Kurze Zusammenfassung der Entstehungsgeschichte und der Inhalte des drusischen Glaubens: Ich habe mich schon öfters in diesem oder jenem Zusammenhang mit dem Islam beschäftigt. Daß ich nun wieder dieses Thema bemühe, beruht nicht auf dessen unveränderter Aktualität, der Grund ist mein spezielles Interesse für die Religion der Drusen.
Als Freund Indiens musste ich natürlich aufhorchen, als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal vernahm, daß es einen vom Islam abstammenden Glauben gibt, der ganz wesentlich auf Reinkarnation und Karma gegründet ist. Meine ersten vagen Versuche zur Informationssuche ergaben, daß es sich um eine Geheimreligion handelt, über die es kaum Auskünfte gibt. Erst in den letzten Monaten nahm ich mir die Mühe, systematisch nachzuforschen, um den heutigen Stand des für Außenstehende zugänglichen Wissens zu ermitteln.
Es kam mir ein überraschender Umstand zu Hilfe. Die drusische Religion ist im Wesentlichen auch für die meisten Dazugehörigen geheim, die Geheimnisse kennt nur eine Elite von Eingeweihten, die „Weisen“. Das ging bis anhin gut, denn man gehörte durch das Hineingeborensein in bestimmte Sippen zur Gemeinschaft und wer nicht besonders religiös veranlagt war, lebte einfach nach Anweisungen der „Weisen“ mit. Doch die Lockerung der sozialen Bindungen macht heute auch vor dem Nahen Osten, wo die meisten Drusen leben, nicht halt. Die Sippen, ja die Familien drohen zu zerfallen – und wie sollen nicht-mitteilbare Geheimnisse junge Menschen dazu begeistern, bei dem Glauben, den sie nicht kennen, zu bleiben? In diesem Dilemma musste eine Lösung gefunden werden, die Jugend muss über die eigene Identität, über das spezifisch Drusische, über das Verhältnis der Gemeinschaft zu den großen Strömungen des Islam, unterrichtet werden. So kommt es, daß wir heute erfahren können, was über die Geschichte und Religion der Drusen dadurch daß sie unterrichtet werden, öffentlich geworden ist.[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Entstehung des Islam
Die Schia
Die Ismaeliten
Entstehungszeit der drusischen Religion
Die drusische Religion wird geheim
Drusische Theologie und Morallehre
Das Gebetshaus und die „Weisen“
Religiöse Pflichten
Die sozale Lage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Wurzeln und die heutige religiöse Praxis der Drusen, wobei insbesondere der Übergang von einem aus dem Islam abgeleiteten Glauben hin zu einer eigenständigen Geheimreligion im Zentrum steht. Dabei wird analysiert, wie sich die Gemeinschaft in ihrem sozialen Gefüge organisiert und mit den Herausforderungen der Moderne umgeht.
- Historische Entwicklung des Islam und Abspaltung der Schiiten
- Messianische Erwartungen und Aufstieg der Ismaeliten
- Theologische Grundlagen der Drusen, einschließlich Reinkarnationsglaube
- Struktur der Gemeinschaft: Die Rolle der „Weisen“ und Geheimhaltung
- Soziale Herausforderungen und moderne Lebensbedingungen der Drusen
Auszug aus dem Buch
Drusische Theologie und Morallehre
Gott schuf also zunächst aus seinem Licht die universelle Intelligenz. Diese aber wurde stolz und so erschien die Gegenmacht, das Böse. Nun schuf Gott aus seinem Licht die universelle Seele, als Partner im Kampf gegen dem Bösen. Aus der Seele wurde das Wort ausgesandt und aus dem Wort der Vorgänger und der Nachfolger. Dann schuf er die Sphären, die Erde und die Elemente. Alle Menschenseelen wurden auf einmal geschaffen, ihre Anzahl ist für ein- und allemal konstant. Der Körper ist die Hülle der Seele. Beim Tod besetzt die Seele sofort den Körper eines Neugeborenen, so durchwandert sie alle möglichen Lebensumstände. Dadurch haben alle die gleichen Chancen, denn Gott ist gerecht. Das Schicksal hat man aus der vorigen Inkarnation mitgenommen, die einzige Entscheidung, die der Mensch fällen kann, ist die zwischen gut und böse. Die Seelenwanderung setzt sich bis zum letzten Gericht fort, bei dem die Seelen je nach angeeignetem Wissen belohnt oder bestraft werden. Das wahre Unitariertum ermöglicht es, in der Wanderungszeit die Vollkommenheit zu erreichen. Eine körperliche Auferstehung gibt es nicht. Die Seelenwanderung erfolgt immer von Mensch zu Mensch, das Wissen kann nur vermehrt werden, beim letzten Gericht wird also die Gesamtheit der Inkarnationen beurteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert sein persönliches Interesse an der drusischen Religion und beschreibt das Dilemma, vor dem die Gemeinschaft durch die Lockerung traditioneller sozialer Bindungen heute steht.
