Die Tradition der frühneuzeitlichen Familienchroniken

Die Chronik Eisenberger


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Chronistik
2.1 Die Chronik als Gattung
2.2 Die Familienchronik

3.Die Familienchronik Eisenberger
3.1 Epochenüberblick
3.2 Familie Eisenberger
3.3 Philipp Eisenberger der Jüngere (1548 - 1607)
3.4 Über die „Chronik Eisenberger“
3.5 Aufbau und Inhalte der „Chronik Eisenberger“

4.Die Tradition der frühneuzeitlichen Familienchroniken am Beispiel der „Chronik Eisenberger“
4.1 Der Schreibanlass
4.2 Der Name als Grundlage für den Stammbaum
4.3 Wappen als Zeugnis der Abstammung
4.4 Standorte
4.5 Namensgebung

5.Schlussbemerkung

6.Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Frage nach den Traditionen frühneuzeitlicher Familienchroniken am Beispiel der „Chronik Eisenberger“, einer Familie aus dem Wetterauer Niederadel und dem Frankfurter Patriziat.

Dabei wird es wichtig sein, über die Chronistik im Allgemeinen als Gattung und die Familienchronik als Sonderform zu sprechen. Dazu gehört ein Blick in die Geschichte der Chronistik bis hin zur wissenschaftlichen Disziplin der Familienchronik, der sogenannten Genealogie. Hierbei sollen unter anderem auch die notwendigen Fachbegriffe zur Sprache kommen. Des Weiteren ist die Darstellung eines Genealogen von besonderer Bedeutung für die Darstellung der Merkmale von Familienchroniken.

Im Hauptteil wende ich mich speziell der Familienchronik Eisenberger zu, die von Hartmut Bock editiert und kommentiert wurde. In einem ersten Teil soll die „Chronik Eisenberger“ als Werk vorgestellt werden. Dabei sollen auch der historische Gesamtüberblick der Epoche und die Geschichte der Familie Eisenberger nicht außer acht gelassen werden. Im Anschluss an die kurze Einführung in das Werk „Die Chronik Eisenberger“ werde ich der Frage nachgehen, welche Merkmale typisch für eine frühneuzeitliche Familienchroniken sind und in wie weit man diese auf die Chronik der Familie Eisenberger übertragen kann. Was macht die „Chronik Eisenberger“ zu einer Familienchronik? Woran erkennt man die Familienchronik? Widmet sich der Autor bestimmten Themen? Spielen diese Themen bis zum Ende eine wichtige Rolle? Kann man von einer thematischen Einheit sprechen? Diese und weitere Fragen sollen am Beispiel der „Chronik Eisenberger“, stellvertretend für die Sonderform der Familienchronik, untersucht und kritisch betrachtet werden.

In der Schlussbemerkung werde ich alle Ergebnisse nochmals zusammentragen und Resümee ziehen, was eine Chronik zu einer Familienchronik macht.

2 Chronistik

2.1 Die Chronik als Gattung

Das Wort „Chronik“ stammt aus dem Griechischen, wo es ursprünglich „chronika (biblia) hieß und später zu „chronos“ umgewandelt wurde. „Chronos“ bedeutet übersetzt die Zeit. Wenn Historiker über eine Chronik sprechen, meinen sie in der Regel eine geschichtliche Darstellung, die die Ereignisse, beispielsweise eines Krieges oder die Entwicklung einer Stadt seit ihrer Gründung, in zeitlich genauer Reihenfolge darstellt. Die Chronik eines Ereignisses ist weitgehend auf die chronologische Darstellung von Daten und des Faktenmaterials beschränkt.[1]

Als eigene Gattung ist die „Chronik“ erst in der Spätantike bzw. im sehr frühen Mittelalter fassbar. Durch die Chronik des Eusebius (um 264 - 340), die von Hieronymus (um 347/348 - 420) ins Lateinische übersetzt wurde, wurde die Grundlage der mittelalterlichen Weltchronik (Universalchronik) geschaffen. Weltgeschichte bedeutet nach Eusebius Heilsgeschichte, denn die Geschichte des jüdischen Volkes ist älter als die der Christen.[2]

Eine Chronik geht fast immer von einem fiktiven Schöpfungsdatum aus. Der Chronist trägt hierfür verschiedene Belege zusammen (Kompilation). Quellen aus seiner Lebenszeit können für sein Werk einen unschätzbaren Quellenwert besitzen. Die Absicht des Verfassers ist zu meist, dass er den Leser belehren und bilden will.[3]

Die Chronik als Gattung kann in verschiedene Sonderformen unterteilt werden. Zu den bekanntesten Typen zählen neben der Weltchronik, die Landeschronik, die Stadtchronik und die Familienchronik, deren Blütezeit mit dem Spätmittelalter, zur Zeit als das Reich anfing sich in Territorialstaaten aufzulösen, begann.[4]

2.2 Die Familienchronik

Die Beschäftigung mit der Geschichte einer Familie wurde um 1900[5] zu einer eigenen wissenschaftlichen Disziplin, der Genealogie. Dieser Begriff ist aus dem Lateinischen und Altgriechischem von dem Wort „genus" abzuleiten und bedeutet „Geschlecht" oder „Abstammung". Das Wort „logos" lässt sich mit „Kunde" oder „Lehre" ins Deutsche übersetzen. Damit wird klar, dass sich die Genealogie mit dem „Ursprung und Schicksal von Familien, ihren Vorfahren und ihren Nachkommen"[6] beschäftigt.

