Das Phänomen Overconfidence in Verhandlungs- und Entscheidungssituationen


Seminararbeit, 2007
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. GrundlageN
2.1. Rational ist Irrational - Wie die Psychologie die Ökonomie beeinflusst
2.2 Overconfidence – Was bedeutet das konkret?
2.3 Messung der Overconfidence

3. Ursachen des Overconfidence Phänomens
3.1 Motivationale Ursachen und Anwendung
3.2 Kognitive Ursachen und Anwendung
3.3 Overconfidence und externe Einflüsse
3.4 Behavioral Finance und Overconfidence

4. Zusammenfassende Erkenntnisse

1. Einleitung

„Fünfzig Prozent der Wirtschaft sind Psychologie. Wirtschaft ist eine Veranstaltung von Menschen, nicht von Computern“ sagte Alfred Herrhausen (1930-89), deutscher Bankier und Vorstandssprecher der Deutschen Bank und erkannte somit die Relevanz psychologischer Prozesse und Phänomene, die jeden Menschen in seinem Handeln beeinflussen.

Als Grundlage der neoklassischen Wirtschaftstheorie dient die Annahme des homo oeconomicus. Die Idealvorstellung geht von einem unbegrenzten Arbeitsspeicher und einer unendlich hohen Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung aus. Zur Findung von rationalen Entscheidungen definiert der homo oeconomicus seine Ziele und hierarchisiert diese. Er bestimmt die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Alternativen zum Erreichen dieser Ziele führen. Nach elaborierten mathematischen Entscheidungsregeln wählt der homo oeconomicus die Alternative mit dem höchsten Erwartungswert aus. Die Theorie besagt demnach, dass z.B. Investoren, Manager, Analysten ihre Entscheidungen unter vollkommener Rationalität treffen.

Doch wie sieht es in der Realität aus, in unserem Alltag der beherrscht ist von einer Informationsflut, dem Bedürfnis als leistungsfähiger und kompetenter Mensch zu erscheinen und der Notwendigkeit schnell Entscheidungen zu treffen, aber ohne die Zeit zu haben alle Möglichkeiten mathematisch auszurechnen ?

Diese Arbeit versucht einen Einblick zu geben, wie es aufgrund des psychologischen Phänomens des Overconfidence Bias im menschlichen Alltagsleben zu Fehlentscheidungen, sowie im Finanzmarkt zu Börsencrashs, extremen Auf- und Abschwüngen und Spekulationsblasen führen kann. Der Finanzmarkt spiegelt menschliche Hoffnungen und Ängste wieder und zeigt somit, dass auch die Psychologie neben den klassischen ökonomischen Modellen und Theorien eine entscheidende Rolle übernimmt.

2. GrundlageN

2.1. Rational ist Irrational- Wie die Psychologie die Ökonomie beeinflusst

Rationalität ist wissenschaftlich nicht eindeutig definiert. Rationalität ist vielmehr subjektiv und von den persönlichen Präferenzen und Zielvorstellungen beeinflusst, d.h. Entscheidung A mag für eine Person X vollkommen rational erscheinen, während die Entscheidung A für Person Y irrational erscheint. Es gibt aber einige eindeutige Kriterien um die Prämisse der Rationalität näher einzugrenzen. Erfolg kann als mögliches Kriterium zur Messung der Rationalität einer Entscheidung herangezogen werden. Allerdings ist es sehr schwierig von den positiven bzw. negativen Konsequenzen einer Entscheidung auch direkt auf die Rationalität zurück zu schließen, denn Rationalität ist nicht die einzige Bedingung für eine erfolgreiche Entscheidung. Eisenführ/Weber (2003) zeigten weitere Rationalitätskriterien auf: Der Informationsaufwand muss der Entscheidungsaufgabe angemessen sein, die Bildung von zukünftigen Erwartungen soll auf Basis von relevanten und objektiven Informationen erfolgen, der Entscheider sollte sich über seine individuellen Präferenzen und Ziele bewusst sein und seine Entscheidung sollte zukunftsorientiert getroffen werden. Informationen aus der Vergangenheit sollten demzufolge keinen Einfluss auf den Entscheidungsprozess nehmen.

„Bounded rationality“ ist das Stichwort aus dem Englischen, welches Überlegungen umfasst, inwiefern sich Individuen tatsächlich rational verhalten, Ursachen untersucht, welche begrenzt rationales Verhalten begründen und die Konsequenzen, die sich für den Entscheider ergeben.

Overconfidence, als inhaltliche Klammer für verschiedene psychologische Phänomene, die im Entscheidungsprozess Einfluss auf das Verhalten des Individuums nehmen, weist darauf hin, dass vollkommen rationales Verhalten von Menschen nur eingeschränkt möglich ist. Overconfidence und die zu Grunde liegenden psychologischen Biases der Infomationswahrnehmung- und Verarbeitung, denen jedes Individuum unterliegt beeinflussen die Entscheidungsfindung in bedeutendem Umfang, so dass sich die Frage stellt, ob die Rationalitätskriterien überhaupt erfüllbar sind und ob die durch Overconfidence verzerrten Entscheidungen nicht irrationale Tendenzen aufweisen.

