Laut ist der Protest jeher, dass unsere Sprache zu verfallen droht. Schon antike Philosophen äußerten sich im Zuge der verbildlichten Sprechweise und taten ihren Unmut kund. In dieser Arbeit möchte ich mich jedoch nicht mit der Frage befassen, ob diese Vermutung falsch oder richtig sei, sondern den Fokus vielmehr auf die Fragestellung konzentrieren, warum diese Besorgnis seit jeher ein solch zeitloses Thema ist. Warum wandelt sich Sprache überhaupt und wie macht sich dies bemerkbar? Um sich mit dieser Frage auseinandersetzen zu können, soll zunächst der sprachliche Wandel im Allgemeinen mit seiner Herkunft definiert werden. Dazu werden verschiedene Interpretationen aus der Literatur von Keller und Kirschbaum, Löbner und Fritz miteinander verglichen und mit gegenwärtigen Beispielen zur Untermauerung der gelieferten Thesen aufgeführt. Im Folgenden sollen die gängigsten und alltäglichsten Formen der Bedeutungsveränderung und –verschiebung benannt und durch kurze Beispiele verdeutlicht werden, um sich anknüpfend daran mit erworbenem Vorwissen dem rhetorischen Mittel der Metapher und ihrer Metaphorisierung zuzuwenden, welches unter besonderem Augenmerk dieser Hausarbeit stehen soll. Unter aristotelischem Blickwinkel ist die philosophische Sichtweise der Metapher sehr kurz anzureißen, um sich mit historischem Hintergrundwissen dem Verfahren der Metaphorisierung in der Gegenwart zu nähern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutungswandel
2.1 Wandel innerhalb einer Sprache
2.2 Entstehung semantischer Neuerungen
2.3 Effizienz von Neuerungssituationen
3. Verfahren des Bedeutungswandels
3.1 Metonymisches Verfahren
3.2 Differenziertes Verfahren
3.3 Euphemistisches Verfahren
3.4 Ironisches Verfahren
4. Metaphorisierung
4.1 Metaphertheorien
4.2 Metaphorischer Wandel
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mechanismen des sprachlichen Bedeutungswandels, wobei ein besonderer Fokus auf das rhetorische Mittel der Metaphorisierung gelegt wird. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, warum sich Sprache kontinuierlich wandelt, wie dieser Prozess zustande kommt und wie sich insbesondere metaphorische Übertragungen in der alltäglichen Kommunikation manifestieren.
- Grundlagen und Definitionen des allgemeinen Sprachwandels
- Prozesse der Entstehung semantischer Neuerungen
- Systematik verschiedener Verfahren des Bedeutungswandels (Metonymie, Differenzierung, Euphemismus, Ironie)
- Detaillierte Analyse der Metaphorisierung als Werkzeug der Sprachveränderung
Auszug aus dem Buch
4.2 Metaphorischer Wandel
Beginnen wir in Anlehnung an Löbner (2003, 70) mit einer Definition der Metapher: „Konzepte für Dinge aus einem Herkunftsbereich werden entliehen, um damit Dinge in einem anderen Bereich, dem Zielbereich zu beschreiben“. Gehen wir dem nach.
Was die Metapher also laut Definition von der Metonymie unterscheidet, ist die Tatsache, dass das metonymische Verfahren einen Bezug zum Referenten besitzt (s. Kapitel 3.1). Die Metapher weist diese direkte Beziehung nicht auf, direkt gleich oder ähnlich ist nur ihre Bedeutung im Herkunfts- und Zielbereich.
Etwas klarer formuliert wirkt die folgende Definition:
„Beim metaphorischen Gebrauch eines Ausdrucks wird ein Gegenstadt eines Bereichs unter der Perspektive eines anderen Bereichs gesehen“ (vgl. Keller/Kirschbaum 2003, 34).
Untermauern wir die Definition mit einem Beispiel: Kohls Reservemannschaft, ein Eigentor, die Opposition im Abseits, die defensive Spielweise der Regierung sind Beispiele für metaphorischen Gebrauch aus dem Bereich des Sports, angewandt auf den Bereich der Politik (vgl. Fritz 2006, 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach den Gründen und der Wahrnehmung von Sprachwandel vor und führt in die methodische Herangehensweise ein.
2. Bedeutungswandel: Das Kapitel definiert Sprachwandel als kontinuierlichen, unbewussten Prozess und untersucht, wie semantische Neuerungen durch täglichen Gebrauch entstehen.
3. Verfahren des Bedeutungswandels: Hier werden gängige Strategien wie Metonymie, Differenzierung, Euphemismus und Ironie als Mittel der Bedeutungsverschiebung erläutert.
4. Metaphorisierung: Dieser Abschnitt widmet sich den theoretischen Ansätzen zur Metapher und erklärt, wie metaphorische Übertragungen durch Lexikalisierung einen dauerhaften Bedeutungswandel bewirken.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Bedeutungswandel, Metaphorisierung, Metapher, Metonymie, Semantik, Lexikalisierung, Kommunikation, Sprachpraxis, Euphemismus, Sprachwissenschaft, Rhetorik, Bedeutung, Sprachgebrauch, Neuerungssituation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die semantischen Veränderungsprozesse innerhalb einer Sprache, mit einem speziellen Fokus auf die Entstehung und den Wandel von Bedeutungen durch metaphorische Verfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Sprachwandels, die verschiedenen rhetorischen Verfahren der Bedeutungsverschiebung und die spezifische Rolle der Metaphorisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Prozess des Bedeutungswandels verständlich zu machen und zu erläutern, wie und warum Sprecher durch unbewusste Sprachpraktiken neue Bedeutungszusammenhänge schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, bei der Ansätze verschiedener Semantik-Experten verglichen und durch aktuelle Sprachbeispiele untermauert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung allgemeiner Wandelprozesse, die Darstellung klassischer Verfahren wie Metonymie und Ironie sowie eine vertiefende Analyse der Metaphorik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sprachwandel, Metaphorisierung, Semantik, Bedeutungswandel, Lexikalisierung und Kommunikation.
Warum reicht laut Autor der Begriff der Metonymie nicht aus, um Metaphern zu erklären?
Da die Metonymie einen direkten Bezug zum Referenten benötigt, während die Metapher lediglich eine Ähnlichkeit der Bedeutung zwischen einem Herkunfts- und einem Zielbereich voraussetzt.
Wie genau erfolgt die Lexikalisierung einer Metapher?
Lexikalisierung geschieht durch häufigen Gebrauch, bis der Umweg über den wörtlichen Sinn im Bewusstsein entfällt und die metaphorische Bedeutung als neuer, wörtlicher Sinn akzeptiert wird.
Was zeichnet das Beispiel des Wortes "blöd" aus?
Es verdeutlicht den historischen Bedeutungswandel vom physischen Bereich (schwach) in den geistigen Bereich (dumm), was typisch für metaphorische Übertragungen ist.
- Quote paper
- Christoph Dabiri (Author), 2007, Bedeutungswandel am Beispiel des Verfahrens der Metaphorisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88400