Zu NS-Zeiten nannte man die Genealogie auch „Sippenkunde", bei der man sich vordergründig damit befasste, ob eine Familie „arische Vorfahren" besaß.[7] Die private Recherche nach den eigenen Vorfahren wird heute noch mit dem altmodischen Tätigkeitsbegriff „Ahnenforschung" umschrieben. Die Genealogie als wissenschaftliche Disziplin übersteigt die laienhafte Ahnenforschung, in dem sie sich insbesonders mit der „Erforschung von familiengeschichtlichen Zusammenhängen und ihren soziologischen und historischen Hintergründen"[8] beschäftigt. Dennoch nutzt der laienhafte Familienforscher oftmals die Genealogie als Hilfswissenschaft, wenn er sich beispielsweise bei der Rekonstruktion der eigenen Familiengeschichte auch mit der Lokalgeschichte befassen muss, um Zusammenhänge zu verstehen.[9]

Bei den Familienchroniken der Frühen Neuzeit ist die adlige Abstammung von äußerstem Interesse, wie wir es beispielsweise bei der „Chronik Eisenberger" kennen lernen werden. In der Regel beginnen die Familienchroniken der Frühen Neuzeit zumeist mit der Abstammung von Adam und Eva bis hin zu der Zeit, in der der letzte Nachfahre, sollte er sich mit der Genealogie beschäftigen, stirbt. Dies gilt nicht für die hier vorgestellte „Chronik Eisenberger" wie wir in einem der folgenden Kapitel erfahren werden.

Als eine weitere wichtige Teildisziplin der Genealogie kann die Heraldik, die Wappenkunde, angesehen werden. Mit Hilfe der Heraldik lassen sich oftmals Beweise für die adlige Abstammung herleiten. Die Wappenkunde spielt gerade in der „Chronik Eisenberger“ eine äußerst wichtige Rolle.

3 Die Familienchronik Eisenberger 3.1 Epochenüberblick

Da sich die Familienchroniken, wie man sich denken kann, über mehrere Jahrhunderte und somit mehrere historische Epochen ausdehnt, erscheint es als wenig sinnvoll eine große epochale Beschreibung darzulegen. Zum gesamtepochalen Überblick sei erklärt, dass die „Chronik Eisenberger“ ungefähr im 14.Jarhundert[10] einsetzt und eigentlich mit dem Tode ihres Verfassers, Philipp Eisenberger dem Jüngeren, 1607 endet, aber durch einige Einträge seines Schwiegersohnes ergänzt wird.

Sinnvoll dagegen erscheint es, sich in aller Kürze, mit der Zeit Philipp Eisenbergers dem Jüngeren auseinander zu setzen. Philipp Eisenberger der Jüngere lebte zu einer Zeit, die Historiker mit dem Epochenüberbegriff „Renaissance“ beschreiben.

Das Wort Renaissance leitet sich aus dem Italienischen ab, wo es „rinascita“ bzw. „Rinascimento“ heißt, von dort aus ins Französische übersetzt wurde und auf Deutsch „Wiedergeburt“ bedeutet. Der Begriff wurde erstmals 1550 von Giorgio Vasari, einem italienischen Künstler und Künstlerbiographen, verwendet. Zu den Idealen der Zeit zählte die Wiedergeburt der Antike. Nicht nur, aber vor allem, schlug sich diese Wiedergeburt des antiken Geistes in der Kunst und Musik nieder. Als bekanntesten künstlerischen Werk ist Leonardo da Vincis sogenannte „Proportionsstudie“ zu nennen. Die Renaissance lässt sich als Beginn der „neuzeitlichen anthropozentrischen Weltansicht“ erklären.[11]

[...]


[1] Boshof, Egon; Düwell, Kurt; Kloft, Hans: Grundlagen des Studiums der Geschichte. Eine Einführung. Köln, Weimar, Wien 51997, S. 117.

[2] ebd. S. 117.

[3] ebd. S. 118.

[4] ebd. S. 118.

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie

[6] Bahn, Peter: Familienforschung, Ahnentafel, Wappenkunde. Wege zur eigenen Familienchronik. Niedernhausen/Taunus 1986/1988, S. 16.

[7] ebd. S. 16.

[8] ebd. S. 16.

[9] ebd. S. 20.

[10] Bock, Hartmut: Die Chronik Eisenberger. Edition und Kommentar. Frankfurt/Main 2001, Bd. 22, S. 40.

[11] „Renaissance“, in: Das Neue Duden Lexikon, Bd. 8, 21989, S. 3172.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Tradition der frühneuzeitlichen Familienchroniken
Untertitel
Die Chronik Eisenberger
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Geschichtsschreibung in der Frühen Neuzeit
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V88393
ISBN (eBook)
9783638024464
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tradition, Familienchroniken, Geschichtsschreibung, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Felix Carl-Emil Wiedergrün (Autor), 2006, Die Tradition der frühneuzeitlichen Familienchroniken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88393

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