2.2 Overconfidence – Was bedeutet das konkret?

Vertrauen, Selbstsicherheit und Zuversicht sind von großer Bedeutung für das eigene, erfolgreiche Handeln, da es den Menschen die Basis und den Mut gibt schwierige und unsichere Herausforderungen in Angriff zu nehmen. Selbstüberschätzung allerdings kann zu einem erfolglosen Ausgang führen. Overconfidence kann sich in verschiedenen Formen manifestieren. Psychologen zeigten in verschiedenen empirischen Studien, dass Overconfidence u.a. die Menschen veranlasst, ihre eigenen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen zu überschätzen (better than average effect), Risiken zu unterschätzen, ihre eigenen Kontrollmöglichkeiten von Situationen zu überschätzen (Illusion of Control) und ihr persönliches Wissen für zu präzise zu halten (Miscalibration) als es in Wirklichkeit ist.

Wegen der verschiedenen Ursachen von überkonfidentem Verhalten ist eine Definition des Overconfidence Bias schwierig. Barberis/Thaler legen den Schwerpunkt auf die Erkenntnis, dass Menschen dazu tendieren Konfidenzintervalle bei Einschätzungen viel zu eng zu wählen und dass Menschen bei ihren Einschätzungen schlecht kalibriert sind: „First, the confidence intervals people assign to their estimates of quantities (...) are far too narrow. (...) Second, people are poorly calibrated when estimating probabilities (...)” (Barberis/Thaler, 2003, S.1063). Im Gegensatz dazu verstehen Zacharakis/Shepherd Overconfidence als eine Tendenz zum Überschätzen der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Ereignisse: „(...) the tendency to overestimate the likely occurrence of a set of events“ (Zacharakis/Shepherd, 2001, S. 311).

Bezogen auf das alltägliche Leben neigen Menschen demnach dazu, sich und ihre Fähigkeiten eigennützig zu bewerten. Für die persönlichen Erfolge macht man das eigene Können verantwortlich (internaler stabiler Attributionsstil), Misserfolge aber werden durch äußere Umstände (externaler, instabiler Attributionsstil) erklärt. Der better-than-average Effekt (BTA), welcher impliziert, dass Menschen sich durchschnittlich besser einschätzen als ihre Vergleichspersonen, zeigt sich z.B. in wünschenswerten Eigenschaften wie Sportlichkeit und Gesundheit, beruflichen soft- und hard Skills, der Fähigkeit Autofahren zu können sowie auch der Wahrscheinlichkeit eine glückliche Ehe führen zu werden. Auch wenn sich beispielsweise Ehepaare der hohen Scheidungsraten von z.B. 50 % in den USA oder 51,9 % (2005) in Deutschland bewusst sind, erwarten praktisch alle frisch Verheirateten, dass ihre Ehe nicht geschieden und gegenteilig aller Prognosen glücklich verlaufen wird. Die Menschen überschätzen zudem auch den persönlichen Beitrag zu gemeinsamen Aktivitäten. Die Werte der Einschätzungen, die jeder Partner zur Hausarbeit beigetragen hat, addieren sich in den meisten Fällen auf über 100%. Daraus kann man folgern, dass die Menschen der Annahme unterliegen, dass nur die anderen kognitiven Täuschungen unterliegen

2.3 Messung der Overconfidence

Typische Studien zum Overconfidence Bias beeinhalten Fragen zur Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit von Aussagen (Welche Stadt hat mehr Einwohner? A: Madrid oder B: Berlin). Die Versuchspersonen werden angehalten eine Einschätzung abzugeben und dabei gleichzeitig auch eine Prognose der Richtigkeit ihrer Antwort zu geben. Die Skala der Beurteilung der Richtigkeit bewegt sich zwischen 50% (der Proband ist sich absolut unsicher, er könnte genauso gut eine Münze zur Entscheidungshilfe wählen) bis zu 100% (vollkommene Sicherheit).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1- Divergenz zwischen Eigenschätzung der richtigen Antwort und tatsächlichem Wert.

Hier zeigt sich insbesondere bei der 90- 100 % Einschätzung über die Sicherheit der richtigen Antwort die größte Selbstüberschätzung der eigenen Kompetenz. In diesen absolut sicheren Fällen sind in der Regel nur rund 80% der Antworten richtig. Nach einer Studie von Deffenbacher (1980) irren sich folglich Augenzeugen in mindestens einem von zehn Fällen, wenn sie sich zu 100% sicher sind, dass sie den Angeklagten am Tatort gesehen haben.

Die subjektive Sicherheit wird als „Konfidenz“ bezeichnet. Aus den Studien von Hoffrage (2000) erkennt man, dass die Konfidenzintervalle bei den Einschätzungen stets zu eng gewählt werden, das heißt, dass sich die Probanden zu sicher sind bei Aussagen in Themenbereichen in welchen sie tatsächlich aber völlig unwissend sind. Die Messung und Evaluation der Overconfidence kann durch die Messung mit Konfidenzintervallen (Hoffrage, 2004) oder durch das statistische Maß Brier B (Brier, 1950) erfolgen.

Bezogen auf Hoffrage werden die Resultate in einer Kalibrierungskurve wie in der Abbildung erkennbar dargestellt.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen Overconfidence in Verhandlungs- und Entscheidungssituationen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V88412
ISBN (eBook)
9783638041829
ISBN (Buch)
9783640319824
Dateigröße
857 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phänomen, Overconfidence, Verhandlungs-, Entscheidungssituationen
Arbeit zitieren
Iris Kuckelberg (Autor), 2007, Das Phänomen Overconfidence in Verhandlungs- und Entscheidungssituationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88412

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