorteile
9.2 Nachteile
10 Beschäftigungsstabilität in Kleinbetrieben
11 Zukünftige Entwicklungstendenzen
12 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken deutscher Kleinbetriebe, wobei der Fokus auf der Qualität und Attraktivität der Arbeitsbedingungen für Beschäftigte sowie deren potenzieller Einfluss auf Entfremdungstendenzen liegt.
- Theorie der Entfremdung in Bezug auf Erwerbsarbeit
- Abgrenzung und Definition von Kleinbetrieben
- Sozialbeziehungen und Mitbestimmungsstrukturen in Kleinbetrieben
- Vergleich der Arbeitsqualität in Kleinbetrieben versus Großbetrieben
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Entfremdungsbegriff bei Emile Durkheim
Durkheim versteht Arbeitsteilung als Grundlage sozialer Solidarität. Kann aus Arbeitsteilung keine Solidarität entstehen, dann ist sie für ihn „anormal“ und somit pathologisch. Das Verhältnis des Individuums zu eben dieser sozialen Solidarität ist dann ein ungeregeltes, es ist „anomisch“.
Durkheims Arbeitsbegriff ist für das Soziale offen gehalten, er umfasst menschliches Handeln verschiedenster Bereiche. Durkheim spricht darum auch von „sozialer Arbeit“. Arbeitsteilung vollzieht sich für ihn auf der Ebene der Rollen und Berufe. Durkheim versteht Arbeitsteilung zunächst also als gesellschaftliche Arbeitsteilung, auf die bereits eingegangen wurde. Die Zerlegung des Arbeitsprozesses, eingangs als technische Arbeitsteilung beschrieben, ist dabei eine anomische Form der sozialen Arbeitsteilung. Damit will Durkheim die sozial-pathologischen Auswirkungen der technischen Arbeitsteilung verdeutlichen, die er im Zuge der Industrialisierung im Zunehmen begriffen sieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob und wie Kleinbetriebe den Prozess der Entfremdung von Arbeit beeinflussen können.
2 Entfremdung: Dieser Abschnitt erläutert theoretische Modelle der Entfremdung, basierend auf Autoren wie Durkheim, Fromm und Crozier, um einen analytischen Rahmen zu schaffen.
3 Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Thema Kleinbetriebe: Es wird ein Überblick über die bisherige sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kleinbetrieben gegeben.
4 Zur Definition von Kleinbetrieben: Das Kapitel beleuchtet die Schwierigkeiten einer einheitlichen Definition und stellt verschiedene qualitative und quantitative Kriterien sowie Klassifizierungen vor.
5 Die Bedeutung von Kleinbetrieben in beschäftigungspolitischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht: Hier wird die historische und aktuelle wirtschaftliche Relevanz von Kleinbetrieben, insbesondere als Arbeitgeber, analysiert.
6 Typologien von Kleinbetrieben: Verschiedene Typen von Kleinbetrieben (z.B. nach Brussig et al. und Weimer) werden vorgestellt, um ihre Heterogenität zu strukturieren.
7 Sozialbeziehungen in Kleinbetrieben: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Sozialordnung, die Rolle des Unternehmers und die Formen der Mitbestimmung innerhalb kleiner Unternehmen.
8 Die Attraktivität der Arbeit im Kleinbetrieb: Es wird untersucht, welche Faktoren die Arbeitsqualität in Kleinbetrieben bestimmen und wie diese im Vergleich zu Großbetrieben wahrgenommen werden.
9 Spezifische Vor- und Nachteile von Kleinbetrieben: Eine Gegenüberstellung von Stärken, wie Flexibilität und Kundennähe, sowie Schwächen, wie Finanzierungsprobleme und mangelnde Personalarbeit.
10 Beschäftigungsstabilität in Kleinbetrieben: Die Stabilität von Arbeitsverhältnissen in kleinen Unternehmen wird unter Berücksichtigung von Fluktuation und Neugründungen bewertet.
11 Zukünftige Entwicklungstendenzen: Ein Ausblick auf die zukünftige Rolle von Kleinbetrieben angesichts von Globalisierung und Strukturwandel.
12 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Kleinbetriebe durch ihre Struktur Entfremdungstendenzen mindern können, jedoch abhängig von der konkreten Ausgestaltung der Sozialbeziehungen sind.
Schlüsselwörter
Kleinbetriebe, Entfremdung, Arbeitszufriedenheit, Arbeitsteilung, Sozialordnung, Unternehmertum, Mitbestimmung, Betriebsratsquote, Arbeitsmarkt, Beschäftigungsstabilität, Strukturwandel, KMU, Qualifikation, Betriebsgröße, Industriebetrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Strukturen in Kleinbetrieben dazu beitragen können, das Phänomen der Entfremdung von Arbeit, das vor allem mit Großbetrieben assoziiert wird, abzuschwächen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entfremdungstheorie, die Bedeutung von Kleinbetrieben für die Wirtschaft, ihre spezifische Sozialordnung sowie die Attraktivität der dortigen Arbeitsplätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob Beschäftigte in Kleinbetrieben weniger von Entfremdung betroffen sind und inwiefern die spezifische Betriebsstruktur dabei eine Rolle spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Entfremdungsbegriffe sowie eine Auswertung empirischer industriesoziologischer Studien, um die Arbeitsbedingungen in Kleinbetrieben zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Definition von Kleinbetrieben, deren Bedeutung für den Arbeitsmarkt, die Analyse betrieblicher Sozialordnungen und einen Vergleich von Vor- und Nachteilen gegenüber Großbetrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kleinbetriebe, Entfremdung, Sozialordnung, Arbeitszufriedenheit, Arbeitsteilung und Mitbestimmung.
Warum ist die Person des Unternehmers in Kleinbetrieben so entscheidend?
Da der Unternehmer im Kleinbetrieb oft eng mit der Produktion verschmolzen ist und keine klare Trennung zwischen Management und Arbeiterschaft wie in Großkonzernen besteht, prägt seine Persönlichkeit maßgeblich die Sozialordnung und damit das Arbeitsklima.
Was bedeutet "anomische Arbeitsteilung" im Kontext der Arbeit?
In Anlehnung an Durkheim wird dies als eine durch extreme Zergliederung technischer Prozesse verursachte Form der Arbeitsteilung beschrieben, die zur Entfremdung führt, da der Sinnzusammenhang der Tätigkeit für den Arbeiter verloren geht.
Warum ist die Betriebsratsquote in Kleinbetrieben so niedrig?
Die niedrige Quote erklärt sich durch die geringe Größe, die oft informelle Klärung von Konflikten und die teilweise Ablehnung formeller Strukturen durch die Arbeitgeber, wobei jedoch oft eine informelle Mitbestimmung existiert.
- Quote paper
- Christian Pooch (Author), 2007, Chancen und Risiken von Kleinbetrieben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88389