Entstehung des Islam: Dieses Kapitel behandelt die arabische Geschichte sowie das Leben und Wirken von Mohammed als Begründer des Islam.
Die Schia: Der Text beschreibt die Entstehung der Schiiten als Partei Alis und die daraus resultierende Spaltung innerhalb der muslimischen Welt.
Die Ismaeliten: Es wird die Lehre der Anhänger des siebenten Imams thematisiert und ihr Einfluss auf Wissenschaft und Philosophie beleuchtet.
Entstehungszeit der drusischen Religion: Das Kapitel analysiert die Selbsternennung des Kalifen Hakim zum göttlichen Bild und die Ausrufung der neuen Glaubenslehre im Jahr 1017.
Die drusische Religion wird geheim: Nach Ende der Verkündigungszeit wurde der Glaube in den Geheimbereich verlagert, wobei die soziale Struktur zweigeteilt wurde.
Drusische Theologie und Morallehre: Zentrale Aspekte der drusischen Kosmologie, Reinkarnationslehre und die sieben Richtprinzipien werden hier dargelegt.
Das Gebetshaus und die „Weisen“: Der Autor beschreibt die rituellen Zusammenkünfte und die hohen ethischen Anforderungen, die an die religiöse Elite der Gemeinschaft gestellt werden.
Religiöse Pflichten: Dieses Kapitel erklärt die Abkehr von den traditionellen muslimischen Säulen und die besonderen Lebensregeln innerhalb der Drusengemeinschaft.
Die sozale Lage: Der abschließende Teil beleuchtet die aktuelle demografische, soziale und politische Situation der Drusen in der modernen Welt.
Schlüsselwörter
Drusen, Islam, Schiiten, Ismaeliten, Reinkarnation, Hakim, Geheimreligion, Unitarianismus, Seelenwanderung, Religion, Naher Osten, Gemeinschaft, Tradition, Ethik, Kalifat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Strömungen im Islam, insbesondere dem historischen Ursprung und der gelebten Praxis der Drusen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die theologische Entwicklung, die Geheimhaltung der Lehre, das soziale Gefüge innerhalb der Sippen sowie der Umgang mit der Moderne.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Der Autor möchte den aktuellen Stand des für Außenstehende zugänglichen Wissens über die drusische Religion systematisch aufarbeiten und verständlich machen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Informationssuche und Literaturanalyse, um die Geschichte und Theologie dieser speziellen Glaubensrichtung zu dokumentieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich von der allgemeinen islamischen Geschichte über die schiitische Abspaltung bis hin zu den spezifisch drusischen Glaubensinhalten und sozialen Organisationsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Drusen, Islam, Geheimreligion, Reinkarnation und Unitarianismus.
Warum wird die drusische Religion als Geheimreligion bezeichnet?
Da der Glaube seit 1043 im Geheimen praktiziert wird, ist der Zugang zu den heiligen Schriften nur einer kleinen Elite von Eingeweihten, den „Weisen“, vorbehalten.
Welche Rolle spielt die Reinkarnation bei den Drusen?
Die Reinkarnation ist ein zentraler Pfeiler, bei dem jede Seele durch verschiedene Inkarnationen wandert, um durch das Aneignen von Wissen Vollkommenheit zu erreichen.
Wie organisieren sich die Drusen heute in der Moderne?
Die Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, ihre traditionellen feudal-patriarchalischen Strukturen an die Anforderungen einer modernen Welt und eines oft schwierigen politischen Umfelds anzupassen.
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- Dipl.Ing.Dr. techn.Lic.phil I Jan Pohl (Author), 2006, Strömungen im Islam: Sunniten, Schiiten, Ismaeliten und Drusen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88414