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Der zerrissene Wille und die versöhnende Macht der Gnade

Augustinus' Konzept der Willensfreiheit innerhalb der Grenzen des christlichen Glaubens

Title: Der zerrissene Wille und die versöhnende Macht der Gnade

Essay , 2007 , 6 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tatjana Fabrizius (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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In seinen Confessiones artikuliert Augustinus das Auseinanderdriften der klassisch-antiken Kongruenz von Wissen und Praxis vor allem in Form persönlicher Erfahrungen und führt damit eine Unterscheidung von Willens- und Handlungsfreiheit ein. Zwischen Vernunft und Praxis siedelt er eine weitere zentrale Instanz an: den freien Willen des Menschen, welcher allein in seiner Macht stehe. Damit stellt er auch die Sünde in die ausschließliche Verantwortung des Menschen und kann Gott weiterhin als den Schöpfer alles Guten, zu dem der freie Wille folglich ebenfalls gehört, erhalten. Wie aber kommt es, dass dieses Gut zugleich die Quelle allen Übels sein kann? Die Antworten, die Augustinus darauf gibt, werden in diesem Essay skizziert, wobei zuerst seine Bestimmung des Bösen sowie anschließend sein Konzept der menschlichen Freiheit problematisiert werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bestimmung des Bösen

3. Anthropologische Verankerung des Bösen

4. Güterhierarchie und freier Wille

5. Bekehrungserlebnis und Gnade

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das augustinische Konzept der Willensfreiheit unter Berücksichtigung der christlichen Theologie. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie das Vorhandensein des Bösen in einer von Gott geschaffenen, guten Welt erklärt werden kann, ohne die menschliche Eigenverantwortlichkeit aufzuheben.

  • Die ontologische Definition des Bösen als Privation des Guten
  • Die Unterscheidung zwischen liberum arbitrium und voluntas
  • Die Rolle der göttlichen Gnade bei der Überwindung der menschlichen Willensschwäche
  • Die Bedeutung der augustinischen Güterhierarchie für die Lebensführung

Auszug aus dem Buch

Die anthropologische Verankerung des Bösen

In einem zweiten Schritt kann Augustinus nun das Böse anthropologisch verankern: Nicht der Materie oder dem Nichts an sich ist es zuzuschreiben, sondern liegt allein in der menschlichen Abwendung vom Guten und Hinwendung zum Nichts, im willentlichen Abfall von Gott begründet. Dies eröffnet den zweiten Problemhorizont: Wie ist dieser willentliche Abfall vom Guten möglich, wenn doch der freie Wille, immer vorausgesetzt, er ist dem Menschen von Gott verliehen worden, augenscheinlich an sich nicht schlecht bzw. zum Bösen inkliniert sein kann? Augustinus beantwortet diese Frage in erster Linie, indem er die Einheitlichkeit des Willens zersplittert2: Der (freie) Wille, den zugunsten eines Fatums aufzugeben unannehmbar wäre, setzt sich aus dem liberum arbitrium als dem autonomen Urteilsvermögen einerseits, der voluntas als einem faktisch bestehenden Streben andererseits zusammen. Was alleinig vollständig in unserer Machts steht, ist das liberum arbitrium, vermöge dessen wir zum Sein wie zu unserem eigenen Handeln Stellung nehmen können. Hier siedelt sich «das Gute, das ich will» an. Die auf ein bestimmtes Objekt gerichtete Strebensdisposition hingegen ist infolge des Sündenfalls zum Abfall von den höchsten Gütern inkliniert und affiziert damit potentiell die handlungsrelevante Macht des liberum arbitrium, das jedoch prinzipiell autonom bleibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Problem der Vereinbarkeit menschlichen Fehlverhaltens mit der Schöpfungsgüte Gottes ein und verortet die Fragestellung in der augustinischen Philosophie.

2. Bestimmung des Bösen: Hier wird das Böse ontologisch als Nicht-Sein bzw. Privation des Guten definiert, womit Augustinus sich von manichäischen Weltbildern distanziert.

3. Anthropologische Verankerung des Bösen: Das Kapitel erläutert den Abfall vom Guten durch die Spaltung des menschlichen Willens in ein autonomes Urteilsvermögen und ein durch den Sündenfall geschwächtes Streben.

4. Güterhierarchie und freier Wille: Augustinus ordnet hier die menschlichen Handlungsziele in einer Hierarchie an, in der der freie Wille als mittleres Gut fungiert, das der Ausrichtung auf das höchste Gut bedarf.

5. Bekehrungserlebnis und Gnade: Der Abschluss verdeutlicht anhand der Bekehrung Augustinus', dass die Überwindung des gespaltenen Willens letztlich nur durch die versöhnende Gnade Gottes möglich ist.

Schlüsselwörter

Augustinus, Willensfreiheit, Gnade, Böses, Privation, liberum arbitrium, voluntas, Sündenfall, Güterhierarchie, Christentum, Confessiones, Ethik, Anthropologie, Handlungsfreiheit, Theologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Augustinus' Konzept der Willensfreiheit und die Frage, wie menschliche Sündhaftigkeit mit der Vorstellung einer rein guten Schöpfung in Einklang gebracht werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Natur des Bösen, die Psychologie des menschlichen Wollens, die göttliche Gnade und die Bedeutung von Tugenden für das christliche Leben.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung fragt danach, wie die Kluft zwischen dem Wissen um das Gute und dem tatsächlichen Handeln erklärt werden kann, ohne Gott als Schöpfer des Bösen zu sehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theologische Textanalyse der Schriften Augustinus', insbesondere der "Confessiones" und "De libero arbitrio".

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die ontologische Bestimmung des Bösen, die Spaltung des Willens nach dem Sündenfall und die Rolle der Gnade bei der Hinwendung zum tugendhaften Leben.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Willensfreiheit, Privation, Gnade, liberum arbitrium und die augustinische Güterhierarchie geprägt.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen liberum arbitrium und voluntas?

Sie ist entscheidend, um zu erklären, warum der Mensch trotz eines freien Urteilsvermögens faktisch unfähig sein kann, das Gute zu tun, da das Streben (voluntas) durch den Sündenfall belastet ist.

Warum spielt das Bekehrungserlebnis Augustinus' eine zentrale Rolle?

Es dient als exemplarisches Fallbeispiel, das zeigt, dass der Mensch den Zwiespalt seines Willens aus eigener Kraft nicht überwinden kann und auf die Gnade Gottes angewiesen bleibt.

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Details

Title
Der zerrissene Wille und die versöhnende Macht der Gnade
Subtitle
Augustinus' Konzept der Willensfreiheit innerhalb der Grenzen des christlichen Glaubens
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschftliche Fakultät)
Course
Das philosophische Wissen vom Bösen
Grade
1,0
Author
Tatjana Fabrizius (Author)
Publication Year
2007
Pages
6
Catalog Number
V88441
ISBN (eBook)
9783638070997
Language
German
Tags
Wille Macht Gnade Wissen Bösen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tatjana Fabrizius (Author), 2007, Der zerrissene Wille und die versöhnende Macht der Gnade, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88441
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